„Offensichtlich hängen Definition und Bewertung des Populismus in hohem Maße von der jeweiligen Konzeption der Demokratie ab, mit der die Kommentatoren und Wissenschaftler arbeiten.“
Diesen Zusammenhang konstatiert Münkler in seiner Betrachtung des Populismus. In der Populismusforschung findet man eine große Masse an Vorschlägen, was denn nun unter Populismus zu verstehen ist. Das liegt vor allem daran, dass Populismus bisher in unterschiedlichsten Arten und Weisen aufgetreten ist.
Bei der Masse an verschiedenen Formen des Populismus klingt es nur logisch, dass es keine einheitliche Theorie des Populismus geben kann, die alle Formen berücksichtigt. An dieses Problem knüpft Münkler mit seiner These an, dass die unterschiedlichen Theorien des Populismus zustande kommen, weil die Autoren ein unterschiedliches Verständnis von Demokratie besitzen und auf Basis dessen Populismus unterschiedlich bewerten.
Diese Arbeit setzt sich mit der Populismusbewertung und dem Demokratieverständnis des argentinischen politischen Theoretikers Ernesto Laclau auseinander. Die Personalie Laclau ist in diesem Kontext insofern relevant, dass er versuchte eben eine solche einheitliche Theorie des Populismus zu formulieren.
Ziel dieser Arbeit ist es einen Überblick über die Problematik des Populismusbegriffs zu geben und die Populismusbewertung im Zusammenhang mit dem Demokratieverständnis von Laclau zu betrachten. Zu schauen ist, inwiefern Münkler mit seiner These auch den Fall Laclau beschreiben kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Von der Demokratie zum Populismus
3. Die Populismustheorie und das Demokratieverständnis Laclaus
3.1. Laclaus Verständnis von Populismus
3.2. Das Demokratieverständnis Laclaus
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Populismustheorie des argentinischen Theoretikers Ernesto Laclau unter Berücksichtigung der These von Herfried Münkler zu analysieren, um zu untersuchen, inwiefern die Bewertung von Populismus in engem Zusammenhang mit einem spezifischen Demokratieverständnis steht.
- Grundlagen und Problematik des Populismusbegriffs
- Münklers These zum Zusammenhang von Demokratiekonzeption und Populismusbewertung
- Analyse der Populismustheorie nach Ernesto Laclau
- Untersuchung des Demokratieverständnisses von Laclau
- Überprüfung der Interdependenz zwischen Populismusbewertung und Demokratieverständnis
Auszug aus dem Buch
3.1. Laclaus Verständnis von Populismus
Um Laclaus Verständnis von Populismus in seiner Gänze erfassen zu können muss man zunächst seine Theorie des Politischen betrachten. Die zentrale Grundlage für Laclaus Verständnis des Politischen und des Populismus bildet der Begriff des Antagonismus. „Antagonismus meint […] eine temporäre, flexible Grenzziehung, nach der Freund und Feind voneinander unterschieden und erst durch diese Unterscheidung performativ hervorgebracht werden“ (Hildebrand und Séville 2015, S. 29). Für Laclau spielen Antagonismen eine zentrale Rolle in der Politik. Zu beachten ist hier, dass schon der Begriff des Antagonismus einen deskriptiven Kern besitzt. Antagonismen kann Laclau nicht normativ bewerten, da diese keine festgelegten Unterscheidungen sind, sondern sich mit der Zeit immer wieder verändern. Unter Antagonismen ist also allgemein eine bipolare Grenzziehung in der Politik zu verstehen.
Anknüpfend an diesen Gedanken macht Laclau auf der Ebene der Gesellschaftsformation den grundlegenden Unterschied zwischen dem „Volk“ und dem „Machtblock“. „[D]as Volk ist kein bloß rhetorischer Begriff, sondern eine objektive Bestimmung, einer der beiden Pole des in einer konkreten Gesellschaftsformation dominierenden Widerspruchs“ (Laclau 1980, S. 34). Der Antagonismus der in einer Gesellschaft herrscht ist für Laclau also die Unterscheidung zwischen dem „Volk“ und dem „Machtblock“. Interessant wird dieser Gedanke allerdings erst in Kombination mit dem Verständnis, was der „Machtblock“ in einer Gesellschaft ist. Der „Machtblock“ bezeichnet im Sinne Laclaus die Ideologie, innerhalb einer Gesellschaft, die den politischen Diskurs dominiert (Laclau 1981, S. 151). Folgt man Laclau dann in seinem Verständnis vom „Volk“, bezeichnet der Begriff des „Volkes“ nichts anderes als alle Bürgerinnen und Bürger, die nicht der dominierenden Ideologie im politischen Diskurs folgen. Daraus wird deutlich, warum Laclau im Begriff des „Volkes“ keinen rhetorischen Begriff sieht, sondern lediglich einen Teil des Antagonismus von „Volk vs. Machtblock“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Populismusbegriffs ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, inwiefern Herfried Münklers These zum Zusammenhang von Demokratieverständnis und Populismusbewertung auf Ernesto Laclau angewendet werden kann.
2. Von der Demokratie zum Populismus: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Spannungsverhältnisses zwischen Demokratie und Populismus beleuchtet sowie verschiedene Demokratiekonzepte nach Herfried Münkler eingeführt.
3. Die Populismustheorie und das Demokratieverständnis Laclaus: Dieses Kapitel analysiert detailliert Laclaus Verständnis von Populismus (Antagonismus, Volk vs. Machtblock) und sein Demokratieverständnis unter Einbeziehung seiner Hegemonietheorie.
3.1. Laclaus Verständnis von Populismus: Der Fokus liegt hier auf der performativen Natur des Populismus bei Laclau, insbesondere durch die Mechanismen der Grenzziehung und der leeren Signifikanten.
3.2. Das Demokratieverständnis Laclaus: Dieses Kapitel untersucht die biografischen Hintergründe und die hegemonietheoretischen Grundlagen, die Laclaus prozedurales und deskriptives Verständnis von Demokratie begründen.
4. Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt den Zusammenhang zwischen Laclaus Populismusbewertung und seinem Demokratieverständnis, während er auf Begrenzungen der Arbeit hinweist.
Schlüsselwörter
Populismus, Demokratie, Ernesto Laclau, Herfried Münkler, Antagonismus, Hegemonietheorie, Politische Theorie, Demokratieverständnis, Politischer Diskurs, Populistischer Bruch, Machtblock, Volk, Diskursanalyse, Prozessorientierung, Prozeduralismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen von Ernesto Laclaus Verständnis von Populismus und Demokratie und setzt diese in Bezug zu einer populismustheoretischen These von Herfried Münkler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Populismusforschung, die Theorie des Politischen, die Hegemonietheorie sowie die Analyse normativer versus prozeduraler Demokratiekonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu prüfen, ob sich die Populismusbewertung von Ernesto Laclau als logische Konsequenz seines spezifischen Demokratieverständnisses aus der Perspektive von Herfried Münklers These ableiten lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse politikwissenschaftlicher Fachliteratur und der komparativen Untersuchung der Theorien von Laclau und Münkler.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Populismus durch Laclau (insb. Antagonismen und das „Volk“) und kontrastiert diese mit seinem prozedural geprägten Demokratieverständnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den zentralen Begriffen Populismus und Demokratie stehen Begriffe wie Antagonismus, Hegemonie, Diskurs und Prozessorientierung im Fokus.
Inwieweit beeinflusst Laclaus Biografie sein Verständnis?
Die Arbeit deutet an, dass Laclaus Erfahrungen mit dem Peronismus in Argentinien und autoritären Regimen sein skeptisches Verhältnis zu normativen Vorgaben zugunsten eines prozeduralen Demokratieverständnisses geprägt haben könnten.
Was bedeutet der Begriff „leerer Signifikant“ bei Laclau?
Ein leerer Signifikant fungiert als universeller Repräsentant für eine heterogene Gruppe, indem er eine bestimmte, von partikularen Interessen losgelöste Identität schafft, um politische Hegemonie zu erlangen.
- Quote paper
- Manuel Diaz Garcia (Author), 2017, Demokratieverständnis und Populismusbewertung von Ernesto Laclau, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/424419