Die letzten Jahre stellten eine ernste Herausforderung für die Demokratie dar. Erstmals seit dem zweiten Weltkrieg konnte eine Partei in den deutschen Bundestag einziehen, die teilweise die demokratische Verfasstheit der Bundesrepublik in Frage stellt. Diese Entwicklung kann als eine weitere Etappe eines weltweiten Trends gesehen werden. Vielerorts in Europa, den USA und anderswo werden demokratische Grundannahmen in Frage gestellt. In der Vergangenheit gab es solche Entwicklungen immer wieder.
In dieser Arbeit soll es um eine derartige Rückentwicklung gehen und die Schlüsse, die daraus gezogen werden können. Explizit geht es um die Machtübernahme Augusto Pinochets und die Ablösung der Regierung Allende am 11. September 1973 in Chile. Diese Transformation einer Demokratie in eine Diktatur folgte auf unruhige (ökonomische) Zeiten. Im Mittelpunkt des Textes stehen deshalb die sozioökonomischen Folgen der Wirtschaftspolitik der gewaltsam abgesetzten Regierung Allende auf die chilenische Gesellschaft. Es wird der Versuch unternommen eine Ursachenanalyse der damaligen Ereignisse anhand der Modernisierungstheorie, die einen kausalen Zusammenhang von wirtschaftlichem Wohlstand und Demokratie sieht, nach Seymour Martin Lipset zu entwerfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Überlegungen
2.1 Modernisierungstheorie nach Seymour M. Lipset
2.1.1 Argumentationsstruktur nach Lipset
2.1.2 Kritische Auseinandersetzung mit der Modernisierungstheorie
2.2 Formulierung der Thesen
2.2.1 Erste These: Fehlende Legitimation des demokratischen Systems in Chile vor 1973
2.2.2 Zweite These: Verlust der wirtschaftlichen Effizienz führt zu Verlust der politischen Effektivität
3. Empirisches Fallbeispiel Chile 1973
3.1 Kurzer geschichtlicher Überblick über die Entwicklung der chilenischen Demokratie vor 1973
3.2 Empirische Anwendung der Thesen
3.2.1 Anwendung der Empirie auf die erste These: Dem demokratischen System fehlt Legitimität
3.2.2 Anwendung der Empirie auf die zweite These: Die Effektivität in Chile geht verloren
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gewaltsamen Umsturz der demokratischen Ordnung in Chile am 11. September 1973 auf Basis der Modernisierungstheorie nach Seymour M. Lipset. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern die Modernisierungsthese den Zusammenbruch der chilenischen Demokratie erklären kann, wobei der Fokus auf dem Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Effektivität, Legitimität und politischer Stabilität liegt.
- Analyse der Modernisierungstheorie nach Seymour M. Lipset
- Kritische Auseinandersetzung mit modernisierungstheoretischen Ansätzen
- Test zweier Thesen zu Legitimitätsverlust und wirtschaftlicher Effektivität in Chile
- Historischer Überblick der chilenischen Demokratie vor 1973
- Analyse der sozioökonomischen Folgen der Regierung Allende
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Argumentationsstruktur nach Lipset
Welche ist die konkrete Argumentation von Lipset? Zunächst einmal stellt Lipset die Hypothese auf „democracy is related to the state of economic development “26. Um diese Hypothese zu testen, definiert er mehrere Messvariablen für “economic development”. Dazu verwendet er die Faktoren „wealth, industrialization, urbanization and education“27. Diese stellte er für alle untersuchten Staaten auf und errechnete sie im Durchschnitt. Dabei stellte sich heraus, dass die zuvor als demokratisch definierten Staaten die jeweils höheren Werte aufwiesen. Wohlstand (wealth) wurde, für heutige Augen etwas altmodisch anmutend,
gemessen in „per capita income, number of persons per motor vehicle and per physician, and the number of radios, telephones, and newspapers per thousand persons. “28 Industrialisierung, welche in direktem Zusammenhang mit Wohlstand steht, wurde gemessen an der “percentage of males in agriculture“29 und dem pro-Kopf aufgewendeten Energieverbrauch eines Landes. Urbanisierung wurde gemessen anhand des Prozentsatzes von Bewohnern kleiner bis großer Städte an der Gesamtbevölkerung. Bildung schließlich wurde gemessen anhand der Analphabetenrate eines Staates und des Anteils an der Bevölkerung pro tausend Bewohner in den verschiedenen Bildungsstufen.30
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche den Zusammenhang zwischen der Modernisierungsthese nach Lipset und dem Umsturz der Regierung Allende am 11. September 1973 thematisiert.
2. Theoretische Überlegungen: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, analysiert die Argumentationsstruktur nach Lipset, kritisiert die Modernisierungstheorie und leitet zwei zentrale Thesen für die empirische Untersuchung ab.
3. Empirisches Fallbeispiel Chile 1973: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die chilenische Demokratie und wendet die zuvor aufgestellten Thesen zur Legitimität und wirtschaftlichen Effektivität auf das konkrete Fallbeispiel an.
4. Schlussfolgerungen: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung bewertet und die Erklärungskraft der Modernisierungstheorie für das Ende der chilenischen Demokratie kritisch eingeordnet.
Schlüsselwörter
Modernisierungstheorie, Seymour M. Lipset, Chile 1973, Demokratie, Legitimität, Politische Effektivität, Wirtschaftskrise, Salvador Allende, Militärputsch, Sozialer Wandel, Politische Stabilität, Entdemokratisierung, Wirtschaftsreformen, Entwicklungsökonomie, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den gewaltsamen Zusammenbruch der chilenischen Demokratie am 11. September 1973 unter Verwendung der Modernisierungstheorie von Seymour M. Lipset.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert auf das Verhältnis von ökonomischem Wohlstand und politischer Demokratie, die Rolle der Elite, gesellschaftliche Legitimität und die Auswirkungen wirtschaftlicher Effektivität auf die politische Stabilität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Kausalkette der Modernisierungstheorie umzudrehen und zu prüfen, ob ein wirtschaftlicher Abschwung unter bestimmten Bedingungen zwangsläufig in eine Entdemokratisierung führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deduktive Herangehensweise gewählt, bei der zwei spezifische Thesen aus der Modernisierungstheorie abgeleitet und anschließend anhand eines historischen Fallbeispiels (Chile 1973) getestet werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Argumentationsanalyse, eine historische Einordnung Chiles sowie eine empirische Überprüfung der Thesen in Bezug auf Legitimitätsverlust und den Rückgang der wirtschaftlichen Effektivität.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Zentrale Begriffe sind Modernisierungstheorie, politische Legitimität, wirtschaftliche Effektivität, chilenischer Umsturz 1973 und Entdemokratisierung.
Inwieweit spielt die Regierung Allende eine Rolle in dieser Untersuchung?
Die Regierungszeit von Salvador Allende dient als zentrales empirisches Fallbeispiel, an dem die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik auf die Stabilität des demokratischen Systems getestet werden.
Welche Rolle nimmt das chilenische Militär in der Argumentation ein?
Das Militär wird als Akteur betrachtet, der bei empfundener Gefährdung des eigenen Status oder der nationalen Ordnung aktiv in das politische Geschehen eingreift, wobei der Fokus auf der mangelnden Legitimation demokratischer Strukturen in konservativen Kreisen liegt.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor bezüglich Lipsets Theorie?
Der Autor stellt fest, dass die Theorie zwar bei der Erklärung langfristiger Trends robust ist, bei der Analyse eines so spezifischen und schnell ablaufenden Ereignisses wie dem Umsturz in Chile jedoch an ihre Grenzen stößt und akteurs- sowie institutionsspezifische Faktoren ergänzend betrachtet werden müssen.
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- Georg Mastorikou (Author), 2017, Die Regierungszeit des Salvador Allende und die Ursachen für den Umbruch 1973 in Chile, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/388466