Die hier vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Analyse des Sprachgebrauchs in politischen Plakaten leisten und fokussiert gerade in heutigen Zeiten, in denen verfassungsfeindliche Gruppierungen einen gewissen Erfolg bei Landtagswahlen verbuchen, ein brisantes Thema. Indem im ersten Teil, dem der Theorie, eine fundierte Grundlage erarbeitet wird, kann diese im analytischen Kapitel genutzt werden, um die Funktionsweise politischer Plakate zu erklären und so ihren persuasiven Charakter aufdecken. Neben der Analyse des Sprachgebrauchs sowie seiner visuellen Umsetzung soll hier untersucht werden, inwiefern sich politische Werbung mit professionell vermarkteten Wirtschaftsprodukten vergleichen lässt und, wenn dem so ist, inwieweit sich diesbezüglich Entwicklungen abzeichneten bzw. Ursachen aufzudecken sind. Um dem nachzugehen, führe ich bei dem ersten Beispiel eine Analyse durch, die sich weitestgehend an den zuvor ausgearbeiteten Grundlagen orientieren, während im darauf folgenden Komplex wiederkehrende Plakatmotive vorgestellt werden, die meines Erachtens ebenfalls Erklärungsmuster für Entwicklungen in der Wahlwerbung bieten könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Verbaler Kode
2.1.1 Schlagwort
2.1.2 Fahnenwort und Stigmawort
2.1.3 Hochwert-/Unwertwort
2.1.4 “Streit um Worte”
2.2 Visueller Kode
2.2.1Ikonische Ebene
2.2.2 Ikonographische Ebene
2.2.3 Tropologische Ebene
2.2.4 Topische Ebene
2.2.5 Enhymematische Ebene
3. Anwendung durch Analyse
3.1 1976: CDU vs. SPD
3.2 Parteienübergreifende Wiederkehr von Plakatmotiven
3.2.1 NSDAP und NPD
3.2.2 CDU und NPD
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert den Sprachgebrauch sowie die visuelle Gestaltung politischer Plakate, um deren persuasive Funktionsweise zu untersuchen. Ein zentrales Ziel ist es dabei, Parallelen zwischen politischer Werbung und professioneller Vermarktung von Wirtschaftsprodukten aufzuzeigen sowie die Verwendung ideologisch aufgeladener Motive durch verschiedene Parteien im Zeitverlauf zu analysieren.
- Analyse verbaler Codes (Schlagwörter, Fahnen- und Stigmawörter).
- Untersuchung visueller Kodes nach semiotischen Kriterien.
- Vergleich der Wahlwerbung von CDU und SPD im Jahr 1976.
- Untersuchung der parteienübergreifenden Wiederkehr von Plakatmotiven (NSDAP/NPD und CDU/NPD).
- Diskussion über die Professionalisierung politischer Vermarktung und den "Streit um Worte".
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Schlagwort
Bei einer möglichen Definitionsfindung für den Begriff des Schlagwortes tut sich die Forschung außerordentlich schwer. Die Ursache liegt in seinem polysemischen Charakter, der sich einer prägnanten Kennzeichnung entzieht. Nach Dieckmann lässt sich der Begriff am besten von seiner Funktion ausgehend erklären:
„Das Schlagwort dient der Beeinflussung der öffentlichen Meinung im System der Meinungsbildung (Erziehung) und Meinungsänderung (Propaganda).“
Es bleibt aber nur solange ein Schlagwort, wenn es sich, wie oben zitiert, als solches funktionalisieren lässt, was eine gewisse Aktualität erfordert und aufgrund seines inflationären Gebrauchs einer starken Reizabnutzung unterliegt, deren Faktoren folgende sind:
1. Verschleiß und Gewöhnung
2. Unglaubwürdigkeit
3. Irrelevanz
4. Unverständlichkeit
Das Schlagwort beinhaltet fürderhin ein Programm, wobei zu betonen ist, dass es dieses als Ziel einerseits bezeichnet, andererseits aber auch propagiert. Ein programmatischer Aspekt liegt dem Schlagwort aber auch insoweit zu Grunde, als dass es stets eine deontische Bedeutungskomponente in sich trägt, also immer eine Handlungsanweisung an den Adressaten appelliert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz der Analyse politischer Plakate als Instrument der Meinungsbildung und stellt das Vorhaben dar, die rhetorischen und visuellen Mechanismen zu untersuchen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erarbeitet die wissenschaftliche Basis zur Untersuchung von verbalen Kodes, wie Schlagwörtern, und visuellen Kodes, unterteilt in verschiedene semiotische Bedeutungsebenen.
3. Anwendung durch Analyse: In diesem Hauptteil wird die Theorie an konkreten historischen Beispielen, wie dem Vergleich zwischen CDU und SPD 1976 sowie der Wiederkehr von Plakatmotiven bei NSDAP/NPD und CDU/NPD, praktisch angewandt.
4. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass politische Werbung zunehmend professionellen Vermarktungsstrategien folgt, wodurch sich die inhaltliche Abgrenzung zwischen Parteien erschwert.
Schlüsselwörter
Politisches Plakat, Verbaler Kode, Visueller Kode, Schlagwort, Fahnenwort, Stigmawort, Politische Semantik, Wahlwerbung, Semiotik, Propaganda, Meinungsbildung, CDU, SPD, NPD, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Sprachgebrauch und die visuelle Gestaltung politischer Plakate, um deren persuasive Wirkung und die Mechanismen politischer Überzeugungsarbeit zu entschlüsseln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die linguistische Analyse politischer Semantik (Schlagwörter, Fahnenwörter) sowie die semiotische Analyse von Bildsprache und grafischen Symbolen in der Wahlwerbung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise politischer Plakate aufzudecken und zu analysieren, inwieweit politische Parteien zunehmend Methoden der professionellen Produktwerbung anwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf linguistischen Ansätzen zur Analyse von "Politischer Semantik" sowie semiotischen Modellen, insbesondere nach Umberto Eco und Rolf Bachem, zur Dekonstruktion von Bildkodes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der praktischen Analyse ausgewählter Plakate, beginnend mit dem Vergleich von CDU- und SPD-Plakaten von 1976 bis hin zur Wiederaufnahme ideologisch konnotierter Bildmotive durch die NPD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem politisches Plakat, Schlagwort, ideologische Polysemie, visuelle Metapher, politische Semantik und Wahlwerbung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Fahnenwort und Stigmawort?
Ein Fahnenwort ist ein affirmatives Schlagwort zur Parteienidentifikation, während ein Stigmawort dazu dient, den Gegner oder gegnerische Werte zu dekonstruieren und einen Sachverhalt negativ zu markieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Motivübernahme durch die NPD?
Der Autor argumentiert, dass die NPD Motive (wie die zuschlagende Faust) bewusst übernimmt, um ideologische Kontinuität zu wahren, während sie sich gleichzeitig einen rechtstaatlichen Anschein durch den Bezug zur Sachpolitik zu geben versucht.
- Arbeit zitieren
- Marian Brys (Autor:in), 2005, Zwischen Ideologie und Markenartikel. Untersuchungen zum politischen Plakat, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/40357