Mit der vorliegenden Arbeit habe ich mir vorgenommen die Fregeschen Begriffe von Sinn und Bedeutung so darzustellen, dass vor allem der Unterschied der beiden Ausdrücke deutlich wird und darauf folgend Freges Anliegen, welches ihn zu solch einer Differenzierung brachte.
Im ersten Teil der Arbeit möchte ich in Umrissen das wissenschaftliche Leben Gottlob Freges behandeln, da es immer noch so ist, dass Frege zu den im Allgemeinen eher unbekannten Mathematikern und Philosophen zu rechnen ist. In diesem Abschnitt möchte ich jedoch gleichzeitig auf seine bedeutenden Schriften und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Sprachphilosophie und -wissenschaft eingehen.
Frege vor allem als Sprachwissenschaftler zu betrachten ist für mich auch aufgrund meines Germanistikstudiums von Interesse. Bei sprachwissenschaftlichen Satzbetrachtungen spielte der Name Gottlob Freges des öfteren, wenn auch nur am Rande, eine Rolle.
Diese Arbeit wendet sich also vor allem der bereits erwähnten Begriffsunterscheidung von Sinn und Bedeutung zu. Bevor ich jedoch ausschließlich den Sinn und die Bedeutung in die weiteren Ausführungen einbeziehe, möchte ich Sinn und Bedeutung, sowie deren Verbindung zur Vorstellung näher erklären.
Nachdem die Begriffsklärung abgeschlossen ist möchte ich die anschließenden Teile der Arbeit Beispielen und näheren Erklärungen widmen. Wichtig ist es mir Sinn und Bedeutung von Sätzen sowie von sprachlichen Zeichen ausführlich darzustellen, um so anschließend zum Wahrheitswert sprachlicher Ausdrücke überleiten zu können.
Auch auf Sinn und Bedeutung von Eigennamen, als auch auf arithmetische Zeichen möchte ich im Folgenden näher eingehen.
Die Arbeit stützt sich dabei vor allem auf den Fregeschen Aufsatz „Über Sinn und Bedeutung“ sowie auf die Ausführungen in „Funktion und Begriff“.
Freges philosophischen Werke werden in heutiger Zeit erneut aufgelegt, was für deren Bedeutung spricht. Dem muss man jedoch gegenüberstellen, dass diese Werke im Allgemeinen nur recht wenig Beachtung finden.
Struktur der Arbeit
1. Zielsetzung und Problemstellung
2. Gottlob Frege als Begründer der modernen Sprachphilosophie
3. Sinn, Bedeutung und Vorstellung
3.1. Die Begriffsunterscheidung zwischen Sinn, Bedeutung und Vorstellung
3.2. Freges Unterscheidung zwischen Sinn und Bedeutung
4. Sinn und Bedeutung von Sätzen
4.1. Sprachliche Zeichen und Satzkonstruktionen
4.2. Der Wahrheitswert von sprachlichen Ausdrücken
4.2.1. Scheinbehauptungen und deren Wahrheitswert
4.2.2. Der Satz und sein Wahrheitswert
4.2.3. Der Wahrheitswert und die daraus folgende Unterscheidung von Gegenstand und Begriff
5. Sinn und Bedeutung von Eigennamen
6. Sinn und Bedeutung mathematischer Zeichen
7. Zusammenfassende Feststellungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Fregeschen Begriffe von Sinn und Bedeutung präzise darzulegen, um die Notwendigkeit dieser Differenzierung im Kontext seiner sprachphilosophischen Analysen aufzuzeigen. Dabei wird untersucht, wie Frege durch die Unterscheidung von Sinn, Bedeutung und Vorstellung versucht, die Unzulänglichkeiten der natürlichen Sprache zu überwinden und eine eindeutigere Wissenschaftssprache zu etablieren.
- Gottlob Frege als Begründer der modernen Sprachphilosophie
- Die theoretische Dreiteilung in Sinn, Bedeutung und Vorstellung
- Die Analyse des Wahrheitswertes in der Satzsemantik
- Die Differenzierung zwischen Begriff und Gegenstand
- Die Anwendung der Bedeutungstheorie auf Eigennamen und mathematische Zeichen
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Begriffsunterscheidung zwischen Sinn, Bedeutung und Vorstellung
Die grundlegende Betrachtung, welche der Fregeschen Philosophie zugrunde liegt ist die, dass jeder sprachliche Ausdruck aus drei verschiedenen, jedoch eng miteinander verbundenen Komponenten besteht. Nach Frege nämlich besteht jede sprachliche Einheit hauptsächlich aus ihrem Sinn und auf der anderen Seite aus der zugehörigen Bedeutung. Thomas Wilhelm erklärt in seiner Forschungsschrift „Name und Gegenstand“, dass sich Freges Begriffe im Sprachgebrauch der gegenwärtigen Philosophie gewandelt haben. Was Frege noch als „Bedeutung“ bezeichnet, wird heute durch die Begriffe „Extension“ oder „Denotation“ ersetzt. Was er ursprünglich „Sinn“ nannte, wird im heutigen philosophischen Sprachgebrauch als „Bedeutung“ bezeichnet.
Als dritte Komponente, welche Teil eines sprachlichen Zeichens ist, führt Frege den Begriff der „Vorstellung“ ein. Diese bezeichnet Frege selbst auch als „Färbung“, „Beleuchtung“ oder als „Duft“. Gabriel Falkenberg beschreibt in seinem Werk „Sinn, Bedeutung und Intensionalität – Der Fregesche Weg“ die Bedeutung als objektiv, die Vorstellung hingegen als etwas sehr subjektives und den Sinn als etwas dazwischenliegendes. Falkenberg führt diesbezüglich Freges „Mondbeispiel“ an: „Jemand betrachtet den Mond durch ein Fernrohr. Ich vergleiche den Mond selbst mit der Bedeutung; er ist Gegenstand der Beobachtung, die vermittelt wird durch das reelle Bild, welches vom Objektivglase im Inneren des Fernrohres entworfen wird, und durch das Netzhautbild des Betrachtenden. Jenes vergleiche ich mit dem Sinne, dieses mit der Vorstellung oder Anschauung. Das Bild im Fernrohre ist zwar nur einseitig; es ist abhängig vom Standorte; aber es ist doch objektiv, insofern es mehreren Beobachtern dienen kann“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zielsetzung und Problemstellung: Einleitung in die Themenstellung und Erläuterung der Relevanz der Fregeschen Begriffsabgrenzung.
2. Gottlob Frege als Begründer der modernen Sprachphilosophie: Biografischer Abriss und Freges Motivation, eine exakte Wissenschaftssprache als Alternative zur mangelhaften natürlichen Sprache zu entwickeln.
3. Sinn, Bedeutung und Vorstellung: Theoretische Einführung der drei Komponenten eines sprachlichen Ausdrucks und Klärung der begrifflichen Entwicklung.
4. Sinn und Bedeutung von Sätzen: Untersuchung der Bedeutung des Kontextprinzips und der Rolle des Wahrheitswertes bei der Analyse komplexer Aussagen.
5. Sinn und Bedeutung von Eigennamen: Analyse der Referenzrelation von Eigennamen und der Bedeutung des Sinns zur Identifikation von Objekten.
6. Sinn und Bedeutung mathematischer Zeichen: Anwendung der Frege-Logik auf arithmetische Ausdrücke und die Unterscheidung zwischen Zahl und Zahlzeichen.
7. Zusammenfassende Feststellungen: Fazit der Arbeit bezüglich der Leistung Freges und kritische Würdigung der Schwierigkeiten bei der Anwendung seiner Theorie auf die Alltagssprache.
Schlüsselwörter
Gottlob Frege, Sprachphilosophie, Sinn, Bedeutung, Vorstellung, Wahrheitswert, Satzsemantik, Eigennamen, Referenz, Begriff, Gegenstand, Kontextprinzip, Analytische Philosophie, Arithmetik, Wissenschaftssprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit behandelt die philosophische Analyse der Begriffe Sinn und Bedeutung nach Gottlob Frege und deren Anwendung auf sprachliche Ausdrücke, Sätze und mathematische Zeichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die moderne Sprachphilosophie, die Semantik, die Logik sowie die wissenschaftstheoretische Begründung einer präzisen Symbol- und Wissenschaftssprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung bei Frege herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, wie dieser Ansatz hilft, Missverständnisse der natürlichen Sprache zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Literaturanalyse der zentralen Schriften Freges, insbesondere „Über Sinn und Bedeutung“ und „Funktion und Begriff“, ergänzt durch kommentarische Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sätzen als Funktion-Argument-Strukturen, die Analyse von Eigennamen als Referenzträger sowie eine Übertragung der Theorie auf mathematische Zahlenausdrücke.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am stärksten?
Die Kernbegriffe sind Sinn, Bedeutung, Vorstellung, Wahrheitswert, Gegenstand, Begriff sowie das Fregesche Kontextprinzip.
Warum spielt das Mondbeispiel eine wichtige Rolle in der Arbeit?
Es dient zur Veranschaulichung der Differenz zwischen der objektiven Bedeutung (der Mond selbst), dem Sinn (das Bild im Fernrohr) und der subjektiven Vorstellung (das Netzhautbild).
Wie unterscheidet Frege zwischen „Begriff“ und „Gegenstand“?
Frege definiert den Gegenstand als einen vollständigen Ausdruck (wie das Subjekt „zwei“), während der Begriff als unvollständiger, prädikativer Teil eines Satzes eine weitere Ergänzung benötigt.
Welche Herausforderung sieht die Autorin bei der Anwendung von Freges Theorie?
Die Autorin stellt fest, dass Freges strikte Unterscheidung im Alltag problematisch ist, da natürliche Sprache oft bewusst auf Doppeldeutigkeit setzt, die Frege als irreführend ablehnt.
- Quote paper
- Tina Kretzschmar (Author), 2003, Sinn, Bedeutung und Wahrheitswert sprachlicher Ausdrücke, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/41332