Vorliegender Text rekonstruiert die Kantsche Deduktion des Begriffs der Moral, unter Rückgriff auf die Grundlagen der Metaphysik der Sitte und die Kritik der praktischen Vernunft.
Das in der vorliegenden Hausarbeit behandelte Problem von „Freiheit und Kausalität“ ist als Verhältnis von Selbstbestimmung und Determiniertheit von weitreichender philosophischer Brisanz.
Betrachtet man etwa das zur Zeit viel diskutierte Mind-body problem der Philosophy of mind deutet sich Kants Problem von Freiheit der Vernunft und Naturkausalität im Problem vom Verhältnis der mentalen Prozesse zum Körper ab und Thomas Nagels Fledermaus-Argument der nicht irreduziblen Erlebnisperspektive könnte sich inspiriert haben lassen von Kants Annahme eines notwendigen „Mehr“ als der bloßen Naturkausalität. (vgl GMS BA 119f) Nicht nur, aber vor allem auch in Kants eigener Moralphilosophie ist die Bestimmung der beiden Begriffe darüber hinausgehend von fundamentaler Bedeutung. Bloße und vollkommene Determiniertheit würde jedes moralische Handeln verunmöglichen einerseits, Kants Bestimmung des Sittengesetz als objektiv notwendig und universal erzwingt den Begriff der Gesetzmäßigkeit andererseits. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kants Antinomienlehre
3 Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
3.1 Werkimmanente Notwendigkeit der Freiheit in Kants GMS
3.2 Die Kantsche Deduktion der Freiheit
3.3 Von den äußersten Grenzen der praktischen Philosophie
4 Ausblick: der Begriff des Gegebenen in der Kritik der praktischen Vernunft
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Freiheit und Kausalität im Denken Immanuel Kants. Ziel ist es, die systematische Verknüpfung von Selbstbestimmung und Naturnotwendigkeit, insbesondere in Bezug auf die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten und die Kritik der reinen Vernunft, zu analysieren und die theoretische Vermittelbarkeit beider Konzepte kritisch zu beleuchten.
- Analyse des dritten Widerstreits der transzendentalen Ideen.
- Untersuchung des Begriffs der Freiheit als notwendige Voraussetzung moralischen Handelns.
- Erarbeitung der Kantschen Deduktion der Freiheit.
- Diskussion der Grenzen praktischer Philosophie und des Begriffs des Gegebenen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Werkimmanente Notwendigkeit der Freiheit in Kants GMS
Kant beschreibt seine Absicht und die Methodik der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten bereits in der Vorrede. Die von ihm angestrebte Moralphilosophie habe aufgrund angestrebter „absoluter Notwendigkeit“ (GMS BA VIII,IX) eine „reine“ (vgl ebd) zu sein. Untersucht wird folglich eine Moral, die rein rational und nicht empirisch, sich „a priori lediglich in Begriffen der reinen Vernunft“ objektiv zu gründen versucht, ohne von bloß kontingenter und von menschlicher Praxis abhängiger empirischer Erfahrung zu machen: sie dürfen als kategorische Normen nicht von den Absichten der jeweils handelnden Person abhängen. (vgl ebd ff).
Kants Vorgehen entspricht dabei zunächst der analytischen Bestimmung des obersten Prinzips aus der „gemeinen Erkenntnisse“. Hierfür analysiert Kant im ersten Abschnitt die notwendigen Voraussetzungen eines sittlichen Bewusstseins, wodurch er zur Formulierung des Sittengesetzes als kategorischen Imperativ gelangt. Im zweiten Abschnitt erarbeitet Kant die begrifflichen Fundamente seiner Moralphilosophie vom Begriff des Imperativs hin zur Autonomie, welche er im dritten Abschnitt in ihrer Existenz und Verbindlichkeit versucht durch den Begriff der Freiheit zu deduzieren.(vgl GMS BA XVI).
Ausgehend von der „gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis“ beginnt Kant mit der Analyse des „guten Willens“, der als einziges in der Welt für uneingeschränkt gut gehalten werden könne (vgl GMS BA1,2). Zur näheren Bestimmung des Begriffs des guten Willens, also des „Vermögen eines vernünftigen Wesens, nach der Vorstellung von Gesetzen, d.i nach Prinzipien zu handeln“(GMS BA36), bestimmt Kant dessen Verhältnis zu den Begriffen der Pflicht, also der „Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung für das Gesetz“(GMS BA14) und dem Begriff der Achtung, also dem „Bewusstsein der Unterordnung meines Willens unter das Gesetz, und zwar dasjenige, das wir uns selbst und doch als an sich notwendig auferlegen“(GMS BA14).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung von Freiheit und Kausalität ein und erläutert die methodische Herangehensweise an Kants Moralphilosophie.
2 Kants Antinomienlehre: Dieses Kapitel thematisiert den dritten Widerstreit der transzendentalen Ideen und analysiert Kants Widerlegung der reinen Naturnotwendigkeit.
3 Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten: Hier wird die analytische Herleitung des Sittengesetzes und die Deduktion der Freiheit als notwendiges Fundament der Moral untersucht.
3.1 Werkimmanente Notwendigkeit der Freiheit in Kants GMS: Das Unterkapitel behandelt die Suche nach absoluter Notwendigkeit innerhalb der Moral und die Analyse des guten Willens.
3.2 Die Kantsche Deduktion der Freiheit: Dieses Kapitel erläutert die Freiheit als Schlüssel zur Erklärung im dritten Abschnitt der Grundlegung und deren Charakterisierung als Selbstgesetzgebung.
3.3 Von den äußersten Grenzen der praktischen Philosophie: Hier werden die Grenzen der praktischen Vernunft diskutiert und die Schwierigkeit der Vermittlung zwischen intelligibler und sinnlicher Welt reflektiert.
4 Ausblick: der Begriff des Gegebenen in der Kritik der praktischen Vernunft: Der Ausblick thematisiert die Problematik der formalen Deduktion der Freiheit und ordnet den Begriff des Gegebenen in Kants System ein.
Schlüsselwörter
Immanuel Kant, Freiheit, Kausalität, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Sittengesetz, Kategorischer Imperativ, Autonomie, Moralphilosophie, Vernunft, Transzendental, Antinomienlehre, Wille, Pflicht, Selbstbestimmung, Naturnotwendigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung des Verhältnisses von Freiheit und Kausalität im Kontext von Immanuel Kants moralphilosophischem Hauptwerk.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Felder sind die Antinomienlehre, die Begründung der Moral durch einen kategorischen Imperativ und die Deduktion der Freiheit des Willens.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach der systematischen Verbindung von Freiheit und Kausalität und untersucht, wie Kants Moralphilosophie diese beiden Konzepte trotz ihrer theoretischen Spannungen vereint.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine werk- und begriffsanalytische Untersuchung, die sich auf die Primärtexte von Immanuel Kant und ausgewählte interpretative Sekundärliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den dritten Widerstreit der transzendentalen Ideen, leitet das Sittengesetz aus der Analyse des guten Willens ab und untersucht die Deduktion der Freiheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind Freiheit, Kausalität, Autonomie, Sittengesetz, Kategorischer Imperativ und der transzendentale Kontext.
Wie unterscheidet Kant in diesem Kontext zwischen intelligibler und sinnlicher Welt?
Kant ordnet den Menschen dualistisch zu: als sinnliches Wesen unterliegt er Naturgesetzen, als intelligibles Wesen unterliegt er dem freien Willen und moralischen Gesetzen.
Welche Rolle spielt der Begriff des „Gegebenen“ im Ausblick?
Der Ausblick thematisiert, dass die formale Deduktion der Freiheit an Grenzen stößt und der Begriff des Gegebenen als notwendiges Postulat für das Verständnis der praktischen Vernunft fungiert.
- Arbeit zitieren
- Aaron Berman (Autor:in), 2016, Freiheit und Kausalität in Hinblick auf Kants Begründungsversuche in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/416111