Diese neutestamentliche Proseminararbeit ist eine Exegese von Mt 19,16-22. Anhand von sieben historisch-kritischen Methodenschritten synchroner und diachroner Art soll eine Untersuchung dieser Perikope dargelegt werden.
Das Ziel der Arbeit ist es zunächst den möglichst ursprünglichen Text der Perikope vom reichen Jüngling unter Zuhilfenahme des kritischen Apparats aus dem Novum Testamentum Graece zu rekonstruieren. Nach einer Übersetzung wird eine Textanalyse durchgeführt, in deren Verlauf die Perikope abgegrenzt und ihr Kontext analysiert wird. Außerdem wird der Text auf seine grammatisch-syntaktische, seine semantische, sowie auf seine pragmatische und narrative Kohärenz untersucht.
Dieser Schritt beendet die synchrone Analyse des Textes und mit Hilfe der Literarkritik, die einen synoptischen Vergleich durchführt, beginnt die diachrone Analyse des Textes. Die Formgeschichte fragt nach der Gattung der Perikope und ihrem Sitz im Leben. In der darauf folgenden religionsgeschichtlichen Analyse wird die Perikope zunächst mit außerneutestamentlicher Literatur verglichen, um Übereinstimmungen und Differenzen in der Überlieferung christlicher und nichtchristlicher Literatur aufzuzeigen. Anschließend wird eine Motivanalyse durchgeführt, die den Bedeutungswandel und den Gebrauch des Wortes avkolouqe,w darstellen soll.
In der Redaktionskritik soll die Perikope im Hinblick auf ihre Intertextualität untersucht werden und es soll der Frage nachgegangen werden inwieweit Matthäus redaktionelle Eingriffe vorgenommen hat und wie er das Material für sein Evangelium ausgewählt und zusammengestellt hat. In der abschließenden hermeneutische Reflexion wird der Text in den gegenwärtigen Kontext projizieren und dadurch der historische Abstand zwischen Text und Gegenwart überbrückt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Übersetzung
III. Textkritik
IV. Textanalyse
V. Literarkritik: Der synoptische Vergleich
VI. Formgeschichte
VII. Religionsgeschichtliche Analyse
VIII. Redaktionskritik
IX. Hermeneutische Überlegung
X. Literatuverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Proseminararbeit verfolgt das Ziel, die neutestamentliche Perikope von der Begegnung Jesu mit dem reichen Jüngling (Mt 19,16-22) mithilfe einer siebenstufigen historisch-kritischen Methodik exegetisch zu untersuchen. Dabei soll ausgehend von der Rekonstruktion des ursprünglichen griechischen Textes die Bedeutung der Perikope innerhalb des Matthäusevangeliums sowie ihre Relevanz für eine zeitgenössische hermeneutische Reflexion erschlossen werden.
- Historisch-kritische Exegese des Abschnitts Mt 19,16-22
- Synchroner und diachroner Vergleich der synoptischen Überlieferung
- Analyse der matthäischen Redaktion und des spezifischen Wortschatzes
- Vergleich mit außerneutestamentlicher Literatur (Nazaräerevangelium)
- Untersuchung des Begriffs der Nachfolge Christi
Auszug aus dem Buch
IV. Textanalyse
Der folgende Methodenschritt der Textanalyse hat das Ziel mit Hilfe eines methodisch orientierten Einstiegs in den Text eine grundlegende Textwahrnehmung zu liefern und die Perikope auf ihre Kohärenz zu untersuchen. Hierzu wird zunächst eine Kontextanalyse durchgeführt, welche die Perikope in ihren innerevangelischen Mikro- und Makrokontext einordnen soll. Anschließend werden, unter Berücksichtigung des matthäischen Vorzugswortschatzes, dem Vorkommen grammatischer Funktionen und der Verknüpfung der Sätze und Teilsätze untereinander, die sprachlichen Eigenheiten des Textes aufgezeigt. In der semantischen Analyse wird der Bedeutung einzelner Worte und Wortgruppen genauer nachgegangen, um anschließend in der pragmatischen und narrativen Analyse sowohl darzulegen, welche Wirkabsicht der Autor bei seinen Adressaten zu realisieren versucht, als auch die Rolle der Handlungsträger in der Perikope aufzuzeigen.
Dass mit dem Vers Mt 19,16 eine neue Perikope beginnt wird klar, wenn man Vers 15 betrachtet: kai. evpiqei.j ta.j ce/raj auvtoi/j evporeu,qh evkei/qen. Jesus zieht also nachdem er Kindern die Hände auflegte weiter und somit endet hier ein Sinnabschnitt. Auch die Einführung einer zunächst nicht näher beschriebenen Person e-ij führt zu dem selben Schluss. Obwohl Vers 23, in dem Jesus sich an seine Jünger wendet, sich zeitlich wohl nahtlos an Vers 22 anschließt, kann man an dieser Stelle eine Zäsur setzten, da mit dem nun näher beschriebenen Jüngling (o` neani,skoj) der Gesprächspartner Jesu die Szene verlässt: avph/lqen lupou,menoj. Auch sprachlich lässt sich diese Einteilung rechtfertigen: führt Jesus mit dem Jüngling in den Versen 16 bis 22 noch einen Dialog, schließt sich daran ein Vortrag Jesu an seine Jünger an.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Exegese von Mt 19,16-22 unter Nennung der angewandten historisch-kritischen Methoden.
II. Übersetzung: Darstellung der deutschen Übersetzung des griechischen Urtextes von Mt 19,16-22.
III. Textkritik: Untersuchung und Abwägung verschiedener Lesarten des griechischen Textes anhand des textkritischen Apparats.
IV. Textanalyse: Analyse der Kontextualität, sprachlichen Struktur, Semantik und der narrativen Wirkabsicht des Textes.
V. Literarkritik: Der synoptische Vergleich: Vergleichende Analyse der Parallelstellen bei Markus und Lukas zur Einordnung der matthäischen Besonderheiten.
VI. Formgeschichte: Gattungsbestimmung der Perikope als Chrie und Verortung des „Sitz im Leben“.
VII. Religionsgeschichtliche Analyse: Vergleich mit dem Nazaräerevangelium und Untersuchung der Begriffsgeschichte von „avkolouqe,w“.
VIII. Redaktionskritik: Untersuchung der spezifisch matthäischen theologischen Interessen und Zielgruppenansprache.
IX. Hermeneutische Überlegung: Reflexion über die heutige Bedeutung und Aktualität des Textes im Kontext des „garstigen Grabens“.
X. Literatuverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Hilfsmittel.
Schlüsselwörter
Mt 19,16-22, reicher Jüngling, Exegese, Matthäusevangelium, Historisch-kritische Methode, Nachfolge, avkolouqe,w, Textkritik, Synoptischer Vergleich, Formgeschichte, Religionsgeschichte, Redaktionskritik, Hermeneutik, Ewiges Leben, Besitz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der Perikope vom reichen Jüngling im Matthäusevangelium.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Nachfolge Jesu, der Umgang mit Besitz und das Erlangen des ewigen Lebens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die historisch-kritische Durchdringung des Textes, um seine ursprüngliche Gestalt, seine Bedeutung im Kontext von Matthäus und seine Relevanz heute zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine klassische siebenstufige historisch-kritische Methodik angewandt, die synchronen und diachronen Analysen folgt.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in Textkritik, Textanalyse, synoptischen Vergleich, Formgeschichte, Religionsgeschichte und Redaktionskritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Nachfolge“, „matthäisches Sondergut“, „Textkritik“ und „Hermeneutik“ geprägt.
Warum wird Matthäus als Autor mit einem jüdischen Hintergrund diskutiert?
Aufgrund der spezifischen Bezüge zum Dekalog und zum Liebesgebot (Thora-Zitat) wird Matthäus ein besonderes Augenmerk auf jüdische Traditionen zugeschrieben.
Welche Rolle spielt das Nazaräerevangelium in der Untersuchung?
Es dient als Vergleichstext, um die novellistische Weiterbildung der Erzähltradition und die sozialkritischen Akzente im Vergleich zu Matthäus zu verdeutlichen.
Was unterscheidet die matthäische Darstellung von der des Lukas?
Lukas charakterisiert den Gesprächspartner als „Oberen“ und lässt ihn am Ende nicht explizit weggehen, was die Deutung der Nachfolge beeinflusst.
Wie überträgt die Arbeit den Text in die Gegenwart?
In der hermeneutischen Reflexion wird der Text als Mahnung verstanden, das Gebot der Nächstenliebe zu priorisieren und sich nicht an materiellen Reichtum zu binden.
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- Anonym (Author), 2010, Der reiche Jüngling in Mt 19, 16-22. Eine neutestamentliche Exegese, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428859