Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem menschlichen Körper in seiner gesellschaftlichen und kulturellen Dimension auseinander. Auf Grundlage einer Kritik der dualistischen Körperbetrachtung und der Konstruktion von Körper und Kultur als dichotome Entitäten soll der Ansatz des Embodiment untersucht werden. Im Zentrum steht die Frage, wie der Körper als Produkt und Produzent gesellschaftlicher Wirklichkeiten gedacht werden kann, anstatt diesen als eine vermeintlich natürlich gegebene Tatsache vorauszusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesellschaftlichkeit von Körper
3 Körperkonzepte
3.1 Körper als Produkt von Kultur
3.2 Körper als Produzent von Kultur
3.3 Körper und Leib
4 Embodiment
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den menschlichen Körper in seiner gesellschaftlichen und kulturellen Dimension. Im Zentrum steht die kritische Reflexion der dualistischen Körperbetrachtung, wobei hinterfragt wird, wie der Körper als Produkt und zugleich als Produzent gesellschaftlicher Wirklichkeiten konzeptualisiert werden kann, anstatt ihn als bloß natürliche Gegebenheit zu betrachten.
- Kritik an der dualistischen Trennung von Körper und Geist (Cartesianismus)
- Die gesellschaftliche Konstruktion des Körpers als immaterielles kulturelles Erbe
- Die Rolle des Körpers als Produzent von Kultur durch Wahrnehmung und Habitus
- Differenzierung der Begriffe Körper und Leib sowie deren reziproke Beziehung zur Kultur
- Das Konzept des Embodiment nach Thomas J. Csordas als methodologisches Paradigma
Auszug aus dem Buch
3.3 Körper und Leib
Da im letzten Abschnitt sowohl der Begriff des Körpers als auch der Begriff des Leibes verwendet wurde, sollen nun beide Begriffe voneinander in ihrer Bedeutung abgegrenzt werden. So hat in der deutschen Sprache der Ausdruck Körper seine Herkunft im lateinischen Wort corpus, welches anfänglich für Verstorbene verwendet wurde und charakterisiere den objektivierten Körper, welcher ebenfalls bei der Beschreibung von Tieren gebraucht werde (vgl. Platz 2006: 10). Unter dem Wort Körper wird dieser also für gewöhnlich als gegenständlich und natürlich verstanden. Diese Vorstellung des Körpers wird mit der Komponente des Geistes ergänzt: „Im modernen westlichen Sprachgebrauch hat der Mensch einen Körper, über den der Geist oder das Bewusstsein verfügt. Der materielle Körper wird von einem immateriellen Geist unterschieden“ (Platz 2006: 10). Körper und Geist werden somit meist nicht als einheitlich, sondern als gegensätzlich verstanden.
Der Begriff Leib hingegen entstammt der gleichen Sprachquelle wie das Wort Leben und war früher ein Ausdruck für die Person oder das Selbst (ebd.). Der Begriff des Leibes beschreibt den menschlichen Körper also nicht nur als biologische Hülle des Geistes, sondern „als Wahrnehmungs und Handlungspotential“ (ebd.). Im Begriff des Leibes werden Körper und Geist als einheitliches Wechselspiel betrachtet. Somit verbindet der Ausdruck Leib in der deutschen Sprache die natürliche Dimension wie auch die sozial agierende Funktion des Körpers.
Sowohl bei Merleau-Ponty, wie auch bei Bourdieu wurde diese sozial agierende Funktion des Leibes sichtbar. Die Welt wird konstruiert durch den leibhaftigen Menschen, welcher mit seinem sozialen Umfeld interagiert (Platz 2006: 12f.). An dieser Stelle muss nachdrücklich bemerkt werden, dass der Mensch nicht nur mit anderen leiblichen Menschen, sondern auch mit „kulturellen Konzepten, Erwartungen, Gegenständen etc.“(ebd.) interagiert. Diese Interaktion mit dem sozialen Umfeld gebe dem leibhaftigen Menschen die Möglichkeit sich seiner selbst im Verhältnis zum Umfeld bewusst zu werden (Platz 2006: 11). So nimmt nach Meinung Platz’ der Mensch sich selbst
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der dualistischen Körperbetrachtung ein und formuliert die Forschungsfrage, wie der Körper als Produkt und Produzent gesellschaftlicher Wirklichkeiten verstanden werden kann.
2 Gesellschaftlichkeit von Körper: Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung des Körpers in der Anthropologie und zeigt auf, dass der Körper kein rein biologisches, sondern ein gesellschaftlich und kulturell geprägtes Phänomen ist.
3 Körperkonzepte: Dieser Abschnitt analysiert die Grundlagen der Körperkonzepte, wobei die reziproke Beziehung zwischen Körper und Kultur im Vordergrund steht.
3.1 Körper als Produkt von Kultur: Hier wird der Ursprung der Vorstellung eines natürlichen Körpers im cartesianischen Dualismus kritisch beleuchtet.
3.2 Körper als Produzent von Kultur: Dieser Teil beleuchtet den Körper als aktiven Gestalter der Wirklichkeit, gestützt auf die Theorien von Merleau-Ponty und Bourdieu.
3.3 Körper und Leib: Hier erfolgt eine begriffliche Differenzierung zwischen der biologisch-materiellen Hülle (Körper) und dem als Wahrnehmungs- und Handlungspotential verstandenen Leib.
4 Embodiment: Dieses Kapitel untersucht das Konzept des Embodiment nach Csordas als methodologischen Lösungsansatz zur Überwindung der Körper-Geist-Dichotomie.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer holistischen Betrachtungsweise des Menschen in der anthropologischen Forschung.
Schlüsselwörter
Körper, Kultur, Embodiment, Leib, Dualismus, Cartesianismus, Gesellschaftlichkeit, Anthropologie, Habitus, Wahrnehmung, soziale Konstruktion, Körperkonzepte, Subjektivität, Objektivierung, Körperlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der anthropologischen Analyse des menschlichen Körpers, wobei sie kritisch untersucht, wie der Körper traditionell durch dualistische Trennungen von Geist und Materie in der westlichen Philosophie fehlinterpretiert wurde.
Welche thematischen Schwerpunkte werden in der Untersuchung gesetzt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gesellschaftlichkeit des Körpers, der Unterscheidung zwischen Körper und Leib, der Bedeutung des Habitus für die Kulturproduktion sowie dem methodologischen Konzept des Embodiment.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu erörtern, wie der Körper als Produkt und gleichzeitig als Produzent gesellschaftlicher Wirklichkeit gedacht werden kann, anstatt ihn lediglich als eine vermeintlich natürlich gegebene Tatsache vorauszusetzen.
Welche wissenschaftlichen Methoden oder theoretischen Ansätze werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse ethnologischer und philosophischer Körperkonzepte, insbesondere unter Rückgriff auf Ansätze von Christoph Wulff, Robert Gugutzer, Maurice Merleau-Ponty, Pierre Bourdieu und Thomas J. Csordas.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte des Körpers als Produkt und als Produzent von Kultur analysiert, anschließend die Begriffe Körper und Leib sprachlich und inhaltlich differenziert und abschließend das Konzept des Embodiment als Paradigma zur Überwindung von Dualismen untersucht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die zentralen Charakteristika sind die Überwindung des Dualismus, die ganzheitliche Perspektive auf den Leib als kulturell handelndes Subjekt sowie die Interdependenz von Individuum und Gesellschaft.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Körper und Leib?
Der Körper wird primär als objektivierte, materielle und natürliche Gegebenheit verstanden, während der Leib als ein ganzheitliches Wahrnehmungs- und Handlungspotential definiert wird, das Körper und Geist in einem Wechselspiel verbindet.
Inwiefern leistet das Konzept des Embodiment nach Csordas einen Beitrag zur Arbeit?
Es dient als methodologische Perspektive, um die dualistischen Trennungen (Subjekt/Objekt, Körper/Geist) aufzulösen und den Körper als „Ursprungsort von Kultur“ in einer holistischen Weise zu erfassen.
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- Rosa Goldfuss (Author), 2016, Dualistische Körperbetrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/432589