1993 hat der US-amerikanische Soziologe Georg Ritzer den Begriff „McDonaldisierung“ geprägt. Dieser beschreibt den Trend, dass McDonald’s einen großen Wert auf die Effizienz, die Berechenbarkeit, die Vorhersagbarkeit und die Kontrolle legt. Diese grundlegenden Organisationsprinzipien, die den wirtschaftlichen Erfolg von McDonald’s Fast-Food-Restaurants erklären, wurden und werden in zahllosen anderen Gesellschaftsbereichen auf der ganzen Welt nachgeahmt und kopiert. Tendenzen in Richtung McDonaldisierung sieht Ritzer u. a. auch im Gesundheitswesen, im Freizeitsektor, im Bildungswesen oder im Hotelgewerbe
Heute befinden wir uns in der Ära von Big Data, in der große Datenmengen in digitaler Form von zunehmender Bedeutung sind – sowohl im professionellen wie auch im privaten Bereich. Wir telefonieren, schreiben, lesen, kaufen, lernen etc. digital und hinterlassen täglich eine Menge von Daten im Internet, ob wir wollen oder nicht. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit das Internet und die digitalen Technologien zu einer McDonaldisierung der Gesellschaft beitragen? Um diese Frage zu beantworten, gehe ich in vier Schritten vor. Zu Beginn jedes Kapitels beschreibe ich kurz die einzelnen Organisationsprinzipien von McDonald’s. Daran schließen sich einige Beispiele an, die den Zusammenhang zwischen der McDonaldisierung der Gesellschaft und den digitalen Technologien/dem Internet plausibel machen sollen. Ein zusammenfassender Ausblick sowie einige praktische Tipps zur Erlangung der digitalen Mündigkeit beschließen die Arbeit.
Struktur der Arbeit
1. Einleitung
2. Effizienz
2.1 Effizienz bei G. Ritzer
2.2 Der Cybereinkauf
3. Berechenbarkeit
3.1 Berechenbarkeit bei G. Ritzer
3.2 Digitale Gesundheit
4. Vorhersagbarkeit
4.1 Vorhersagbarkeit bei G. Ritzer
4.2 Predictive Analytics
5. Kontrolle
5.1 Kontrolle bei G. Ritzer
5.2. Internetzensur: Mauer 2.0
6. Fazit: Digital – mir egal?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Internet und digitale Technologien zur McDonaldisierung der Gesellschaft beitragen, indem sie Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit und Kontrolle in modernen Lebensbereichen verstärken.
- Übertragung der Ritzer’schen Organisationsprinzipien auf digitale Prozesse
- Analyse des Online-Einkaufsverhaltens als Beispiel für gesteigerte Effizienz
- Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen (mHealth)
- Nutzung von Predictive Analytics zur Verhaltensvorhersage in Wirtschaft und Sicherheit
- Digitale Überwachung und staatliche Internetzensur am Beispiel Chinas
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Cybereinkauf
Das Internet hat den Einkauf wesentlich effizienter gemacht. Laut dem statistischen Bundesamt haben im Jahr 2015 47 Millionen Menschen in Deutschland Waren oder Dienstleistungen für private Zwecke über das Internet gekauft oder bestellt (vgl. Destatis 2016). Dies entspricht einem Anteil von 77 % der Internetnutzer ab zehn Jahre (vgl. ebd.). 64 % der Online-Käufer bezogen Kleidung und Sportartikel (s. Anhang, Abb. 1). Jeder Zweite (49 %) bestellte Möbel, Spielzeug oder andere Gebrauchsgüter online. Ebenfalls sehr verbreitet war der Online-Kauf von Büchern, Magazinen oder Zeitungen (42 %), von Eintrittskarten für Veranstaltungen (39 %) sowie von Filmen und Musik (33 %). 41 % buchten Urlaubsunterkünfte und 31 % andere Dienstleistungen für Urlaubsreisen (zum Beispiel Fahrkarten oder Mietwagen) online, mehr als jeder Vierte (28 %) bestellte Arzneimittel übers Internet.
Was spricht aber dafür, online einzukaufen? Ich versuche es am Beispiel von Zalando – Europas führender Online-Plattform für Mode – kurz zu skizzieren. Dieser Shop bietet seinen Kunden eine umfassende Auswahl an Bekleidung, Schuhen und Accessoires für Damen, Herren und Kinder bei kostenfreiem Versand und Rückversand. Außerdem werden verschiedene Zahlungsarten (Zahlung per Rechnung, per Paypal, per Kreditkarte etc.), kostenlose Stilberatung für registrierte Kunden, Geschenkgutscheine, unabhängige Öffnungszeiten, keine Wartezeit, Kundenrezensionen und vieles mehr angeboten.
Der Cybereinkauf scheint etwas Gutes und Effizientes zu sein und bringt zweifellos allen Betroffenen einen Vorteil. Die Verbraucher können das Benötigte schnell und mit weniger Anstrengung erhalten. Manager und Unternehmen können mehr Arbeit erledigen, mehr Kunden bedienen und den Gewinn steigern. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Maßnahmen zur Effizienzverbesserung von den Unternehmern in der Regel im eigenen Interesse ergriffen werden, und dieses Interesse ist nicht unbedingt identisch mit dem der Verbraucher. In modernen Unternehmen werden alle anfallenden Daten jahrelang in sogenannten Data Warehouses erfasst (vgl. Kurz/Rieger 2011: 69). Hierzu gehören beispielsweise firmeninterne Memos und E-Mails, Logistikvorgänge, Kundeninformationen, Zahlungsbewegungen, Daten über Besuche auf der Firmenwebseite, Präsentationen etc. (vgl. ebd.). Diese Daten sind von hohem monetären Wert, weil sich daraus das Verhalten von Kunden oder Mitarbeitern, ihre Bedürfnisse und Interessen über längere Zeiträume ersehen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Konzept der McDonaldisierung nach Georg Ritzer und dessen Relevanz im Kontext von Big Data und digitalen Technologien.
2. Effizienz: Erläuterung des Prinzips der Effizienz und deren praktische Anwendung am Beispiel des Online-Shoppings, inklusive der damit verbundenen unbezahlten Arbeit der Kunden.
3. Berechenbarkeit: Analyse der zunehmenden Quantifizierung gesellschaftlicher Prozesse, illustriert durch Entwicklungen im Gesundheitswesen (E-Health und mHealth).
4. Vorhersagbarkeit: Untersuchung des Wunsches nach Planbarkeit und dem Einsatz von Predictive Analytics im Marketing sowie in der polizeilichen Sicherheitsarbeit.
5. Kontrolle: Darstellung der technologischen Kontrolle durch nichtmenschliche Systeme und deren Auswirkung auf staatliche Internetzensur, konkret am Beispiel Chinas.
6. Fazit: Digital – mir egal?: Zusammenführende Betrachtung der Analyseergebnisse und Handlungsempfehlungen zum bewussten Umgang mit den eigenen digitalen Spuren.
Schlüsselwörter
McDonaldisierung, Georg Ritzer, Big Data, Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit, Kontrolle, Internetzensur, Predictive Analytics, mHealth, Datenschutz, digitale Mündigkeit, Datenfreigiebigkeit, Überwachung, Algorithmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die von Georg Ritzer beschriebenen Prinzipien der "McDonaldisierung" – Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit und Kontrolle – durch die Verbreitung des Internets und digitaler Technologien auf weitere Lebensbereiche übertragen werden.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Online-Einkauf, der digitalen Gesundheitsvorsorge (E-Health), modernen Analyseverfahren zur Verhaltensprognose (Predictive Analytics) sowie Mechanismen der Internetzensur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie digitale Technologien die Tendenz der Gesellschaft verstärken, Prozesse zu standardisieren und zu quantifizieren, um wirtschaftliche oder staatliche Interessen zu verfolgen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse unter Anwendung der Ritzer’schen Organisationsprinzipien, ergänzt durch aktuelle Fallbeispiele und statistische Daten, um die These der digitalen McDonaldisierung zu untermauern.
Was wird im Hauptteil detailliert erörtert?
Der Hauptteil analysiert für jedes der vier Prinzipien (Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit, Kontrolle) zunächst die theoretische Grundlage nach Ritzer und verknüpft diese anschließend mit konkreten Anwendungsfällen aus der digitalen Welt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Die wichtigsten Begriffe sind McDonaldisierung, Digitalisierung, Datenschutz, Big Data, Überwachung und algorithmische Verhaltensanalyse.
Wie verändert der Cybereinkauf laut Arbeit die Arbeitsteilung zwischen Unternehmen und Kunden?
Der Autor argumentiert, dass Kunden beim Online-Einkauf unbezahlte Tätigkeiten übernehmen – etwa die Suche nach Produkten, das Lesen von Rezensionen oder die Logistik bei Rücksendungen –, wodurch Unternehmen ihre eigene Effizienz auf Kosten der Zeit und Energie der Konsumenten steigern.
Welche Rolle spielt der Datenschutz im Fazit?
Der Autor plädiert für den Erhalt der digitalen Souveränität und gibt praktische Tipps, wie Nutzer ihre Privatsphäre durch den bewussten Einsatz von Pseudonymen und die Kontrolle der eigenen digitalen Spuren schützen können.
- Quote paper
- Elena M. (Author), 2017, Einfluss des Internets auf die McDonaldisierung der modernen Gesellschaft. Wie die Marketing-Prinzipien von McDonalds auf andere Lebensbereiche übertragen werden, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/386943