Das soziale Netzwerk Facebook gewinnt in der modernen Welt zunehmend an Bedeutung. So konzentrieren sich viele Forschungsstudien auf die daraus entstehenden Online Beziehungen und das Posting-Verhalten der Nutzer. Ein Prozess, der aus der Vielzahl an dadurch verfügbaren Informationen zwangsläufig entsteht, ist der des sozialen Vergleiches. Menschen vergleichen ihre eigenen Eigenschaften und Erfolge, wie Aussehen, Karriere oder Lebensstandard mit denen ihrer Facebook Freunde. Die Studien von Chou und Edge, Haferkamp und Krämer sowie Sagioglou und Greitemeyer zeigen, dass ebendiese Vergleichsprozesse zu einem negativen Stimmungsabfall und einer Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben bei den Vergleichsdurchführenden führt. Eine Erklärung dafür kann der so genannte Attributionsfehler sein. Hierbei handelt es sich um einen menschlichen Wahrnehmungsfehler, der zur Vernachlässigung situationsbezogener Informationen führt und stattdessen den Verhaltensgrund auf die Persönlichkeitseigenschaften des Handelnden zurückführt.
Menschen nehmen aus den unterschiedlichsten Gründen in verschiedenen Situationen soziale Vergleichsprozesse vor. Motivationale Gründe hierfür sind das Bedürfnis nach einer korrekten Selbsteinschätzung, eine Selbstwerterhöhung und eine tatsächliche Selbstverbesserung. Soziale Vergleiche fungieren zudem im Alltag als mentale Abkürzungen, um zu einer möglichst präzisen und schnellen Einschätzung von sich selbst, anderen Personen und Gruppen zu gelangen. Diese Prozesse können dabei zwischen Gruppen, aber auch zwischen Individuen stattfinden. Mit Vergleichen mit und zwischen Gruppen beschäftigen sich die Theorie relativer Deprivation und die Bezugsgruppentheorie. Die moderne Forschung zu sozialen Vergleichsprozessen hingegen befasst sich mit Vergleichen zwischen Individuen und dem Selbst, wobei das Selbst die Zielperson darstellt und die anderen Individuen als Standard bezeichnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Theorie der sozialen Vergleiche
2.1 Festingers Theorie der sozialen Vergleichsprozesse
2.2 Das Motiv des positiven Selbstbildes und der Selbstverbesserung
2.3 Auf- und abwärtsgerichtete Vergleiche
2.4 Assimilations- und Kontrasteffekte
2.5 Soziale Vergleiche auf Facebook
3 Empirische Untersuchungen
3.1 Studie 1
3.1.1 Methode
3.1.2 Ergebnisse
3.1.3 Diskussion
3.2 Studie 2
3.2.2 Ergebnisse
3.2.3 Diskussion
3.3 Studie 3
3.3.1 Methode
3.3.2 Ergebnisse
3.3.3 Diskussion
4 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von sozialen Vergleichsprozessen auf die Stimmung und das Wohlbefinden von Facebook-Nutzern. Dabei wird analysiert, inwieweit die Konfrontation mit idealisierten Selbstdarstellungen anderer Nutzer zu einem negativen Stimmungsabfall und einer Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben führt.
- Theorie der sozialen Vergleichsprozesse nach Festinger
- Psychologische Mechanismen von Assimilation und Kontrast
- Einfluss des Attributionsfehlers auf die Wahrnehmung von Online-Inhalten
- Empirische Analyse der Auswirkungen von Facebook-Nutzung auf das Selbstbild
- Rolle von Profilbildern und physischer Attraktivität in Vergleichsprozessen
Auszug aus dem Buch
2.4 Assimilations- und Kontrasteffekte
Die Konsequenzen, die soziale Vergleiche mit sich bringen, können dabei in zwei entgegengesetzte Richtungen divergieren. Geschieht während des sozialen Vergleiches eine Annäherung des Selbst an den gewählten Standard, wird der Begriff der Assimilation verwendet. So werden beispielsweise die eigenen sportlichen Fähigkeiten nach einem Vergleich mit einer sportlichen Person höher eingeschätzt, als im Vergleich mit einer unsportlichen Person (Mussweiler, Rüter & Epstude, 2004b). In einigen Fällen führen soziale Vergleiche jedoch zu Kontrasteffekten, deren Konsequenz darin besteht, dass sich das Selbst vom Vergleichsstandard entfernt. Hier werden die eigenen Fähigkeiten als schlechter eingeschätzt, nachdem der Vergleich mit einem hohen Standard vorgenommen wurde, als es nach einem Vergleich mit einem niedrigeren Standard der Fall wäre. Wichtig ist, dass die Konsequenzen des Vergleichs mit einem hohen bzw. niedrigen Standard immer in Relation zum Vergleich mit dem gegensätzlichen Standard (niedrig bzw. hoch) betrachtet werden müssen (Corcoran & Crusius, 2016).
Bei der Frage, wann welche Effekte auftreten, kommen verschiedene Faktoren in Frage. So spielt beispielsweise die Extremität des Standards eine entscheidende Rolle. Ist der Standard extrem hoch, so kommt es zu Kontrasteffekten, wohingegen ein moderat (mäßig) hoher Standard zu Assimilationseffekten führt. Auch die psychologische Nähe von Selbst und Standard beeinflusst die Richtung des sozialen Vergleichs (Mussweiler, Rüter & Epstude, 2004b). Diese kann beispielweise durch eine gemeinsame Mitgliedschaft in einer Minderheitengruppe oder aber auch gänzlich unabhängig von der Vergleichsdimension entstehen. Ein Beispiel hierfür ist die Korrelation zwischen Einschätzung der eigenen Attraktivität und dem Teilen eines gemeinsamen Geburtstages mit einer attraktiven Person (Brown, Novick, Lord & Richards, 1992). Assimilation findet dann statt, wenn sich das Selbst aufgrund des gemeinsamen Geburtstages mit einer attraktiven Person, selber als attraktiver einschätzt. Es findet also eine Annäherung an den Vergleichsstandard statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der sozialen Vergleiche auf Facebook ein und stellt die Relevanz der Untersuchung des negativen Stimmungsabfalls bei Nutzern dar.
2 Die Theorie der sozialen Vergleiche: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, insbesondere Festingers Theorie, sowie die Mechanismen von Aufwärts- und Abwärtsvergleichen und Assimilations- bzw. Kontrasteffekten.
3 Empirische Untersuchungen: In drei aufeinanderfolgenden Studien werden empirische Belege für den Zusammenhang zwischen der Facebook-Nutzung, der Wahrnehmung anderer Nutzer und dem eigenen emotionalen Zustand untersucht.
4 Diskussion: Die Ergebnisse werden zusammenfassend interpretiert, methodische Einschränkungen kritisch gewürdigt und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe gegeben.
Schlüsselwörter
Facebook, Soziale Vergleiche, Selbstbild, Stimmung, Attributionsfehler, Assimilation, Kontrasteffekt, Online-Plattformen, Selbstwertgefühl, Körperbild, Nutzungsverhalten, Psychologie, Soziale Netzwerke, Online-Beziehungen, Vergleichsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Nutzung des sozialen Netzwerks Facebook durch soziale Vergleichsprozesse die Stimmung und Selbstwahrnehmung der Nutzer negativ beeinflussen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Theorie der sozialen Vergleiche, die psychologischen Effekte von Assimilation und Kontrast sowie die Auswirkungen von idealisierten Selbstdarstellungen auf Facebook.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Facebook durch die ständige Konfrontation mit vermeintlich "besseren" Leben anderer Personen den Stimmungszustand und die Selbstzufriedenheit der Nutzer negativ beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung sowie der Analyse und Diskussion dreier spezifischer empirischer Studien, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Facebook-Nutzung untersuchten.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Vergleichsprozesse und die detaillierte Vorstellung sowie Diskussion dreier empirischer Studien, die methodisch online durchgeführt wurden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Vergleiche, Facebook, Attributionsfehler, Assimilation, Kontrasteffekt und Selbstbild geprägt.
Warum spielt der "Attributionsfehler" eine so zentrale Rolle in der Argumentation?
Der Attributionsfehler erklärt, warum Nutzer dazu neigen, die positiven Beiträge anderer als Spiegelbild deren stabiler Persönlichkeit statt als situativ beeinflusste Darstellung zu sehen, was das eigene Unzufriedenheitsgefühl verstärkt.
Welche Rolle spielen "attraktive Profilbilder" in den durchgeführten Studien?
Sie dienen als Standard für aufwärtsgerichtete soziale Vergleiche, die nachweislich zu Kontrasteffekten führen, wodurch sich die Probanden im Vergleich dazu unzufriedener mit ihrem eigenen Aussehen und Körper fühlen.
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- Anonym (Author), 2017, Vergleiche auf Facebook. Warum Soziale Medien für schlechtere Stimmung sorgen können, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/387537