Die Zielsetzung der Arbeit ist die moralische Abwägung der Global Business Services Strategie der Lufthansa Group auf Basis der Theorie des Utilitarismus. Die Untersuchung soll die positiven und negativen Folgen für das Allgemeinwohl durch Zusammenlegung von Dienstleistungen in internationalen Konzernen aufzeigen. Diese werden hypothetisch untersucht, da die faktische Bestimmung des Nutzens der Allgemeinheit (siehe Kritik in Kapitel 3.2) nur schwer bestimmbar ist und da der Autorin nur öffentliche, keine konzerninternen (Lufthansa), Informationen vorliegen.
Die Definition und Relevanz von Shared Service Centern in Europa und ihre Weiterentwicklung zu eigenständigen Geschäftsbereichen von Konzernen wird in Kapitel 2.1 aufgezeigt. In Kapitel 2.2 wird die Gründung von Lufthansa Global Business Services und die Folgen für andere Unternehmensbereiche und ihre Mitarbeiter erläutert. In Kapitel 3 soll die Theorie des Utilitarismus kurz erklärt werden, um Lufthansa Global Business Services in Kapitel 4 moralisch zu untersuchen. Kapitel 5 fasst die Arbeit zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Shared Services
2.1 Entwicklung und Definition
2.2 Lufthansa Global Business Services
2.2.1 Unternehmen
2.2.2 Umstrukturierung
2.2.3 Leitung
2.2.4 Standort Fallbeispiele
3 Utilitarismus
3.1 Grundsätze
3.2 Kritik
4 Utilitaristische Untersuchung von Lufthansa Global Business Services
4.1 Deutschland
4.2 Global
4.2.1 Arbeitsmarkt und Wohlstand
4.2.2 Freude und Glück
4.2.3 Kunden
4.2.4 Umwelt
4.2.5 Geistig und Sinnlich
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Strategie der "Global Business Services" der Lufthansa Group mithilfe der ethischen Theorie des Utilitarismus moralisch zu bewerten und die Auswirkungen auf das Allgemeinwohl zu analysieren.
- Grundlagen und Definition von Shared Service Centern in europäischen Konzernen.
- Die Umstrukturierung der Lufthansa Group zu einem zentralisierten Geschäftsmodell.
- Einführung in die utilitaristische Ethik sowie deren kritische Würdigung.
- Untersuchung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen für Mitarbeiter und Kunden in Deutschland und an internationalen Standorten.
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Standort Fallbeispiele
Der Lufthansa Revenue Services GmbH Standort in Norderstedt in Schleswig-Holstein mit 340 Mitarbeitern, ehemals sogar bis zu 600 Mitarbeitern, wurde 2017 geschlossen. Das Unternehmen wurde geteilt in Lufthansa Job Services und Lufthansa Global Business Services. Ein Teil der Norderstedt Mitarbeiter konnte zu Lufthansa Global Business Services am Standort Hamburg übergehen, der Rest hingegen sollte das Unternehmen sozial verträglich verlassen, zum Beispiel in Rente und Altersteilzeit gehen. Der Betriebsrat blieb mit seinem Vorschlag die Stellen stattdessen über 11 Jahre abzubauen ungehört. Die Auswahl der 120 Mitarbeiter, die nach Hamburg übernommen wurden, fand ohne Sozialauswahl, zum Beispiel nach Familie und Alter, statt und erschien Beobachtern „willkürlich“ (Vgl. Schick, 2015). Auch Allein erziehen, Schwerbehinderung und lange Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter fanden wohl keine Beachtung bei der Entscheidung. Die Geschäftsleitung warb hingegen ein „außergewöhnliches“ (Vgl. Schick, 2015) Konzept für die Entlassenen: Es wurden Fortbildungen und Seminare zur Weiterentwicklung angeboten. 36 ehemalige Mitarbeiter nahmen dies an. Des Weiteren fanden 63 von den nicht übernommenen Lufthansa Revenue Services Mitarbeitern konzernintern eine neue Stelle und 53 schlossen Aufhebungsverträge. (Schick, 2015; Jaeger, 2013)
Brisant war die Bekanntgabe der Entscheidung zur Schließung des Standorts 2013. Die Nachricht verbreitete sich bevor die damaligen Mitarbeiter informiert wurden schon über Facebook und Nachrichtenservices. Nach dem Beschluss der Vorstandssitzung musste „der Finanzmarkt aus rechtlichen Gründen“ (Vgl. Jaeger, 2013) sofort benachrichtig werden. Die Mitarbeiter erhielten danach am Abend eine Not E-Mail vom Geschäftsführer. Die Belegschaft protestierte daraufhin am Standort und auch regionale Politiker zeigten ihre Empörung. (Schick, 2015; Jaeger, 2013)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Global Business Services Strategie der Lufthansa Group unter utilitaristischen Gesichtspunkten moralisch zu hinterfragen.
2 Shared Services: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung von Shared Service Centern sowie die spezifische Umstrukturierung und Leitung bei der Lufthansa Global Business Services.
3 Utilitarismus: Hier werden die ethischen Grundprinzipien des Utilitarismus vorgestellt und kritisch beleuchtet.
4 Utilitaristische Untersuchung von Lufthansa Global Business Services: Dieser Teil analysiert die Folgen der Konzernumstrukturierung auf Arbeitsmärkte, Wohlstand, Kundenzufriedenheit, Umwelt und geistige Werte.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Nutzensteigerungen gegenüber den entstandenen sozialen und emotionalen Belastungen durch die Restrukturierung.
Schlüsselwörter
Lufthansa, Shared Services, Utilitarismus, Ethik, Global Business Services, Outsourcing, Offshoring, Arbeitsmarkt, Umstrukturierung, Kostenersparnis, Moral, Unternehmensführung, Mitarbeiter, Wirtschaftsethik, Nutzenmaximierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moralische Vertretbarkeit der "Global Business Services" Strategie der Lufthansa Group auf Basis der utilitaristischen Ethik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Shared Service Center, Unternehmensumstrukturierungen bei der Lufthansa, die ethische Theorie des Utilitarismus und eine Folgenabschätzung für verschiedene Stakeholder.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, zu untersuchen, ob die durch Zentralisierung und Offshoring erzielten Einsparungen und Vorteile für die Allgemeinheit die negativen Auswirkungen für einzelne Mitarbeitergruppen moralisch rechtfertigen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine moralphilosophische Untersuchung angewandt, die das utilitaristische Konsequenzprinzip auf die realen Ereignisse der Lufthansa-Umstrukturierung anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Utilitarismus und eine praktische Untersuchung der Folgen für Standorte, Mitarbeiter, Kunden und die Umwelt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wirtschaftsethik, utilitaristische Kosten-Nutzen-Analyse, Shared Services und Konzernstrategie sind die maßgeblichen Begriffe.
Wie bewertet der Autor die Auswirkungen auf die betroffenen Mitarbeiter in Norderstedt?
Der Autor zeigt auf, dass der Prozess dort als willkürlich wahrgenommen wurde und zu erheblichem persönlichem Leid durch den Verlust von Arbeitsplätzen bei gleichzeitig mangelhafter sozialer Auswahl führte.
Welche Rolle spielt die Kritik am Utilitarismus für die Untersuchung?
Die Kritik verdeutlicht die Schwierigkeit, das Glück aller Menschen präzise zu bestimmen und zeigt auf, dass eine "Nutzungssteigerung" oft auf Kosten einzelner Gruppen geht.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2018, Die Moral in der Shared Service Industrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/437262