Die Arbeit untersucht die Entstehung der Massenheere im Zuge der französischen Revoultion und die Auswirkungen dieser militärischen Revolution auf die Nationswerdung sowie den militärischen "impact" in Europa und schließlich global.
Der zeitliche Rahmen umfasst maßgeblich die Anfangsjahre der revolutionären Entwicklungen. Es soll untersucht werden, welchen Einfluss die militärischen Reformen und Neuerungen bis zum Ausbruch der Koalitionskriege auf den Prozess der Nationswerdung und Staatsbildung hatten. Von ganz besonderer Bedeutung war das Dekret vom 28. August des Jahres 1793, welches gemeinhin als „levée en masse“ bekannt ist und die Hauptquelle der Arbeit darstellt.
Die Massenmobilmachung, welche nach den ersten Monaten des Koalitionskrieges notwendig geworden war, löste das alte Söldnersystem gänzlich ab und wurde schließlich zum Erfolgsmodell der weiteren Revolutionskriege. Die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht 1798 – ebenfalls ein Produkt der revolutionären Umbrüche – wurde zu einem europa- und später weltweiten Erfolgsmodell. Der neu geschaffene Truppentypus der Massenheere war die Grundvoraussetzung eines modernen Militarismus. Die Basis dafür bildeten die Allgemeine Dienstpflicht und eine Identifizierung des Staatsbürgers mit dem Dienst an der Waffe. Erst die, aus der Not der Revolutionskriege geborenen Militärreformen, ermöglichten eine Loslösung von den überholten Strukturen der Armee des Ancien Régime.
Inhaltsverzeichnis
A) Krieg und Militär im Umbruch vom 18. ins 19. Jahrhundert
B) Die Begründung einer Nation armée – über das Verhältnis von Militär und Nation
I. Rückblick auf die Situation der Armee im Ancien Régime
II. Staatskonsolidierung und Nationswerdung – Grundlegende Vorannahmen
III.) La nation armée – Militärische Reformen
3.1 Die Entstehung des dualen Heereswesens
3.2 Die Beschlüsse und Folgen der Levée en masse
3.3 Der Krieg in seiner absoluten Gestalt
3.4 Loi Jourdan – Die Entstehung der allgemeinen Wehrpflicht
C) „Tous les Français sont soldats“ – Ein Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss militärischer Reformen, insbesondere der levée en masse, auf den Prozess der Nationswerdung und Staatsbildung im revolutionären Frankreich. Dabei wird analysiert, wie das Militär und seine Neugestaltung zur Identitätsbildung der französischen Nation beitrugen und inwiefern der Wandel vom Söldnerwesen zum Bürgerheer die gesellschaftliche und politische Struktur nachhaltig veränderte.
- Militärische Reformen im revolutionären Frankreich
- Die levée en masse und ihre gesellschaftliche Totalisierung
- Entstehung und Bedeutung des Soldat-citoyen
- Militarisierung der Gesellschaft und Staatskonsolidierung
- Die Entwicklung von der Nationalgarde bis zum Loi Jourdan
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Entstehung des dualen Heereswesens
Es ließe sich an keinem prestigeträchtigeren Ereignis als am Sturm der Bastille belegen, wie sehr sich die Armee schon 1789 von der Monarchie distanziert hatte. Ein Großteil der Truppen weigerte sich am 14. Juli dieses Jahres, gegen die Aufständischen vorzugehen, da sich die Soldaten insgeheim mit deren Anschauungen identifizierten und längst des alten Systems überdrüssig geworden waren. Die Problematik wurde nur zwei Tage später durch die Gründung der Nationalgarde – einer Art Bürgerwehr – begegnet. Ziel und Aufgabe dieser Garde National Parisienne unter der Führung General Lafayettes war es, die Bevölkerung im Inneren vor Aufständischen ebenso wie vor der marodierenden Soldateska zu beschützen. Die Einrichtung der Nationalgarde hatte zunächst nur zur Folge, dass die weiterhin bestehende Linie nun ausschließlich zur Verteidigung der Außengrenzen eingesetzt werden sollte. Vorübergehend herrschte eine klare Trennung der Einsatzbereiche beider Truppenverbände, weshalb Jörn Leonhard von einem dualen Militärsystem spricht. Dieses zweiteilige System hat sich in ähnlicher Form in modernen Staaten bis heute erhalten, nur dass die Aufgaben der Nationalgarde heutzutage der Polizei obliegen.
Schon 1789 forderten reformerische Köpfe wie Dubois-Crancé die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht. Er begründete seine Forderung mit dem zentralen Kampfwort der Revolution der liberté: „dans une nation qui veut être libre qui est entourée de voissins puissants [...] tout citoyen doit être soldat [...]“.
Das distinktive Merkmal der neu ins Leben gerufenen Nationalgarde war das Rekrutierungssystem. In der Anfangsphase rekrutierte sich die Garde nämlich aus rein freiwilligen Mitgliedern. Der neue Truppentypus kann als Symbol der Ablehnung des alten monarchischen Systems betrachtet werden. Der Soldat citoyen verkörperte fortan das Ideal des freien Bürgers, der mit der Waffe für sein Recht und seine Freiheit einsteht.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Krieg und Militär im Umbruch vom 18. ins 19. Jahrhundert: Die Einleitung thematisiert den Wandel des Militärwesens im revolutionären Frankreich und führt in die Fragestellung zur Bedeutung militärischer Reformen für die Nationswerdung ein.
B) Die Begründung einer Nation armée – über das Verhältnis von Militär und Nation: Dieser Abschnitt analysiert die Ausgangslage im Ancien Régime und die theoretischen Grundlagen der Staatskonsolidierung sowie die Reformen, die zur Entstehung der Nation armée führten.
C) „Tous les Français sont soldats“ – Ein Resümee: Das Resümee fasst zusammen, wie die Militarisierung der Gesellschaft und die Etablierung des Soldat citoyen zur nationalen Identitätsstiftung beitrugen und welche langfristigen Folgen dies hatte.
Schlüsselwörter
Levée en masse, Nation armée, Französische Revolution, Soldat citoyen, Nationalgarde, Militärreformen, Wehrpflicht, Staatskonsolidierung, Nationswerdung, Totalisierung, Kabinettskrieg, Moderne, Patriotismus, Loi Jourdan, Militarismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des französischen Militärwesens während der Französischen Revolution und dessen entscheidender Rolle bei der Entstehung des modernen Nationalstaats.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen das Verhältnis zwischen Militär und Politik, der Übergang vom Söldnerheer zum Bürgerheer sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen militärischer Totalisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, welchen Einfluss militärische Reformen wie die levée en masse auf den Prozess der Identitätsbildung der revolutionären Nation hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Einbeziehung militärsoziologischer Annahmen und die Auswertung zeitgenössischer Dekrete und militärgeschichtlicher Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das duale Heereswesen, die Auswirkungen der levée en masse, die Entwicklung des Krieges zu seiner absoluten Gestalt und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch den Loi Jourdan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Levée en masse, Soldat citoyen, Nationswerdung, Militarisierung der Gesellschaft und Nation armée.
Welche Bedeutung hatte die Nationalgarde für die frühen Reformen?
Die Nationalgarde fungierte als Symbol der Abkehr vom monarchischen System und war der erste Ort, an dem die Sphären des Bürgertums und des Militärs miteinander in Kontakt traten.
Warum wurde die levée en masse als revolutionär eingestuft?
Sie markierte den Übergang zum totalen Krieg, indem sie nicht nur Soldaten, sondern die gesamte Bevölkerung in die Logistik und Verteidigung der Nation einband.
Inwiefern hat der Loi Jourdan das Militärwesen langfristig geprägt?
Mit dem Loi Jourdan wurde die levée en masse von einer einmaligen Rekrutierungswelle in eine dauerhafte, jährliche allgemeine Wehrpflicht überführt.
Welche Rolle spielte der Topos des „Soldat citoyen“?
Er verkörperte das Ideal des freien Staatsbürgers, der aus politischer Überzeugung für seine Rechte und die Nation an der Waffe dient.
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- Cornelius Eder (Author), 2016, Die Bedeutung militärischer Reformen für die Identitätsbildung der revolutionären Nation Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428939