Die deutschen Medien, ob elektronisch oder print, beschäftigen sich schon seit längerer Zeit, intensiver aber erst seit den Anschlägen in Amerika und der Debatte um den Beitritt der Türkei in die EU, mit den in Deutschland lebenden Muslimen. Die darin auftretenden Themen – Kopftuchstreit, Leitkultur, Schächtung, Zwangsehe, etc. – sind immer wieder Reizthemen und stellen die eigene Gesellschaft und ihren Umgang mit ausländischen Mitbürgern auf die Probe. Die der eigenen Kultur fremden Anschauungen und Lebensweisen bilden dabei den Streitpunkt, wenn es um Integrationsfragen geht.
So ist auch das islamische Verständnis von Weiblichkeit – Frau sein – ein anderes, als das in Deutschland von Frauen gelebte. Die in der Diaspora auftretenden Probleme mit den neuen ethischen und moralischen Traditionen der Wahlheimat, beschränken sich nicht nur auf Verschleierung und oder Zwangsehe – zwei oft in Deutschland auf Unver-ständnis stoßende Aspekte. Die Aufgabe der Muslimas, den Alltag in einer völlig neuen Gesellschaftsordnung zu verbringen und beide Seiten leben zu können – oder zu müssen, ist eine große Herausforderung und schwierige Aufgabe für sie.
Ich möchte in dieser Arbeit auf die islamischen Frauen – Muslimas – eingehen und ihr Leben in Deutschland schildern. Beginnen möchte ich mit einer kurzen Abhandlung über die Migration von Muslimen nach Deutschland in den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Desweiteren sollen demographische Fakten und auch die Schwierigkeit ihrer Erlangung dargestellt werden.
Ein Überblick über das traditionelle Bild einer Muslima bis hin zu ihrer gegenwärtigen Stellung, soll die Veränderungen aufzeigen, die muslime Frauen seit Beginn der islamischen Religion, an ihrer Position vorgenommen haben. Der eigentliche Schwerpunkt dieser Arbeit soll sich dann mit den Frauen in Deutschland befassen. Dabei werden auch die oben schon erwähnten Reizthemen angesprochen um deren Wichtigkeit für unsere Gesellschaft zu erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Migration am Beispiel der Türken im zwanzigsten Jahrhundert
3. Der Islam in Deutschland
3.1. Statistische Daten zum Islam in Deutschland
4. Die traditionelle Rolle der Frau im Islam
5. Die Frau im Islam heute
6. Muslimas in Deutschland
6.1. Vorurteile und Stereotypen
6.2. Probleme des religiösen Lebens der Muslimas in Deutschland
6.3. Die „Kopftuchdebatte“
6.4. Die Ehe
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Lebenssituation von Muslimas in Deutschland und beleuchtet dabei das Spannungsfeld zwischen islamischer Tradition und der Einordnung in eine säkular geprägte, westliche Gesellschaft. Zentrale Forschungsfrage ist es, wie muslimische Frauen den Alltag in einer für sie neuen Gesellschaftsordnung bewältigen und welche spezifischen Herausforderungen sich dabei aus kulturellen und religiösen Differenzen ergeben.
- Migration von Muslimen nach Deutschland im 20. Jahrhundert
- Wandel des Frauenbildes im Islam von traditionell zu modern
- Soziale und religiöse Herausforderungen für Muslimas in Deutschland
- Kritische Analyse von Vorurteilen, Stereotypen und Debatten (z. B. Kopftuch)
- Die Institution der Ehe als kulturelles und soziales Konfliktfeld
Auszug aus dem Buch
6.2. Probleme des religiösen Lebens der Muslimas in Deutschland
Wie jeder gläubige Muslim, ist es auch ein großes Verlangen der Muslimas zu beten und zu fasten – zwei wichtige religiöse Aufgaben von Muslimen. An dieser Stelle müssen zwei verschiedene Gruppen von Muslimas unterschieden werden – die berufstätigen und die sogenannten Hausfrauen.
Da das fünfmal täglich Ritualgebet in der Moschee überwiegend von Männern verrichtet wird – eine oftmalige Reproduzierung der Muster der Herkunftländer, in denen durch traditionelle Normen eine Trennung der Geschlechter vorgeschrieben ist – finden dort Frauen aus diesem Grund und auch wegen unzureichender Räumlichkeiten, oft keinen Platz. Vielfach sind die besonderen und abgegrenzten Gebetsräume für Muslimas nicht vorhanden. Somit spielt sich das religiöse Leben der Frauen oft zu Hause und innerhalb der Familie ab (Landmann, 1996:564). Dies gilt jedoch nur für die nicht-berufstätigen Frauen, die die Zeit besitzen, das Gebetsritual jeweils zu Hause auszuführen.
Für die berufstätigen Frauen entsteht dabei ein anderes Problem. Da das Arbeitsleben in einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft einen eigenen Rhythmus besitzt, der mit dem des islamischen Gebets nicht übereinstimmt, können Muslime (Männer wie Frauen) nicht ihren Arbeitsplatz verlassen um zu beten oder sogar Gebetsräume aufsuchen – dabei riskieren sie ihren Arbeitsplatz und oft auch damit ihre Arbeitserlaubnis und das Aufenthaltsrecht (Akashe-Böhme, 2002:87). Plätze, an denen das Gebet verrichtet werden kann, sind an deutschen Arbeitsstätten eher noch eine Ausnahme (Heine, 1997:236-237).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle gesellschaftliche Debatte über Muslime in Deutschland ein und formuliert das Ziel, das Leben islamischer Frauen unter Berücksichtigung von Migrationshintergrund und religiöser Identität darzustellen.
2. Die Migration am Beispiel der Türken im zwanzigsten Jahrhundert: Das Kapitel beschreibt den historischen Kontext der Anwerbung von Arbeitsmigranten seit den 60er Jahren und die spätere dauerhafte Etablierung muslimischer Familien in der Bundesrepublik.
3. Der Islam in Deutschland: Dieser Abschnitt behandelt die wachsende Präsenz des Islam in der deutschen Öffentlichkeit und analysiert die statistischen Unsicherheiten bei der Erfassung der muslimischen Bevölkerung.
3.1. Statistische Daten zum Islam in Deutschland: Hier werden Schwierigkeiten bei der demographischen Datenerhebung erläutert und eine Schätzung zur Anzahl der Muslime nach Herkunftsländern vorgenommen.
4. Die traditionelle Rolle der Frau im Islam: Das Kapitel erörtert das klassische islamische Familienbild, in dem die Frau primär als Familienversorgerin und der Mann als Ernährer und Familienoberhaupt fungiert.
5. Die Frau im Islam heute: Dieser Teil analysiert den Wandel zum modernen Frauenbild, beeinflusst durch Bildungsreformen, emanzipatorische Literatur und den sozioökonomischen Druck durch den Urbanisierungsprozess.
6. Muslimas in Deutschland: Hier wird der Fokus auf die spezifische Situation muslimischer Frauen in Deutschland und das Spannungsfeld zwischen eigener religiöser Identität und westlicher Mehrheitsgesellschaft gelegt.
6.1. Vorurteile und Stereotypen: Dieses Kapitel kritisiert die oft undifferenzierten Pauschalurteile der deutschen Medien und Mehrheitsgesellschaft gegenüber Muslimas.
6.2. Probleme des religiösen Lebens der Muslimas in Deutschland: Diese Ausführung beleuchtet Schwierigkeiten bei der Ausübung religiöser Pflichten wie Gebet und Fasten im Arbeitsalltag der modernen Industriegesellschaft.
6.3. Die „Kopftuchdebatte“: Hier wird die öffentliche Diskussion um das Kopftuch als Symbol für kulturelle Differenz und die daraus resultierenden Diskriminierungen im Beruf und Bildungswesen thematisiert.
6.4. Die Ehe: Dieses Kapitel untersucht die unterschiedlichen Vorstellungen von Ehe bei Muslimen und Deutschen und die Konfliktpotenziale, die sich aus arrangierten Partnerschaften ergeben können.
7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass eine gelungene Integration nur durch beidseitige Aufarbeitung der religiös geprägten Differenzen und die Suche nach Kompromisslösungen möglich ist.
Schlüsselwörter
Islam in Deutschland, Muslimas, Migration, Frauenbild, Integration, Kopftuchdebatte, Geschlechterrolle, Tradition, Moderne, Religionsausübung, Diaspora, Arranged Marriage, Identitätsentwicklung, Diskriminierung, Familienstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Lebenssituation von muslimischen Frauen (Muslimas) in Deutschland und analysiert, wie diese ihre Identität im Spannungsfeld zwischen islamischer Tradition und deutscher Gesellschaftsordnung verhandeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Migrationsgeschichte, der Wandel des Frauenbildes im Islam, die täglichen religiösen Herausforderungen sowie aktuelle gesellschaftliche Reizthemen wie die Kopftuchdebatte und die Eheschließung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Alltag muslimischer Frauen darzustellen, Vorurteile zu hinterfragen und die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die bei der Vereinbarkeit von religiöser Identität und Integration entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse und greift auf soziologische sowie religionsgeschichtliche Publikationen zurück, um die Lebenswelten der Muslimas zu beschreiben und zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Migration, eine Gegenüberstellung traditioneller und moderner Rollenbilder der Frau sowie eine detaillierte Analyse spezifischer Problemzonen wie die Religionsausübung am Arbeitsplatz und familiäre Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Integration, Diaspora, Geschlechterrollen, Kopftuchdebatte, kulturelle Identität und Migration bestimmt.
Welche spezifischen Probleme ergeben sich bei der Religionsausübung im Arbeitsalltag?
Besonders die Einhaltung der Gebetszeiten und das Fasten im Monat Ramadan stehen oft im Widerspruch zum starren Zeitplan der modernen Industriegesellschaft, was bei berufstätigen Muslimas zu Konflikten mit Arbeitgebern führen kann.
Wie bewertet der Autor den Begriff der „Zwangsheirat“ in diesem Kontext?
Der Autor differenziert diesen Begriff, indem er darauf hinweist, dass arrangierte Ehen oft als präventive Maßnahme der Familien gegen den befürchteten kulturellen Verlust durch die westliche Freizügigkeit eingesetzt werden, was jedoch zu kulturellen Missverständnissen und individuellen Spannungen führt.
- Arbeit zitieren
- Thorsten Doß (Autor:in), 2005, Lebenssituation der Muslimas in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/41418