Offensichtlich vermittelt Sorg dem Leser im ersten Teil seines Buches einen kurzen Einblick in marxistische Grundprobleme. Der materialistische Ansatz, die Basis-Überbaulehre, die Arbeitswerttheorie, die von Sorg verwendete neomarxistische Beschreibung des Ideologiebegriffs und die Kurzcharakteristik des Ideologiebegriffs durch Lenin könnten dann in der folgenden Ideologiediskussion den Rahmen umschreiben, an dem sich Sorg argumentativ orientiert. Der zweite Schritt, eine Zusammenfassung der Kritik Sorgs an bürgerlichen Ideologietheoretikern geht über die Aufgabenstellung des Referats hinaus.
Die Gefährlichkeit von Ideologien zeigte sich z.B. in der Polenpolitik der absolutistischen Monarchien Preußen, Habsburg und Russland sowie in der Zusammenarbeit zwischen dem faschistischen NS-Deutschland und der stalinistischen Sowjetunion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zu den Folgen der Arbeitsteilung
3. Zur Basis-Überbaulehre
4. Die soziale Ideologiefunktion nach Sorg
5. Warenproduktion und bürgerliches Bewusstsein
6. Die Weiterentwicklung des Ideologiebegriffs durch Lenin und der Charakter des sozialistischen Bewusstseins
7. Schlussteil
8. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die grundlegenden Thesen, Argumente und Probleme der marxistisch-leninistischen Ideologietheorie zusammenfassend darzustellen. Dabei wird insbesondere die Kritik von Marx und Engels an gesellschaftlichen Überbauerscheinungen sowie deren Weiterentwicklung durch Lenin analysiert.
- Grundlagen der marxistischen Ideologietheorie und der Begriff des „bürgerlichen Bewusstseins“
- Die Auswirkungen der Arbeitsteilung auf das menschliche Bewusstsein und die Klassengesellschaft
- Die Basis-Überbau-Lehre als materialistisches Erklärungsmodell
- Die ökonomischen Wurzeln des Warenfetischismus und der Kapitalillusion
- Lenins Konzept des Klassenbewusstseins und die Rolle der Partei
Auszug aus dem Buch
5. Warenproduktion und bürgerliches Bewusstsein
Marx befasste sich bei der Untersuchung von Basisprozessen mit den Entwicklungsformen der Warenproduktion, den Austauschverhältnissen der in einer arbeitsteiligen, privatwirtschaftlichen Industriegesellschaft hergestellten Güter, mit den Bewegungen des Werts, mit den sich ändernden Wertgrößen. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er der kapitalistischen Warenproduktion und ihren bewusstseinsmäßigen Entsprechungen, die sich charakterisieren in der eigentümlichen Verkehrung der Abhängigkeitsbedingungen von Produzent und Produkt, in der Vorstellung vom Kapital als selbstständige Produktivkraft.
Arbeitsteilung und Privateigentum sind nach Marx die Ursachen dafür, dass die Austauschbeziehungen und die Arbeit nicht mehr wie in einer auf Gemeineigentum basierenden Wirtschaftsform unmittelbarer, sondern lediglich mittelbarer gesellschaftlicher Natur sind. In der arbeitsteiligen Privatwirtschaft, die auf den Austausch ihrer Produkte angewiesen ist, gewinnt die Arbeit nach Marx Doppelcharakter, indem sie a) konkrete Gebrauchswerte und b) abstrakte Tauschwerte schafft. Im einfachen Tauschhandel fungierte eine Ware als Äquivalent, als Wertkörper einer anderen Ware und drückte den relativen Wert der anderen Ware aus. Dadurch, dass konkrete menschliche Arbeit Waren schafft, deren Wert die zu deren Herstellung notwendige Arbeitszeit ist, werden Waren austauschbar. Erst der Austausch der Privatarbeiten vermittelt das Verhältnis der Produzenten als mittelbar gesellschaftliches; im Austausch der Waren erscheinen Privatarbeiten als Teil gesellschaftlicher Gesamtarbeit. Der Fetischismus der Warenproduktion besteht nach Sorg darin, dass konkret-gesellschaftliche Arbeit im abstrakten Tauschwert von Dingen erscheint, dass die in der Produktion verausgabte lebendige Arbeitskraft dem eigenständigen Wert der Ware zugeschrieben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die marxistisch-leninistische Ideologietheorie ein und differenziert zwischen dem begrenzten und einem weiter gefassten Ideologiebegriff.
2. Zu den Folgen der Arbeitsteilung: Hier wird analysiert, wie die arbeitsteilige Produktion zur Entfremdung und zur Spaltung der Gesellschaft in Kopf- und Handarbeiter führt.
3. Zur Basis-Überbaulehre: Das Kapitel erläutert, wie ökonomische Bedingungen die gesellschaftlichen Überbauformen wie Politik, Recht und Bewusstsein prägen.
4. Die soziale Ideologiefunktion nach Sorg: Es wird untersucht, wie Ideologien als Ausdruck klassenspezifischer Interessen fungieren und zur Stabilisierung der bestehenden Verhältnisse beitragen.
5. Warenproduktion und bürgerliches Bewusstsein: Dieses Kapitel behandelt den Fetischcharakter der Warenwelt und die Entstehung der Illusion vom Kapital als eigenständige Produktivkraft.
6. Die Weiterentwicklung des Ideologiebegriffs durch Lenin und der Charakter des sozialistischen Bewusstseins: Hier wird diskutiert, wie Lenin den Ideologiebegriff auf die Arbeiterbewegung anwandte und welche Rolle die Partei bei der Herausbildung eines sozialistischen Klassenbewusstseins spielt.
7. Schlussteil: Der Schlussteil reflektiert die zentralen Argumente des Autors und ordnet die Ausführungen als eine Einleitung zur weiteren Ideologiediskussion ein.
8. Literaturliste: Die Literaturliste führt alle im Text verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.
Schlüsselwörter
Marxismus, Leninismus, Ideologie, Arbeitsteilung, Basis-Überbau-Lehre, Klassenbewusstsein, Warenproduktion, Warenfetischismus, Kapital, Mehrwert, Entfremdung, Klassengesellschaft, materialistischer Ansatz, wissenschaftlicher Sozialismus, Produktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich mit den theoretischen Grundzügen der marxistisch-leninistischen Ideologietheorie auseinander und erläutert, wie ökonomische Strukturen gesellschaftliches Bewusstsein formen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Auswirkungen der Arbeitsteilung, die Basis-Überbau-Dialektik, der Warenfetischismus sowie die Konzeption von Klassenbewusstsein durch Lenin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine zusammenfassende Darstellung der marxistischen Kategorien sowie deren kritische Einordnung im Kontext der Ideologieentwicklung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine materialistische Analyse auf Basis der Werke von Marx, Engels und Lenin angewandt, ergänzt durch die Aufarbeitung von Richard Sorg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Entfremdung durch Arbeitsteilung, die ökonomischen Determinanten des Überbaus und die Transformation von Ideologie im Zuge der kapitalistischen Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ideologie, Klassenkampf, Basis-Überbau-Lehre, Warenfetischismus und Klassenbewusstsein.
Wie unterscheidet sich der Ideologiebegriff bei Marx von der Auffassung Lembergs?
Während Marx Ideologie primär als „verkehrtes“ Bewusstsein in einer Klassengesellschaft deutet, sieht Lemberg sie allgemeiner als ein systembildendes Weltanschauungselement.
Warum spielt die Partei laut Lenin eine entscheidende Rolle für das Bewusstsein der Arbeiter?
Die Partei fungiert als „wissenschaftlich“ ausgerüsteter Teil, der die Arbeiter vor den ideologischen Einflüssen der kapitalistischen Produktion schützen soll.
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- Dr. phil. Volker Beckmann (Author), 1978, Zusammenfassende Darstellung der wichtigsten Thesen, Argumente und Probleme der Ideologietheorie von Marx und Engels und ihrer Weiterentwicklung durch Lenin, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/434381