Denken wir heute an Zeitdiebe, so wird vielen die Geschichte von „Momo“ einfallen, welche diese sogar mit im Titel trägt. Doch was stehlen diese Diebe eigentlich genau? Zahlreiche Autoren und Wissenschaftler haben versucht, diese bereits von Augustinus aufgeworfene Frage zu beantworten. Beteiligt an der Zeitalter und Kulturen übergreifenden Debatte waren u.a. so unterschiedliche Disziplinen wie die Philosophie, die Physik und die Psychologie. Trotz all dieser Anstrengungen muss der ontologische Status der Zeit jedoch ungeklärt bleiben. Ist sie nun „objektiv, meßbar und folglich unabhängig, oder existiert sie schlichtweg gar nicht?“ - wir wissen es nicht. Diese Hausarbeit widmet sich der Beantwortung dieser Frage anhand einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung der Zeitdarstellung in „Momo“.
Als methodisches Vorgehen wurde ein induktives Verfahren gewählt. Es wird davon ausgegangen, dass dem Leser oder der Leserin die Geschichte von Momo bekannt ist, weshalb eine Wiedergabe des Inhalts unterbleibt und allein diejenigen Aspekte der Geschichte untersucht werden, welche mit Bezug auf die Zeitdarstellung zentral sind. Das subjektive Erleben der Figuren in dem Roman ist zutiefst geprägt von ihrem individuellen Erleben von Zeit. Daher wird zunächst anhand von ausgewählten Figuren untersucht, wie diese Zeit im Verlauf des Romans erleben. Anschließend wird herausgearbeitet, welches Zeitverständnis dem Buch insgesamt zugrunde liegt und der zeitliche Rahmen des Buches betrachtet. Zum Schluss werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst und eingeordnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zeitdarstellung in „Momo“
2.1 Zeiterleben ausgewählter Figuren
2.2 Zeitverständnis
2.3 Zeitliche Rahmen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der Zeitdarstellung im Roman „Momo“ von Michael Ende. Ziel ist es, durch eine literaturwissenschaftliche Analyse die gegensätzlichen Zeitmodelle zu identifizieren und deren Auswirkungen auf das subjektive Erleben der Figuren sowie die gesellschaftliche Struktur innerhalb der Erzählung zu erörtern.
- Gegenüberstellung von subjektiv erlebter Zeit und objektiv messbarer Zeit
- Analyse der Zeitkonzepte „Zeit ist Leben“ versus „Zeit ist Geld“
- Untersuchung des Zeiterlebens von Protagonisten wie Momo, Beppo Straßenkehrer und den grauen Herren
- Bedeutung des Augenblicks, der Erinnerung und der menschlichen Stundenblumen
- Die Rolle der Langsamkeit und Bedächtigkeit im Gegensatz zur Effizienzmaximierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Zeiterleben ausgewählter Figuren
Momo nutzt ihre Zeit, um sie anderen Menschen zu schenken7. Als besonders herausragende Eigenschaft wird ihr zugeschrieben, dass sie anderen Menschen außerordentlich gut zuhören kann. Sie redet dabei nicht selbst, sondern „hört […] einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme“8, ist selbst in dem Moment präsent und ermöglicht so den Personen, welchen sie zuhört, Zugang zu ihren eigenen, ganz individuellen, Gefühlen zu erhalten9. Sogar Streit kann sie damit lösen, etwa den zwischen dem Maurer Nicola und dem Lokalinhaber Nino. Der Schlüssel in Momos Verhalten bei der Mittlerrolle in dem Disput wird dabei so beschrieben: „Sie wartete einfach ab, was geschehen würde. Manche Dinge brauchen ihre Zeit – und Zeit war ja das Einzige, woran Momo reich war“10. In der Folge werden Nicola und Nino dazu gezwungen selbst über die Gründe ihres Streits nachzudenken und finden selbst zu einer Lösung. Dadurch also, dass sich Momo Zeit für ihre Mitmenschen nimmt, ermöglicht und erfährt sie soziales Zusammenleben, Empathie, Individualität und Kreativität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die literaturwissenschaftliche Fragestellung zum ontologischen Status der Zeit in Michael Endes „Momo“ ein und erläutert das gewählte induktive Vorgehen.
2. Zeitdarstellung in „Momo“: Dieses Hauptkapitel analysiert das Zeiterleben zentraler Charaktere, erarbeitet das zugrunde liegende Zeitverständnis und beleuchtet den zeitlichen Rahmen des Romans.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Kontrastierung der Zeitmodelle zusammen und ordnet das Werk als gesellschaftskritischen Entwurf ein, der zur Bedächtigkeit aufruft.
Schlüsselwörter
Zeitdarstellung, Michael Ende, Momo, Zeiterleben, Zeitverständnis, Zeit ist Leben, Zeit ist Geld, Subjektivität, Stundenblumen, Langsamkeit, Graue Herren, Sozialverhalten, Erzähltheorie, Augenblick, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse der Zeitkonzepte in Michael Endes Roman „Momo“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen das subjektive Zeitempfinden der Figuren, die unterschiedlichen Zeitmodelle (Zeit als Leben vs. Zeit als ökonomische Ressource) und die gesellschaftlichen Implikationen dieser Konzepte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Gegensätzlichkeit zwischen dem „Zeitnehmen“ und dem „Zeitsparen“ aufzuzeigen und zu untersuchen, wie diese die Lebensqualität und Persönlichkeit der Charaktere beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein induktives, literaturwissenschaftliches Verfahren angewandt, das sich auf die Analyse spezifischer Textstellen und Figurenkonstellationen stützt.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Zeiterlebens ausgewählter Figuren, das übergeordnete Zeitverständnis des Werkes und die Betrachtung der zeitlichen Rahmung des Textes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zeitdarstellung, Subjektivität, Stundenblumen, Zeitmodelle sowie die gesellschaftskritische Lesart des Romans.
Wie unterscheidet sich Momos Zeitverständnis von dem der grauen Herren?
Momo verkörpert eine subjektive, am Augenblick orientierte Lebensweise, während die grauen Herren Zeit als quantifizierbare, zu hortende Ware begreifen.
Warum spielt die Schildkröte Kassiopeia eine besondere Rolle im Kontext der Zeit?
Sie symbolisiert als langsames Tier die Weisheit der Entschleunigung und führt Momo zum Verwalter der Zeit, was das Plädoyer des Autors für mehr Muße unterstreicht.
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- Tim Lerner (Author), 2018, Zeitdarstellung in "Momo" von Michael Ende, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/420537