Das Hauptziel der internationalen Rechnungslegung ist die Vermittlung entscheidungsrelevanter Informationen für Interessenten mittels Aufstellung der Abschlüsse. Die Globalisierung der Wirtschaft führte nicht nur dazu, dass Unternehmen plötzlich einem weltweiten Konkurrenzkampf ausgesetzt waren, sondern löste auch eine Neuorientierung auf Ebene der Rechnungslegung aus. Insbesondere die HGB-Bilanzierung, die bemerkenswert mit seiner Bestrebung nach dem Gläubigerschutz ist, wurde mit der Neuorientierung in eine andere Richtung gelenkt. Um eine Vereinheitlichung auf internationaler Ebene zu schaffen, erließen die IASB neue Regelungen und Standards, welche übernational übernommen und in
nationale Rechnungslegungsvorschriften miteingebaut wurden.
Mit der Neuorientierung tauchte auch eine neue Bewertungsvorschrift namens Fair Value Accounting auf. Das Fair Value Accounting sammelte insbesondere zu Krisenzeiten und auch nach der Krise große Aufmerksamkeit und ist heutzutage in mancher Auffassung als „der Krisenverstärker“ bekannt. Insbesondere in der Bankenbranche ist das Fair Value Accounting eine sehr vorsichtige und mit schlechten Erfahrungen basierende Thematik. Doch wie kann eine Bewertungsvorschrift, die mit der Intention eingeführt wurde die Rechnungslegung zu internationalisieren, zu einer weltweiten Finanzkrise führen? Oder ist dies nur eine leere Behauptung?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Grunde genommen genau mit diesem Thema. Inwiefern ein Zusammenhang zwischen dem Fair Value Accounting und der Finanzkrise besteht, ist dabei der rote Faden der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BESONDERHEITEN DER BILANZIERUNG VON BANKEN
2.1 HGB-Bilanzierung der Banken
2.2 IFRS-Bilanzierung der Banken
2.3 Umstellung der Bankbilanzierung auf das Fair Value Accounting
3. GRUNDLAGEN ZUM FAIR VALUE ACCOUNTING
3.1 IFRS 13
3.2 IAS 39
4. ZUSAMMENHÄNGE ZWISCHEN FAIR VALUE ACCOUNTING UND DER FINANZKRISE
4.1 Mögliche Wechselwirkungen zwischen Fair Value Accounting und der Finanzkrise
4.2 Argumente gegen eine mögliche Wechselwirkung
4.3 Diskussion
5. MAßNAHMEN ZUR BESEITIGUNG DER DEFIZITE BEIM FAIR VALUE ACCOUNTING
6. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwiefern ein kausaler Zusammenhang oder eine wechselseitige Beeinflussung zwischen dem Fair Value Accounting und dem Entstehen bzw. der Verschärfung der Finanzkrise besteht.
- Vergleich der Bilanzierungsansätze nach HGB und IFRS bei Banken
- Grundlagen und Bewertungskonzerte des Fair Value Accounting (IFRS 13, IAS 39)
- Analyse der Prozyklikalität des Fair Value Accounting in Krisenzeiten
- Diskussion der Rolle des Fair Value Accounting als "Krisenverstärker" vs. "Stopp-Signal"
- Maßnahmen der Standardsetter zur Anpassung in Krisensituationen
Auszug aus dem Buch
4.1 Mögliche Wechselwirkungen zwischen Fair Value Accounting und der Finanzkrise
Hauptsächlich existieren zwei Positionen in Bezug auf die Befürworter der Wechselwirkung zwischen dem Fair Value Accounting und der Finanzkrise. Zum einen gibt es die einen, die das Fair Value Accounting als die Ursache für die Finanzkrise abstempeln und zum anderen die Sichtweise, dass das Fair Value Accounting ein Krisenverstärker zur Krisenzeiten war. Die Begründung, für den Einfluss der Fair Value Accounting auf die Finanzkrise, setzt den prozyklischen Effekt des Fair Value Accountings in den Vordergrund.
Bemerkenswert bei der Bewertung von Finanzinstrumenten zum Fair Value ist, dass bei einer Aufschwungsphase der beizulegende Zeitwert höher ausfallen kann, als die Bewertung zu Anschaffungskosten. Dabei werden nicht realisierte Wertzugänge nach dem IAS 39 anhand der Fair-Value-Bewertung in die Bilanz aufgenommen. Rückblickend auf die wesentlichen drei Bewertungskategorien der finanziellen Vermögenswerte nach IAS 39 sind Folgende zu unterscheiden (siehe Abbildung 2):
• Financial instruments at fair value through profit and loss. Die Folgebewertung erfolgt ergebniswirksam zum Fair Value. In diese Kategorie fallen insbesondere die Handelsbestände der Banken.
• Available for sale financial assets. Die Fair-Value-Änderung dieser Finanzinstrumente werden direkt im Eigenkapital erfasst.
• Held to maturity investments, sowie loans and receivables, welche zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden.
Insbesondere die Handelsbestände der Banken zeichneten große Profitabilitäten für Banken aus, da ihre steigenden Marktpreise zum höheren Gewinnausweis führten. Diese Zustände wurden in der Aufschwungsphase keiner kritischen Würdigung unterstellt. Denn die Manager und auch die Aktionäre hatten vielfältige Vorteile durch die Bewertung zum Fair Value. Die Bonität der Manager entfaltete sich, die Aktionäre schafften sich großen Gewinn von ihren steigenden Aktienkursen und sogar die Realwirtschaft zeichnete positive Entwicklungen auf. Das Erfassen noch nicht realisierter Gewinne führte zur steigenden Wertansätzen und erhöhten Eigenkapital, wobei die Realisierung ihrer zum späteren Zeitpunkt zweifelhaft ist. Besonders im Bankensektor führten diese Umstände zum verstärkten Trend, da die Eigenkapitalanteile künstlich aufgeblasen wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des Zusammenhangs zwischen Fair Value Accounting und der Finanzkrise sowie Erläuterung der Zielsetzung und Vorgehensweise.
2. BESONDERHEITEN DER BILANZIERUNG VON BANKEN: Darstellung der Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei der Bankbilanzierung und der Motivation zur Umstellung auf das Fair Value Accounting.
3. GRUNDLAGEN ZUM FAIR VALUE ACCOUNTING: Erläuterung der maßgeblichen Standards IFRS 13 und IAS 39 hinsichtlich Ansatz und Bewertung von Finanzinstrumenten.
4. ZUSAMMENHÄNGE ZWISCHEN FAIR VALUE ACCOUNTING UND DER FINANZKRISE: Detaillierte Analyse der prozyklischen Effekte, der Argumente von Befürwortern und Kritikern sowie Diskussion der Rolle als Krisenverstärker.
5. MAßNAHMEN ZUR BESEITIGUNG DER DEFIZITE BEIM FAIR VALUE ACCOUNTING: Beschreibung der Reaktionen der Standardsetter auf die Krise, insbesondere hinsichtlich des IAS 39-Änderungsstandards.
6. SCHLUSS: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und kritische Reflexion der Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Fair Value Accounting, Finanzkrise, Bankbilanzierung, HGB, IFRS, IFRS 13, IAS 39, prozyklischer Effekt, Krisenverstärker, Mark-to-Market, Finanzinstrumente, Handelsbestand, Eigenkapital, Rechnungslegung, Standardsetter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die mögliche Verbindung zwischen den Bilanzierungsvorschriften des Fair Value Accounting und dem Entstehen oder der Verschärfung der globalen Finanzkrise.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, die technischen Grundlagen des Fair Value (insb. IFRS 13 und IAS 39) sowie die ökonomischen Auswirkungen von Bewertungsmodellen in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen der Anwendung des Fair Value Accounting und der Finanzkrise besteht und ob dieses als Ursache oder Verstärker der Krise gilt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich unterschiedlicher Rechnungslegungssysteme sowie der Auswertung von Argumentationslinien führender Studien zu diesem Thema.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Bankbilanzierung und des Fair Value sowie die anschließende kritische Diskussion der Wechselwirkungen zwischen Bilanzbewertungen und marktweiten Kriseneffekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen Fair Value Accounting, Finanzkrise, Bankbilanzierung, IFRS, prozyklischer Effekt und Krisenverstärker.
Inwiefern hat das Fair Value Accounting laut Autor zu "künstlichem" Eigenkapital geführt?
Durch das Ausweisen nicht realisierter Gewinne aus steigenden Marktpreisen in der Aufschwungsphase kam es zu einer Erhöhung der Bilanzsumme und des Eigenkapitals, die bei späteren Kursabstürzen zu hohen Abschreibungsnotwendigkeiten führten.
Welche Gegenargumente werden bezüglich der Wechselwirkung angeführt?
Einige Studien argumentieren, dass das Fair Value Accounting nicht die Ursache der Krise war, da viele Institute in den USA bei der Bewertung große Spielräume nutzten und Fair Value-Anwendungen in der Praxis weniger verbreitet waren als oft behauptet.
- Quote paper
- Emine Simsek (Author), 2017, Fair Value Accounting und die Finanzkrise. Inwiefern besteht ein Zusammenhang?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/412551