Stark vereinfachend lassen sich zwei Bilanzierungskonzepte unterscheiden, die sich durch unterschiedliche Rechtstraditionen, finanzwirtschaftliche und steuerrechtliche Rahmenbedingungen sowie Unternehmensphilosophien unterscheiden: Neben dem kontinentaleuropäischen Bilanzierungskonzept mit Deutschland als maßgeblichem Vertreter steht das anglo-amerikanische Bilanzierungskonzept, in der die Generally Accepted Accounting Principles der USA (US-GAAP) eine herausragende Rolle spielen.
Das zunehmende Interesse deutscher Unternehmen an US-amerikanischen Rechnungslegungsgrundsätzen hat vielfältige Ursachen. Zum einen beabsichtigen Unternehmen die Kapitalaufnahme in den USA oder die Plazierung ihrer Aktien in den dortigen Handel. Eine Börsennotierung - vor allem an der New York Stock Exchange - setzt derzeit voraus, daß die Bilanzierung nach US-GAAP und die Berichterstattung nach den Vorschriften der Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) erfolgt. Zum anderen ist bei vielen Aktiengesellschaften, unabhängig von der Frage des Börsenplatzes, der Aktionärskreis international zusammengesetzt, wobei die Investoren vor allem aus den angelsächsischen Ländern stammen. Nicht zuletzt um deren Informationserwartungen gerecht zu werden, erwägen verschiedene deutsche Aktiengesellschaften eine Bilanzierung nach US-GAAP. Auch die Gründung bzw. der Erwerb von Tochterunternehmen in den USA zwingt dazu, sich mit den US-amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften auseinanderzusetzen.
Der Umgang mit den US-GAAP wird für deutsche Anwender dadurch erschwert, daß die Regelungen durch Standards zu einzelnen Sachverhalten getroffen werden, so daß die US-GAAP insgesamt eher eine Kasuistik als eine Systematik darstellen. Hinzu kommt, daß außerhalb des Anwendungsbereichs der SEC-Vorschriften nicht alle Grundsätze, die in ihrer Summe die US-GAAP darstellen, gesetzlich kodifiziert sind. Die US-GAAP entstehen aus der Zusammenarbeit von Financial Accounting Standards Board (FASB), eine private Fachorganisation , die Accounting Research Bulletins des AICPA, den wirtschaftsprüfenden Berufsverbänden und SEC , der Börsenaufsicht.
Die maßgeblichen SEC-Normen sind S-X und S-K, die die Form des Jahresabschlusses, seinen Inhalt, seine Prüfung festlegen, außerdem die Accounting Series Releases (ASR) als Ergänzung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundsätzliches zur betrieblichen Altersversorgung
3. Unterschiedliche Ausgestaltung der Versorgungspläne
4. Bewertung der Pensionsverpflichtungen
5. Ermittlung des Versorgungsaufwandes
6. Ansatz und Ausweis in der Bilanz
7. Angabepflichten
8. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Bilanzierung der betrieblichen Altersversorgung gemäß den US-amerikanischen Rechnungslegungsgrundsätzen (US-GAAP). Das primäre Ziel ist es, die komplexen Anforderungen und methodischen Unterschiede zur deutschen Rechnungslegung aufzuzeigen und die Auswirkungen auf die Unternehmensbilanzierung darzustellen.
- Grundlagen und Besonderheiten der US-GAAP im Vergleich zu nationalen Rechnungslegungsstandards.
- Klassifizierung und bilanzielle Behandlung verschiedener Pensionsplanarten.
- Methodik zur versicherungsmathematischen Bewertung von Pensionsverpflichtungen (PBO).
- Komponenten und Ermittlung des periodengerechten Nettoversorgungsaufwandes.
- Publikations- und Angabepflichten sowie Bilanzansätze für Pensionsverpflichtungen.
Auszug aus dem Buch
4. Bewertung der Pensionsverpflichtungen
Liegen in einem Unternehmen Defined Benefit Pension Plans vor, dann hat das Unternehmen bei Erstellung des Jahresabschlusses zunächst die Höhe der bestehenden Pensionsverpflichtung, der Pension Obligation, zu ermitteln.
In SFAS 87 Employers' Accounting for Pensions ist die versicherungsmathematische Berechnung des periodengerechten Nettoversorgungsaufwandes (net periodie pension cost) von leistungsorientierten Versorgungsplänen, die nach dem Anwartschaftsansammlungsverfahren erfolgen, auch Anwartschaftsbarwertverfahren (projected unit credit method) genannt, geregelt.
Nach dem Anwartschaftsansammlungsverfahren ist als Wert der Versorgungsverpflichtung der versicherungsmathematische Barwert des am Stichtag erreichten planmäßigen Leistungsanspuchs anzusetzen. Dieser Barwert wird als Projected Benefit Obligation (PBO) bezeichnet. Bei der Berechnung müssen Annahmen hinsichtlich etwaiger dynamischer Rechnungsgrundlagen, wie z. B. Rentenanpassungen, getroffen werden. Liegen der Berechnung Pensionspläne zugrunde, deren Benefit Formular auf einem künftigen Entgelt (z.B. Endgehalt) basiert (Final-Pay oder Career-Average Pläne), müssen, anders als bei Pensionsplänen, deren Benefit Formular nicht die künftige Gehaltshöhe berücksichtigt (Non Pay Related oder Flat- Benefit Pläne ), auch Annahmen hinsichtlich der Lohn- und Gehaltsentwicklungen zugrunde gelegt werden. Bei der Berechnung der PBO, daß der Pension plan gültig bleibt und die getroffenen Annahmen zutreffen. Die PBO wird auf den Anfang der jeweiligen Berichtsperiode berechnet. Auch die getroffenen Annahmen beziehen sich auf den Anfang des Geschäftsjahres.
Die für die Berechnung der Pensionsverpflichtungen benötigten versicherungsmathematischen Annahmen müssen jeweils möglichst realistisch sein. Tabelle 1 zeigt, welche wichtigen Einflußgrößen zu berücksichtigen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die unterschiedlichen Bilanzierungskonzepte zwischen Deutschland und den USA und erläutert die Beweggründe deutscher Unternehmen, sich an den US-GAAP auszurichten.
2. Grundsätzliches zur betrieblichen Altersversorgung: Dieses Kapitel thematisiert die zunehmende Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung als Entlohnungsbestandteil und die grundlegende Regelung durch das SFAS 87.
3. Unterschiedliche Ausgestaltung der Versorgungspläne: Hier erfolgt die Abgrenzung zwischen beitragsorientierten (Defined Contribution) und leistungsorientierten (Defined Benefit) Systemen hinsichtlich ihrer finanziellen Verpflichtungen.
4. Bewertung der Pensionsverpflichtungen: Das Kapitel erläutert die versicherungsmathematische Ermittlung der Pensionsverpflichtungen mittels des Anwartschaftsbarwertverfahrens (Projected Benefit Obligation).
5. Ermittlung des Versorgungsaufwandes: Hier werden die sechs Komponenten des periodengerechten Nettoversorgungsaufwandes (Net Periodic Pension Cost) detailliert aufgeschlüsselt und erklärt.
6. Ansatz und Ausweis in der Bilanz: Dieses Kapitel beschreibt die Passivierungspflichten für Pensionsverpflichtungen und den Umgang mit Deckung durch Fondsvermögen sowie die Behandlung von Gewinnen und Verlusten.
7. Angabepflichten: Hier werden die Anforderungen an die Notes gemäß SFAS 87 und SFAS 132 spezifiziert, um eine transparente Information über Pensionspläne zu gewährleisten.
8. Zusammenfassung: Dieses Kapitel resümiert die wesentlichen Unterschiede zwischen HGB und US-GAAP in der Bewertung von Pensionsrückstellungen und betont den hohen Planungsaufwand bei der Umstellung.
Schlüsselwörter
US-GAAP, Betriebliche Altersversorgung, SFAS 87, Pensionsverpflichtungen, PBO, Net Periodic Pension Cost, Anwartschaftsbarwertverfahren, Defined Benefit Plans, Defined Contribution Plans, Rechnungslegung, Pensionsrückstellungen, Bilanzierung, Pensionsfonds, versicherungsmathematische Annahmen, Fair Value.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexen Bilanzierungsvorschriften für die betriebliche Altersversorgung nach den US-amerikanischen Standards (US-GAAP).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Bewertung von Pensionsverpflichtungen, die Ermittlung des Versorgungsaufwandes und die Darstellung dieser Posten in der Bilanz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erläuterung der US-GAAP-Anforderungen an Pensionspläne sowie der Vergleich dieser Systematik mit der deutschen Rechnungslegung nach HGB.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse der entsprechenden Standards (insb. SFAS 87 und SFAS 106) sowie einen rechtsvergleichenden Ansatz zwischen US-GAAP und deutschem Handelsrecht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Unterscheidung zwischen Leistungs- und Beitragsplänen, die versicherungsmathematische Bewertung, die Berechnung des periodengerechten Aufwandes sowie Bilanzierungs- und Offenlegungspflichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind US-GAAP, Pensionsverpflichtungen, Projected Benefit Obligation (PBO), Net Periodic Pension Cost und die Abgrenzung von HGB-Standards.
Warum ist die Bilanzierung nach US-GAAP für deutsche Unternehmen oft komplizierter?
US-GAAP basiert stärker auf einer einzelfallbezogenen Kasuistik durch zahlreiche spezifische Standards (wie SFAS), während das deutsche System stärker kodifizierten, systematischen Prinzipien folgt.
Was ist die Bedeutung des „Korridors“ bei der Bilanzierung?
Der Korridor dient als Schwellenwert (10% der PBO oder des Planvermögens), um zu entscheiden, ob jährlich entstandene Gewinne oder Verluste erfolgswirksam in der Bilanz erfasst werden müssen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung nach HGB von der nach US-GAAP?
Während das HGB oft pauschale Zinsvorgaben (§ 6a EStG) nutzt, verlangen die US-GAAP eine versicherungsmathematische Bewertung zum aktuellen Kapitalmarktzins unter Einbeziehung künftiger Gehalts- und Rententrends.
- Arbeit zitieren
- Viktoria Kovalsky (Autor:in), 1999, Die Bilanzierung der Altersversorgung nach US-GAAP, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/4140