Wo beginnt die Geschichte der Kriminalliteratur? Um diese Frage zu beantworten, braucht man zuerst eine Definition des Betrachtungsgegenstandes. Die Frage "Was zum Teufel ist ein Kriminalroman?" ist durchaus berechtigt und bislang nicht einheitlich beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
«Was zum Teufel ist ein Kriminalroman?» (1)
Der Beginn der Verbrechensaufzeichnung
Die Geschichte des Kriminalromans
Entwicklungsbedingungen des Kriminalromans
«Schund» als Starthilfe
Die literarischen Vorläufer des Kriminalromans
Die Feuilletonromane
Die Geschichte des Detektivromans
Der Detektiv taucht auf
Der Detektiv in Perfektion
Der Gegenentwurf zu Sherlock Holmes
Die Nachfolger von Sherlock Holmes
Der Detektivroman ab 1900
Der realistische Roman: Annäherung an die Verbrechensliteratur
Die Dekonstruktion der Gattung
Die Geschichte des Thrillers
Der Thriller – Heftromankrimis
Der Thriller – Spionageroman
Der Thriller – Hard-Boiled School
Hard Boiled School – Die Überväter
Hard Boiled School – Die Autorinnen
Der Kriminalroman – Trends
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung des Kriminalromans nachzuzeichnen, seine zentralen Gattungen zu differenzieren und die stilistischen sowie inhaltlichen Wandlungsprozesse vom klassischen Detektivroman bis hin zur modernen, sozialkritischen Kriminalliteratur zu analysieren.
- Unterscheidung zwischen Verbrechensliteratur und Kriminalliteratur
- Entstehung und Evolution des Detektivromans (u.a. Sherlock Holmes-Tradition)
- Entwicklung des Thrillers und der Hard-Boiled School
- Einfluss von Pulp Magazines und Heftromanen auf die Gattungsnormierung
- Sozialkritische Tendenzen und Dekonstruktion in der zeitgenössischen Kriminalliteratur
Auszug aus dem Buch
Die Dekonstruktion der Gattung
Friedrich Dürrenmatt, wie auch andere Autoren, zerpflückten die Gattung des Detektivromans. Im Roman «Das Versprechen» von 1957 lässt Dürrenmatt den Zufall Regie führen. Der Kommissar will – ohne Rücksicht auf Verluste – den Mörder fassen und stellt ihm deshalb eine Falle. Der Täter stirbt jedoch auf dem Weg zur Tat bei einem Unfall. Da der Kommissar das nicht weiss, wartet er jahrelang auf eine Gelegenheit, den Mörder zu schnappen. Das Zitat aus dem Roman «Nichts ist grausamer als ein Genie, das über etwas Idiotisches stolpert», lässt sich auch als Seitenhieb auf Detektive wie Sherlock Holmes verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
«Was zum Teufel ist ein Kriminalroman?» (1): Das Kapitel definiert den Untersuchungsgegenstand und differenziert zwischen Verbrechensliteratur, die Motive beleuchtet, und Kriminalliteratur, die sich auf die Aufklärung konzentriert.
Der Beginn der Verbrechensaufzeichnung: Es wird dargelegt, dass Verbrechensdarstellungen bereits in antiken Texten wie der Bibel existieren, wobei hier der Fokus eher auf moralischen Konflikten als auf der kriminalistischen Rätsellösung liegt.
Die Geschichte des Kriminalromans: Dieses Kapitel behandelt die historischen Rahmenbedingungen, darunter die Strafprozessreformen und den Aufstieg der Kriminalistik im 19. Jahrhundert, die das Genre maßgeblich prägten.
Die Geschichte des Detektivromans: Hier werden die Entwicklungsschritte von Edgar Allan Poes Anfängen über die Perfektionierung durch Arthur Conan Doyle bis hin zu realistischen Ansätzen bei Georges Simenon erläutert.
Die Geschichte des Thrillers: Das Kapitel analysiert die Abgrenzung zum Detektivroman durch das Element der Action und betrachtet die Entwicklung von den Pulp Magazines hin zum Spionageroman und der Hard-Boiled School.
Der Kriminalroman – Trends: Abschließend wird der Versuch vieler zeitgenössischer Autoren beschrieben, die starren Genre-Muster aufzubrechen und durch sozialkritische Themen zu erweitern.
Schlüsselwörter
Kriminalroman, Detektivroman, Thriller, Verbrechensliteratur, Kriminalliteratur, Sherlock Holmes, Hard-Boiled School, Pulp Magazines, Spionageroman, Sozialkritik, Gattungsgeschichte, Literaturwissenschaft, Rätselroman, Ermittler, Edgar Allan Poe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit liefert einen historischen Überblick über die Entwicklung der Kriminalliteratur und untersucht, wie sich die Gattung von frühen Formen der Verbrechensbeschreibung bis zum modernen Kriminalroman gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Detektivromanen und Thrillern, der Bedeutung von Pulp Magazines sowie dem Einfluss gesellschaftlicher Faktoren auf das Genre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklungslinien des Kriminalromans aufzuzeigen und zu klären, wie Autoren durch die Dekonstruktion klassischer Muster auf gesellschaftliche Missstände reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen literaturhistorischen Ansatz, der die Entwicklung des Genres anhand prägender Werke und Autoren chronologisch und typologisch einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Geschichte des Detektivromans und die Geschichte des Thrillers, wobei Untergattungen wie Spionageromane und die Hard-Boiled School detailliert betrachtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kriminalroman, Detektivgeschichte, Thriller, Sozialkritik und Gattungstypologie definieren.
Warum wird in der Arbeit zwischen „Verbrechensliteratur“ und „Kriminalliteratur“ unterschieden?
Die Unterscheidung dient der Klärung des Fokus: Während die Verbrechensliteratur das „Warum“ und die Psychologie des Täters in den Mittelpunkt stellt, liegt bei der Kriminalliteratur der Fokus auf der Aufklärung des Verbrechens durch den Ermittler.
Welche Bedeutung kommt der „Hard-Boiled School“ für das Genre zu?
Sie markiert einen Gegenentwurf zum klassischen Rätselroman, indem sie das Verbrechen als festen Teil der korrupten städtischen Gesellschaft darstellt und einen physisch präsenteren, oft zynischen Ermittler einführt.
- Arbeit zitieren
- André Lauber (Autor:in), 2016, Die Geschichte des Kriminalromans, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/414353