Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten stellen Verluste eine Problematik dar, die langfristig gesehen die Existenz von Unternehmen. Aus steuerrechtlicher Sicht hingegen gewinnen Verluste durch ihre Umwandlung in Verlustvorträge an Wert. Es existiert eine Anzahl an Gestaltungen, die ausschließlich der Erzielung steuerlicher Verluste dienen, wie etwa Gesellschaften, die potentielle Anteilseigner mit steuerlichen Verlusten locken. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen der aus wirtschaftlicher Sicht angestrebten Vermeidung von Verlusten und dem steuerlichen Anreiz, der von Verlusten bzw. deren Nutzung ausgeht. Ist das Verlustverrechnungssystem so gestaltet, dass der steuerliche Verlust attraktiv ist, jedoch nicht der steuerliche Gewinn, so verfehlt das Ertragssteuerrecht sein eigentliches Ziel. Lediglich der Gewinn sollte für den Steuerpflichtigen erstrebenswert sein und Verluste sollten im Rahmen des Verlustrechnungssystems immer nur dann berücksichtigt werden, wenn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen tatsächlich berührt wird.
Das deutsche Steuerrecht ist durch komplexe Verlustverrechnungsvorschriften geprägt. Diese finden sich sowohl in den Regelungen des KStG, GewStG, AStG, InvStG sowie UmwStG wieder. Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die Bedeutung und Behandlung von Verlusten im deutschen Steuerrecht geben. Vorgestellt wird zunächst die Begrifflichkeit des steuerlichen Verlustes sowie die Unterscheidung in „unechte“ und „echte“ Verluste. Weiter wird auf die Frage bzgl. der Entstehung von steuerlichen Verlusten eingegangen, bevor eine Systematisierung der Verlustberücksichtigung vorgenommen wird. Das folgende Kapitel geht exemplarisch auf verschiedene Verlustnutzungsstrategien ein und anschließend wird ein Vergleich zu anderen europäischen und nicht europäischen Ländern hinsichtlich deren Verlustverrechnungsvorschriften aufgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriff des steuerlichen Verlustes
2.2 Arten steuerlicher Verluste
2.3 Entstehung steuerlicher Verluste
3 Verlustverrechnung
3.1 Systematisierung der periodischen Verlustberücksichtigung
3.2 Systematisierung von Verlustverrechnungsbeschränkungen
4 Steueroptimale Verlustnutzung
4.1 Ökonomische Wertigkeit von Verlusten
4.2 Kategorisierung verschiedener Verlustnutzungsstrategien
5 Internationaler Vergleich
5.1 Interperiodische Verlustverrechnungsbeschränkung
5.2 Verlustverrechnungsbeschränkung bei Übertragungsvorgängen
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Behandlung von Verlusten im deutschen Steuerrecht. Ziel ist es, einen Überblick über das komplexe Verlustverrechnungssystem zu geben, das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und steuerlichen Anreizen zu beleuchten sowie verschiedene Strategien der Verlustnutzung und internationale Vergleiche darzustellen.
- Grundlagen und Definition steuerlicher Verluste
- Methoden der Verlustverrechnung im deutschen Steuerrecht
- Steueroptimale Strategien zur Verlustnutzung
- Internationaler Vergleich der Verlustverrechnungsregeln
- Analyse von Verlustverrechnungsbeschränkungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Systematisierung der periodischen Verlustberücksichtigung
Negative Einkünfte mindern das zu ermittelnde steuerpflichtige Einkommen bzw. den Gewerbeertrag. Eine Berücksichtigung dieser im Jahr der Verlustentstehung wird durch den sog. Verlustausgleich gem. § 2 Abs. 3 EStG vorgenommen. Der Ausgleich von negativen Einkünften mit positiven anderer Einkunftsquellen erfolgt im Rahmen der Ermittlung der Summe der Einkünfte. Grundsätzlich ist der Verlustausgleich unbeschränkt möglich, das Gesetz sieht jedoch eine Reihe von Verlustausgleichsbeschränkungen vor.21
Bei Durchführung des Verlustausgleich nach § 2 Abs. 3 EStG wird zwischen einem vertikalen und horizontalen Ausgleich differenziert. Bevor die Ergebnisse der einzelnen Einkunftsarten saldiert werden, erfolgt der Ausgleich von negativen Ergebnissen einer Einkunftsart mit positiven Ergebnissen derselben Einkunftsart. Die Verrechnung innerhalb derselben Einkunftsart kennzeichnet den horizontalen Verlustausgleich.22 Der vertikale Verlustausgleich, auch als externer Verlustausgleich bezeichnet, wird durch eine Verrechnung von Verlusten einer Einkunftsart mit Verlusten einer anderen Einkunftsart gekennzeichnet. 23 Der Verlustausgleich gem. § 2 Abs. 3 EStG kann grundsätzlich nur von dem Steuerpflichtigen in Anspruch genommen werden, der den Verlust wirtschaftlich zu tragen hat. 24
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel erläutert die Problematik von Verlusten aus betriebswirtschaftlicher und steuerrechtlicher Sicht und definiert das Spannungsfeld zwischen Steueranreizen und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden der Begriff des steuerlichen Verlustes, die Unterscheidung zwischen echten und unechten Verlusten sowie die Entstehung steuerlich relevanter Verluste definiert.
3 Verlustverrechnung: Das Kapitel systematisiert die periodische Verlustberücksichtigung und die verschiedenen Arten von Verlustverrechnungsbeschränkungen.
4 Steueroptimale Verlustnutzung: Es wird der ökonomische Wert von Verlusten untersucht und eine Kategorisierung verschiedener Strategien zur steueroptimierten Verlustnutzung vorgenommen.
5 Internationaler Vergleich: Dieses Kapitel vergleicht die Verlustverrechnungsregelungen Deutschlands mit ausgewählten europäischen und nicht europäischen Ländern hinsichtlich der interperiodischen Verrechnung und bei Übertragungsvorgängen.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung und dem Hinweis auf den Reformbedarf des Verlustverrechnungssystems unter Berücksichtigung verfassungsrechtlicher Bedenken.
Schlüsselwörter
Verlustverrechnung, Steuerrecht, Verlustausgleich, Verlustabzug, Verlustvortrag, Verlustrücktrag, Steueroptimierung, Körperschaftsteuer, Einkommensteuer, Leistungsfähigkeitsprinzip, Nettoprinzip, steuerliche Verluste, Verlustnutzungsstrategien, Mindestgewinnbesteuerung, internationale Steuerplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Behandlung und steuerliche Bedeutung von Verlusten im deutschen Steuerrecht sowie die komplexen Regeln zu deren Verrechnung und Nutzung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen des Verlustbegriffs, Mechanismen der Verlustverrechnung, Strategien zur Steueroptimierung und der internationale Vergleich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Bedeutung von Verlusten im Steuerrecht zu geben und aufzuzeigen, wie diese innerhalb der gesetzlichen Regelungen systematisiert und genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine betriebswirtschaftlich-steuerrechtliche Analyse, die gesetzliche Bestimmungen (wie EStG, KStG) und einschlägige Literatur sowie Rechtsprechung auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen, die Systematisierung der Verlustverrechnung und -beschränkungen sowie Strategien zur steueroptimalen Verlustnutzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Verlustverrechnung, Verlustausgleich, Steueroptimierung, Leistungsfähigkeitsprinzip und internationale Steuerplanung.
Was unterscheidet „echte“ von „unechten“ Verlusten?
Echte Verluste mindern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit real, während unechte Verluste (Buchverluste) lediglich die steuerliche Bemessungsgrundlage auf dem Papier mindern, ohne den Nettoertrag real zu beeinflussen.
Welche Bedeutung hat das Leistungsfähigkeitsprinzip für die Verlustverrechnung?
Es dient als verfassungsrechtlicher Maßstab, der vorgibt, dass die steuerliche Belastung an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen ausgerichtet werden muss, was den Verlustausgleich rechtfertigt.
Wie unterscheiden sich die Ansätze im internationalen Vergleich bei Übertragungsvorgängen?
Die Länder variieren stark: Während einige keine Einschränkungen bei einem Anteilswechsel vorsehen, stellen andere (wie Deutschland und die USA) auf den Wechsel der Anteilseigner oder die wirtschaftliche Identität der Körperschaft ab.
- Quote paper
- Anna Olbrück (Author), 2017, Verluste im Steuerrecht. Verlustverrechnung, steuerliche Verlustnutzung und Beschränkungen im internationalen Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/385901