Kapitalismus und Marktwirtschaft werden häufig miteinander verglichen, wobei Kapitalismus nicht selten mit negativen Attributen wie Ungleichheit, Ausbeutung und Gier beschrieben, die Marktwirtschaft hingegen gesellschaftspolitisch positiver bewertet und in Korrelation zu Fortschritt, Freiheit, Wachstum gebracht wird. Im Folgenden werden zunächst die Begriffe Marktwirtschaft und Kapitalismus hinsichtlich ihrer Disparität kurz dargestellt. Anschließend wird die Entstehungsgeschichte des modernen Kapitalismus beleuchtet und die Bedingungen, warum sich das historische Phänomen ausgerechnet in Europa gebildet hat, skizziert. Abschließend wird die Nachfrage nach Arbeit im Kontext des kapitalistischen Systems betrachtet und in den wesentlichen Aspekten zusammengefasst.
Nach Hermann beschreibt der Kapitalismus die heutige Wirtschaftsform und ist nicht mit der Marktwirtschaft zu verwechseln. Die Marktwirtschaft, wie auch der Kapitalismus, stellen eine Wirtschaftsordnung dar und Marktwirtschaft wird nach Herrmann dadurch definiert, dass „erstmals alles einen Preis [hat] und Land, Arbeit und Produkte frei gekauft und verkauft werden [können]“. Die Anbieter wägen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ab und treffen selbstbestimmte Entscheidungen. „Der Preis allein macht jedoch noch keinen freien Markt – zentral ist die Konkurrenz. In einer ungestörten Begegnung von Angebot und Nachfrage […] soll sich der faire Preis herausbilden“. Die Käufer können mit ihrem Konsumverhalten indirekt Einfluss nehmen, denn die Qualität, Quantität und Preis werden durch den Wettbewerb der Anbieter um die Konsumenten beeinflusst Aus Herrmanns weiteren Erläuterungen geht hervor, dass der Staat lediglich die Rahmenbedingungen konstituiert und ein Intervenieren aufgrund der gleichen Machtverteilung in der Marktwirtschaft nicht indiziert ist. Die Märkte sind offen und für jeden zugänglich, der starke Wettbewerb stellt jedoch auch ein unternehmerisches Risiko dar und es ist kein sicheres Einkommen garantiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Entwicklung und Bedeutung des Kapitalismus
1.1 Der Kapitalismus und die Marktwirtschaft
1.2 Die europäische Emergenz
1.3 Auswirkungen auf die Nachfrage nach Arbeit
2 Der Arbeitsmarkt
2.1 Arbeit als Ware
2.2 Verhältnis zwischen Anbietern und Nachfragern
2.3 Soziale Arbeit im Machtgefüge
3 Arbeitslosigkeit – Gesundheitliche und psychosozialen Folgen
4 Vollbeschäftigung oder zunehmende Prekarisierung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die multidisziplinären Zusammenhänge von Kapitalismus, Arbeitsmarktstrukturen und den sozialen wie gesundheitlichen Folgen von Erwerbslosigkeit, um Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Beschäftigungspolitik zu diskutieren.
- Historische Entstehung und Dynamik des modernen Kapitalismus
- Strukturelle Machtasymmetrien auf dem Arbeitsmarkt
- Psychosoziale Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und Erwerbsbiographien
- Bedeutung der Sozialen Arbeit als Integrationsinstanz
- Potenziale staatlicher Interventionen zur Erreichung von Vollbeschäftigung
Auszug aus dem Buch
1.1 Der Kapitalismus und die Marktwirtschaft
Nach Hermann beschreibt der Kapitalismus die heutige Wirtschaftsform und ist nicht mit der Marktwirtschaft zu verwechseln. Die Marktwirtschaft, wie auch der Kapitalismus, stellen eine Wirtschaftsordnung dar und Marktwirtschaft wird nach Herrmann dadurch definiert, dass „erstmals alles einen Preis [hat] und Land, Arbeit und Produkte frei gekauft und verkauft werden [können]“ (Herrmann, 2013: 66). Die Anbieter wägen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ab und treffen selbstbestimmte Entscheidungen. „Der Preis allein macht jedoch noch keinen freien Markt – zentral ist die Konkurrenz. In einer ungestörten Begegnung von Angebot und Nachfrage […] soll sich der faire Preis herausbilden“ (ebd.). Die Käufer können mit ihrem Konsumverhalten indirekt Einfluss nehmen, denn die Qualität, Quantität und Preis werden durch den Wettbewerb der Anbieter um die Konsumenten beeinflusst (vgl. ebd.) Aus Herrmanns weiteren Erläuterungen geht hervor, dass der Staat lediglich die Rahmenbedingungen konstituiert und ein Intervenieren aufgrund der gleichen Machtverteilung in der Marktwirtschaft nicht indiziert ist (vgl. ebd.: 82). Die Märkte sind offen und für jeden zugänglich (vgl. ebd.: 66), der starke Wettbewerb stellt jedoch auch ein unternehmerisches Risiko dar und es ist kein sicheres Einkommen garantiert (vgl. ebd.: 69).
Der Begriff Kapitalismus geht auf die Wirtschafts und Gesellschaftsordnung im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert zurück, in dem die wohlhabenden Adligen über die Besitzlosen herrschten und durch das Fehlen staatlicher Regelungen freien Handlungsspielraum besaßen (Duden Wirtschaft von A bis Z, 2016). Dabei geht es nach Herrmann „um den Einsatz von Kapital mit dem Ziel, hinterher noch mehr Kapital zu besitzen, also einen Gewinn zu erzielen. Es handelt sich um einen Prozess, der exponentielles Wachstum erzeugt“ (Herrmann, 2013: 9). Jedoch profitierte lediglich die schmale Oberschicht, was zu Massenarmut und existenziellen Bedrohungen führte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Entwicklung und Bedeutung des Kapitalismus: Dieses Kapitel erläutert die begriffliche Abgrenzung zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft sowie die historischen Bedingungen der Entstehung des modernen Kapitalismus in Europa.
2 Der Arbeitsmarkt: Hier wird die marktstrategische Sonderstellung von Arbeitskraft als Ware sowie das daraus resultierende strukturelle Machtgefälle zwischen Anbietern und Nachfragern analysiert.
3 Arbeitslosigkeit – Gesundheitliche und psychosozialen Folgen: Das Kapitel beleuchtet die tiefgreifenden gesundheitlichen, sozialen und psychischen Konsequenzen von Erwerbslosigkeit und die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Inklusion.
4 Vollbeschäftigung oder zunehmende Prekarisierung: Abschließend werden die Folgen der Tertialisierung diskutiert und Wege aufgezeigt, wie durch staatliche Interventionen und eine aktive Dienstleistungspolitik Vollbeschäftigung angestrebt werden kann.
Schlüsselwörter
Kapitalismus, Marktwirtschaft, Arbeitsmarkt, Erwerbsarbeit, Prekarisierung, Machtgefälle, Arbeitslosigkeit, Soziale Arbeit, Vollbeschäftigung, Gesundheit, Tertialisierung, Lohndumping, Sozialstaat, Sinnstiftung, Integrationsfunktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine multidisziplinäre Einführung in die Zusammenhänge zwischen kapitalistischer Wirtschaftsweise, Arbeitsmarktmechanismen und den sozialen Folgen für Individuen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung des Kapitalismus, der Analyse von Arbeitskraft als Ware, den psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit sowie der Diskussion um Vollbeschäftigung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Machtgefälle auf dem Arbeitsmarkt zu verstehen und zu eruieren, inwiefern staatliche Politik den Weg von prekären Verhältnissen hin zu einer stabilen Beschäftigung ebnen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene sozioökonomische Perspektiven, empirische Studien und arbeitsmarktpolitische Diskurse zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung des modernen Kapitalismus, die Funktionsweise des Arbeitsmarktes, die gesundheitlichen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und die Rolle staatlicher Interventionen im Zuge des Strukturwandels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Kapitalismus, Prekarisierung, Arbeitsmarkt, Soziale Arbeit, Vollbeschäftigung, Machtgefälle und die psychosozialen Folgen von Erwerbslosigkeit.
Wie unterscheidet sich laut Text die Ware Arbeitskraft von anderen Gütern?
Arbeitskraft kann marktstrategisch kaum modifiziert werden, ist in ihrer Menge relativ starr und unterliegt politischen sowie kulturellen Bedingungen, was sie für den Anbieter in einer freien Marktkonkurrenz benachteiligt.
Warum fordern die Autoren eine aktive Dienstleistungspolitik?
Sie argumentieren, dass eine aktive staatliche Rolle im Dienstleistungssektor das durch Tertialisierung entstandene Ungleichgewicht ausgleichen und dem Lohndumping entgegenwirken kann, um Massenkaufkraft und Wohlstand zu stabilisieren.
- Quote paper
- Sina Eichler (Author), 2018, Eine multidisziplinäre Einführung in die Arbeit. Kapitalismus, Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/421567