Deutschland hat sich im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet allen Schülerinnen und Schülern, also auch jenen mit geistigen und körperlichen Einschränkungen, Zugang zu allen allgemeinbildenden Institutionen zu gewähren. Diese Arbeit möchte aufzeigen, welche Chancen aber auch Schwierigkeiten, Grenzen und Probleme dieser Sachverhalt darstellt.
Um ein besseres Verständnis zu erzeugen wird Inklusion zuerst definiert und danach beschrieben wie sie sich von Integration unterscheidet. Integrative Schulformen können als der Vorläufer der Inklusion in Deutschland betrachtet werden. Zum Abschluss des Kapitels (Kapitel 2) wird die Inklusion in der schulischen Bildung in Deutschland skizziert. Im nächsten Kapitel (Kapitel 3) werden die Chancen der Inklusion dargestellt. Hierbei findet eine Unterteilung in die Kategorien „Chancen für Schüler und Schülerinnen“, „Chancen für die Institution Schule“ und „Chancen für die Gesellschaft“ um eine bessere Übersicht zu gewährleisten und eine differenziertere Sicht zu ermöglichen.
In Kapitel 4 werden die Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten der Inklusion beleuchtet. Hier wird die selbe Unterteilung in Kategorien wie in Kapitel 3 vorgenommen. Im 5. Kapitel sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden wie Inklusion gelingen kann. Dies ist besonders dem Umstand geschuldet, dass Deutschland sich mit der Ratifizierung der UN-BRK dazu verpflichtet hat ein inklusives Bildungssystem zu etablieren. In der Schlussbetrachtung werden besonders wichtige Punkte herausgearbeitet und ein abschließendes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Inklusion
2.1 Definition Exklusion
2.2 Definition Integration
2.3 Definition Inklusion
2.4 Unterschiede Inklusion/Integration
2.5 Inklusion in der schulischen Bildung
3. Chancen der Inklusion
3.1 Chancen für Schülerinnen und Schüler
3.2 Chancen für die Institution Schule
3.3 Chancen für die Gesellschaft
4. Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten der Inklusion
4.1 Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten für Schülerinnen und Schüler
4.2 Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten für die Institution Schule
4.3 Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten für die Gesellschaft
5. Wie kann Inklusion gelingen?
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im deutschen Bildungssystem auseinander. Ziel ist es, die Chancen sowie die Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten der schulischen Inklusion fundiert aufzuzeigen, um Wege für eine gelingende inklusive Schulentwicklung zu identifizieren.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Exklusion, Integration und Inklusion
- Analyse der Chancen der Inklusion für Schülerinnen und Schüler, Schule und Gesellschaft
- Kritische Beleuchtung der Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten inklusiver Bildung
- Identifikation notwendiger Gelingensbedingungen für eine inklusive Schulpraxis
- Diskussion über die Rolle des selektiven deutschen Schulsystems im Kontext von Inklusion
Auszug aus dem Buch
3.1 Chancen für Schülerinnen und Schüler
Der vorliegende Abschnitt der Arbeit soll Chancen und positive Aspekte der Inklusion für Schülerinnen und Schüler beleuchten. Welche möglichen Vorteile und Chancen können sich durch eine gemeinsame inklusive Beschulung ergeben? Außerdem soll aufgezeigt werden welche Faktoren für eine inklusive Beschulung von Schülerinnen und Schülern (mit und ohne Förderbedarf) sprechen und warum nicht auf diese verzichtet werden sollte.
Ein sehr häufig genannter Vorteil der inklusiven Beschulung ist der Erwerb von sozialen Kompetenzen. Das gemeinsame Lernen fördert soziale Fähigkeiten wie Hilfsbereitschaft und Toleranz, dies ist u.a. mit den kooperativen Lernformen zu erklären, die im inklusiven Unterricht gerne zur Anwendung kommen. Durch gemeinsames Lernen an Stationen, Projektarbeit und anderen Methoden der inklusiven Didaktik lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur Fachwissen, sondern auch Rücksichtnahme und Kooperation (vgl. Reimann, 2014). Auch das Verantwortungsgefühl von stärkeren Schülern und Schülerinnen gegenüber leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern wird gestärkt (vgl. Tovar, 2017). Diese erworbenen sozialen Kompetenzen wirken sich positiv auf das Klima in der Lerngruppe aus und ermöglichen somit besseres Lernen.
Auch die schulischen Leistungen, sowohl von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf wie auch ohne Förderbedarf, sollen durch Inklusion verbessert werden. Der Hirnforscher Gerald Hüther behauptet sogar, dass Inklusion schlau macht. Dies begründet er mit den komplexeren sozialen Situationen und den damit einhergehenden vielfältigeren Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten (vgl. Hüther, 2008). Auch verschiedene Studien belegen, dass die Leistungen von Schülerinnen und Schülern in inklusiven Settings nicht schlechter bzw. sogar besser werden. Viele Eltern, Schulleitungen und Lehrer befürchten, dass nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler durch Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in ihrer kognitiven Entwicklung behindert werden würden und sich dies negativ auf ihre Leistungsentwicklung auswirkt. Dies ist erwiesenermaßen nicht den Fall, wie aus mehreren Studien hervorgeht. Nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler in inklusiven Settings sind genauso gut wie Schülerinnen und Schüler in nichtinklusiven Klassen. Teilweise sind ihre Leistungen sogar besser (vgl. Preuss-Lausitz, 2009, 9 ff.; Wocken, 1999). Auch hochbegabte Kinder (IQ > 117) werden in ihrer kognitiven Entwicklung und ihrem Lernzuwachs nicht ausgebremst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verpflichtung Deutschlands durch die UN-Behindertenrechtskonvention ein und skizziert den Aufbau der Arbeit zur Untersuchung von Chancen und Herausforderungen der Inklusion.
2. Was ist Inklusion: Das Kapitel definiert die Begriffe Exklusion, Integration und Inklusion theoretisch, grenzt sie voneinander ab und beschreibt den aktuellen Stand der Inklusion im deutschen Schulsystem.
3. Chancen der Inklusion: Hier werden die positiven Aspekte der Inklusion differenziert nach Schülerinnen und Schülern, der Institution Schule sowie der Gesellschaft dargestellt.
4. Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten der Inklusion: Dieses Kapitel beleuchtet kritisch die Hindernisse und negativen Erfahrungen, die bei der Umsetzung inklusiver Bildung für die verschiedenen Akteure auftreten können.
5. Wie kann Inklusion gelingen?: Es werden Bedingungen, notwendige Reformen und Lösungsansätze aufgezeigt, um Inklusion in der Praxis erfolgreich und nachhaltig zu gestalten.
6. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die kontroverse Diskussion zusammen und betont die Notwendigkeit, das Wohl der Kinder in den Vordergrund zu stellen sowie ideologiefreie, empirisch fundierte Lösungswege zu suchen.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Exklusion, UN-Behindertenrechtskonvention, Schule, Bildungssystem, Heterogenität, Sonderpädagogik, Schülerinnen und Schüler, Barrierefreiheit, Teilhabe, Chancengleichheit, Schulentwicklung, soziale Kompetenzen, gemeinsames Lernen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Inklusion in der schulischen Bildung in Deutschland, beleuchtet die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen und analysiert, wie die Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition von Inklusion im Vergleich zu Integration, die Analyse der Chancen für verschiedene Akteure sowie die kritische Betrachtung der Grenzen und Risiken bei der praktischen Umsetzung im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Chancen und Risiken die Inklusion im deutschen Schulsystem birgt, und fundierte Möglichkeiten zu erarbeiten, wie eine gelingende inklusive Schulpraxis realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, Studien und Diskurse zur inklusiven Bildung zusammengetragen und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen gelegt, gefolgt von einer detaillierten Darstellung der Chancen der Inklusion (Kapitel 3) und einer anschließenden Auseinandersetzung mit Grenzen, Risiken und Schwierigkeiten (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Inklusion, Integration, UN-Behindertenrechtskonvention, Heterogenität, Schulentwicklung und Chancen-Gerechtigkeit.
Warum wird das selektive deutsche Schulsystem im Dokument kritisiert?
Das Dokument kritisiert das selektive System, da es die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention verfehle, durch frühe Trennung Segregation fördere und der Idee eines inklusiven Bildungssystems für alle Kinder widerspreche.
Welche Rolle spielt die Lehrerbildung für das Gelingen von Inklusion?
Die Arbeit hebt hervor, dass die Lehrerbildung eine zentrale Rolle einnimmt; Inklusion müsse in allen Lehramtsstudiengängen verankert werden, damit Lehrkräfte die nötigen Kompetenzen für heterogene Lerngruppen und multiprofessionelle Teamarbeit erwerben.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Science Björn Arne Schnurr (Autor:in), 2017, Inklusion in der schulischen Bildung. Chancen, Grenzen und Schwierigkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/415406