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Rechtspluralismus und Paralleljustiz in Somalia. Pluralistische Strukturen des Rechts unter Einfluss von Staatlichem Recht, Xeer und Scharia

Titel: Rechtspluralismus und Paralleljustiz in Somalia. Pluralistische Strukturen des Rechts unter Einfluss von Staatlichem Recht, Xeer und Scharia

Seminararbeit , 2017 , 37 Seiten , Note: 14 Pkt., juristische Notenskala

Autor:in: Dipl.-Jur. Jakob Reinecke (Autor:in)

Jura - Andere Rechtssysteme, Rechtsvergleichung

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Somalia gilt seit langem nicht nur im regionalen Kontext, sondern weltweit als Prototyp des „failed state“ . Die Wirren und Umbrüche zunächst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dann noch einmal um die Jahrtausendwende haben einen Rückfall in traditionelle Gesellschaftsstrukturen hervorgebracht, welche nach allgemeinen, zumindest aber nach westlichen Maßstäben in vielerlei Hinsicht nicht denen eines geordneten Staates entsprechen. Gleichzeitig üben quasistaatliche Akteure in unterschiedlicher Intensität (Staats-)Gewalt aus. Sämtliche Aspekte des Lebens – der soziale Bereich, aber auch der bloße Lebenserhalt – werden von verschiedensten Faktoren mit schwankender Verlässlichkeit bestimmt und reguliert. Eine Staatlichkeit, welche im Sinne eines Gewaltmonopols körperliche Sicherheit, individuelle Rechte und Mechanismen zu ihrer Durchsetzung bietet existiert – wenn überhaupt – nur lokal, jedenfalls aber nicht flächendeckend. Stattdessen konkurrieren verschiedenste Gruppen im Rahmen verschiedener Systeme darum, alleinbestimmend oder als Faktor in einem pluralistischen System regulierend zu wirken. Der Versuch der Etablierung einer auf einer Verfassung basierenden Staatsgewalt über das gesamte (völkerrechtliche) Staatsgebiet Somalias wird sowohl aus Teilen der Bevölkerung selbst als auch maßgeblich von externen Akteuren betrieben, gleichzeitig spielt auf lokaler Ebene noch immer das überkommene, seit Jahrhunderten gelebte Gewohnheitsrecht eine ausschlaggebende Rolle in der Regelung der Beziehungen zwischen einzelnen Individuen und zwischen den sozialen Gruppen. Auch das ebenfalls seit langer Zeit einflussreiche islamische Recht gewinnt vor allem seit der Jahrtausendwende wieder erheblich an gesellschaftlicher Relevanz, nachdem es zwischenzeitlich während der Diktatur Siad Barres einen Bedeutungsverlust erlitten hatte. Schließlich stellen auch Initiativen aus der Zivilgesellschaft und Bestrebungen auf der Ebene der internationalen Staatengemeinschaft Faktoren in der Ausgestaltung des somalischen Rechtssystems dar, welche einen lebhaften Rechtspluralismus begünstigen. Vor dem Hintergrund dieses pluralistischen Feldes unternimmt die vorliegende Arbeit den Versuch, die unterschiedlichen Rechtsquellen und Durchsetzungsmechanismen zu skizzieren und die hierbei bestehenden Interdependenzen darzustellen. Hierzu wird zunächst in einem einleitenden Teil die Frage nach dem Inhalt und der Bedeutung von „Rechtspluralismus“ umrissen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Vorwort

B. Was ist Rechtspluralismus?

C. Rechtspluralismus in Afrika

I. Historischer Kontext und traditionelles Recht

II. Kolonialisierung und Dekolonialisiserung

III. Einfluss von Religion

1. Islam

2. Christentum

IV. Afrika: Pluralismus versus Konstitutionalismus?

D. Rechtspluralismus und Paralleljustiz in Somalia

I. Somalia im Überblick

II. Historische Hintergründe

1. Die Somali vor und während der Kolonialisierung

2. Frühe Unabhängigkeit und Diktatur

3. Umsturz und Chaos

III. Ursprüngliche Quellen des Rechts und historische Einflüsse auf das Rechtssystem

1. Traditionelles Recht

2. Islamisches Recht

3. Einflüsse während der Kolonialzeit

a) Britisches Recht – Common Law

b) Italienisches Recht

4. Die verschiedenen Perioden seit der Unabhängigkeit

a) Die Republik

b) Die Diktatur

c) Der Sturz

IV. Somalia heute – ein Potpourri paralleler (Rechts-)Systeme

1. Staatliches Recht

a) Verfassungsrechtlicher Rahmen der Bundesrepublik Somalia

b) Institutionelle Strukturen auf Bundesebene

c) (Republik) Somaliland

d) Puntland

2. Traditionelles Recht

3. Islamisches Recht

4. Private Initiativen und Milizen

5. Internationale Einflüsse

V. Interdependenzen der Systeme in Somalia: „Failed state“ oder ein Beispiel für funktionierenden Rechtspluralismus?

E. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das komplexe Geflecht aus verschiedenen Rechtsquellen und Durchsetzungsmechanismen in Somalia. Ziel ist es, die bestehenden Interdependenzen zwischen staatlichem Recht, dem traditionellen Xeer und islamischem Recht (Scharia) zu analysieren und zu hinterfragen, wie diese in einem „failed state“ koexistieren.

  • Struktur des Rechtspluralismus in afrikanischen Staaten
  • Die Rolle des traditionellen Clansystems und des Xeer
  • Einfluss der Scharia auf die somalische Rechtswirklichkeit
  • Herausforderungen staatlicher Rechtsdurchsetzung
  • Spannungsfeld zwischen westlichem Konstitutionalismus und lokalen Traditionen

Auszug aus dem Buch

1. Traditionelles Recht

Das älteste System ist das traditionelle Recht der Clans, das sogenannte xeer. Als mündlich überliefertes und von den Clanältesten bewahrtes Recht ist nicht kodifiziert oder auch nur verschriftlicht, seine Erschließung für die westliche Rechtswissenschaft ist somit nicht so einfach mit den gängigen Methoden möglich: Forschung vor Ort ist notwendig, vor allem Befragungen von Rechtssubjekten und Richtern, da weder Gesetzestexte noch Urteile noch Literatur zu diesen existieren. Maßgeblich ist für diese Arbeit die vor allem Forschung von Michael van Notten sowie von Andre Le Sage.

In seinen Ursprüngen entwickelte sich Xeer aus einer Notwendigkeit der nomadischen Lebensweise der Somali: Während eine Hirtenfamilie oder ein Verband von Hirtenfamilien mit ihrem Vieh auf der Suche nach Weideplätzen und Wasserquellen umherzog, konnte es passieren, dass zwei solcher Gruppen ihr Vieh am selben Ort weiden lassen wollte. Sehr früh entwickelte sich dadurch in Somalia die auch an anderen Orten häufig anzufindende Norm „first come, first served“; wer zuerst kam, der durfte die Weide oder Wasserstelle so lange nutzen, bis er aus eigener Entscheidung weiterzog. Akzeptierte ein Neuankömmling dies nicht, so durfte sich der Erstangekommene verteidigen, um sein Recht zu behaupten. Daraus entstehende Streitigkeiten zwischen Gruppen wurden von Angehörigen der eigenen Clans entschieden, die mit dem Richter zu vergleichende Funktion übernahmen dabei die Clanältesten (oday, im Plural odayaal). Diese waren bei der Entscheidung stets darauf bedacht, nur Recht anzuwenden, welches von den Konfliktparteien beiderseits akzeptiert wurde; Ziel der Rechtsanwendung war dabei bereits früh das Finden eines den konkret bestehenden Machtverhältnissen angemessenen Kompromisses.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Vorwort: Der Autor führt in die Problematik Somalias als „failed state“ ein und skizziert die methodische Untersuchung der verschiedenen, konkurrierenden Rechtssysteme.

B. Was ist Rechtspluralismus?: Dieses Kapitel definiert Rechtspluralismus theoretisch und setzt den Rahmen für die Analyse der Koexistenz mehrerer Rechtssysteme innerhalb eines sozialen Feldes.

C. Rechtspluralismus in Afrika: Hier wird der afrikanische Kontinent als Ganzes betrachtet, wobei besonders das koloniale Erbe und der Einfluss von Religion auf die Rechtsentwicklung hervorgehoben werden.

D. Rechtspluralismus und Paralleljustiz in Somalia: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die historischen Hintergründe, die verschiedenen Rechtsquellen (Xeer, Scharia, staatliches Recht) und deren heutige Anwendung in den unterschiedlichen Regionen Somalias.

E. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass ein singuläres staatliches System die traditionellen Strukturen in Somalia kaum ersetzen kann und ein gewisser Grad an Pluralismus für Rechtsfrieden und Akzeptanz notwendig bleibt.

Schlüsselwörter

Rechtspluralismus, Somalia, Failed State, Xeer, Scharia, Traditionelles Recht, Clansystem, Rechtsstaatlichkeit, Paralleljustiz, Nomaden, Customary Law, Islamisches Recht, Kolonialgeschichte, Konfliktlösung, Rechtsquellen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Situation des Rechts in Somalia, in der verschiedene Rechtssysteme – staatliches Recht, traditionelles Clan-Recht (Xeer) und islamisches Recht (Scharia) – parallel koexistieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historischen Wurzeln des somalischen Rechtssystems, der Einfluss des Kolonialismus, die Bedeutung des Clansystems für die soziale Ordnung und die Herausforderungen beim Versuch, staatliche Institutionen zu etablieren.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Ziel ist es, die Interdependenzen zwischen diesen verschiedenen Systemen aufzuzeigen und zu verstehen, wie sie das alltägliche Leben in einem Umfeld beeinflussen, das oft als „failed state“ bezeichnet wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche und rechtsvergleichende Analyse, die auf vorhandener Literatur, anthropologischer Forschung und einer Auswertung historischer sowie aktueller politischer Entwicklungen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen allgemeinen Teil über Rechtspluralismus in Afrika und eine detaillierte Analyse der somalischen Rechtsquellen, einschließlich staatlicher Strukturen in verschiedenen Regionen und der Bedeutung von privaten Initiativen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rechtspluralismus, Xeer, Scharia, Clanhaftung und „failed state“ geprägt.

Warum ist das traditionelle Xeer-System so stabil?

Xeer basiert auf der nomadischen Lebensweise und ist tief in der Geschichte und dem Clansystem verwurzelt, wodurch es eine hohe Akzeptanz genießt und eine pragmatische Konfliktlösung innerhalb der Clan-Gemeinschaften ermöglicht.

Welche Rolle spielt die Scharia in der somalischen Justiz?

Die Scharia hat durch die Verfassung und den Islam eine hohe Legitimationskraft; sie beeinflusst insbesondere das Personen- und Familienrecht, wird jedoch unterschiedlich stark ausgelegt – von moderaten Gerichten bis hin zu strengen Auslegungen durch Milizen.

Welche Bedeutung hat das somalische Sprichwort am Ende der Arbeit?

Das Sprichwort verdeutlicht die Skepsis gegenüber dem staatlichen Recht: Es drückt aus, dass der Einzelne sich in einem dysfunktionalen System am Ende selbst durchsetzen muss, da das formale Recht keinen effektiven Schutz bietet.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Rechtspluralismus und Paralleljustiz in Somalia. Pluralistische Strukturen des Rechts unter Einfluss von Staatlichem Recht, Xeer und Scharia
Hochschule
Universität Münster
Veranstaltung
Seminar: Religiöse „Paralleljustiz“
Note
14 Pkt., juristische Notenskala
Autor
Dipl.-Jur. Jakob Reinecke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
37
Katalognummer
V433477
ISBN (eBook)
9783668752351
ISBN (Buch)
9783668752368
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paralleljustiz Rechtspluralismus Somalia Xeer Scharia Islam Staatsgewalt failed state Gewaltmonopol Gewohnheitsrecht semi-autonomous fields Rechtssoziologie Rechtsethnologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dipl.-Jur. Jakob Reinecke (Autor:in), 2017, Rechtspluralismus und Paralleljustiz in Somalia. Pluralistische Strukturen des Rechts unter Einfluss von Staatlichem Recht, Xeer und Scharia, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/433477
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Leseprobe aus  37  Seiten
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