Gewalt und Mobbing bzw. Bullying unter Kindern und Jugendlichen sind Themen, die vor allem in den letzten Jahrzehnten in der Öffentlichkeit an Bedeutung zugenommen haben. Im Bereich der Schule liegt hierbei ein besonderer Schwerpunkt. Mobbing und Bullying sind ernstzunehmende Probleme. Dies belegen u.a. die Ergebnisse der PISA-Studie aus dem Jahr 2015, aus denen hervorgeht, dass insgesamt 15,7 Prozent der Schüler regelmäßig Opfer von Mobbing und Bullying sind. Demnach ist jeder sechste Schüler davon betroffen. Kinder und Jugendliche entwickeln während ihrer schulischen Laufbahn nicht nur ihre intellektuellen Fähigkeiten, dort findet auch ein großer Teil ihrer Persönlichkeitsentwicklung statt. Gewalt- und Mobbingübergriffe können diese Entwicklungen sehr stark beeinträchtigen und haben nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Täter und die ganze Klasse oft massive Auswirkungen. Jedoch bleiben viele dieser Vorfälle unentdeckt oder unbearbeitet. Lehrerkräfte sind ratlos und überfordert. Ihnen fehlt einerseits die Zeit, aufmerksam zuzuhören und sich mit dem Thema ausreichend zu beschäftigen, andererseits die Kompetenzen, wie Mobbing aufgelöst oder präventiv dagegen vorgegangen werden kann. Zudem werden Fälle dieser Art oft verharmlost oder heruntergespielt, was die Vermutung zulässt, dass Schüler sich nicht ernst genommen fühlen und zu dem Entschluss kommen, sich in Zukunft nicht mehr an ihre Lehrer zu wenden. Doch nicht nur das Lehrpersonal, sondern auch den Eltern ist der Leidensdruck der Betroffenen oft nicht bewusst. Dies erschwert es, Mobbing und Bullying aufzudecken bzw. ernst zu nehmen und zu bearbeiten. Jedoch ist es gerade bei Gewalt- und Mobbingvorfällen an der Schule wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen eine feste Bezugsperson haben, an die sich vertrauensvoll wenden können. Dies sollte die Schulsozialarbeit übernehmen, da diese es ermöglicht, derartige Themen zu bearbeiten und präventiv dagegen vorzugehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung
2. Mobbing bzw. Bullying an Schulen – eine spezielle Form von Gewalt
2.1 Definition und Formen von Gewalt
2.2 Definition Mobbing und Bullying – eine Abgrenzung
2.3 Rollen
2.4 Risikoerhöhende Bedingungen
2.5 Folgen für Opfer und Täter
3. Schulsozialarbeit
3.1 Definition und Arbeitsmethoden
3.2 Konzepte
3.2.1 Die Farsta-Methode:
3.2.2 Der No Blame Approach:
4. Schlussfolgerungen
5. Exkurs
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Handlungsmöglichkeiten und Grenzen der Sozialen Arbeit bei der Prävention und Intervention von Gewalt und Bullying im schulischen Kontext unter Einbeziehung verschiedener pädagogischer Konzepte.
- Theoretische Fundierung von Gewalt, Mobbing und Bullying
- Analyse der Rollenverteilung in Bullyingsituationen
- Betrachtung risikoerhöhender Bedingungen für Täter und Opfer
- Vorstellung und Evaluation von Interventionskonzepten wie der Farsta-Methode und dem No Blame Approach
- Bedeutung der Schulsozialarbeit bei der Bewältigung schulischer Gewalt
Auszug aus dem Buch
2.3 Rollen
Wie bereits in 2.2 erwähnt, finden Bullying sowie Mobbing in sozialen Gruppen statt. Dementsprechend gibt es auch verschiedene Rollen. Allerdings gibt es nicht nur einen Täter und ein Opfer, sondern viele unterschiedliche Rollen. Christina Salmivalli, Psychologieprofessorin aus Finnland, beschäftigte sich in mehreren Studien mit der Rollenverteilung in Bullyingsituationen und hielt im sozialen Rollenansatz (participant-role-approach) fest: 5,7 Prozent der Schüler werden als Opfer bezeichnet (victims). Ableitend von der Definition von Mobbing bzw. Bullying nach Olweus gilt als Opfer, wer über einen längeren Zeitraum relativ regelmäßig ausgestoßen, gedemütigt oder geschlagen wird etc. und sich aus eigener Kraft nicht dagegen wehren kann. 8,5 Prozent gelten als Täter (bullys), wobei es einen oder mehrere Täter geben kann. Sie sind diejenigen, von denen das Bullying ursprünglich ausgeht. 10,8 Prozent sind Assistenten der Täter (assistents), 15,2 Prozent Verstärker der Täter (reinforcer) und 32 Prozent Nichtbeteiligte (outsiders). Hat der Täter angefangen, sind die Assistenten bereit, ihn dabei zu unterstützen, indem sie das Opfer bspw. festhalten. Die Verstärker machen einen relativ großen Teil der Gruppe aus und ermutigen den Täter in seinem Tun, indem sie lachen oder ihn zum Weitermachen animieren, was den Täter zusätzlich motiviert. Sie stellen somit das Publikum der Szene dar. Nichtbeteiligte halten sich fern und stehen für keine der beiden Seiten ein. Hierdurch sind sie dennoch nicht unbeteiligt, da sie das Mobbing nicht verhindern und so erlauben, dass es weitergeht. Ein Grund hierfür kann sein, dass es ihnen nicht auffällt. Der Großteil schweigt jedoch, da sie Angst haben, selbst zum Opfer zu werden. Da die Nichtbeteiligten den mit Abstand größten Teil in dieser Verteilung darstellen, ist es besonders wichtig, dass sie nicht wegschauen, sondern den Tätern Einhalt gebieten und ihnen mitteilen, dass sie dieses Verhalten nicht tolerieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: Diese Einleitung thematisiert die zunehmende Bedeutung von Gewalt und Mobbing an Schulen sowie die Notwendigkeit sozialpädagogischer Unterstützung.
2. Mobbing bzw. Bullying an Schulen – eine spezielle Form von Gewalt: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, Abgrenzungen und Rollenkonstellationen sowie die Folgen und Risikofaktoren von Bullying.
3. Schulsozialarbeit: Hier werden Definitionen, Arbeitsmethoden und spezifische Interventionskonzepte wie die Farsta-Methode und der No Blame Approach dargestellt.
4. Schlussfolgerungen: Das Fazit bewertet die vorgestellten Interventionsprogramme und diskutiert die Rolle der Schulsozialarbeit im schulischen Alltag.
5. Exkurs: Dieser Abschnitt thematisiert die Ausweitung von Bullying auf soziale Netzwerke und stellt die Kampagne „Wenn Worte weh tun“ vor.
Schlüsselwörter
Bullying, Mobbing, Gewalt, Schule, Schulsozialarbeit, Prävention, Intervention, Farsta-Methode, No Blame Approach, Rollenverteilung, Täter, Opfer, Cybermobbing, Sozialpädagogik, Schüler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von Gewalt und Bullying an Schulen sowie den Möglichkeiten der Sozialen Arbeit, diesen Phänomenen durch gezielte Prävention und Intervention zu begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und Abgrenzung von Mobbing und Bullying, der Analyse von Rollen innerhalb sozialer Gruppen und der Bewertung verschiedener schulsozialpädagogischer Konzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit aufzuzeigen, um Gewalt und Bullying unter Schülern entgegenzuwirken oder diese präventiv zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Literaturanalyse sowie die Untersuchung bereits evaluierter Interventionsprogramme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Rahmenbedingungen von Bullying, die Rollen der Beteiligten, sowie konkrete Ansätze wie das Anti-Bullying-Konzept nach Olweus, die Farsta-Methode und den No Blame Approach.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bullying, Prävention, Interventionskonzepte, Schulsozialarbeit und soziale Rollenverteilung charakterisiert.
Was ist das besondere an der Farsta-Methode?
Die Farsta-Methode zeichnet sich durch einen verhörähnlichen, strukturierten Ansatz aus, der von einem kleinen, spezialisierten Team durchgeführt wird und klare Konsequenzen bei Regelbrüchen in den Vordergrund stellt.
Warum wird der No Blame Approach als besonders erfolgreich hervorgehoben?
Er gilt als erfolgreich, da er auf Schuldzuweisungen verzichtet, die ganze Klasse in die Lösungsfindung einbezieht und auf die Förderung sozialer Kompetenzen bei den Schülern setzt.
Welche Rolle spielt die Schulsozialarbeit in Bezug auf Cybermobbing?
Der Exkurs zeigt, dass Schulsozialarbeit auch in der digitalen Welt durch Aufklärung und Sensibilisierung dazu beitragen muss, ein Bewusstsein für die Auswirkungen von Worten und Beleidigungen in sozialen Netzwerken zu schaffen.
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- Tamara Yvonne Kurz (Author), 2017, Mobbing und Bullying unter Schülern und Schülerinnen. Interventionsmethoden der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/435197