Diese Hausarbeit analysiert den „Herzmäre“ Konrads von Würzburg in Vergleich mit dem „Tristan“ Gottfrieds von Straßburg.
In dem „Herzmäre“ ist eine deutliche Umgestaltung der typischen Minne der Märendichtung zu finden. Diese Umdeutung kann auf dem „Tristan-Stoff“ beruhen, was daher einen genaueren Blick lohnend macht. Es wird ein neues Thema der unbedingten Liebe entworfen, welches Konrad von Würzburg stark von anderen Autoren seiner Zeit differenziert.
Aus diesem Grund lautet die Fragestellung: „Wie wird der „Tristan“ Gottfrieds von Straßburg im „Herzmäre“ Konrads von Würzburg rezipiert?“ Es sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Mären herausgearbeitet werden, welche zeigen, ob Gottfried von Straßburg ein stilistisches Vorbild für Konrad von Würzburg war. Zudem werden verschiedene Textstellen mit einander verglichen und interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
1.1 Thema und Intention „Herzmäre“
1.2 Thema und Intention „Tristan“
2. Hauptteil
2.1 Unterschiedliche Gattungen
2.2 Hören von Liebesgeschichten
2.3 Religiöse Dimension im „Tristan“ vs. im „Herzmäre“
2.4 Der Ehemann im „Herzmäre“ vs. Marke im „Tristan“
2.5 „herze“ – Leitwort im „Herzmäre“, neue Fassung der Gottfriedschen Verse?
2.6 Epilog „Herzmäre“ vs. Minnebußpredigt „Tristan“
2.7 Schlussvers im „Herzmäre“ – Gottfriedsche Wendung?
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption von Gottfrieds von Straßburg „Tristan“ durch Konrad von Würzburg in dessen Werk „Herzmäre“. Das Ziel besteht darin, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Minne sowie in den literarischen Strukturen beider Texte herauszuarbeiten, um zu klären, inwieweit Gottfried als stilistisches Vorbild für Konrad fungierte.
- Vergleich der Gattungen: Kurzerzählung versus Roman.
- Die Funktion und Bedeutung des „Hörens von Liebesgeschichten“.
- Religiöse Symbolik und die Eucharistie-Analogie.
- Charakterisierung des Ehemanns bzw. der Figur Marke.
- Das Leitwort „herze“ und die Konzeption der unbedingten Liebe.
Auszug aus dem Buch
2.2 Hören von Liebesgeschichten
Im „Herzmäre“ ist alles Konkrete, alles Einmalige bewusst getilgt, die Personen sind alle typisiert und damit zu exemplarischen Figuren geworden, es geht um einen ritter unde ein frouwe gout (V.29). Die totale Typisierung der Personen entspricht der Minnekonzeption, an der sich Konrad von Würzburg bei der Bearbeitung seines Stoffes orientiert. Im Gegensatz zu der Ehebruchsminne zwischen Tristan und Isolde, auf die der Prolog durch den Bezug auf Gottfried von Straßburg anspielt, handelt es sich hier um die hohe Minne. Denn die Minne als Macht hat die beiden Liebenden gleichermaßen erfasst. Im „Herzmäre“ ist eine Minimalkonstellation des „klassischen Dreieck“ erkennbar, unter Verzicht auf Namen, Ort und situative Details, Vorgeschichten oder Nebenhandlungen sowie unter Konzentration auf das spektakuläre Moment des gegessenen und des gebrochenen Herzens der Damen.
Wie schon herausgestellt, beruft sich Konrad im Prolog zum „Herzmäre“ auf Gottfried von Straßburg (V. 9). An einer Stelle des „Tristan“ ist der Gedanke, dass das Hören von Liebesgeschichten für Liebenden von Nutzen sei, in erzählte Wirklichkeit umgesetzt. Tristan und Isolde erzählen sich in der Waldeinsamkeit Geschichten über andere Liebende.
da sazen si zein ander an diu getriuwen senedære und triben ir senemære von den, die vor ir jaren von sene verdorben waren. (Tristan V. 17182-17186)
Tristan und Isolde nehmen in dem Roman sogar bis zur Identifizierung an den ins Gedächtnis gerufenen Personen Anteil:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Themenwahl und Formulierung der Fragestellung zur Rezeption des Tristan-Stoffes bei Konrad von Würzburg.
1.1 Thema und Intention „Herzmäre“: Analyse der einleitenden Verse, in denen Konrad seine Absicht zur Darstellung reiner Liebe und der belehrenden Wirkung von Mären darlegt.
1.2 Thema und Intention „Tristan“: Untersuchung des Prologs von Gottfried von Straßburg und dessen Zielsetzung, Liebesgeschichten zur Besänftigung von Liebesleid zu nutzen.
2. Hauptteil: Übergreifende Analyse der textuellen Gemeinsamkeiten und strukturellen Unterschiede zwischen den Werken.
2.1 Unterschiedliche Gattungen: Einordnung der Werke in ihre jeweiligen Gattungen (Märe vs. Roman) und Betrachtung der unterschiedlichen Umfänge.
2.2 Hören von Liebesgeschichten: Untersuchung der Bedeutung der Rezeption von Liebesgeschichten für die Liebenden in beiden Werken.
2.3 Religiöse Dimension im „Tristan“ vs. im „Herzmäre“: Vergleich der Verwendung eucharistischer Begriffe und der theologischen Aufladung der Liebeskonzepte.
2.4 Der Ehemann im „Herzmäre“ vs. Marke im „Tristan“: Vergleich der Rollenfunktion der Ehemänner als Gegenspieler der Liebenden.
2.5 „herze“ – Leitwort im „Herzmäre“, neue Fassung der Gottfriedschen Verse?: Analyse des Leitworts „herze“ und dessen Bedeutung für die Minneauffassung.
2.6 Epilog „Herzmäre“ vs. Minnebußpredigt „Tristan“: Gegenüberstellung der Epiloge und der Frage nach der zeitgenössischen Realisierbarkeit wahrer Liebe.
2.7 Schlussvers im „Herzmäre“ – Gottfriedsche Wendung?: Untersuchung der Funktion des Schlussverses als Referenz auf Gottfrieds Dichtung.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung, dass das „Herzmäre“ als ein „Tristan en miniature“ verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Konrad von Würzburg, Gottfried von Straßburg, Herzmäre, Tristan, Minne, Liebesgeschichte, Eucharistie, höfische Dichtung, Literaturvergleich, Liebestod, Identität, Rezeption, Senedære, Mittelalter, Gattungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit vergleicht das „Herzmäre“ von Konrad von Würzburg mit Gottfrieds von Straßburg „Tristan“, um die literarische Abhängigkeit und Rezeption des Tristan-Stoffes zu untersuchen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Konzepte von Minne, die Rolle des Publikums, die Darstellung von Leiden, religiöse Dimensionen der Liebe sowie die Charakterisierung von Ehemann-Figuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie wird der „Tristan“ von Gottfried von Straßburg im „Herzmäre“ von Konrad von Würzburg rezipiert?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine komparatistische Analyse, die Textstellen direkt gegenüberstellt, interpretativ vergleicht und in den literaturgeschichtlichen Kontext einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert strukturelle Unterschiede, die Bedeutung des „Hörens von Liebesgeschichten“, eucharistische Symbolik, die Darstellung der Ehemänner sowie die Funktion des Leitworts „herze“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Minne, Tristan, Herzmäre, Liebestod, Rezeption, Eucharistie, Gattungsgeschichte und höfische Dichtung.
Wie deutet der Autor die Eucharistie-Symbolik im „Herzmäre“?
Der Autor verweist auf den Epilog des „Herzmäre“, in dem das „Essen des Herzens“ des Geliebten als eine eucharistische Symbolik interpretiert wird, die die Wiedervereinigung der Liebenden im Tod ermöglicht.
Inwieweit lässt sich das „Herzmäre“ als „Tristan en miniature“ bezeichnen?
Das Fazit kommt zu diesem Schluss, da trotz der enormen Unterschiede im Umfang und der Gattung Konrads Werk explizit auf Gottfrieds Motive und Denkstrukturen zurückgreift und diese auf sein Märe überträgt.
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- Ronja Bastian (Author), 2016, Das "Herzmäre" von Konrad von Würzburg im Kontext des "Tristan" von Gottfried von Straßburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/386275