Der Inhalt dieser Hausarbeit bezieht sich auf das Seminarthema „Die Sklavenhaltermonarchie in Brasilien (19. Jh.)“. Mein Anliegen ist es herauszufinden, wie die Sklaverei in Brasilien zu Stande kam und was sie im innersten zusammenhielt.
Um diese Frage beantworten und die dahinter liegenden Vorgänge nachvollziehen zu können, möchte ich zu Beginn einen geschichtlichen Kontext erarbeiten. Dieser soll als Hintergrundwissen für das Verständnis jener Motive und Rechtfertigungen, nach denen ich suche, dienen. Demnach werde ich auf die zeitgeistlichen Strömungen und ökonomischen Entwicklungen in Verbindung mit Europa im 16. Jh. eingehen. Ich stelle mir die Frage, warum ein System, aufgebaut auf einem Rassenkonzept, über mehrere Jahrhunderte andauern konnte und warum dessen Abschaffung nicht von jetzt auf gleich zu realisieren war. Denn erst nach und nach wurde die Sklaverei von religiösen Akteuren, Philosophen, Humanisten und zu guter Letzt von Politikern der Prüfung unterzogen, bis sie schließlich abgeschafft wurde.
Mein Hauptziel in dieser Arbeit besteht darin, die geistige Haltung zur Sklaverei in Brasilien und die Rechtfertigungen jener Machtstruktur gemäß der damaligen Zeit nachvollziehen zu können. Wie wir sehen werden, steht das wirtschaftliche Konstrukt mit der Sklaverei in direkter Verbindung, sodass ich jenes zu skizzieren anstrebe. In Anbetracht der Rechtfertigung der Sklaverei aus damaliger Sicht, möchte ich einen Schritt weiter gehen und die praktischen Methoden zur Durchsetzung einer derart menschenunwürdigen Institution aufdecken. Die Antworten auf meine Fragen werden abschließend im Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Einführung des Sklavensystems
2.1 Die Ankunft der Portugiesen
2.2 Pernambucos Zuckerwirtschaft
3. Rechtfertigungen
4. Behandlung & Strafen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung, die ideologische Rechtfertigung sowie die Durchsetzung des Sklavensystems in Brasilien während des 19. Jahrhunderts, um die zugrunde liegenden ökonomischen und machtpolitischen Strukturen zu verstehen.
- Historischer Kontext der portugiesischen Expansion und Sklavenimporte
- Die ökonomische Bedeutung der Zuckerwirtschaft in Pernambuco
- Ideologische und religiöse Legitimierung der Sklaverei
- Praktiken der Kontrolle, Behandlung und Bestrafung von Sklaven
Auszug aus dem Buch
4. Behandlung & Strafen
Der Franzose Louis François de Tollenare beschrieb auf seinen Reisen durch Brasilien, wie der Verkauf der Sklaven auf einem öffentlichen Markt vonstattenging:
„Wenn ein Käufer erscheint, müssen die von ihm bezeichneten (Sklaven) aufstehen. Er tastet sie ab, fühlt ihren Puls, prüft die Zunge und die Augen, stellt ihre Muskelstärke fest, lässt sie husten, springen und heftig die Arme schütteln. Der zum Verkauf stehende Sklave lässt diese Prüfungen über sich ergehen, ja er bemüht sich sogar, seine Fähigkeiten zu zeigen“ (Tollenare 1979, S. 140).
Diese demütigende Untersuchung war eine von vielen darauffolgenden Routinen, die der Sklave über sich ergehen lassen musste. So wurden, um aus dem Sklaven das Leistungsmaximum bei seiner Arbeit herauszuholen, körperliche Zwangsmittel angewendet (Santos 1985, S. 54). Hinzu kommt die eigentliche Arbeit, die unter unmenschlichen Bedingungen und in Überlänge vollbracht werden musste. Tollenare beschreibt seine Beobachtungen einer Zuckerrohrernte, die sich in der Regel von vier bis fünf Monate erstreckte: „Die Arbeit der Neger in den Siedereien ist sehr aufreibend: sie wechseln sich derart ab, dass sie 18 Stunden auf den Beinen bleiben“ (Tollenare 1979, S. 78). Die langen Arbeitszeiten hatten nicht allzu selten Konzentrationsschwächen zur Folge, die zu schweren Unfällen in den Siedereien führten:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Sklaverei in Brasilien sowie die Untersuchung der damit verbundenen Rechtfertigungsstrategien.
2. Zur Einführung des Sklavensystems: Dieses Kapitel erläutert die Ankunft der Portugiesen, die Etablierung des Sklavenhandels und die entscheidende Rolle der Zuckerwirtschaft, insbesondere in Pernambuco.
3. Rechtfertigungen: Hier werden die ethischen, religiösen und rassistischen Begründungen analysiert, die das Sklavensystem legitimierten und die Versklavung als gottgegeben oder ökonomisch notwendig darstellten.
4. Behandlung & Strafen: Dieser Abschnitt beschreibt die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, die systematische Überwachung und die brutalen körperlichen Bestrafungsmethoden, mit denen die Sklaven kontrolliert wurden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Rolle der Profitgier als Hauptantriebskraft für die Sklaverei sowie die erst spät erfolgte, primär ökonomisch motivierte Abschaffung.
Schlüsselwörter
Sklaverei, Brasilien, Kolonialgeschichte, Zuckerwirtschaft, Sklavenhandel, Rechtfertigung, Rassismus, Plantagenwirtschaft, Zwangsarbeit, Pernambuco, Abolitionismus, António Vieira, Arbeitsbedingungen, Kolonisierung, Ökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sozioökonomischen und ideologischen Rahmenbedingungen des Sklavensystems in Brasilien vom 16. bis zum späten 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der wirtschaftlichen Expansion Portugals, der Entwicklung der Zuckerrohrplantagen, den religiösen Rechtfertigungen der Unterdrückung sowie der brutalen Realität des Sklavenalltags.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, warum ein auf rassistischer Unterdrückung basierendes System über Jahrhunderte hinweg Bestand haben konnte und welche Machtstrukturen es stützten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine historische Literaturanalyse, wobei er zeitgenössische Quellen, Reiseberichte und wissenschaftliche Sekundärliteratur heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Einführung des Systems, die ökonomischen Antriebskräfte durch die Zuckerproduktion sowie die juristischen und ideologischen Instrumente zur Rechtfertigung der Versklavung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sklavenhandel, koloniale Machtstrukturen, Zuckerproduktion, rassistische Vokabulare und die ethische Blindheit einer Gesellschaft gegenüber der Institution Sklaverei.
Welche Rolle spielte die Kirche bei der Rechtfertigung?
Die Kirche verurteilte die Institution der Sklaverei nie grundlegend als Sünde, sondern versuchte lediglich, die Härte der Strafen zu regeln, während sie gleichzeitig Konzepte wie die "Pureza de Sangue" unterstützte.
Wie wurden Sklaven auf den Plantagen bestraft?
Bestrafungen reichten von Auspeitschungen bis hin zu Verstümmelungen; zudem wurden spezielle Vorrichtungen wie das "tronco" oder Halsbänder wie die "gargalheira" eingesetzt, um Widerstand und Flucht zu unterbinden.
Warum war Pernambuco so bedeutend für das System?
Pernambuco verfügte über ideale Bodenbedingungen für den Zuckerrohranbau und eine geografische Nähe zu europäischen Märkten, was es zum Zentrum der frühen brasilianischen Sklavenwirtschaft machte.
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- Patrick Ubik (Author), 2016, Das Sklavensystem in Brasilien. Seine Entstehung, Rechtfertigung und Durchsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/388204