Das Altern des Menschen ist ein aktuelles Thema. Jeder möchte alt werden, aber kaum jemand
möchte alt sein. Die durchschnittliche Lebenserwartung in den Industrieländern ist im vergangenen
Jahrhundert deutlich gestiegen. Einige sehen darin Probleme für zukünftige Generationen etwa
durch die Überalterung der Gesellschaft und damit verbundene Finanzierungsprobleme des
Pensionssystems. Andere sehen darin die Chance, nach der Pensionierung einen weiteren
Lebensabschnitt verbringen zu können.
Der Wunsch der meisten Menschen ist es natürlich, diese Phase so selbständig und aktiv wie
möglich verbringen zu können. Dem gegenüber steht jedoch der Alterungsprozess, der mit dem
Lauf der Zeit einschränkend wirkt.
In dieser Arbeit soll das sogenannte Biologische Alter beschrieben werden. Dabei handelt es sich
um ein Konzept, das versucht das Alter eines Menschen nicht einfach über den Ablauf der Zeit zu
definieren, sondern über seinen physiologischen, psychologischen und sozialen Zustand. Nach der
Definition der wichtigsten Begriffe und einer kurzen Einführung in den Ablauf des
Alterungsprozesses sollen Methoden zur Feststellung des Biologischen Alters dargestellt werden.
Damit verbunden ist natürlich auch die Frage nach den Parametern des Biologischen Alters.
Im Hauptteil der Arbeit soll untersucht werden, ob Sport und Bewegung als Einflussfaktoren des
Biologischen Alters in Betracht kommen. Zahlreiche Schlagzeilen in den Medien und
populärwissenschaftliche Literatur („Forever Young“) scheinen ja Fitness bis ins hohe Alter und
eine steigende Lebenserwartung durch Bewegung zu suggerieren. Um diese Vermutung
wissenschaftlich zu untermauern wird einerseits die aktuelle Literatur gesichtet, andererseits eine
empirische Untersuchung durchgeführt. Zahlreiche aktuelle Studien belegen, dass der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung weltweit
immer größer wird. So betrug beispielsweise der Anteil der über 65jährigen im Jahre 1871 in
Deutschland 4,6%. 1980 betrug dieser Anteil 15,5%, für das Jahr 2030 wird ein Anteil von 29,2%
erwartet (MEUSEL, 1996).
Was die durchschnittliche Lebenserwartung betrifft, so ist ebenfalls eine deutliche Steigerung zu
verzeichnen: Betrug diese in Deutschland 1949/51 für einen neugeborenen Buben 64,6 Jahre, so
lag sie 1991/93 bei 73,1 Jahren. Gleichzeitig blieb aber die sogenannte „fernere“ Lebenserwartung für 60jährige mit 16,2 Jahren 1949/51 und 18,1 Jahren 1991/93 nahezu unverändert. (OSWALD,
2000). [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Aktuelle Bevölkerungsentwicklung
2. THEORIEN ÜBER DIE URSACHEN DES ALTERNS
2.1 „Genetic Theories“
2.2 „Damage Theories“
2.3 „Gradual Imbalance Theories“
2.4 Integration der Alternstheorien
3. DER ALTERUNGSPROZESS UND SEINE AUSWIRKUNGEN
3.1 Grundsätzliches zum Alterungsprozess
3.2 Physiologische Veränderungen und ihr Einfluss auf die Leistungsfähigkeit
3.2.1. Veränderung anthropologischer Meßgrößen
3.2.2. Bewegungsapparat
3.2.3. Herz-Kreislauf
3.2.4. Lunge - Atmung
3.2.5. ZNS
3.2.6. Weitere Veränderungen
3.3 Psychische Veränderungen
4. INDIVIDUELLE UNTERSCHIEDE IM ALTERUNGSPROZESS
5. DEFINITIONEN ZUM BIOLOGISCHEN ALTER
5.1 Chronologisches Alter
5.2 Biologisches Alter
6. BESTIMMUNG DES BIOLOGISCHEN ALTERS
6.1 Kriterien für Biomarker des Alters
6.2 Übersicht über Methoden zur Bestimmung des biologischen Alters
6.2.1. Bestimmung des BA über das Organsystem
6.2.2. Bestimmung des BA durch biochemische Messungen
6.2.3. Bestimmung des BA durch nicht-humane Modelle
6.2.4. Bestimmung des BA durch Untersuchungen des Stoffwechsels
6.2.5. Bestimmung des BA durch physiologische Parameter
6.3 Testbatterien und Verwendung von empirischen Methoden
6.4 Kritik am Konzept des biologischen Alter
7. EINFLUSSFAKTOREN DES BIOLOGISCHEN ALTERS
7.1.1. Rauchen
7.1.2. Stark fetthaltige Ernährung
7.1.3. Bildung
8. AUSWIRKUNGEN VON SPORT UND BEWEGUNG AUF DEN ALTERNDEN MENSCHEN
8.1 Zur Definition der Begriffe
8.2 Physiologische Auswirkungen von Sport und Bewegung auf den alternden Menschen
8.2.1. Herz-Kreislauf
8.2.2. Lunge-Atmung
8.2.3. ZNS
8.2.4. Bewegungsapparat
8.3 Psychologische Auswirkungen von Sport und Bewegung auf den alternden Menschen
8.4 Weitere Auswirkungen
8.4.1. Sport und Lebenserwartung
9. SPORT ALS EINFLUSSFAKTOR DES BIOLOGISCHEN ALTERS
10. DER H-SCAN
10.1 Beschreibung des H-SCAN
10.2 Beschreibung der Tests
10.2.1. Vibrotaktile Sensitivität
10.2.2. Gedächtnis
10.2.3. Vitalkapazität und FEV-1
10.2.4. Höchste hörbare Frequenz
10.2.5. Augenakkomodation
10.2.6. Psychomotorische Tests
10.3 Berechnung des biologischen Alters mit H-SCAN
11. METHODEN
11.1 Probanden und Tests
11.2 Auswertung
12. ERGEBNISSE
12.1 Häufigkeiten
12.1.1. Geschlecht
12.1.2. Blutdruck
12.1.3. Familienstand
12.1.4. Ausbildung
12.1.5. Körperliche Aktivität
12.2.1. Nach Geschlechtern getrennt
12.2.2. Nach Auffälligkeiten Herz/Blutdruck getrennt
12.2.3. Nach körperlicher Aktivität getrennt
12.3 ANOVA und t-Statistik
12.3.1. Auffälligkeiten Herz/Blutdruck und BMI
12.3.2. Körperlicher Zustand und BMI, Kalorienverbrauch und biologisches Alter
12.4.1. Kalorienverbrauch durch Sport und biologisches Alter
12.4.2. Zusammenhang ausgewählter Parameter mit chronologischem und biologischem Alter
12.4.3. Zusammenhang der Lungenparameter und der Körpergröße
12.4.4. Zusammenhang der Parameter für Reaktion und Schnelligkeit
12.4.5. Zusammenhang Lungenparameter, Biologisches Alter, Kalorienverbrauch
12.4.6. Zusammenhang körperliche Aktivität und körperlicher Zustand
13. DISKUSSION
13.1 Ergebnisse der Untersuchung im Vergleich mit früheren Arbeiten
13.2 Diskussion weiterer Ergebnisse
13.3 Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten bei der Testdurchführung
13.3.1. H-SCAN
13.3.2. Probleme bei der Selbsteinschätzung durch die Probanden
13.3.3. Verbesserungsmöglichkeiten der Untersuchung
14. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des biologischen Alters und analysiert, ob körperliche Aktivität und Sport als Einflussfaktoren fungieren können, die den physiologischen Alterungsprozess verlangsamen oder modifizieren. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, ob Personen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, biologisch jünger getestet werden als inaktive Vergleichsgruppen.
- Grundlagen der Alternstheorien und physiologische Auswirkungen des Alterungsprozesses
- Konzept und Bestimmungsmethoden des biologischen Alters sowie Bedeutung von Biomarkern
- Physiologische und psychologische Auswirkungen von Sport und Bewegung auf alternde Menschen
- Empirische Untersuchung mittels H-SCAN Testverfahren an einer Stichprobe von 50 Probanden
- Statistische Korrelationsanalyse zwischen sportlichem Kalorienverbrauch und biologischem Alter
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Veränderung anthropologischer Meßgrößen
Allgemein bekannt dürfte sein, dass der ältere Mensch zunächst einmal durch eine Abnahme der Körpergröße auffällt. So betrug beispielsweise die mittlere Körpergröße der Männer vom 25. bis 39. Lebensjahr 178cm. Sie fiel bis zum 7. Lebensjahrzehnt auf 171cm. Für Frauen sank der Wert im gleichen Zeitraum von 166cm auf 160cm. Ein Grund für diesen Verlust an Körpergröße ist unter anderem die schlechtere Regenerationsfähigkeit der Bandscheiben.
Im Gegensatz zur Größe, nimmt das Körpergewicht bei Frauen im Alternsgang zu. Siehe dazu die folgende Tabelle:
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema Altern und die Fragestellung, ob Sport das biologische Alter beeinflusst.
2. THEORIEN ÜBER DIE URSACHEN DES ALTERNS: Darstellung der verschiedenen Gruppen von Alternstheorien, inklusive genetischer und Schadens-Theorien.
3. DER ALTERUNGSPROZESS UND SEINE AUSWIRKUNGEN: Beschreibung physiologischer und psychischer Veränderungen der Organe während des Alterns.
4. INDIVIDUELLE UNTERSCHIEDE IM ALTERUNGSPROZESS: Erörterung der variablen Verläufe des Alterns bei verschiedenen Personen und Organsystemen.
5. DEFINITIONEN ZUM BIOLOGISCHEN ALTER: Abgrenzung von chronologischem und biologischem Alter.
6. BESTIMMUNG DES BIOLOGISCHEN ALTERS: Übersicht der Methoden und Kriterien für Biomarker zur Messung des biologischen Alters.
7. EINFLUSSFAKTOREN DES BIOLOGISCHEN ALTERS: Klassifizierung exogener Einflussfaktoren in beeinflussbare und unbeeinflussbare Gruppen.
8. AUSWIRKUNGEN VON SPORT UND BEWEGUNG AUF DEN ALTERNDEN MENSCHEN: Analyse der physiologischen und psychischen Effekte regelmäßiger Aktivität.
9. SPORT ALS EINFLUSSFAKTOR DES BIOLOGISCHEN ALTERS: Darstellung bisheriger Forschungsergebnisse zur direkten Korrelation von Sport und biologischem Alter.
10. DER H-SCAN: Detaillierte technische Beschreibung des automatisierten Testverfahrens zur Ermittlung des biologischen Alters.
11. METHODEN: Erläuterung der Vorgehensweise der durchgeführten empirischen Diplomarbeits-Studie.
12. ERGEBNISSE: Präsentation der statistischen Auswertungen und deskriptiven Daten der 50 Probanden.
13. DISKUSSION: Kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Ergebnissen und Verbesserungsmöglichkeiten der Untersuchung.
14. ZUSAMMENFASSUNG: Abschlussbetrachtung der Thematik und der gewonnenen Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Biologisches Alter, Alterungsprozess, Sport, Bewegung, Biomarker, H-SCAN, Lungenfunktion, Herz-Kreislauf, Körperliche Aktivität, Krafttraining, Alterssport, Leistungsfähigkeit, Korrelation, Sterberisiko, Anthropometrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Untersuchung des Konzepts "Biologisches Alter" und dessen Beeinflussbarkeit durch Sport und körperliche Bewegung.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Forschung?
Im Zentrum stehen die Alternstheorien, die physiologischen Prozesse beim Altern, Methoden zur Bestimmung des biologischen Alters durch Biomarker sowie die gesundheitlichen Auswirkungen sportlicher Aktivität auf alternde Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu überprüfen, ob regelmäßige körperliche Aktivität dazu führt, dass Individuen in einem biologischen Alterstest jünger abschneiden als inaktive Altersgenossen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde zur Datenerhebung verwendet?
Zur Datenerhebung wurde das automatisierte H-SCAN Testverfahren nach Richard Hochschild genutzt, welches physiologische und psychomotorische Funktionen misst, um das biologische Alter zu errechnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Aufarbeitung bestehender Literatur zum Thema Altern und Sport als auch die Durchführung einer empirischen Studie mit 50 Probanden im Alter von 38 bis 86 Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören biologisches Alter, Biomarker, Sport, körperliche Fitness, H-SCAN und physiologische Leistungsfähigkeit.
Welche Rolle spielen die Lungenparameter FEV-1 und FVC?
Diese Parameter gelten als besonders verlässliche Biomarker. Die Studie konnte bestätigen, dass diese Werte stark mit dem biologischen Alter sowie der Körpergröße korrelieren.
Warum konnte in der Studie kein signifikanter Zusammenhang zwischen Sport und biologischem Alter nachgewiesen werden?
Der Autor diskutiert, dass Probleme bei der Selbsteinschätzung der Probanden im Fragebogen und die methodische Schwierigkeit, sportliche Intensität und Dauer korrekt zu erfassen, zu den nicht signifikanten Ergebnissen beigetragen haben könnten.
Was ist das "H-SCAN" System?
Es ist ein automatisiertes Diagnosesystem, das 12 verschiedene Biomarker misst, um unabhängig von menschlichen Versuchsleitern eine objektive Bestimmung des biologischen Alters zu ermöglichen.
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- Martin Plessl (Author), 2002, Sport und Bewegung als mögliche Einflussfaktoren auf das Biologische Alter, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/40565