Eine Kultur, eingebettet in einer anderen Kultur - kann es das geben? Ute Marie Metje beschäftigte sich mit obdachlosen jungen Frauen am Hamburger Hauptbahnhof, mit Mädchen also, die unserem westlichen Kulturkreis angehören, deren Leben jedoch anderen Normen folgt, als wir es gewohnt sind. Ihr Leben folgt anderen Regeln, den Regeln der „Szene“, in der sie sich bewegen, die überwiegend von Prostitution und Drogen bestimmt wird. Verschiedene junge Frauen wurden über drei Jahre lang in ihrem Milieu beobachtet und befragt, sowohl auf der Straße als auch im KIDS, einer Einrichtung speziell für obdachlose Jugendliche.
In dieser Hausarbeit werden zunächst die Forschungsmethoden vorgestellt, dann der Inhalt der Monographie grob umrissen und letztendlich gezeigt, wie die Mädchen in ihrer Kultur von Metje dargestellt werden. Metje formuliert in ihrer Monographie das Ziel, den Jugendlichen eine Stimme zu geben und ihnen Gehör zu verschaffen, damit der Leser Verständnis für die Normen des Straßenmilieus entwickeln kann. Wie ihr das gelingt, soll ebenfalls eine zentrale Frage dieser Abhandlung sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methoden und Inhalte der Monographie
2.1. Die methodische Arbeit
2.2. Zentrale Inhalte der Monographie
2.2.1. Der Bahnhof
2.2.2. Die Straße
2.2.3. Das KIDS
2.3. Wie werden die Menschen in der untersuchten Kultur repräsentiert?
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethnologische Monographie "Zuhause im Übergang" von Ute Marie Metje. Ziel ist es, die Forschungsmethodik der Autorin zu analysieren, die spezifischen Lebenswelten obdachloser junger Frauen am Hamburger Hauptbahnhof zu verstehen und aufzuzeigen, wie Metje diese Frauen als Individuen in ihrer eigenen Kultur repräsentiert.
- Methodische Ansätze der ethnologischen Feldforschung
- Der Hamburger Hauptbahnhof, die Straße und das KIDS als Handlungsräume
- Handlungsstrategien obdachloser Jugendlicher
- Repräsentation fremder Kulturen innerhalb der eigenen Gesellschaft
- Die Rolle der Subjektivität des Forschers
Auszug aus dem Buch
2.1. Die methodische Arbeit
Jedes Feld erfordert bestimmte Forschungsmethoden, damit der Forscher zu einem repräsentativen Ergebnis kommen kann. Die Besonderheiten der Hamburger Bahnhofsszene sind zum Ersten, dass hier eine hohe Unbeständigkeit der Erforschten anzutreffen ist. Es handelt sich um ein offenes Feld, in welchem Mitglieder ständig wechseln, so dass eine intensive Arbeit mit Einzelnen nahezu unmöglich wird. Zum Zweiten stößt der Forscher auf eine Kultur, die sich öffentlich in einer anderen, hier in diesem Fall Unserer, inszeniert. Bei der Erforschung des „Fremden im eigenen Land“ müssen Gemeinsamkeiten genauso wie Unterschiede der Kulturen im Blickpunkt der Forschung stehen.
Ute Marie Metje bedient sich daher eines mikroskopischen Forschungsansatzes, dessen Fragestellungen sich auf den Alltag der Mädchen innerhalb ihres Milieus beziehen.
Als Ziel ihrer Studie formuliert sie als die „Suche nach den Stimmen der Jugendlichen“ (Metje 2005: 18), mit Hilfe derer Sie einen Einblick in das Leben der Mädchen geben möchte. Sie zeigt mit ihrer Arbeit, dass das Leben nicht nur kriminell und unmoralisch ist, sondern auch hart und zermürbend für die jungen Mädchen, die oft nicht wissen, wo sie die nächste Nacht verbringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der obdachlosen Mädchen am Hamburger Hauptbahnhof ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Forschungsmethoden und Darstellungsweise von Ute Marie Metje zu beleuchten.
2. Methoden und Inhalte der Monographie: Dieses Kapitel erläutert die angewandten ethnologischen Methoden, analysiert die drei zentralen Lebensorte der Jugendlichen und diskutiert die Art der kulturellen Repräsentation durch die Forscherin.
3. Fazit: Das Fazit würdigt die hohe Qualität der Monographie, die durch eine detaillierte und respektvolle Beobachtung der heterogenen Lebenswege der Mädchen überzeugt.
Schlüsselwörter
Kulturwissenschaft, Ethnologie, Ute Marie Metje, Hamburger Hauptbahnhof, Obdachlosigkeit, Jugendliche, Feldforschung, teilnehmende Beobachtung, Dichte Beschreibung, Ethnopsychoanalyse, Handlungsstrategien, Repräsentation, Straßenmilieu, Subjektivität, Jugendliche Lebenswelten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer ethnologischen Analyse der Monographie "Zuhause im Übergang" von Ute Marie Metje, welche die Lebenswelt obdachloser junger Frauen am Hamburger Hauptbahnhof dokumentiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Lebensbedingungen von Jugendlichen in der Bahnhofsszene, die verschiedenen Orte ihres Alltags sowie die Herausforderungen ethnologischer Forschung im eigenen Kulturkreis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Metje durch spezifische Methoden den Jugendlichen eine Stimme gibt und den Leser dazu befähigt, die Normen und Handlungsstrategien des Straßenmilieus besser nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Monographie verwendet?
Metje nutzt vor allem die teilnehmende Beobachtung sowie die "Dichte Beschreibung", ergänzt durch einen ethnopsychoanalytischen Ansatz, der die Subjektivität der Forscherin reflektiert einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Herangehensweise, die detaillierte Beschreibung der drei "Bühnen" (Bahnhof, Straße, KIDS) und eine kritische Betrachtung der Repräsentation der Mädchen durch die Autorin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie Kulturwissenschaft, Ethnologie, Feldforschung, Jugend-Obdachlosigkeit und Repräsentation beschreiben.
Warum betrachtet die Autorin den Bahnhof als eine "Bühne"?
Die Metapher der Bühne wird verwendet, um zu veranschaulichen, dass die Jugendlichen ihr Verhalten und ihre Selbstdarstellung an den jeweiligen Ort anpassen, an dem sie sich gerade aufhalten.
Welche Bedeutung hat das KIDS für die obdachlosen Mädchen?
Das KIDS fungiert als ein wichtiger Schonraum, der sich stark vom harten Alltag auf der Straße abhebt und den Mädchen ermöglicht, dort "normale" jugendliche Verhaltensweisen auszuleben.
- Quote paper
- Marlene Schulze (Author), 2011, Das Fremde in der eigenen Kultur. Ute Metjes Monographie "Zuhause im Übergang. Mädchen und junge Frauen am Hamburger Hauptbahnhof", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/437689