Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Korpus an Leserkommentaren – als ein bisher wenig erschlossenes Phänomen – sprachlich und kommunikativ zu untersuchen. Den Untersuchungsgegenstand boten Leserbeiträge des Bild.de und FAZ.net Portals, zweier Onlineauftritte der größten deutschen Tageszeitungen. Im Spannungsfeld zwischen Boulevard- und Qualitätsjournalismus soll gezeigt werden, inwiefern sich die Leserbeiträge dem Sprachniveau des jeweiligen Journalismusstils anpassen. Des weiteren werden die sprachlichen und kommunikativen Besonderheiten dieser Textgattung in einem diametralen Vergleich zwischen Bild.de und FAZ.net miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
A) Journalismus 2.0 – Partizipative Berichterstattung
B) Sprachliche Analyse von Leserkommentaren der Portale Bild.de und FAZ.net
1. Auswahl des Untersuchungsgegenstandes
2. Analyse der Kommunikationssituation
3. Sprachliche Analyse der Nutzerbeiträge
3.1 Argumentativer Aufbau
3.2 Stil und Syntax
3.3 Wortschatz und inhaltliche Korrektheit
C) Conclusion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die sprachliche und kommunikative Analyse eines Korpus von Leserkommentaren der Portale Bild.de und FAZ.net, um im Spannungsfeld zwischen Boulevard- und Qualitätsjournalismus zu untersuchen, inwiefern sich die Leserbeiträge dem Sprachniveau des jeweiligen Mediums anpassen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die sprachlichen und kommunikativen Besonderheiten dieser Textgattung im direkten Vergleich.
- Journalismus 2.0 und die Entwicklung der partizipativen Berichterstattung.
- Kommunikationssituation und Interaktivität in Online-Kommentarforen.
- Kontrastive Analyse des argumentativen Aufbaus und des Stils der Nutzerbeiträge.
- Untersuchung des Wortschatzes und der inhaltlichen Korrektheit in verschiedenen journalistischen Kontexten.
- Übertragung soziolinguistischer Theorien auf die digitale Leser-Kommunikation.
Auszug aus dem Buch
A) Journalismus 2.0 – Partizipative Berichterstattung
„Web 2.0 steht für eine neue Ära der Massenkommunikation, Passive Konsumenten, Leser und Zuschauer verwandeln sich dort in Redakteure, Rezensenten, Kritiker [...]. Mediennutzung ist von nun an nicht mehr nur Lesen, Hören, Sehen, sondern auch Einfluss nehmen und aktiv mitwirken.“ Mit diesen Worten beschreibt Anton Simons – seines Zeichens Lokalredakteur und Vordenker auf dem Forschungsfeld des sogenannten Journalismus 2.0 – den Paradigmenwechsel in der Welt des Onlinejournalismus.
Eine in mittlerweile sämtlichen Onlinejournalen verbreitete Möglichkeit der Rezipienteninteraktivität ist die Kommentarfunktion. Die Leser können auf diese Weise, in Bezug zu einem Leitartikel, ihre Meinung kund tun, Kritik äußern, Korrekturen oder zusätzliche Informationen anbringen. Diese Form der Rezipientenpartizipation erfreut sich großer Beliebtheit. Maßgeblicher Grund dafür ist die Möglichkeit, in den Webportalen sofort Stellung zu einem Thema beziehen zu können.
Im Zuge dessen wird die Distanz zwischen Leser und journalistischem Erzeugnis immer geringer. Vor der Revolution des Internets im Pressebereich war der Leserbrief die einzige Möglichkeit der Rezipienten, öffentlichkeitswirksam Stellung zu einem Artikel oder zu einem Thema beziehen zu können. Die Kommentarfunktion in Onlinejournalismusportalen bietet nun allen Lesern die Möglichkeit, sofort und uneingeschränkt ihre Meinung zu äußern. Ihr Beitrag wird auf diese Weise – sofern nicht gesetzeswidrig – direkt der breiten Masse zugänglich.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Journalismus 2.0 – Partizipative Berichterstattung: Dieses Kapitel erläutert den technologischen und medienwissenschaftlichen Paradigmenwechsel vom passiven Konsumenten zum aktiven Nutzer durch die Kommentarfunktion.
B) Sprachliche Analyse von Leserkommentaren der Portale Bild.de und FAZ.net: Dieser Hauptteil vergleicht systematisch die Kommunikationssituation und die sprachliche Qualität der Beiträge auf den zwei gewählten Nachrichtenportalen.
1. Auswahl des Untersuchungsgegenstandes: Hier werden die Kriterien der Stichprobenauswahl, insbesondere die thematische Eingrenzung auf das Subgenre Politik anhand aktueller Leitartikel, begründet.
2. Analyse der Kommunikationssituation: Das Kapitel untersucht die strukturellen Aspekte der Interaktion, wie das Aufbrechen des Gatekeeper-Prinzips und die top-down sowie bottom-up Konzepte der Portale.
3. Sprachliche Analyse der Nutzerbeiträge: In diesem Abschnitt erfolgt die detaillierte Untersuchung der Texte hinsichtlich ihres Aufbaus, ihrer stilistischen Merkmale und ihrer sprachlichen Präzision.
3.1 Argumentativer Aufbau: Analyse der intertextuellen Referenzen und des Zitationsstils innerhalb der Kommentarthreads.
3.2 Stil und Syntax: Kontrastive Untersuchung der Satzstrukturen und der formalen Korrektheit zwischen den Portalen.
3.3 Wortschatz und inhaltliche Korrektheit: Überprüfung der Verwendung von Fachtermini und des allgemeinen Vokabulars im Kontext der politischen Berichterstattung.
C) Conclusion: Zusammenfassung der Ergebnisse, welche die Hypothese einer sozial differenzierten Ausdrucksweise zwischen den Lesern der verschiedenen Portaltypen stützt.
Schlüsselwörter
Journalismus 2.0, Partizipation, Onlinejournalismus, Kommentarfunktion, Sprachanalyse, Bild.de, FAZ.net, Gatewatching, Boulevardjournalismus, Qualitätsjournalismus, Soziolinguistik, Restringierter Code, Elaborierter Code, Leserkommentare, Politische Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich der technologische Wandel zu Web 2.0 auf die Kommunikation zwischen Lesern und journalistischen Medien auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind partizipative Berichterstattung, die Analyse von Leserkommentaren sowie die Unterschiede im Sprachgebrauch zwischen verschiedenen journalistischen Online-Portalen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern sich die Leserbeiträge auf Bild.de und FAZ.net sprachlich und kommunikativ unterscheiden und wie diese Unterschiede mit den jeweiligen Journalismusstilen korrelieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive, linguistische Inhaltsanalyse von Leserkommentaren durchgeführt, die durch soziolinguistische Konzepte (wie die von Basil Bernstein) ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den argumentativen Aufbau, die Syntax, den Stil sowie den Wortschatz der Nutzerkommentare auf Basis von Fallbeispielen zu aktuellen politischen Ereignissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Journalismus 2.0, Partizipation, Onlinejournalismus, Kommentarfunktion, Sprachanalyse sowie die Unterscheidung zwischen Boulevard- und Qualitätsjournalismus.
Wie unterscheidet sich die Kommunikation auf FAZ.net von der auf Bild.de?
Die Analyse zeigt, dass FAZ.net-Nutzer sachlicher, elaborierter und mit mehr Hintergrundwissen argumentieren, während Bild.de-Kommentare oft durch subjektive Wertungen, einfachere Strukturen und eine Nähe zur Chatkommunikation geprägt sind.
Welche Rolle spielt das Konzept des "Gatewatchings"?
Das Gatewatching ersetzt bei den untersuchten Portalen das klassische Gatekeeping, indem die Nutzer nun selbst als Sender agieren und das journalistische Erzeugnis durch Kommentare in ein dialogisches System überführen.
Was sagt die Studie über den Zusammenhang von Sprache und Bildung aus?
Die Arbeit verweist auf statistische Zusammenhänge, die darauf hindeuten, dass der jeweilige Sprachcode der Rezipienten mit dem Bildungshintergrund korrelieren kann, wobei hier soziolinguistische Differenzierungen angewendet werden.
- Quote paper
- Cornelius Eder (Author), 2014, Leserbeiträge in journalistischen Onlineportalen. Eine sprachliche und kommunkative Analyse am Beispiel der Portale Faz.net und Bild.de, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/429166