Der Begriff „Personalisierung in der Politik“ lässt sich nach Brettschneider in drei verschiedene Komponenten aufteilen: die Personalisierung der Wahlkampfführung, die Personalisierung der Medienberichterstattung über Wahlkämpfe und schließlich die Personalisierung des Wählerverhaltens. Des Weiteren lassen sich eine allgemeine Komponente, welche die stärkere Betonung politischer Kandidaten in der Vermittlung von Politik umfasst, und eine spezifische Komponente, die die zunehmende Fokussierung in der Darstellung von Politikern auf deren persönliche Eigenschaften beinhaltet, differenzieren. Ob dies in Deutschland statt findet, soll hier geklärt werden.
Personalisierung erfüllt für Wähler im Allgemeinen eine komplexitätsreduzierende Funktion. Kandidateneigenschaften können in diesem Zusammenhang als „information shortcuts“ dienen. So ist das Wahrnehmen von Personen einfacher und auch alltagsnäher als das Studium „komplexer Parteiprogramme und das Abwägen von Sachargumenten“.
Während Spitzenpolitiker durchaus als eine materielle Ausdrucksform des politischen Angebots gesehen werden können, sind ihre Persönlichkeiten aber auch für die „objektive Qualität des Leistungsvollzugs“ relevant.
Aus der Sicht der Politiker erfüllt die Privatisierung der Politikdarstellung vier Funktionen: Vermenschlichung, Vereinfachung und Ablenkung, Emotionalisierung und Prominenzgewinn“. Ebenso nicht zu unterschätzen ist die Personalisierung als Option für Parteien, weil sich Einstellungen gegenüber Personen schneller ändern und somit auch „manipulierbarer sind als Wertorientierungen oder strukturell determinierte Parteipräferenzen“. Eine Chance besteht zudem in der Tatsache, dass während Parteien häufig eher negativ beurteilt werden, einzelne Führungspersönlichkeiten mit einer gewissen Ausstrahlungs- und Faszinationskraft durchaus das Potential besitzen können, Wählergruppen zu mobilisieren und Wähler ohne Parteibindung an die Partei zu binden. Nichtsdestotrotz muss von folgender Begebenheit ausgegangen werden: „Der Wähler wählt nicht Personen statt Programme, sondern Programme mit Personen. Er wählt nicht den Kandidat anstelle der Partei, sondern den Kandidaten (s)einer Partei.“
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Begriffsbestimmung Personalisierung
3. Analyse der verschiedenen Personalisierungskomponenten
3.1 Personalisierung des Wählerverhaltens
3.2 Personalisierung der Medienberichterstattung
3.3 Personalisierung der Wahlkampfführung
4. Personalisierung in Deutschland
4.1 Die Bundestagswahl 1998
4.2 Die Bundestagswahl 2002
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Personalisierung in der deutschen Politik, insbesondere in Bezug auf die Bundestagswahlkämpfe 1998 und 2002, um festzustellen, ob ein Anstieg der Bedeutung von Spitzenkandidaten gegenüber Parteiprogrammen zu verzeichnen ist und welche Rolle die Medien dabei spielen.
- Komponenten der Personalisierung in der Politik
- Einfluss der Medienberichterstattung und des Fernsehens
- Professionalisierung moderner Wahlkampagnen
- Vergleichende Analyse der Wahlen 1998 und 2002
- Kandidateneffekte und Wählerverhalten
Auszug aus dem Buch
3.2 Personalisierung der Medienberichterstattung
Massenmedien sind für den gesellschaftlichen Wandlungsprozess ein dynamischer Faktor. Hier stellte sich das Fernsehen als wirksamstes Medium heraus, welches Visualisierung und Personalisierung geradezu erzwingt, „denn wie soll man eine Regierung, eine Partei oder das Parlament sonst darstellen?“ (Stern/Graner 2002: 148; Oberreuter 2001: 20; Römmele 2002: 31). Im Jahr 2002 gaben immerhin 56 Prozent der Befragten an, sich hauptsächlich im Fernsehen über den Wahlkampf informiert zu haben (Wiedemann 2003: 44).
Seit der Mitte achtziger Jahre entwickelt sich eine Vervielfachung der Kanäle und mit dieser geht eine immer stärker werdende Orientierung an Werbemarkt und Publikumsinteressen einher (Holtz-Bacha 2002a). Der Medienzugang wird für die unterschiedlichsten Akteure erleichtert, während es durch eine zunehmende Fragmentierung des Publikums immer schwerer wird, eine Massenöffentlichkeit zu erreichen (Sarcinelli 1998: 278/279). Das Angebot muss sich kurz, einprägsam und unterhaltend darstellen. „Unterhaltung ist die Superideologie des Fernsehens, nicht Information“ (Oberreuter 2001: 20). Aus Information und Entertainment wird Infotainment („Entertainisierung der Politik“ (Holtz-Bacha 2000: 17)). Die Politik muss demnach zunehmend auf die Medien konzentriert sein, wobei sich das Fernsehen, aufgrund seiner großen Reichweite, seiner starken Nutzung und seiner visualisierenden Vermittlung, als Hauptmedium herausgestellt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Kurze Einführung in die Bedeutung der Personalisierung als Grunddimension der Politikwahrnehmung.
2. Begriffsbestimmung Personalisierung: Definition der Personalisierungskomponenten und Erläuterung der komplexitätsreduzierenden Funktion für Wähler.
3. Analyse der verschiedenen Personalisierungskomponenten: Untersuchung der Personalisierung im Wählerverhalten, in den Medien sowie in der Wahlkampfführung.
4. Personalisierung in Deutschland: Detaillierte Betrachtung der Bundestagswahlkämpfe 1998 und 2002 hinsichtlich ihrer Personalisierungsstrategien.
5. Schlussbemerkung: Fazit zur Relevanz der Personalisierung und Einordnung der "Amerikanisierung" in den deutschen Wahlkampfkontext.
Schlüsselwörter
Personalisierung, Politik, Bundestagswahl, Wahlkampf, Medien, Fernsehen, Spitzenkandidaten, Wählerverhalten, Agenda-Setting, Professionalisierung, Parteien, Politische Kommunikation, Mediatisierung, Themenmanagement, Wahlentscheidung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Ausmaß und die Ursachen der zunehmenden Personalisierung in der deutschen Politik anhand der Bundestagswahlkämpfe 1998 und 2002.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Interaktion zwischen Medien und Politik, dem Wandel des Wählerverhaltens sowie der Professionalisierung von Wahlkampagnen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob in Deutschland eine steigende Personalisierung stattfindet und wie diese in den genannten Wahljahren konkret in Erscheinung trat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse unter Auswertung von Fachliteratur und empirischen Untersuchungen zur politischen Kommunikation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Personalisierungskomponenten und die empirische Anwendung auf die Wahlen 1998 und 2002.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Personalisierung, Medienberichterstattung, Wahlkampfführung, Spitzenkandidaten und professionelles Themenmanagement.
Welche Rolle spielte die "Jahrhundertflut" im Wahlkampf 2002?
Sie ermöglichte der Regierung Schröder ein erfolgreiches Themenmanagement unter dem Aspekt der Solidarität, was die Bewertungen des Kanzlers positiv beeinflusste.
Hat sich der deutsche Wahlkampf durch die Amerikanisierung massiv verändert?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine Modernisierung stattgefunden hat, eine Panik vor einer vollständigen Amerikanisierung jedoch unbegründet ist.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Daudert (Autor:in), 2005, Personalisierung in der deutschen Politik - Auseinandersetzung mit den Bundestagswahlkämpfen 1998 und 2002 -, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/41471