Die Soziologen Emile Durkheim und Talcott Parsons beschäftigten sich einst näher mit der Frage, welche Rolle die Schule für die Gesellschaft spielt und wie der Sozialisationsprozess eines Individuums durch die Schule beeinflusst wird.
Zunächst soll ein Einblick gegeben werden, wie Durkheim und Parsons die Sozialisation in der Gesellschaft allgemein definieren. Es soll untersucht werden, welche Auswirkungen die Gesellschaft auf den Sozialisationsprozess des Menschen hat und zu welchem Ziel dieser Prozess führen soll. Es sollte zudem ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, inwiefern die Sozialisationsinstanz Schule den Sozialisationsprozess eines Individuums mitbestimmt. In diesem Zusammenhang betont Durkheim, dass die Schule als Ort der Entwicklung von Schuldisziplin und Moralgefühl gilt. Parsons hingegen sieht die Schule als Ort des Erlernens von Rollenübernahmen.
Außerdem soll näher beleuchtet werden, welche Aufgabe und Rolle der Lehrer im Sozialisationsprozess eines Schülers übernimmt und welche Auswirkungen seine Beeinflussung auf die Entwicklung des Schülers hat. Durkheim stellt hohe Erwartungen an den Lehrer, denn er sei es, der die gesellschaftlichen Normen und Werte an den Schüler weitergeben müsse. Der Lehrer bereite den Schüler schließlich auf sein „zukünftiges Milieu“ vor. Parsons aber geht davon aus, dass der Lehrer die Mutter- bzw. die Vaterrolle eines Schülers übernimmt. Aufgrund der zeitlich begrenzten Lehrer-Schüler-Beziehung wird der Schüler in seiner Entwicklung die Erkenntnis erlangen, dass Rollen übertragbar sind. Deshalb wird der Schüler akzeptieren, wenn die Beziehung zwischen ihm und dem Lehrer beendet wird und darin keine Katastrophe erkennen.
Da die Ansprüche der Gesellschaft an den Lehrer äußerst hoch sind und teilweise nicht mit der tatsächlichen Ausübung der Profession als Lehrer übereinstimmen, entsteht eine Kluft zwischen der „gewünschten“ bzw. „geforderten“ Rolle als Lehrer und der tatsächlichen Rollenausübung des Lehrers. Dies soll die Arbeit einmal näher hervorbringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kluft zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und tatsächlicher Aufgabe der Schule im Sozialisationsprozess
3. Die Sozialisationsinstanz Schule
3.1 Die Bedeutung der Schule nach Durkheim
3.2 Die Bedeutung der Schule nach Parsons
4. Die Rolle des Lehrers im Sozialisationsprozess
4.1 Die Rolle des Lehrers nach Durkheim
4.2 Die Rolle des Lehrers nach Parsons
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Schule und der Lehrkräfte innerhalb des Sozialisationsprozesses eines Individuums unter Einbeziehung der soziologischen Perspektiven von Emile Durkheim und Talcott Parsons, um das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und der schulischen Realität zu beleuchten.
- Die soziologische Definition von Sozialisation in der Schule.
- Die kontrastierende Betrachtung von Schule und Lehrer nach Durkheim und Parsons.
- Die Analyse gesellschaftlicher Erwartungen an die Bildungsinstitution.
- Die Rolle des Lehrers zwischen Wissensvermittlung und erzieherischer Vorbildfunktion.
- Die Bedeutung der Schule für die soziale Stabilität und Integration.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Bedeutung der Schule nach Durkheim
Emile Durkheim beschäftigte sich einst näher mit dem Begriff Sozialisation. Er stellte fest, dass man Erziehung und Sozialisation nicht miteinander gleichsetzen könne, denn „Erziehung ist die Einwirkung der Erwachsenengenerationen auf diejenigen, die noch nicht reif sind für das Leben in der Gesellschaft. Sie zielt darauf ab, beim Kind eine Reihe physischer, geistiger und sittlicher Kräfte zu erwecken und zu fördern, die die politische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit und das jeweilige Milieu, für das es in besonderer Weise bestimmt ist, von ihm fordern“ 10 . Dies soll bedeuten, dass das Kind von Geburt an zunächst ein unbeschriebenes Blatt ist. Es bringt nichts anderes mit, als „seine Physis, sowie unbestimmte und plastische Dispositionen“11. Zudem, erwähnt Durkheim, sei das Kind egoistisch. Innerhalb seiner sozialen Umwelt werde das Kind erst seine Persönlichkeit entwickeln können. Zur Vorbereitung auf das gesellschaftliche Leben, wirken die Erwachsenen aus dem sozialem Umfeld des Kindes ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Sozialisationsinstanz Schule ein und benennt die soziologischen Schwerpunkte von Durkheim und Parsons sowie die Forschungsfrage zur Lehrerrolle.
2. Kluft zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und tatsächlicher Aufgabe der Schule im Sozialisationsprozess: Dieses Kapitel thematisiert den Erwartungsdruck der Gesellschaft an die Schule, der weit über den reinen Unterrichtsauftrag hinausgeht.
3. Die Sozialisationsinstanz Schule: Es wird analysiert, welche Bedeutung die Schule bei der Entwicklung des Individuums einnimmt, wobei zwischen Durkheims Fokus auf Disziplin und Parsons' Fokus auf Rollenübernahme unterschieden wird.
4. Die Rolle des Lehrers im Sozialisationsprozess: Dieses Kapitel erörtert die spezifischen Anforderungen an Lehrkräfte aus Sicht der beiden Soziologen, insbesondere hinsichtlich Autorität und Vorbildfunktion.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Kontroverse um die Lehrerrolle zusammen und betont, dass die Schule eine unverzichtbare Instanz für die gesellschaftliche Stabilität und die Vorbereitung auf das Leben bleibt.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Schule, Emile Durkheim, Talcott Parsons, Lehrer, Erziehung, Sozialisationsinstanz, Disziplin, Rollenübernahme, Gesellschaft, Normen, Werte, Bildung, soziale Integration, Sozialisationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Schule als Sozialisationsinstanz und der Rolle des Lehrers in diesem Prozess, basierend auf den Theorien von Durkheim und Parsons.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die soziologische Sichtweise auf Sozialisation, die Kluft zwischen gesellschaftlichen Anforderungen an die Schule und ihrer tatsächlichen Aufgabe sowie die Analyse der Lehrer-Schüler-Beziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Auswirkungen des Sozialisationsprozesses durch die Schule auf das Individuum zu untersuchen und die widersprüchlichen Rollenerwartungen an Lehrkräfte zu hinterfragen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die soziologischen Ansätze von Emile Durkheim und Talcott Parsons.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bedeutung der Schule nach Durkheim und Parsons sowie die spezifischen Rollen der Lehrkräfte nach diesen beiden Theoretikern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialisation, Schule, Lehrerrolle, Erziehung, Disziplin und gesellschaftliche Integration.
Wie unterscheidet sich Durkheims Sicht auf die Schule von derjenigen nach Parsons?
Durkheim sieht die Schule als Ort der Moralentwicklung und Disziplinierung, während Parsons sie als Ort des Lernens von Rollenübernahmen und der gesellschaftlichen Allokation betrachtet.
Welche Rolle spielt der Lehrer laut Durkheim?
Nach Durkheim ist der Lehrer eine Autoritätsperson, die moralische Werte vermittelt und die Disziplin der Schüler durchsetzt, um sie auf das gesellschaftliche Leben vorzubereiten.
Warum wird im Fazit die Rolle des Lehrers als "umstritten" bezeichnet?
Weil die Gesellschaft vom Lehrer erzieherische Leistungen erwartet, die über den eigentlichen Bildungsauftrag hinausgehen, was oft zu einer Überforderung der professionellen Rolle führt.
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- Ilka Schillings (Author), 2016, Inwiefern beeinflusst der Lehrer den Sozialisationsprozess eines Schülers? Eine Untersuchung anhand der Theorien Emile Durkheims und Talcott Parsons, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/384644