Partizipation hat in den letzten Jahren sowohl in der politischen als auch in der pädagogischen Diskussion einen großen Stellenwert bekommen. Es ist ein sehr aktuelles und präsentes Thema, über das Politiker und Fachkräfte in sozialpädagogischen Einrichtungen weitreichend diskutieren, da es oft zu Streitpunkten führt, in wie weit gerade Kinder, die sich in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung befinden, in der Lage sind, sich aktiv an Entscheidungen zu beteiligen und mitzubestimmen.
Einerseits steht eine demokratische Erziehung zur Selbstständigkeit und Mündigkeit im Vordergrund, die auch Partizipation miteinschließt und Kinder als aktive Gestalter ihrer Umwelt sieht. Andererseits wird darüber diskutiert, inwieweit Kinder überhaupt fähig sind, ihren Alltag mitzugestalten und relevante Entscheidungen zu treffen, da Kindeswille und Kindeswohl durchaus konträre Ansichten vertreten können und Kinder auf Grund dessen geschützt werden müssen. Deshalb wirft sich die Frage auf, wie viel Freiraum man den Kindern bei Entscheidungen einräumen kann.
In dieser Hausarbeit mit dem Thema „Können Kinder selbst bestimmen, was sie lernen wollen? – Kritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Partizipation in Kindertagesstätten auf Grundlage verschiedener partizipatorischer Methoden“ soll also folglich sowohl diskutiert werden, welche Möglichkeiten Partizipation für Kinder in Kindertagesstätten bietet und wie sie umgesetzt werden können, als auch, wo die Grenzen von Partizipation im frühkindlichen Bereich liegen.
Ziel dieser Arbeit ist es darzustellen, warum Partizipation schon im frühkindlichen Bildungsbereich relevant ist und einen großen Stellenwert einnehmen sollte. Außerdem sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie Partizipation in der Praxis umgesetzt werden kann und in welchen Aspekten es gegebenenfalls noch weiteren Handlungsbedarf gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definitionen von Partizipation
2.2 Rechtliche Grundlagen
3. Grundannahmen
3.1 Bild vom Kind
3.2 pädagogische Grundhaltung
4. Methoden der Partizipation im Kita-Alltag
4.1 Mitbestimmungsmöglichkeiten
4.2 Projektarbeit
4.3 Kinderkonferenz
5. Kritische Reflexion der Umsetzung von Partizipation
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen von Partizipation in Kindertagesstätten, um zu klären, inwieweit Kinder aktiv an der Gestaltung ihres Alltags und ihrer Lernprozesse mitwirken können. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie eine demokratische Erziehung durch pädagogische Fachkräfte unterstützt werden kann.
- Bedeutung und Definition von Partizipation im pädagogischen Kontext
- Rechtliche Grundlagen der Mitbestimmung von Kindern
- Pädagogische Haltung und Bild vom Kind
- Methoden wie Kinderkonferenzen und Projektarbeit in der Praxis
- Kritische Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen kindlicher Beteiligung
Auszug aus dem Buch
4.3 Kinderkonferenz
"Eine Kinderkonferenz ist eine [weitere] Art, Kinder am Einrichtungsleben zu beteiligen. Kinder können in eine Kinderkonferenz ihre Themen, Fragen, Ideen, Sorgen und Nöte einbringen. Die Gruppe kann die Themen aufgreifen, diskutieren und daraus Neues entwickeln“ (Vollmer 2012, 132).
Kinderkonferenzen stellen eine offene Form der Beteiligung dar. Die offene Form grenzt sich insofern von der repräsentativen Beteiligungsform ab, indem es bei letzterer darum geht, dass eine kleine Gruppe ausgewählter Kinder, zum Beispiel in Form eines Kinderrates oder -parlamentes, stellvertretend für alle anderen Kinder der Kindertageseinrichtung Entscheidungen trifft. Bei der offenen Form hingegen geht man von einer Gruppe von Kindern aus, die sich für ein Thema interessieren und sich darüber verständigen wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Partizipation im frühkindlichen Bereich und Darstellung der zentralen Fragestellung der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Begriffsdefinition von Partizipation sowie der rechtlichen Verankerung der Kinderrechte auf internationaler und nationaler Ebene.
3. Grundannahmen: Darstellung der notwendigen Voraussetzungen hinsichtlich des Bildes vom Kind und der pädagogischen Grundhaltung der Fachkräfte für eine gelingende Mitbestimmung.
4. Methoden der Partizipation im Kita-Alltag: Vorstellung konkreter Beteiligungsformate wie alltägliche Mitbestimmung, Projektarbeit und Kinderkonferenzen.
5. Kritische Reflexion der Umsetzung von Partizipation: Diskussion der Chancen und Grenzen der Beteiligung anhand von Evaluationsergebnissen und dem Kindeswohl-Konflikt.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Partizipation als Grundstein für demokratische Kompetenzen und Mündigkeit bei Kindern.
Schlüsselwörter
Partizipation, Kindertagesstätte, Kinderrechte, Demokratiebildung, Pädagogik, Mitbestimmung, Projektarbeit, Kinderkonferenz, Selbstbestimmung, Kindeswohl, frühkindliche Bildung, Selbstbildung, pädagogische Haltung, Selbstkompetenz, Sozialkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der demokratischen Teilhabe von Kindern in Kindertageseinrichtungen und untersucht, wie Partizipation in den pädagogischen Alltag integriert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen theoretische Definitionen, gesetzliche Rahmenbedingungen, das erforderliche Bild vom Kind und konkrete methodische Umsetzungsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten der aktiven Mitbestimmung für Kinder aufzuzeigen und zu diskutieren, wo die Grenzen dieser Beteiligung liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse relevanter Fachliteratur sowie der Auswertung von Praxisbeispielen, insbesondere des Modellprojekts „Die Kinderstube der Demokratie“.
Was wird im Hauptteil detailliert besprochen?
Im Hauptteil werden methodische Ansätze wie die Kinderkonferenz und Projektarbeit sowie die pädagogischen Voraussetzungen für eine dialogische Haltung detailliert erläutert.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Partizipation, Demokratiebildung, Selbstbestimmung, Mitbestimmung und kindgerechte Kommunikation charakterisiert.
Warum ist das "Bild vom Kind" für Partizipation so entscheidend?
Weil Fachkräfte nur dann echte Partizipation zulassen können, wenn sie Kinder als kompetente Akteure und Subjekte mit eigenen Rechten begreifen, anstatt sie nur als zu belehrende Individuen zu sehen.
Wie unterscheidet sich die Kinderkonferenz von einem normalen Stuhlkreis?
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass bei der Kinderkonferenz aus den besprochenen Anliegen konkrete Planungen und Entscheidungen resultieren, die verbindlich sind.
Welche Grenzen der Partizipation werden genannt?
Die größte Grenze bildet das Kindeswohl; wenn der Kindeswille eine Gefährdung für das Kind darstellt, müssen Fachkräfte eingreifen und können keine uneingeschränkte Selbstbestimmung zulassen.
- Arbeit zitieren
- Michelle Böhm (Autor:in), 2018, Können Kinder selbst bestimmen, was sie lernen wollen? Kritische Auseinandersetzung mit der Verwirklichung von Partizipation in Kindertagesstätten auf Grundlage verschiedener partizipatorischer Methoden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/437995