Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Würzburger Bischöfe im Laufe des Mittelalters einen fränkischen Herzogtitel erlangen und behaupten konnten. Der Forschungsbegriff einer fränkischen Herzogswürde in Personalunion des Würzburger Bischofs war längere Zeit umstritten. Im Sinne bereits überholter Forschungsergebnisse hält sich aber, teils noch bis heute, die Vorstellung, dass sich schon im hohen Mittelalter ein territorial klar begrenztes Herzogtum Franken entwickelte. Dass diese, der älteren Forschung entlehnte Vorstellung falsch ist, soll im Laufe dieser Arbeit mittels neuerer Untersuchungen sowie anhand von zeitgenössischen Quellen belegt werden.
Inhaltsverzeichnis
A) Herzogtum Franken – ein falsch datierter Topos der älteren Geschichtswissenschaft
B) Der Weg zur fränkischen Herzogswürde
I) Franken als Herrschaftsraum im frühen Mittelalter
II. Die Babenberger Fehde – Umschwung und Aufstieg des Bistums im Wechsel von den Karolingern zu den Ottonen
III. Ottonen und Salier – Aufstieg des Würzburger Bischofs zur Lokalmacht
IV. Die Zeit der Staufer und des Investiturstreites und der damit verbundene Aufstieg des Adels
4.1 Der Investiturstreit bis zum Jahr 1120 und die Verleihung der dignitas iudiciaria
4.2 Der weitere Streit um den dux-Titel in Franken bis zur Güldenen Freiheit 1168
V. Das Spätmittelalter und das Herzogtum Franken
C) Wahrzeichen ehemaliger herzöglicher Macht im heutigen Würzburg
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Legitimierung der fränkischen Herzogswürde in Personalunion der Würzburger Bischöfe vom frühen Mittelalter bis zum Spätmittelalter, um den wissenschaftlichen Mythos eines territorial klar begrenzten Herzogtums Franken kritisch zu hinterfragen.
- Kritische Analyse der Entstehung und Territorialisierung Frankens
- Untersuchung des Aufstiegs des Bistums Würzburg zur Territorialmacht im Rahmen des Reichskirchensystems
- Betrachtung der rechtlichen Legitimation des "dux"-Titels im Kontext des Investiturstreits
- Analyse der Rolle von Adelsgeschlechtern und der "Güldenen Freiheit" von 1168
- Einbettung der Thematik in die Wahrnehmungsgeschichte durch bauliche Relikte wie die Festung Marienberg
Auszug aus dem Buch
Die Zeit der Staufer und des Investiturstreites und der damit verbundene Aufstieg des Adels
Die politischen Vorgänge im Umbruch vom 11. ins 12. Jahrhundert, welche vom Investiturstreit überschattet und geprägt waren, beeinflussten ganz maßgeblich auch die Umstände im Bistum Würzburg. Erst in den Wirren des Investiturstreites kam es zu einer vorübergehenden Stagnation des Machtzuwachses. Bischof Adalbero (1045-1090) hielt der Krone in besagtem Glaubensstreit bis zum Jahr 1075 die Treue. Erst dann wandte er sich dem Papst zu. Im Gegensatz zu den meisten Reichsbischöfen verharrte Adalbero auch nach Heinrichs IV. Bußgang nach Canossa noch auf Seiten des Papstes. Im Zuge dessen unterstützte er den 1077 gewählten Gegenkönig Rudolf von Schwaben auf seinen Feldzügen im Reich. Als Adalbero nach Würzburg zurückkehren wollte, blieben ihm die Tore der Stadt verschlossen. Anhand dieses Ereignisses lässt sich auf die ungebrochene Reichsnähe und Königstreue der Stadt und der Diözese schließen, welche sogar den Investiturstreit überdauerte. Im Hinblick auf die Machtstellung des Würzburger Bischofs bedeutete die Epoche des Investitustreits einen erneuten Dämpfer, da sich im Schatten der Konflikte Grafschaften innerhalb des Bistums gründeten, die eigene Territorialansprüche vertraten. Auch wurde gerade das Bistum Würzburg wesentlich stärker durch die Nachwirkungen des Glaubensstreites beeinflusst, da es sich als einziges der süddeutschen Bistümer papst- statt königstreu positioniert hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Herzogtum Franken – ein falsch datierter Topos der älteren Geschichtswissenschaft: Einleitung in die Problematik und Widerlegung der Vorstellung eines früh-mittelalterlichen, territorial abgegrenzten Herzogtums Franken.
B) Der Weg zur fränkischen Herzogswürde: Analyse der politischen und territorialen Entwicklung der Diözese Würzburg vom frühen Mittelalter bis ins Spätmittelalter unter besonderer Berücksichtigung der reichspolitischen Stellung der Bischöfe.
C) Wahrzeichen ehemaliger herzöglicher Macht im heutigen Würzburg: Abschlussbetrachtung, wie Festung Marienberg und Residenz das ehemalige Repräsentationsverständnis der Würzburger Bischöfe in der heutigen Stadtlandschaft widerspiegeln.
Schlüsselwörter
Würzburg, Bistum, Herzogtum Franken, Reichskirchensystem, Investiturstreit, Güldene Freiheit, Francia orientalis, Staufer, Territorialmacht, Mittelalter, Bischof, Adelskonkurrenz, Festung Marienberg, Herrschaftssicherung, Jurisdiktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Frage, ob und inwieweit der Würzburger Bischof als Herzog von Franken fungierte und wie sich diese Machtposition über die Jahrhunderte entwickelte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Bistums Würzburg zur Territorialmacht, die Rolle der Bischöfe im Reichskirchensystem und die kritische Auseinandersetzung mit dem Herzogstitel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den "Mythos" eines frühen fränkischen Herzogtums kritisch zu dekonstruieren und die tatsächliche Entwicklung der Diözese zu einer mächtigen Intermediatgewalt aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt die kritische Analyse zeitgenössischer Quellen und neuerer geschichtswissenschaftlicher Untersuchungen, um historisch belegte Fakten von späteren Wunschvorstellungen zu trennen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Karolingerzeit über die Ära der Ottonen, Salier und Staufer bis hin zum Spätmittelalter, wobei die rechtliche Legitimation des Titels durch Urkunden im Fokus steht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Herzogtum Franken, Bistum Würzburg, Investiturstreit, Güldene Freiheit und Reichskirchensystem.
Warum spielt der Investiturstreit eine so wichtige Rolle für das Bistum Würzburg?
Er markiert eine Phase, in der sich die Machtverhältnisse verschoben, Grafschaften innerhalb des Bistums eigene Ansprüche erhoben und der Würzburger Bischof zwischen königs- und papsttreuer Positionierung lavieren musste.
Welche Bedeutung hatte die "Güldene Freiheit" von 1168?
Sie gilt als Meilenstein für die urkundliche Legitimation, stellte jedoch sachlich betrachtet primär eine Bestätigung bereits bestehender Gerichtsbarkeitsrechte dar und diente eher dem Repräsentationsanspruch.
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- Cornelius Eder (Author), 2016, Der Bischof von Würzburg als Herzog von Franken?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428938