Das Abendmahl ist im christlichen Glauben von zentraler Bedeutung. In nahezu jeder Konfession ist es in der kirchlichen Liturgie fest verankert und stellt ein zentrales Ereignis des gottesdienstlichen Lebens dar. In der Kirche wird dem letzten Abendmahl Jesu Christi mit seinen Jüngern gedacht. Die Glaubensgemeinschaft kommt zusammen, um gemeinsam zu beten und schließlich das Brot zu brechen, wie er es einst tat, bevor er gekreuzigt wurde.
Da die Eucharistie eine der vielen konfessionsübergreifenden Gemeinsamkeiten des Christentums darstellt, hat die Ökumenische Bewegung die zahlreichen Ähnlichkeiten / Übereinstimmungen betrachtet und zusammengetragen, um so auch die Annäherung der Konfessionen zu unterstützen. Dennoch lassen sich bei der Umsetzung und Interpretation der Eucharistie große Unterschiede in den Kirchen feststellen.
In der vorliegenden Hausarbeit soll deshalb zu Beginn auf die Eucharistie in der orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirche eingegangen werden, um die jeweiligen Eigenheiten besser herauskristallisieren zu können. Anschließend führen die Betrachtungen zu den ökumenischen Überlegungen, die ein gemeinsames Abendmahl zum Ziel haben. Dabei wird das Lima-Papier von 1982, das vom Ökumenischen Rat der Kirchen und der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung ausgearbeitet wurde, näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Eucharistie in den Konfessionen
2.1. Die Orthodoxe Kirche
2.2. Die Römisch-katholische Kirche
2.3. Die Evangelische Kirche
3. Ökumenische Aktivitäten in der Eucharistie
3.1. Der Begriff „Einheit“
3.2. Das Lima-Papier von 1982
3.2.1. Die Herausgeber und Verfasser
3.2.2. Betrachtungen der Eucharistie im Lima-Papier
3.3. Communauté de Taizé
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Abendmahls innerhalb der christlichen Konfessionen und analysiert, inwiefern ökumenische Ansätze, insbesondere das Lima-Papier von 1982 und die Praxis der Communauté de Taizé, den Weg zu einer gemeinsamen eucharistischen Feier ebnen oder herausfordern.
- Vergleichende Analyse des Abendmahlsverständnisses in der orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirche
- Untersuchung ökumenischer Bemühungen um eine sichtbare Einheit der Kirche
- Detaillierte Betrachtung des Lima-Papiers als orientierungsgebendes Dokument für den ökumenischen Dialog
- Analyse des gemeinschaftsbildenden Charakters der Communauté de Taizé
- Reflexion über die Grenzen und Möglichkeiten der Abendmahlsgemeinschaft im gegenwärtigen ökumenischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Die Herausgeber und Verfasser
Laut Ernesti wurde der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), der dieses Papier ausarbeitete, 1948 mit 147 Kirchen aus 47 Ländern gegründet. Innerhalb weniger Jahre gewann diese Vereinigung weltweit an Bedeutung und wurde eine feste Größe der Ökumenischen Bewegung. Die katholische Kirche ist bis heute kein Mitglied des ÖRK, aber seit 1961 werden offizielle Beobachter zu den Konferenzen entsandt. (vgl. Ernesti 2007: 72–79)
Der Rat sieht sich nicht als „universale Autorität, die über Glauben und Handeln der Christen wacht.“ (vgl. ÖRK 1982: 1) Ziel ist also nicht, neue Gesetzmäßigkeiten und Regelungen für die Gläubigen zu schaffen, sondern zum Nach- und Umdenken anzuregen. Im Vordergrund steht das Zusammenrücken zu einer sichtbaren Einheit der Kirche. (vgl. ÖRK 1982: 1) Damit ist nicht gemeint, dass die Kirchen der Welt auf eine gemeinsame Institution hin arbeiten sollen, auch wenn dies in einigen ökumenischen Theorien Raum findet. Die verschiedenen Praxen des christlichen Glaubens werden eher als Bereicherung gesehen und sind durchaus erwünscht. Es geht vielmehr um die Überwindung von Differenzen und Selbstreflexion innerhalb der Gemeinden.
Der Eingangserklärung des Lima-Papiers ist zu entnehmen, dass der ÖRK Bei der theologischen Arbeit maßgeblich von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung unterstützt wird. Der Vorsitzende der Kommission und des Redaktionsausschusses ist Frère Max Thurian, ein Bruder der Taizé-Bruderschaft. Um die sichtbare Einheit der Kirchen umsetzen zu können werden Ausarbeitungen zu wichtigen Punkten wie Taufe Eucharistie und Amt angefertigt, die Stellungnahmen der verschiedenen Kirchen verglichen und die elementaren Gemeinsamkeiten herausgearbeitet. (ÖRK 1982: 1)
„Folglich ist es das ausdrückliche Ziel der Kommission, ‚die Einheit der Kirche Jesu Christi zu verkündigen und die Kirchen aufzurufen zu dem Ziel der sichtbaren Einheit in einem Glauben und einer eucharistischen Gemeinschaft, die ihren Ausdruck in Gottesdienst und im gemeinsamen Leben in Christus findet, damit die Welt glaube‘ (Satzung der Kommission).“ (ÖRK 1982: 1)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Bedeutung des Abendmahls ein und formuliert die Leitfragen zur ökumenischen Eucharistie unter Berücksichtigung verschiedener konfessioneller Perspektiven.
2. Die Eucharistie in den Konfessionen: Dieses Kapitel erläutert die unterschiedlichen theologischen Konzepte und liturgischen Umsetzungen des Abendmahls in der orthodoxen, römisch-katholischen und evangelischen Kirche.
3. Ökumenische Aktivitäten in der Eucharistie: Das Kapitel befasst sich mit dem Begriff der Einheit sowie mit wegweisenden ökumenischen Modellen wie dem Lima-Papier und der Gemeinschaft von Taizé als Orte des Dialogs.
4. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung resümiert, dass das Abendmahl eine moralische Gemeinschaft stiftet, weist jedoch auf die bestehenden konfessionellen Grenzen und das Fehlen einer offiziellen Abendmahlsgemeinschaft hin.
Schlüsselwörter
Eucharistie, Abendmahl, Ökumene, Ökumenischer Rat der Kirchen, Lima-Papier, Communauté de Taizé, Realpräsenz, Transsubstantiation, Kirchengemeinschaft, christliche Einheit, Epiklese, Liturgie, Konfessionen, Abendmahlsgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Abendmahl als zentrales, aber zugleich konfessionell unterschiedlich interpretiertes Element der christlichen Liturgie und analysiert ökumenische Bestrebungen zur Annäherung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die liturgischen Unterschiede zwischen den Konfessionen, die Bedeutung des Lima-Papiers von 1982 sowie das Gemeinschaftsmodell der Communauté de Taizé.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu ergründen, warum das Abendmahl für die Gemeinschaft so wichtig ist und wie gemeinschaftsstiftende Elemente auf eine ökumenische Eucharistie übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologische Hausarbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung zentraler ökumenischer Dokumente basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst das Eucharistieverständnis der drei großen Konfessionen, beleuchtet dann die Rolle des ÖRK und des Lima-Papiers und schließt mit der Untersuchung der Praxis in Taizé.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Eucharistie, Ökumene, Realpräsenz, Kirchengemeinschaft, Lima-Papier, Konfessionen und Gemeinschaftsbildung.
Welche Rolle spielt die Epiklese im Lima-Papier?
Die Epiklese wird als Anrufung des Heiligen Geistes beschrieben, die die Wandlung der Elemente und die Gegenwart Christi im eucharistischen Geschehen vermittelt.
Wie unterscheidet sich die Praxis in Taizé von anderen Konfessionen?
Taizé bietet einen Raum, in dem trotz offizieller konfessioneller Grenzen durch gegenseitige Einladung ein Dialog und eine gelebte ökumenische Gemeinschaft gefördert werden.
Wird im Lima-Papier eine neue allgemeine Liturgie gefordert?
Nein, das Lima-Papier dient als Orientierungshilfe und Impulsgeber für Dialoge, nicht als verbindliche neue Gesetzgebung oder Einheitsliturgie für alle Kirchen.
Warum bleibt eine gemeinsame Eucharistie laut Autor eine Herausforderung?
Trotz zahlreicher ökumenischer Annäherungen bilden die unterschiedlichen Lehren zum Kirchenamt und die dogmatischen Trennungen der großen Konfessionen weiterhin erhebliche Hürden.
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- Anonym (Author), 2015, Ökumenische Bestrebungen in der Eucharistie. Einheit durch Abendmahlsgemeinschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/416805