Ob Olympische Spiele oder Fußballweltmeisterschaft - Megaevents erregen globale Aufmerksamkeit. Und wo Aufmerksamkeit ist, ensteht auch Raum für Veränderungen: Sportliche und kulturelle Großevents bestimmen zunehmend Image, Politik und Zukunft ihrer Ausrichterstädte und –staaten. Vor allem Schwellenländer des Globalen Südens setzen zunehmend auf die Wirkung globaler Großveranstaltungen, um stadtpolitische Entwicklungen anzustoßen.
In dieser Arbeit werden zunächst Gründe, erhoffte Ziele und Folgen der zunehmenden Festivalisierung der Stadtpolitik erklärt. Anhand der politischen Ausgangslage und erhoffter eventinduzierter Entwicklungen der Gastgeberländer der FIFA-Weltmeisterschaften 2010 und 2014, Südafrika und Brasilien, wird näher auf die besonderen Bedingungen und Schwierigkeiten der Festivalisierung im Globalen Süden eingegangen.
Abschließend soll durch Betrachtung wohnungspolitisch relevanter Maßnahmen im Eventkontext eine Beurteilung der gesellschaftspolitischen Wirkung stadtpolitischer Festivalisierung ermöglicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Festivalisierung der Stadtpolitik: Gründe, Ziele und Folgen
3. Mega-Events im Globalen Süden: Die FIFA-Weltmeisterschaften 2010/2014
3.1. Strukturelle Besonderheiten
3.2. Die FIFA-Weltmeisterschaft 2010: Südafrika
3.3. Die FIFA-Weltmeisterschaft 2014: Brasilien
4. Festivalisierung und Wohnraumversorgung
4.1. Informelle Siedlungen als zentrale Herausforderung projektbezogener Stadtentwicklung
4.2. Fallbeispiel Südafrika: N2 Gateway Housing Project
4.3. Fallbeispiel Brasilien: Favela Pavão-Pavãozinho-Cantagalo
4.4. Auswirkungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Austragung von Megaevents im Globalen Süden als Instrument stadtpolitischer Festivalisierung dient und welche Auswirkungen dies auf die Wohnraumversorgung benachteiligter Bevölkerungsgruppen hat, insbesondere durch die Verdrängung informeller Siedlungen.
- Neoliberale Stadtentwicklung und Festivalisierungsthese
- Strukturelle Besonderheiten von Megaevents im Globalen Süden
- Wohnungspolitische Konsequenzen im Eventkontext
- Fallstudien zu Südafrika (N2 Gateway) und Brasilien (Pavão-Pavãozinho-Cantagalo)
- Soziale Segregation und Gentrifizierungsprozesse
Auszug aus dem Buch
4.1. Informelle Siedlungen als zentrale Planungsherausforderung projektbezogener Stadtentwicklung
Informelle Wohngebiete sind ein charakteristisches Merkmal der schnell wachsenden urbanen Räume des Globalen Südens. Aktuell leben etwa eine Milliarde Menschen weltweit in improvisierten Siedlungsgebieten innerhalb der Stadtgrenzen oder in der städtischen Peripherie (Perlman, 2014).
Städte im Globalen Süden verzeichneten in den letzten Jahren ein massives Wachstum der Bevölkerung, maßgeblich beeinusst durch die politische Vernachlässigung ruraler Gebiete: auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen durch Verbesserung des Zugangs zu Arbeitsmarkt und öffentlichen Leistungen verlagert sich die verarmte Landbevölkerung zunehmend in die Städte. Hohe Miet- und Lebenshaltungskosten innerhalb der urbanen Ballungsräume machen den Zugang zum konventionellen Wohnungsmarkt, und somit zur restlichen städtischen Gesellschaft, sowohl für die bereits ansässigen als auch neu zuwandernde ökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen allerdings quasi unmöglich.
Antwort auf die unzureichende Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum durch die Kommunen und den privaten Wohnungsmarkt ist die improvisierte Errichtung dicht besiedelter informeller Wohngebiete auf innerstädtischen oder stadtnahen, teils gefährlichen Brachächen in Eigenregie, in der Regel gekennzeichnet durch komplett fehlende oder nur von starken Deziten geprägte infrastrukturelle Erschließung. Eine langfristig verfehlte Sozial- und Wohnungspolitik ermöglicht so der tief verwurzelten sozialen Spaltung dieser Stadtgesellschaften eine räumliche Komponente, die die Tendenzen sozialer Benachteiligung und Ausgrenzung ärmerer Schichten weiter verstärkt und so die Entstehung stark fragmentierter Stadtgesellschaft mit massiven Raumnutzungskonikten begünstigt. (Perlman, 2014)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der stadtpolitischen Festivalisierung durch Megaevents ein und erläutert die Zielsetzung der Analyse für die Regionen Südafrika und Brasilien.
2. Festivalisierung der Stadtpolitik: Gründe, Ziele und Folgen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Festivalisierung und beschreibt, wie Städte im Zuge neoliberaler Globalisierung vermehrt auf Megaevents als Marketing- und Steuerungsinstrument setzen.
3. Mega-Events im Globalen Süden: Die FIFA-Weltmeisterschaften 2010/2014: Es werden die spezifischen Herausforderungen und Ziele von Schwellenländern bei der Ausrichtung globaler Großereignisse untersucht, wobei der Fokus auf den FIFA-Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien liegt.
4. Festivalisierung und Wohnraumversorgung: Dieses Hauptkapitel analysiert die negativen Folgen der Megaevents für die Wohnsituation einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen, insbesondere im Kontext von informellen Siedlungen und Zwangsräumungen.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Megaevents oft als Instrument zur Durchsetzung sozial-repressiver Politiken dienen, die zur Verdrängung der ärmeren Bevölkerung führen, anstatt nachhaltige stadtentwicklerische Verbesserungen für alle zu bewirken.
Schlüsselwörter
Festivalisierung, Stadtentwicklung, Megaevents, Globaler Süden, Wohnraumversorgung, Informelle Siedlungen, Neoliberalismus, Gentrifizierung, Soziale Exklusion, Stadtpolitik, Stadtmarketing, FIFA-Weltmeisterschaft, Südafrika, Brasilien, Stadtplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der stadtpolitischen „Festivalisierung“ durch Megaevents und den daraus resultierenden negativen Auswirkungen auf die Wohnraumversorgung im Globalen Süden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf neoliberaler Stadtentwicklung, der Inszenierung von Städten durch Großevents und den sozialen Konflikten, die aus der Umgestaltung städtischer Räume entstehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beurteilung der gesellschaftspolitischen Wirkung stadtpolitischer Festivalisierung auf die ärmeren Bevölkerungsschichten bei Megaevents.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und kontextuelle Analyse, die anhand von Fallbeispielen aus Südafrika und Brasilien die Auswirkungen der Festivalisierungspolitik beleuchtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die strukturellen Besonderheiten von Events in Schwellenländern und die spezifischen Auswirkungen auf informelle Siedlungen sowie die dort lebenden Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Festivalisierung, Stadtentwicklung, informelle Siedlungen, soziale Exklusion und Gentrifizierung.
Wie beeinflusst das City Marketing die Stadtentwicklung im Eventkontext?
Das City Marketing nutzt Megaevents zur Aufwertung von Stadtvierteln, was oft zu Gentrifizierung und der Verdrängung bisheriger Bewohner führt, um ein investitionsfreundliches Image zu schaffen.
Welche Rolle spielten informelle Siedlungen bei den untersuchten Fallbeispielen?
Informelle Siedlungen wurden oft als städtebauliches Hindernis wahrgenommen, was unter dem Deckmantel der Event-Vorbereitung zu Vertreibungen und Enteignungen führte, anstatt die Wohnbedingungen vor Ort nachhaltig zu verbessern.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Festivalisierung der Stadtentwicklung. Auswirkungen von Megaevents auf die Wohnraumversorgung im Globalen Süden, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/413171