Einleitung und Einführung in das Thema
Der Dekalog und seine Wirkungsgeschichte hatte, hat und wird eine große Bedeutung für sehr viele Menschen haben. Vielleicht war ich deshalb so fasziniert von der für mich im Proseminar zum ersten Mal erschlossenen Tatsache, dass die beiden im Alten Testament zu findenden Dekalogfassungen nicht nur einige inhaltliche Differenzen aufweisen, sondern auch unterschiedliche Zählweisen der einzelnen Gebote nahe legen.
Deshalb möchte ich in dieser Arbeit zunächst auf die beiden Versionen und ihre Unterschiede, speziell die implizit angelegten Zählungen mit ihren Begründungen und theologischen Konsequenzen eingehen und in einem knapper gestalteten Teil auch die verschiedene Zählung der „zehn Worte“ in den Katechismen der jüdischen sowie christlichen Religion erläutern. Wenn ich im Folgenden von der „ersten Version“ für die Exodus-Fassung bzw. der „zweiten Version“ für die Fassung des Deuteronomium sprechen werden, so soll damit keinesfalls eine Theorie über die Entstehung der Ex-Version vor der Dtn-Version gemeint sein; diese Bezeichnungen beziehen sich lediglich auf die heutige Stellung der beiden Dekalogversionen innerhalb des Alten Testaments und hier speziell des Pentateuch.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung und Einführung in das Thema
2. Die beiden Dekalogfassungen im AT im direkten Vergleich
3. Die unterschiedliche Zählung der Gebote in den beiden Fassungen und deren Gründe
4. Die unterschiedliche Zählung der Gebote in den Katechismen
4.1 Jüdisch traditionell
4.2 Orthodox, reformiert, anglikanisch
4.3 Katholisch und lutherisch
5. Abschließende Bemerkungen und Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen Differenzen und die unterschiedlichen Zählweisen der beiden Dekalogfassungen (Exodus und Deuteronomium) im Alten Testament sowie deren Rezeption und Zählweisen in verschiedenen christlichen und jüdischen Katechismen.
- Vergleichende Analyse der Dekalogfassungen in Ex 20 und Dtn 5
- Untersuchung der Entstehung von Zählweisen der „zehn Worte“
- Bedeutung der „Zehnzahl“ als Symbol der Vollständigkeit
- Rezeptionsgeschichte und konfessionelle Unterschiede in der Gebotszählung
Auszug aus dem Buch
3. Die unterschiedliche Zählung der Gebote in den beiden Fassungen und deren Gründe
Zunächst ist hier festzustellen, dass die „Zehn Worte“, die als solche im Alten Testament an nur drei Stellen erwähnt werden (Ex 34,28 sowie Dtn 4,13; 10,4), von denen sich wahrscheinlich nur zwei (nämlich die beiden im Dtn) auf den Dekalog beziehen, „weder nummeriert [sind] [...] noch im direkten Kontext als „Zehnwort“ bezeichnet [werden].“ 9 Denn selbst die Erwähnung von „Zehn Worten“ im Pentateuch lässt offenbar keinen Rückschluss auf ein Abzielen der Verfasser auf die Zehnzahl zu, denn Ex 34,28 steht aller Wahrscheinlichkeit nach im Bezug zu Ex 34,10-26, dem so genannten „Dodekalog“ oder „kultischen Dekalog“ (im Gegensatz zum hier behandelten „ethischen Dekalog“)10, der sich „nur durch mehr oder weniger willkürliche Streichungen von zwölf (oder mehr) Sätzen auf zehn reduzieren [lässt]. [...] [D]ie Zehnzahl [muss] also überall durch Eingriffe in Reihen von meist 12-15 Sätzen erst hergestellt werden.“11 Außerdem „wird im Alten Testament nirgends auch nur der Versuch gemacht, die Zehn Gebote auf die zwei Tafeln zu verteilen.“ 12
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Einführung in das Thema: Die Autorin legt die Motivation für ihre Arbeit dar und erläutert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung der zwei biblischen Dekalogfassungen.
2. Die beiden Dekalogfassungen im AT im direkten Vergleich: Dieses Kapitel arbeitet die inhaltlichen Gemeinsamkeiten und die Abweichungen zwischen der Exodus- und der Deuteronomiumfassung heraus, insbesondere hinsichtlich des Sabbatgebots und der Begründungszusammenhänge.
3. Die unterschiedliche Zählung der Gebote in den beiden Fassungen und deren Gründe: Hier wird analysiert, wie die „Zehnzahl“ historisch-kritisch entstanden ist und warum die Einteilung der Gebote in den Texten ursprünglich nicht explizit festgelegt war.
4. Die unterschiedliche Zählung der Gebote in den Katechismen: Das Kapitel differenziert zwischen den verschiedenen konfessionellen Traditionen und deren jeweiliger Zählweise der Gebote unter Berücksichtigung der zwei biblischen Vorlagen.
5. Abschließende Bemerkungen und Fazit: Die Autorin resümiert, dass die Suche nach einer einzig „richtigen“ Zählweise aufgrund der unterschiedlichen Traditionen hinfällig ist und würdigt die Vielfalt der biblischen Überlieferung.
Schlüsselwörter
Dekalog, Zehn Gebote, Altes Testament, Exodus, Deuteronomium, Gebotszählung, Katechismus, Bibelhermeneutik, Pentateuch, Wirkungsgeschichte, Sabbatgebot, Fremdgötterverbot, Bilderverbot, Religionsgemeinschaften, Kanon.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Proseminararbeit befasst sich mit der vergleichenden Untersuchung der beiden Dekalogfassungen im Alten Testament und deren unterschiedlicher Zählweisen in der jüdischen und christlichen Tradition.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die textkritische Analyse von Ex 20 und Dtn 5, die Bedeutung der symbolischen Zehnzahl und die Art und Weise, wie verschiedene Religionen die Gebote für ihren Katechismus strukturiert haben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen den Dekalogversionen aufzuzeigen und zu erklären, warum sich historisch gesehen verschiedene Zählweisen der „zehn Worte“ etablieren konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen und exegetischen Analyse der entsprechenden biblischen Texte sowie der Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Wirkungsgeschichte des Dekalogs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die inhaltlichen Differenzen der biblischen Texte verglichen, gefolgt von einer Untersuchung, wie die Zählung der Gebote in verschiedenen Katechismen (jüdisch, katholisch, reformiert etc.) begründet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Dekalog, Zehn Gebote, Gebotszählung, Ex- und Dtn-Fassung sowie Katechismus definieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen der Exodus- und Deuteronomium-Fassung so wichtig für das Verständnis?
Die Unterschiede, etwa beim Sabbatgebot oder im Begehrensverbot, zeigen, dass der Dekalog kein starrer Normtext war, sondern von verschiedenen Redaktoren in unterschiedlichen theologischen Kontexten bearbeitet wurde.
Welche Rolle spielen die Katechismen bei der Zählung?
Die Katechismen spiegeln den Versuch der verschiedenen Konfessionen wider, die „Zehn Worte“ für den Unterricht und die religiöse Praxis handhabbar zu machen, indem sie den biblischen Text jeweils auf eine Zehnzahl normiert haben.
- Arbeit zitieren
- Michaela Hofmann (Autor:in), 2004, Die unterschiedliche Komposition der beiden Dekalogfassungen im Alten Testament, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/41958