Diese Proseminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern sich Undine aus Friedrich de la Motte Fouqués gleichnamigem Werk und Serpentina aus E.T.A. Hoffmanns ‚Der goldene Topf‘ unterscheiden und gleichen, in Bezug auf ihre Beziehungen zum Männlichen, ihren Charakter und ihre Verwandtschaft mit den mythischen Gestalten Melusine und Undine. Hierbei wird außerdem auf die Melusina von Tieck eingegangen, insbesondere auf deren Status als Vorfahrin der Protagonistinnen der hier hauptsächlich behandelten Texte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzbiographien
2.1. E.T.A. Hoffmann
2.2. Friedrich de la Motte Fouqué
3. Die Handlungen – zusammengefasst
3.1. E.T.A. Hoffmann – ‚Der goldene Topf‘
3.2. Friedrich de la Motte Fouqué – ‚Undine‘
3.3. Ludwig Tieck - ‚Wunderbare Historie von der Melusina‘
4. Unterschiede der Protagonistinnen
4.1. Frau und Mann im Kontrast
4.1.1. Serpentina, Anselmus und die figura serpentinata
4.1.2. Undine und die Männlichkeit
4.2. Charakter
4.2.1. Serpentina als eigenständige Figur
4.2.2. Undine als Stürmerin und Drängerin vor und nach ihrer Beseelung
4.3. Die Gestalten Melusine und Undine und ihr Bezug zu Serpentina und Undine
4.3.1. Melusine und Undine – Geschichte
4.3.2. Melusina, Undine, Serpentina – Beziehungen
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Proseminararbeit untersucht die weiblichen Hauptfiguren Undine aus Friedrich de la Motte Fouqués Werk und Serpentina aus E.T.A. Hoffmanns ‚Der goldene Topf‘ hinsichtlich ihrer Charakteristika, ihrer Beziehungen zum Männlichen sowie ihrer literarischen Verwandtschaft zu mythischen Vorbildern wie der Melusine. Dabei wird analysiert, inwieweit diese Frauenfiguren trotz zeitgleicher Entstehung unterschiedlich dargestellt werden und ob sie tatsächlich als eigenständige Charaktere fungieren.
- Vergleichende Analyse romantischer Frauenfiguren
- Einfluss männlicher Akteure auf die weibliche Entwicklung
- Intertextuelle Bezüge zum Melusinenstoff
- Rolle der Beseelung als zentrales Motiv
- Untersuchung von Autoreneinflüssen und Epochenkontext
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Serpentina, Anselmus und die figura serpentinata
Als Anselmus Serpentina zum ersten Mal – in ihrer Schlangenform – sieht, ist klar, dass sie wichtiger ist als eine bloße Frauenfigur, in die er sich verliebt. Denn durch seine aufflammende Liebe zu ihr, durch dieses Sehen und Gesehen werden, ist es ihm möglich, eine neue Realität wahrzunehmen; was vor diesem Moment noch als alltäglich gegolten hat, wird dekonstruiert.
Der Hollunderbusch rührte sich und sprach: „Du lagst in meinem Schatten, mein Duft umfloß dich, aber du verstandest mich nicht. Der Duft ist meine Sprache, wenn ihn die Liebe entzündet.“ Der Abendwind strich vorüber und sprach: „ich umspielte deine Schläfe aber du verstandest mich nicht, der Hauch ist meine Sprache, wenn ihn die Liebe entzündet.“ Die Sonnenstrahlen brachen durch das Gewölk und der Schein brannte wie in Worten: „ich umgoß Dich mit glühendem Gold, aber du verstandest mich nicht; Gluth ist meine Sprache, wenn sie die Liebe entzündet.“
Die Schlange bekommt durch Serpentina eine Umwertung, sie soll zu höherer Intelligenz statt ins Verderben führen. Dies ist nämlich die christliche Konnotation dieses Tieres, es gilt als Symbol der Verführung. Im ‚Goldenen Topf‘ wird dies umgekehrt: „Erscheint Serpentina als biblische Schlange der Verführung, vertreibt sie Anselmus nicht aus dem Paradies, sondern weist ihm den naturpoetischen Weg zurück in das Paradies.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstands und der Fragestellung bezüglich der Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Serpentina und Undine im Kontext romantischer Frauenbilder.
2. Kurzbiographien: Untersuchung der Lebensläufe von E.T.A. Hoffmann und Friedrich de la Motte Fouqué sowie deren mögliche Einflüsse auf die Darstellung ihrer Frauenfiguren.
3. Die Handlungen – zusammengefasst: Zusammenfassende Skizzierung der literarischen Werke ‚Der goldene Topf‘, ‚Undine‘ und ‚Wunderbare Historie von der Melusina‘.
4. Unterschiede der Protagonistinnen: Detaillierter Vergleich der Figuren, ihrer Interaktion mit männlichen Charakteren und ihrer Rolle als Elementarwesen sowie deren mythologische Wurzeln.
5. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass die Handlungsfreiheit der Frauenfiguren trotz ihrer zentralen Bedeutung durch männliche Akteure und gesellschaftliche Traditionen stark begrenzt bleibt.
Schlüsselwörter
Elementargeister, Romantik, Serpentina, Undine, Melusine, Weiblichkeitsbild, E.T.A. Hoffmann, Friedrich de la Motte Fouqué, Anselmus, Beseelung, Intertextualität, Literaturanalyse, Frauenfiguren, Mythologie, Literatur um 1800.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die weiblichen Hauptfiguren Serpentina und Undine aus zwei zentralen Werken der Romantik und untersucht deren Verwandtschaft zu mythologischen Vorbildern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Themen sind die Darstellung weiblicher Identität, der Einfluss männlicher Figuren auf die Entwicklung von Frauenfiguren sowie die Auseinandersetzung mit dem Motiv der Elementarwesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie sich Serpentina und Undine in ihrer Eigenständigkeit unterscheiden und inwiefern sie den Melusinenstoff verarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und stützt sich auf intertextuelle Untersuchungen sowie Sekundärliteratur zu den besprochenen Autoren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Handlungen, die Charakterzüge der Protagonistinnen, ihre Beziehung zum Männlichen und den Rückbezug zu mythischen Gestalten wie Melusine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Elementargeister, Romantik, Beseelung, Weiblichkeitsbild und Intertextualität.
Warum spielt die Beseelung bei Undine eine so große Rolle?
Die Beseelung ist zentral, da sie einen Wendepunkt im Charakter von Undine markiert, an dem sie von einer eigenständigen Naturkraft zu einem angepassten Menschen wird.
Wie unterscheidet sich Serpentinas Rolle von der Undines?
Serpentina fungiert eher als positive Instanz und Mittel zur Inspiration für Anselmus, während Undine stärker unter den Zwängen ihrer Beziehung und ihres Elementarstatus leidet.
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- Anonym (Author), 2015, E.T.A. Hoffmanns "Der Goldene Topf" und Friedrich de la Motte Fouqués "Undine". Die Protagonistinnen im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/417935