Dass unsere Menschheitsgeschichte stets durch Benachteiligungen gekennzeichnet war, belegen die zahlreichen Phänomene der gesellschaftlichen Umbrüche, Revolutionen, gewaltsamen Auseinandersetzungen und Kriege, die zu einem Wandel der sozialen Strukturen und die der allgemeinen Gesetze beigetragen haben.
In Bezug darauf wird in dieser Hausarbeit der zentrale Lebensbereich Bildung untersucht werden, der eine Fülle von Diskriminierungen nach sich zieht. So lassen sich nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart im täglichen Miteinander Bildungsbenachteiligungen feststellen. In Anbetracht dessen, dass das Phänomen der Bildungsbenachteiligung nicht neu ist und in der heutigen Zeit bereits Gesetze zum Schutz vor Diskriminierungserfahrungen erlassen sind, ist es somit fraglich, wie diese weiterhin Zustande kommen.
Demnach müsste eigentlich mit den Inhalten des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland im Art. 3, sowie die des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) den Folgen einer Bildungsbenachteiligung Einhalt geboten sein. So besagen die ihnen zugrunde liegenden gesetzlichen Regelungen, dass niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Behinderung, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf.
Folglich sind alle Menschen vor dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gleich. Entgegen dieser Auffassung, werden die Ursachen für Bildungserfolge jedoch zumeist an den Eigenschaften der Schüler/innen mit Migrationshintergrund festgemacht. Der Schule als institutioneller und sozialer Ort, an dem soziale Ungleichheiten etabliert werden, wird dagegen selbst vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit geschenkt.
Da Integration jedoch vor allem durch Bildung erfolgt und zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft Bildung vorausgesetzt wird, ergibt sich in diesem Zusammenhang die Relevanz für das Thema Diskriminierung im Bildungssystem. Die zu untersuchenden Fragestellung in dieser Hausarbeit wird sich darüber hinaus mit der Frage, warum sich insbesondere die Interkulturelle Pädagogik mit Bildungsbenachteiligung auseinandersetzt, beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Zusammenhang von Rassismus & institutioneller Diskriminierung
2.1 Der Unterschied zwischen direkter& indirekter institutioneller Diskriminierung
3 Interkulturelle Pädagogik
3.1 Institutionelle Diskriminierung in der Schule
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den zentralen Bildungsbereich hinsichtlich seiner Mechanismen der Bildungsbenachteiligung. Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Rassismus, interkultureller Pädagogik und institutioneller Diskriminierung zu rekonstruieren, um zu verstehen, warum strukturelle Barrieren im Bildungssystem weiterhin bestehen.
- Zusammenhang von Rassismus und institutioneller Diskriminierung
- Differenzierung zwischen direkter und indirekter Diskriminierung
- Kritische Auseinandersetzung mit der Interkulturellen Pädagogik
- Institutionalisierte Bildungsbenachteiligung am Beispiel der Schule
- Rolle des Bildungssystems bei der Herstellung ethnischer Differenzen
Auszug aus dem Buch
3.1 Institutionelle Diskriminierung in der Schule
Die entscheidende Ursache der Diskriminierung liegt in der Institutionalisierung der Mitgliedschaftsrolle selbst und ihrer Spezifikation. Es sind die nicht die (richtigen oder falschen) Gewohnheiten des Personals, auch nicht die Merkmale der Klienten (Schüler und Eltern), welche die Operationen der Organisationen strukturieren, sondern die in der Mitgliedschaftsrolle institutionalisierten Erwartungen an das Personal wie an die Klienten steuern den Prozeß des Organisierens.[…] Diskriminierung ist an den drei beschriebenen Entscheidungsstellen insofern institutionalisiert, als jeweils um Mitgliedschaftsbedingungen gerungen wird, die Migrantenkinder aufgrund ihrer abweichenden Vorsozialisation in vielen Fällen nicht erfüllen können. Das zeigt sich bei der Einschulung, bei der Einleitung eines Sonderschulaufnahmeverfahrens und bei den Übergängen: es geht der Schule nicht um Nationalität, sondern um Normalität, d.h. um Abweichungen von den Normen, die neben guten Leistungen auch erwartet werden: soziale Integration, Elternmitarbeit, anregungsreiches Milieu und vor allem: keine zusätzlichen Defizite und Bedürfnisse, die Schwierigkeiten bereiten könnten.“ (Gomolla et al. 2007, 274)
Mit diesem Textausschnitt wird verdeutlicht, dass keineswegs jeglichem Diskriminierungsakt ein Vorurteil oder eine böse Absicht gegenüber den Diskriminierten vorausgehen muss, sondern dass dieses Phänomen eher auftritt, da es in der Gesellschaft fest verankert und insofern institutionalisiert sein kann. (vgl. Nohl 2014, 95) Da jedoch Diskriminierung „ein normativer Begriff ist, dessen konkrete Bedeutung sich in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen ständig verschiebt“, (Gomolla 2010: Schulische Selektion und institutionelle Diskriminierung, 61), kann mit seiner Hilfe die Lebenswirklichkeit des zu untersuchenden Umfeldes umfassender beschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Persistenz von Benachteiligungen ein und verortet die Relevanz des Themas im Bereich des Bildungssystems.
2 Der Zusammenhang von Rassismus & institutioneller Diskriminierung: Dieses Kapitel rekonstruiert die Verbindung zwischen Rassismus als historischem Phänomen und moderner institutioneller Diskriminierung.
2.1 Der Unterschied zwischen direkter& indirekter institutioneller Diskriminierung: Hier werden die Mechanismen der bewussten direkten sowie der unbewussten indirekten Diskriminierung innerhalb von Organisationen erläutert.
3 Interkulturelle Pädagogik: Das Kapitel analysiert kritisch den Paradigmenwechsel von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik und deren Unfähigkeit, strukturelle Probleme zu lösen.
3.1 Institutionelle Diskriminierung in der Schule: Anhand konkreter Beispiele wird dargestellt, wie Schulen durch normalisierende Erwartungen an die "Mitgliedschaftsrolle" Diskriminierung produzieren.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Bildungsbenachteiligung ein systemisches Problem der Schule ist, welches durch pädagogische Ansätze allein nicht zu beheben ist.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Institutionelle Diskriminierung, Rassismus, Interkulturelle Pädagogik, Migration, Schule, Bildungsübergänge, Normalbiographie, Machtasymmetrie, Kulturkonflikthypothese, Organisationshandeln, Soziale Selektivität, Integrationspolitik, Diskriminierungsmechanismen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Erscheinungsformen von Bildungsbenachteiligung bei Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind Rassismus, institutionelle Diskriminierung, die Konzepte der interkulturellen Pädagogik sowie die Rolle von schulischen Selektionsprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Rekonstruktion der Mechanismen, die zu Bildungsbenachteiligung führen, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, warum sich die Interkulturelle Pädagogik mit diesen Problemlagen auseinandersetzt und wo deren Grenzen liegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit empirischen Forschungsergebnissen zu institutioneller Diskriminierung.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Rassismus, dem Unterschied zwischen direkter und indirekter Diskriminierung sowie einer detaillierten Analyse der Institution Schule als Ort sozialer Ungleichheit.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind institutionelle Diskriminierung, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Interkulturelle Pädagogik und schulische Selektion.
Was ist unter "institutioneller Diskriminierung" in der Schule genau zu verstehen?
Es bezeichnet Prozesse, bei denen nicht Vorurteile einzelner Personen, sondern routinierte organisationale Erwartungen und Regeln dazu führen, dass bestimmte Personengruppen strukturell benachteiligt werden.
Warum wird der Begriff "Normalbiographie" im Kontext der Schule kritisch betrachtet?
Die Schule unterstellt eine "Normalbiographie" (z.B. dreijährige Kindergartenzeit, unterstützendes Elternhaus), die Kinder mit Migrationshintergrund oft nicht erfüllen können, was als Rechtfertigungsgrundlage für deren Aussortierung oder Zurückstellung dient.
Inwiefern wird die Interkulturelle Pädagogik im Fazit bewertet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die bisherigen Versuche der Interkulturellen Pädagogik, gesellschaftliche Probleme durch pädagogische Betreuung zu lösen, als gescheitert gelten, da sie die strukturellen Barrieren innerhalb der Institutionen zu lange unreflektiert ließen.
- Arbeit zitieren
- Sabine Schmidt (Autor:in), 2016, Bildungsbenachteiligung in der interkulturellen Pädagogik und die institutionelle Diskriminierung in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/384904