62 Einzelpersonen besitzen so viel wie 3,6 Milliarden Menschen auf dieser Welt – und damit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Der Abstand zwischen den reichen und armen Menschen ist trotz schnellen wirtschaftlichen Wachstums immer noch enorm groß. Diese ungleichen Verhältnisse können in Zukunft bei aktueller Entwicklung sogar weiter zunehmen. Die soziale und globale Ungleichheit versuchen Industrieländer etwa durch Entwicklungszusammenarbeit im engeren wie weiteren Sinne zu bekämpfen. Dennoch ist der Zustand der globalen Ungleichheit immer noch präsent.
Entscheidend in dieser Arbeit ist es, eine mögliche Ursache für Armut und Ungleichheit zu analysieren. Daraus ergeben sich mögliche Handlungsfelder, um die Probleme zu lösen. Zu Beginn wird zunächst der Armutsbegriff knapp definiert. Nachdem die Grundlagen geschaffen worden sind, soll in einem kurzen Beitrag die Vermessung der globalen Armut von der Weltbank und von Oxfam dargestellt werden. Gleichzeitig wird in diesem Kapitel die These, dass die Reichen reicher und die Armen immer ärmer werden, überprüft. Im theoretischen Diskurs soll die Frage geklärt werden, ob Ungleichheit ein notwendiger und unvermeidbarer Zustand ist.
Aufbauend darauf wird im darauffolgenden Kapitel die Armutsursache vorgestellt. Im Rahmen dieser Seminararbeit und aufgrund der Komplexität wird lediglich eine mögliche und ausgewählte Ursache kritisch hinterfragt: Diese ist die Globalisierung. Neben den wirtschaftlichen Aspekten soll auch das Nord-Süd-Machtgefälle innerhalb der Finanzorganisationen dargestellt werden. Letztere haben als international agierende Organisationen besonders großen Einfluss auf die die teils hochverschuldeten Entwicklungsländer im Kontext der Globalisierung und damit auch auf die Ungleichheit. Die Rolle der Organisationen wird in diesem Teil kritisch betrachtet. Verhandlungsrunden wie die in Doha sind ein wichtiger Schritt für eine globale Kooperation, die im Endeffekt eine Reduzierung der Ungleichheit und damit Armut bewirken können. Vertreten sind hierbei über 160 verschiedene Staaten, die wiederum unterschiedliche Interessen haben. Das problematische Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Akteuren ist seit längerem bekannt. Der Konflikt aber auch das Potenzial einer solchen Verhandlungsrunde soll in diesem Kapitel erläutert werden. Die Arbeit fasst im Schlussteil die wesentlichen Aussagen und Ergebnisse in einem Fazit zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. WAS IST ARMUT?
2.1 RELATIVE VS. ABSOLUTE ARMUT
2.2 VERGLEICH ZWISCHEN FRÜHER UND HEUTE
2.3 THEORETISCHER DISKURS - IST EINE UNGLEICHHEIT NOTWENDIG?
3. DIE UMSTRITTENEN URSACHEN VON ARMUT UND UNGLEICHHEIT
3.1 GLOBALISIERUNG ALS GRUND FÜR DIE UNGLEICHHEIT
3.2 NORD-SÜD-MACHTGEFÄLLE - DIE ROLLE DER INTERNATIONALEN FINANZORGANISATIONEN
4. DIE DOHA-RUNDE – LÖSUNG UND PROBLEM ZUGLEICH
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen globaler Armut und Ungleichheit mit einem besonderen Fokus auf die Rolle der Welthandelsorganisation (WTO) und den Prozess der Globalisierung. Dabei wird hinterfragt, inwiefern internationale Institutionen und Handelsrunden dazu beitragen können, die soziale Ungleichheit zu reduzieren oder diese paradoxerweise sogar zu verstärken.
- Definition und statistische Messbarkeit von Armut (relative vs. absolute Armut)
- Kritische Analyse der Auswirkungen der Globalisierung auf die Wohlstandsverteilung
- Untersuchung des Nord-Süd-Machtgefälles innerhalb internationaler Finanzorganisationen
- Evaluierung der Doha-Runde als Instrument der Handelsliberalisierung
- Betrachtung von Verhandlungskapazitäten und Interessenkonflikten in der Weltwirtschaft
Auszug aus dem Buch
3.2 Nord-Süd-Machtgefälle - Die Rolle der internationalen Finanzorganisationen
Ungleiche Verhältnisse lassen sich nicht allein an wirtschaftlichen Statistiken zum Einkommen festmachen. Neben diesen Zahlen ist es wichtiger zu verstehen, wo weltpolitische und -wirtschaftliche Entscheidungen bezüglich des Welthandels und damit im engeren wie weiteren Sinne auch bei der Globalisierung gemacht werden. Besonders großen Einfluss auf die teils hochverschuldeten Entwicklungsländer haben Finanzorganisationen wie die WTO, IWF und die Weltbank. Gerade hier ist das Nord-Süd-Machtgefälle, zwischen den Industrie- und Schwellen- sowie Entwicklungsländern erkennbar:
Mitspracherecht: Nach dem WTO-Abkommen erfolgen Mehrheitsabstimmungen nach dem Prinzip „one-state-one-vote“ (SCHUBERT u. ZIMMER, 2015: 480). Obwohl aber die Entwicklungsländer die Mehrheit ausmachen, bleiben Beschlüsse gegen den Willen der großen Handelsmächte meist wirkungslos (ebd.). Besonders unverhältnismäßig ist die Verteilung der Stimmrechte bei der IWF und der Weltbank: Die Minderheit der Länder in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl. Abk. OECD) verfügen über die Mehrheit der Stimmrechte, die hier nicht nach dem Prinzip „one-state-one-vote“, sondern nach der Höhe der Kapitalanteile gewichtet sind (NUSCHELER, 2012: 66). So haben beispielsweise alle Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländer gemeinsam, in denen 90 Prozent der Weltbevölkerung leben, weniger Stimmen als die G7 (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die Problematik der wachsenden globalen Ungleichheit trotz wirtschaftlichen Wachstums und definiert das Ziel der Arbeit, die Ursachen und die Rolle internationaler Organisationen kritisch zu beleuchten.
2. WAS IST ARMUT?: Dieses Kapitel differenziert zwischen relativen und absoluten Armutsbegriffen, kritisiert gängige statistische Erhebungsmethoden und diskutiert theoretische Ansätze zur Notwendigkeit von Ungleichheit.
3. DIE UMSTRITTENEN URSACHEN VON ARMUT UND UNGLEICHHEIT: Das Kapitel analysiert die Globalisierung als treibenden Faktor der Ungleichheit und untersucht das bestehende Nord-Süd-Machtgefälle sowie die dysfunktionalen Strukturen internationaler Finanzorganisationen.
4. DIE DOHA-RUNDE – LÖSUNG UND PROBLEM ZUGLEICH: Hier wird die Doha-Runde als gescheiterter, aber bedeutender Versuch der Welthandelsorganisation dargestellt, die Handelsbedingungen zugunsten der Entwicklungsländer zu verbessern.
5. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Armut und Ungleichheit komplexe, systemische Probleme sind, deren Lösung faire Rahmenbedingungen und eine echte politische Partizipation auf Augenhöhe erfordern.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Armut, Globalisierung, Welthandelsorganisation, WTO, Doha-Runde, Entwicklungsländer, Nord-Süd-Konflikt, Kapitalismus, internationale Finanzorganisationen, Welthandel, Machtgefälle, Weltwirtschaft, Handelsliberalisierung, Existenzminimum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen von globaler Armut und Ungleichheit und untersucht kritisch, ob und wie die Globalisierung sowie Institutionen wie die WTO zu diesen Missständen beitragen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Armut, die Auswirkungen der Globalisierung, das Machtgefälle zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sowie die Prozesse der Welthandelsverhandlungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die umstrittenen Ursachen der globalen Ungleichheit zu identifizieren und die Rolle internationaler Finanzorganisationen bei der Gestaltung fairer globaler Handelsbedingungen zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Diskursanalyse und eine kritische Auswertung vorhandener Statistiken und Literatur, um die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichem Handeln und sozialer Ungleichheit darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition von Armut, eine Analyse der globalen Wirtschaftsstrukturen und der Rolle internationaler Organisationen sowie eine Fallstudie zur gescheiterten Doha-Runde.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Soziale Ungleichheit, Globalisierung, WTO, Nord-Süd-Machtgefälle und Doha-Runde.
Warum ist das Mitspracherecht bei der WTO und dem IWF problematisch?
Das Mitspracherecht ist problematisch, da es oft auf Kapitalanteilen basiert, wodurch Industrieländer mit einer Minderheit der Weltbevölkerung überproportional viel Macht gegenüber den Entwicklungs- und Schwellenländern ausüben.
Warum wird die Doha-Runde in der Arbeit als gescheitert betrachtet?
Die Doha-Runde gilt als gescheitert, da die beteiligten Staaten keine Einigung über faire Handelsregeln erzielen konnten und Industrieländer ihre protektionistischen Interessen gegen die Bedürfnisse der Entwicklungsländer durchsetzten.
Gibt es eine „natürliche“ Ungleichheit laut der Arbeit?
Die Arbeit führt aus, dass in liberalen Theorien Ergebnisungleichheit als Resultat individueller Leistungsunterschiede legitimiert wird, stellt jedoch die Frage, ob dies in der heutigen Leistungsgesellschaft tatsächlich unvermeidbar ist.
- Quote paper
- Hoang Long Nguyen (Author), 2017, Soziale Ungleichheit. Die umstrittenen Ursachen von globaler Armut und die Rolle der WTO, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/439040