Warum nehmen so viele Patienten in einer von der Aufklärung durchdrungenen Zeit, in der mythologische Ereignisse und Wunder nur mehr wenig gesellschaftliche Anerkennung besitzen alternative Methoden in Anspruch, wo doch keine Wirksamkeit bewiesen ist? Wieso gehen Krebspatienten, die durch konventionelle Methoden mit einer relativ großen Wahrscheinlichkeit geheilt werden könnten, das Risiko ihres Todes ein? Unterdrücken die Naturwissenschaften vielleicht durch ihr System, das jede Wunderheilung ausschließt, eine Sehnsucht im Menschen nach eben diesen unerklärbaren Phänomenen?
Um diese Fragen klären zu können, ist es nötig, sich zuerst eine konventionelle Methode anzusehen und daraus mögliche Schlüsse zu ziehen. Deshalb werde ich im Folgenden das Prinzip der Chemotherapie darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Chemotherapie
2.1 Grundlagen der Chemotherapie
2.2 Funktionsmechanismus der Alkylanzien
2.3 Durchführung einer Chemotherapie
2.3.1 Arten der Chemotherapie
2.3.2 Zusammensetzung der Medikamente
2.3.3 Zytostatikaresistenz
2.4 Nebenwirkungen und deren Behandlung
2.5 Fazit
3 Komplementäre und Alternative Krebstherapie (CAM)
3.1 Definition
3.2 Stellenwert der CAM
3.3 Beweggründe der Patienten
3.4 Unkonventionelle Krebsdiagnostik
3.4.1 Irisdiagnostik
3.4.2 Dunkelfeldmikroskopie
3.4.3 Fazit
3.5 Supportivtherapien
3.5.1 Behandlung von Nausea und Emisis
3.5.2 Behandlung des Tumor-assoziierten Erschöpfungssyndroms (TAES)
3.6 Fazit
4 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen konventionellen onkologischen Behandlungen, wie der Chemotherapie, und komplementären bzw. alternativen medizinischen Ansätzen (CAM). Ziel ist es, die Beweggründe von Patienten für die Inanspruchnahme unkonventioneller Methoden zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, inwieweit wissenschaftlich nicht belegte Therapieansätze bei schwerwiegenden Erkrankungen gerechtfertigt oder ethisch vertretbar sind.
- Grundlagen und Wirkmechanismen der Chemotherapie bei Karzinomen.
- Analyse des Stellenwerts und der soziologischen Beweggründe für CAM bei Krebspatienten.
- Kritische Überprüfung unkonventioneller Diagnoseverfahren wie Irisdiagnostik und Dunkelfeldmikroskopie.
- Diskussion der ethischen Grenze zwischen Patientenautonomie und dem Schutz vor gesundheitsschädigenden, unwirksamen Heilmethoden.
Auszug aus dem Buch
3.3 Beweggründe der Patienten
Um die Beweggründe der Patienten zu erfahren, sollte man zuerst vor allem bei Krebs den Blick auf die Diagnose werfen, denn diese ist für viele Patienten ein tiefer Schock. Häufige Phänomene sind Angstgefühle, Hilf- und Hoffnungslosigkeit und das Gefühl des Kontrollverlusts [6, p. 94], wodurch eine objektive Betrachtung der gegenwärtigen Situation – wenn auch verständlicherweise – beeinträchtigt wird. Daraus folgt, dass Patienten oftmals nicht auf wissenschaftliche Evidenz vertrauen und somit zur Alternativmedizin greifen.
Man kann einen Gegensatz zwischen der Alternativmedizin und der Schulmedizin ausmachen, denn während sich die Schulmedizin auf ihrem wissenschaftlichen Fundament basierend auf Evidenz beruft, also nach der Diagnose die statistisch am wahrscheinlichsten wirksame Methode wählt, währenddessen der Patient eher passiv bleibt bzw. in ihm „nur“ die Krankheit gesehen wird und sich somit auch alleingelassen fühlen könnte, stellt die Alternativmedizin ein psychosoziales Konstrukt dar. Das zeigt sich daran, dass sie den Patienten als Einzelperson und nicht – drastisch ausgedrückt - als zu behandelndes Objekt, sondern der Mensch und nicht die Krankheit wird in den Mittelpunkt gestellt. Somit glaube ich, dass gerade dieser Aspekt dem Patienten Sicherheit geben kann und das Vertrauen in diese Art der Medizin gefördert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Spannung zwischen naturwissenschaftlicher Aufklärung und der menschlichen Sehnsucht nach transzendenten Erklärungen bei schwerer Krankheit.
2 Chemotherapie: Dieses Kapitel beschreibt das wissenschaftliche Prinzip der Chemotherapie, ihre Wirkmechanismen auf zellulärer Ebene sowie die typischen Nebenwirkungen.
3 Komplementäre und Alternative Krebstherapie (CAM): Hier werden Definition, Stellenwert und die psychologischen Hintergründe der Patienten für die Nutzung von CAM sowie ausgewählte Diagnose- und Supportivverfahren analysiert.
4 Diskussion: Die Diskussion reflektiert die ethischen Grenzen der Patientenautonomie und hinterfragt kritisch die Duldung unwirksamer Heilmethoden bei lebensbedrohlichen Erkrankungen.
Schlüsselwörter
Chemotherapie, Krebstherapie, Komplementärmedizin, CAM, Zytostatika, Onkologie, Patientenautonomie, Resonanzkonzept, Irisdiagnostik, Dunkelfeldmikroskopie, Supportivtherapie, Ethik, Evidenzforschung, Tumorlysesyndrom, Karzinome
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von klassischer Krebstherapie zur Alternativmedizin und beleuchtet die Motive von Patienten, sich jenseits der evidenzbasierten Schulmedizin Hilfe zu suchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Wirkprinzipien der Chemotherapie, den soziopsychologischen Gründen für den Trend zur Komplementärmedizin sowie der kritischen Prüfung unkonventioneller Diagnostik.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum Patienten trotz hoher Heilungschancen der Schulmedizin unkonventionelle Wege gehen, und eine ethische Einordnung dieser Entscheidung vorzunehmen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse onkologischer Grundlagen sowie soziologische Konzepte (wie das Resonanzkonzept nach Hartmut Rosa und die Diskurstheorie von Michel Foucault).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben den Grundlagen der Chemotherapie (inklusive Wirkungsweisen von Alkylanzien) werden Definitionen und Anwendungsgebiete von CAM-Methoden sowie deren wissenschaftliche Überprüfbarkeit diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Chemotherapie, Komplementärmedizin, Zytostatika, Patientenautonomie, Evidenzforschung und ethische Verantwortung.
Warum spielt das Resonanzkonzept von Hartmut Rosa für die Argumentation eine Rolle?
Es dient dazu zu erklären, warum sich Krebspatienten in der oft als "kalt" oder rein "objektiv" empfundenen Schulmedizin weniger gut aufgehoben fühlen als bei komplementären Anbietern, die eine resonante, menschliche Beziehung suggerieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Zulässigkeit von Alternativmedizin?
Der Autor fordert eine Grenze: Methoden, die den Patienten nicht schaden, können toleriert werden, doch bei lebensbedrohlichen Erkrankungen müsse der Schutz vor wirkungslosen, potenziell schädlichen "Heilmethoden" staatlich sanktioniert werden.
- Arbeit zitieren
- Moritz Nicklas (Autor:in), 2016, Komplementäre und alternative Behandlungsmethoden von Karzinomen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/388642