Die vorliegende Arbeit möchte sich den beiden folgenden Fragestellungen widmen:
a) Wie wird der letzte Tag der Endzeit bzw. der Menschheit in der „Lacrymosa“-Vertonung von Alfred Bruneau und des „Lacrimosa“-Stückes von Şerban Nichifor dargestellt?
b) Können diese Darstellungsweisen bedeutungsvoll für Menschen im Umgang mit den gegenwärtigen, in der Arbeit beschriebenen apokalyptischen Daseinskennzeichen sein?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine erste Annäherung an die Musikstücke
3. Die Textgrundlage der Werke: Das „Lacrimosa“ aus der Sequenz „Dies Irae“
4. Das „Lacrymosa“ von Alfred Bruneau
4.1 Zeit- und Rezeptionsgeschichte sowie musikalische Verhaftung Bruneaus
4.2 Analytische Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung des Aspektes der Endzeit
5. Das „Lacrimosa“ von Şerban Nichifor
5.1 Musikalische Verhaftung und kompositorisches Schaffen von Nichifor
5.2 Analytische Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung des Aspektes der Endzeit
6. Resümierender Vergleich der Stücke von Bruneau und Nichifor
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht die „Lacrimosa“-Vertonungen von Alfred Bruneau (1895) und Şerban Nichifor (1990) hinsichtlich ihrer musikalischen Darstellung des Jüngsten Gerichts sowie ihrer potenziellen Bedeutung für den Menschen in einer von apokalyptischen Ängsten geprägten Gegenwart.
- Vergleichende Analyse von Wort-Ton-Mitteln zur Endzeitdarstellung
- Gegenüberstellung unterschiedlicher historischer Zeitkontexte
- Biografische Einflussfaktoren und kompositorische Stilistik
- Psychologische Wirkung von Endzeit-Vertonungen auf den modernen Menschen
- Kritische Reflexion über die Tragweite von Kunstwerken
Auszug aus dem Buch
4.2 Analytische Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung des Aspektes der Endzeit
Das erste leitmotivische Thema, das versinnbildlicht, wie der Mensch am letzten Tag der Endzeit aufersteht und vor das Gottesgericht tritt, wird durch das Orchester mit Akkorden im durchgängigen Viertel-Halbe-Rhythmus eines ungeraden ¾-Taktes eingeleitet und begleitet (Takt 1–14). Diese Akkorde wirken wie das Schlagen des erweckten Menschenherzens. Besondere Eindringlichkeit erfährt dieses „Herzschlagen“ durch die einleitende, sechsmalige ostinate Wiederholung auf der Stufe der Tonika (Fis-Moll) von Takt 1 bis 6. Das leitmotivische Thema I selbst tritt diesem „Herzpochen“ in einem Halbe-Viertel-Rhythmus gegenüber (Takt 3–11), der zum einen den trochäischen Versfuß des Textes dupliziert und zum anderen den schweren Gang des Menschen vor das Gottesgericht markiert.
Schwere wird gesteigert a) durch die Wahl einer tiefen Bassstimme zur Einführung des Themas I in das Stück (Takt 3–14), b) durch die Tempobestimmung „Lento ma non troppo“ (zu Deutsch: „langsam, aber nicht zu sehr“), c) durch das nur allmählich crescendierende Piano (Takt 3, 7 und 10) und d) durch den Viertel-Viertel-Achtel-Achtel-Rhythmus mit in Sekundschritten absteigender Melodielinie (im Stile einer Katabasis) in Takt 12, der vor allem durch die zwei Achtel den Herzschlagrhythmus durchbricht als würde der Mensch in seiner sündigen Unvollkommenheit vor Gott stolpernd und flehend auf die Knie fallen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Relevanz apokalyptischer Ängste in der Gegenwart und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der musikalischen Darstellung des Jüngsten Gerichts bei Bruneau und Nichifor.
2. Eine erste Annäherung an die Musikstücke: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Entstehungsgeschichte, Besetzung und Widmungen der beiden ausgewählten Requiem-Abschnitte.
3. Die Textgrundlage der Werke: Das „Lacrimosa“ aus der Sequenz „Dies Irae“: Hier wird der historische Kontext der mittelalterlichen Totensequenz erläutert und die formale Struktur der ausgewählten Verse analysiert.
4. Das „Lacrymosa“ von Alfred Bruneau: Neben biografischen Hintergründen analysiert dieser Teil die spezifische Leitmotivtechnik und die spätromantisch-naturalistische Kompositionssprache Bruneaus.
5. Das „Lacrimosa“ von Şerban Nichifor: Dieser Abschnitt untersucht Nichifors Stil, der sich durch eine Mischung aus Romantik, Jazz-Elementen und filmmusikalischen Techniken auszeichnet.
6. Resümierender Vergleich der Stücke von Bruneau und Nichifor: Das Fazit fasst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Vertonungen zusammen und bewertet deren Potenzial als Trostspender in Krisenzeiten.
Schlüsselwörter
Lacrimosa, Requiem, Alfred Bruneau, Şerban Nichifor, Dies Irae, Endzeit, Jüngstes Gericht, Leitmotiv, musikalische Analyse, Spätromantik, Jazzharmonik, Apokalypse, Totenmesse, Musikvergleich, Todesdarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht zwei musikalische Vertonungen des „Lacrimosa“-Textes, um zu untersuchen, wie das Jüngste Gericht in verschiedenen Epochen musikalisch interpretiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der musikalischen Symbolik des Weltuntergangs, der biographischen Prägung der Komponisten und der Wirkung solcher Werke auf den modernen Menschen.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit fragt einerseits nach der spezifischen Darstellung des letzten Tages der Endzeit in den Werken und andererseits nach deren Bedeutung für Menschen, die unter heutigen apokalyptischen Ängsten leiden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine diachrone Analyse der Musikwerke angewandt, bei der die kompositorischen Mittel zur Darstellung der Endzeit im Kontext der jeweiligen Biografie und Zeitgeschichte gedeutet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Werkanalyse von Alfred Bruneau und Şerban Nichifor, wobei insbesondere leitmotivische Themen, Harmonik und orchestrale Gestaltung untersucht werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Begriffe wie Leitmotivtechnik, Dies Irae, Endzeitdarstellung, spätromantischer Naturalismus und Jazzharmonik bilden das terminologische Rückgrat der Analyse.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Bruneau von dem von Nichifor?
Bruneau setzt stark auf eine strukturierte Leitmotivtechnik, während Nichifor einen eklektischen Stilmix aus Romantik, Jazz und Filmmusik nutzt, um die emotionalen Inhalte zu vermitteln.
Zu welchem Schluss kommt der Autor bezüglich der Wirksamkeit der Werke?
Der Autor stellt fest, dass die Werke zwar Trost und einen Rückzugsmoment bieten können, jedoch nach Adorno und Horkheimer keine tiefergehenden Lösungsansätze für reale gesellschaftliche Krisen liefern.
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- Bachelor of Arts, Diplomierter Fachlehrer Nico Schloß (Author), 2018, Dies Irae Vertonungen im Vergleich. Das "Lacrymosa" von Alfred Bruneau und das "Lacrimosa" von Şerban Nichifor, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/426238