Diese Arbeit konzentriert sich auf einige Theorien zur Entstehung von Sadomasochismus aus den unterschiedlichen Feldern der Psychologie. Der Fokus liegt besonders auf aktuellen Arbeiten, die ihrerseits überblicksartig verschiedene Theorien erwähnen, aber auch neue empirische Befunde liefern. Es ist davon auszugehen, dass damit sowohl die „Klassiker“, auf die sich aktuelle Studien immer wieder beziehen, als auch neue Ergebnisse aufgespürt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Begriffsbestimmung
3.Schulenabhängige Theorien
3.1.Psychoanalytische Theorien
3.2.Lerntheoretische Theorien
4.Beiträge aus der Grundlagenforschung
4.1.Beiträge der Biologischen Psychologie
4.2.Beiträge der Sozialpsychologie
4.3.Beiträge der Persönlichkeitspsychologie
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen systematischen Überblick über die verschiedenen psychologischen Erklärungsansätze zur Entstehung von Sadomasochismus zu geben. Dabei soll die bestehende Forschungslücke geschlossen werden, indem Theorien aus unterschiedlichen Teilbereichen der Psychologie zusammengetragen und hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Fundierung beleuchtet werden.
- Psychoanalytische Erklärungsmodelle zur Entstehung von Sadomasochismus
- Lerntheoretische Ansätze und Konditionierungshypothesen
- Biologische Grundlagenforschung inklusive hormoneller und neurologischer Einflüsse
- Sozialpsychologische Aspekte wie Attribution und Bindungsstile
- Persönlichkeitspsychologische Konstrukte, wie etwa Sensation Seeking
Auszug aus dem Buch
3.1.Psychoanalytische Theorien
„Eine zentrale Rolle bei der Ursachenforschung spielt die Psychoanalyse, im Besonderen ihr wichtigster Vertreter, Sigmund Freud“ (Stritzelberger & Weigand, 2010, S.84). Daher beginnt der Abschnitt über die Psychoanalyse mit dessen Werk die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ (1905). Danach werden weitere, modernere psychoanalytische Theorien vorgestellt.
Laut Freud kommt das Kind polymorph pervers zur Welt, „wird also mit der Anlage zur perversen Sexualität, die nicht primär das Ziel der Fortpflanzung verfolgt, geboren“ (Stritzelberger & Weigand, 2010, S.85). Es kann nur durch „organische Veränderungen und den Aufbau psychischer Hemmungen, wie Scham, Ekel, Mitleid und Moral ein normales Sexualverhalten erlangen“ (Stritzelberger & Weigand, 2010, S.86). Wird diese normale Entwicklung jedoch gestört und der „Primat der Genitalität“ nicht erreicht, so kann die infantile polymorph perverse Veranlagung erhalten bleiben. „Als Ursache für den (…) Sadomasochismus kann im Speziellen der Partialtrieb der „Grausamkeit“ mit dem Ziel der „Bemächtigung“ angesehen werden (…)“ (Stritzelberger & Weigand, 2010, S.85). Dieser ist bei Kindern eben noch ungehemmt, da sie die oben erwähnten Hemmnisse erst noch im Laufe der Entwicklung ausbilden müssen.
Eine weitere, interessante psychoanalytische Theorie zur Entstehung von Sadomasochismus stammt von Schorsch und Becker (1977). Ausgehend von der Beobachtung, dass Männer mit einer sadomasochistischen Veranlagung oft nicht den Orgasmus, bzw. die sexuelle Vereinigung mit der Frau als zentrales Ziel ihrer sexuellen Praktiken betrachten, postulieren sie eine Angst vor der Frau, bzw. der weiblichen Sexualität. Diese erklären sie damit, dass Sadomasochisten sich nicht vollständig aus der Mutter-Kind-Symbiose gelöst haben, „weshalb das Problem der Ablösung und Verschmelzung stets Thema der sexuellen Abweichung bleiben wird (…)“ (Stritzelberger & Weigand, 2010, S.87).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Arbeit erläutert die Entstehung der Seminararbeit im Rahmen des Instituts für Psychologie und legt dar, warum ein Überblick über theoretische Ansätze zum Sadomasochismus notwendig ist.
2.Begriffsbestimmung: Es werden die historischen Ursprünge der Begriffe Sadismus und Masochismus sowie die aktuelle diagnostische Einordnung nach ICD-10 erläutert.
3.Schulenabhängige Theorien: Dieses Kapitel stellt psychoanalytische Konzepte und lerntheoretische Erklärungsmodelle zur Entstehung sadomasochistischer Neigungen gegenüber.
4.Beiträge aus der Grundlagenforschung: Es werden empirische Befunde aus der Biologischen, Sozial- und Persönlichkeitspsychologie zusammengeführt, um die Entstehungsfaktoren wissenschaftlich zu hinterfragen.
5. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass bisher keine einheitliche psychologische Ursache für Sadomasochismus identifiziert werden konnte und ein Konsens in der Forschung fehlt.
Schlüsselwörter
Sadomasochismus, Psychoanalyse, Lerntheorie, Konditionierung, Biologische Psychologie, Sozialpsychologie, Persönlichkeitspsychologie, Sensation Seeking, Bindungsstile, Sexualwissenschaft, Sexualpräferenz, Ätiologie, empirische Forschung, Sexualstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Überblick über verschiedene psychologische Theorien, die versuchen, die Entstehung sadomasochistischer Vorlieben zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Psychoanalyse, lerntheoretische Erklärungsansätze sowie die Grundlagenforschung aus den Bereichen Biologie, Sozialpsychologie und Persönlichkeitspsychologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die bestehende Forschungslücke bezüglich eines zusammenfassenden Überblicks über die Ursprungstheorien des Sadomasochismus zu schließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Überblicksarbeit, die aktuelle Fachliteratur und empirische Befunde aus verschiedenen psychologischen Disziplinen systematisch zusammenträgt und diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schulenabhängige Theorien (Psychoanalyse, Lerntheorie) und bewertet die Beiträge der Grundlagenforschung wie biologische Faktoren, soziale Attribution und Persönlichkeitsmerkmale wie Sensation Seeking.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Sadomasochismus, Ätiologie, Sexualpräferenz und die verschiedenen psychologischen Forschungsrichtungen charakterisiert.
Gibt es einen Konsens über die Ursachen von Sadomasochismus?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass bisher kein Konsens besteht und es vermutlich nicht DIE eine Ursache für dieses Phänomen gibt.
Wurde ein Zusammenhang zwischen Missbrauchserfahrungen und Sadomasochismus nachgewiesen?
Die empirischen Befunde sprechen gegen einen generellen Zusammenhang; lediglich bei extremen Gruppen wurden in Einzelfällen Unterschiede festgestellt, aber kein signifikanter Kausalzusammenhang belegt.
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- Pia Dröber (Author), 2011, Psychologische Theorien zur Entstehung von Sadomasochismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/384909