Spätestens mit dem Schuleignungstest beginnt für viele Eltern die Frage nach der geeigneten Schule für ihr Kind. Längst entscheidet darüber nicht maßgeblich die Nähe zum Wohnort.
Das Kind soll in seinen Fähigkeiten optimal gefördert werden, die Lehrer motiviert und die Schulausstattung modern und ansprechend sein.
Nicht erst seit der PISA-Studie von 2000 entscheiden sich viele Eltern für die so genannten „Freien Schulen“. Doch seit besagter Studie entbrannten wieder vermehrt Diskussionen über die Effizienz des bestehenden staatlichen Schulsystems. Die schlechten Ergebnisse der Studie, im Vergleich zu den anderen EU-Staaten, ließ Politiker wie Eltern gleichermaßen nach neuen Modellen Ausschau halten.
Es ist klar, dass ein radikales Umdenken stattfinden muss, aber auch, dass neue Konzepte Zeit brauchen.
Ob es tatsächlich gänzlich neue, innovative Konzepte geben wird, wie es schon einmal um die Jahrhundertwende geschehen ist, wird sich weisen. Doch solange nichts Neues, Über-zeugenderes auf dem staatlichen „Bildungsmarkt“ vorhanden ist, werden auch weiterhin Teile der Elternschaft ihre Kinder unter anderem auf Montessorischulen schicken.
Gerade die Montessoriansätze erscheinen vielen Eltern als adäquates Mittel, die festgestellten Mängel bei der Lesekompetenz, in der Mathematik und den Naturwissenschaften zu beseitigen bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen.
Meine Frage lautet daher: Ist die Montessoripädagogik dazu geeignet, unsere Kinder auf die Anforderungen der Gesellschaft vorzubereiten bzw. wo sind ihre Ansätze kritisch zu bewerten?
Dazu werde ich die theoretischen Grundlagen Montessoris, erläutern sowie deren Umsetzung schildern.
Ich beziehe mich dabei auf die Elementarpädagogik.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Begriffsklärung Reformpädagogik
1.1 Kritik der Reformer
2. Wissenschaftliche Grundlagen M. Montessoris
2.1 Embryologie
2.1.1 Geistiger Embryo
2. 2 Sensible Perioden
2.3 Absorbierender Geist
2.4 Ordnungssinn
2.5 Polarisation der Aufmerksamkeit
3. Didaktik und Methodik
3.1 Umsetzung der Polarisation der Aufmerksamkeit
3.1.1 Umgebung
3.1.2 Sinnesmaterialien
3.1.3 Vermittlung der Kulturtechniken
3.1.4 Gruppenübungen
3.2 Anforderungen an den Erzieher
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Montessoripädagogik kritisch vor dem Hintergrund ihrer Eignung, Kinder auf gesellschaftliche Anforderungen vorzubereiten. Dabei wird analysiert, inwiefern ihre theoretischen Ansätze – insbesondere in der Elementarpädagogik – wissenschaftlich haltbar sind und wo die Grenzen in der praktischen Umsetzung liegen.
- Grundlagen der Reformpädagogik und Kritik am traditionellen Schulsystem.
- Analyse zentraler Theorien Montessoris (Embryologie, sensible Perioden, absorbierender Geist).
- Untersuchung des Konzepts der Polarisation der Aufmerksamkeit.
- Kritische Bewertung der didaktischen Materialien und ihrer Anwendung.
- Reflektion über die Rolle des Erziehers und die Förderung sozialer Kompetenzen.
Auszug aus dem Buch
2.4 Ordnungssinn
Schon kleine Kinder von anderthalb bis zwei Jahren zeigen, so Montessori, eine charakteristische Liebe für Ordnung.
„Das Kind kann nicht in Unordnung leben, sie verursacht ihm Pein, und diese Pein wieder äußert sich in verzweifeltem Weinen, unter Umständen in einem dauerhaften Aufregungszustand, der den Anschein einer richtigen Krankheit erwecken kann.“23
Sie benennt dazu einige Beispiele, die dieses Phänomen belegen sollen. So berichtet sie von einem Kind, das bei einer Wanderung anfing zu schreien, als seine Mutter ihren zuvor angezogenen Mantel auszog und über den eigenen Arm warf, weil es ihr zu heiß war. Das Kind hörte erst auf zu schreien, als die Mutter den Mantel wieder anzog. Begründet hat Montessori die Schreiattacke damit, dass der Ordnungssinn des Kindes durch das légere Tragen des Mantels gestört gewesen wäre, denn in seinen Augen gehöre der Mantel über die Schulter und nicht über den Arm gehangen.
Sie glaubt, dass die Ordnung eines der Bedürfnisse des Lebens ist, deren Befriedigung wirklichen Genuss bereitet.24
Anhand des Beispieles lässt sich die Behauptung gut nachvollziehen.
Doch für mich stellt der Ordnungssinn, dessen Existenz ich nicht anzweifeln will, nur eine von zwei Seiten dar. Nur durch das Vorhandensein zweier entgegengesetzt wirkender Pole, die meiner Meinung nach in einem Gleichgewicht stehen müssen, kann eine Einheit entstehen.
Kindern gleichen Alters (anderthalb bis zwei Jahre) bereitet es ebenso viel Genuss, eine vorgefundene Ordnung zu zerstören. Sie werfen freudig einen Bauklötzchenturm um, oder verteilen sauber zusammengelegte Wäsche quer im Raum.
Diesem Gedanken folgend, ist es sicherlich auch zulässig davon auszugehen, dass sich eine gewünschte Weiterentwicklung des Kindes erst durch den Wechsel zwischen Phasen der Anspannung und Entspannung vollzieht.
Diesem Aspekt misst sie meiner Meinung nach zu wenig Bedeutung bei.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Suche der Eltern nach modernen Bildungskonzepten angesichts der PISA-Studie und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der Eignung der Montessoripädagogik.
1. Begriffsklärung Reformpädagogik: Dieses Kapitel verortet Montessori innerhalb der reformpädagogischen Bewegung und erläutert die grundlegende Kritik an den "Paukschulen".
2. Wissenschaftliche Grundlagen M. Montessoris: Hier werden die theoretischen Pfeiler Montessoris wie Embryologie, sensible Perioden und der absorbierende Geist kritisch auf ihre wissenschaftliche Fundierung geprüft.
3. Didaktik und Methodik: Der Abschnitt analysiert die praktischen Umsetzungsmethoden, insbesondere den Einsatz von Materialien und die spezifische Rolle der Umgebung und des Erziehers.
4. Zusammenfassung: Das Fazit zieht eine Bilanz über die Impulse der Montessori-Pädagogik und benennt kritisch die Grenzen bei der Förderung von Kreativität und sozialen Kompetenzen.
Schlüsselwörter
Maria Montessori, Reformpädagogik, Elementarpädagogik, sensible Perioden, absorbierender Geist, Ordnungssinn, Polarisation der Aufmerksamkeit, Didaktik, Montessorimaterial, Erziehung, Kindesentwicklung, Schulkritik, soziale Kompetenz, Selbsttätigkeit, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Montessoripädagogik als ein Konzept der Reformpädagogik und hinterfragt deren Anwendung sowie theoretische Herleitung kritisch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die wissenschaftlichen Grundlagen Montessoris, die Bedeutung der Umgebung, die speziellen didaktischen Materialien und die Rolle des Erziehers.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Montessoris Pädagogik Kinder angemessen auf gesellschaftliche Anforderungen vorbereiten kann und wo die kritischen Schwachstellen des Konzepts liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Verfasserin nutzt eine Literaturanalyse sowie eine kritische Reflexion, wobei sie theoretische Konzepte Montessoris mit aktuellen Erkenntnissen und eigenen Beobachtungen kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung theoretischer Konzepte (wie den "geistigen Embryo") und der praktischen didaktischen Umsetzung im Kinderhaus, inklusive einer Bewertung der Arbeitsmaterialien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Montessoripädagogik, Reformpädagogik, Polarisation der Aufmerksamkeit, Didaktik und die kritische Auseinandersetzung mit der kindlichen Entwicklung.
Wie bewertet die Autorin den "Ordnungssinn" nach Montessori?
Obwohl sie die Existenz eines Ordnungssinns anerkennt, kritisiert sie dessen einseitige Darstellung und betont, dass für die kindliche Entwicklung ein Gleichgewicht zwischen Ordnung und Zerstörung bzw. Anspannung und Entspannung notwendig ist.
Warum steht die Autorin der "Polarisation der Aufmerksamkeit" ambivalent gegenüber?
Sie erkennt zwar die Bedeutung der Konzentrationsfähigkeit an, bemängelt aber, dass diese Sichtweise die Bedeutung des kindlichen Austobens und die Förderung anderer Persönlichkeitsdimensionen vernachlässigt.
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- Heike Lehnert (Author), 2005, Reformpädagogik vorgestellt am Beispiel der Montessori Pädagogik in Theorie und Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/42724