Mit dem Fortschreiten des 21. Jahrhunderts wird dem Naturschutz in Deutschland eine zunehmend hohe Bedeutung als gesellschaftliche Aufgabe beigemessen. Galten Naturschützer bis in die jüngste Vergangenheit oft als Sonderlinge und "Fortschrittsverhinderer", so ist der Naturschutz spätestens seit der Jahrhundertwende im Zentrum der Gesellschaft angelangt.
Doch das war nicht immer so! Über einen großen Zeitraum der Menschheitsgeschichte dominierte die Vorstellung von Natur als Bedrohung und Gefahrenquelle. Hätte man versucht dem alten Ötzi zu erklären, dass er die Natur schützen müsse, wäre man wohl auf wenig Verständnis gestoßen. Mit dem fortwährend technischen Fortschritt wandelte sich das Bild. So wurde die Natur zwischen Renaissance und Aufklärung als Objekt uneingeschränkter technischer Nutzung gesehen.
Viel Pionierarbeit war von Nöten um diesen neuen Stellenwert des Naturschutzes zu erreichen. Zum einen ist dies eine Folge der Sehnsucht vieler Menschen nach Natur, aber auch dem gewachsenen Bewusstsein geschuldet, dass wir dabei sind unsere Lebensgrundlage zu zerstören.
Heute wird der Naturschutz als Gesamtheit von Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung des Naturhaushalts mit all seinen Bestandteilen definiert. Boden, Wasser, Klima und Luft, Arten und Biotope sowie Landschaftsbild sind die zu unterscheidenden Natur- und Schutzgüter. In dieser Arbeit soll der Weg von der Natur als Bedrohung zum heutigen Naturschutz anhand von Pionieren und ersten Schritten des Naturschutzes dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die ersten Naturschützer
3. Kurzvorstellung wichtiger Pioniere des Naturschutzes in Deutschland
3.1 Hans Carl von Carlowitz (*1645-†1714)
3.2 Johann Matthäus Bechstein (*1757-†1822)
3.3 Philipp Leopold Martin (*1815-†1885)
3.4 Ernst Rudorff (*1840-†1916)
3.5 Emilie Karoline Hähnle (*1851-†1941)
3.6 Hugo Wilhelm Conwentz (*1855-†1922)
3.7 Johannes (Hans) Karl Wilhelm Klose (*1880-†1963)
4. Naturschutz im Nationalsozialismus
5. Die Nachkriegszeit
6. Die „Entdeckung“ des Umweltschutzes um 1970
6.1 Das Bundesnaturschutzgesetz von 1976
7. Naturschutzorganisationen und ihre Pioniere
7.1 Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
7.2 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
7.3 Deutscher Naturschutzring (DNR)
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung des Naturschutzes in Deutschland darzustellen, indem sie den Wandel des Naturverständnisses von einer bloßen Bedrohung hin zu einer schützenswerten Lebensgrundlage anhand einflussreicher Pioniere und maßgeblicher historischer Meilensteine nachzeichnet.
- Historische Pioniere und Vordenker des deutschen Naturschutzes
- Die Institutionalisierung des Naturschutzes im 20. Jahrhundert
- Der Einfluss politischer Systeme auf Naturschutzbestrebungen
- Die Entstehung und Entwicklung bedeutender Naturschutzorganisationen
Auszug aus dem Buch
3.1 Hans Carl von Carlowitz (*1645-†1714)
Als einer der wichtigsten und ersten Pioniere des Naturschutzes in Deutschland ist Hans Carl von Carlowitz (Abb. 1) zu nennen. Bereits im Jahr 1713 prägte er als erster den Begriff „nachhaltige Forstwirtschaft“. Heute gilt er als der Erfinder der Nachhaltigkeit. Vor allem durch sein Lehrbuch „Sylvicultura oeconomica“, welches auf den zu erwartenden Holzmangel aufmerksam machen sollte und den Gedanken der nachhaltigen Wirtschaftsweise in die Köpfe der Menschen brachte. Wobei er den Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht nur für eine nachhaltige Forstwirtschaft hinterließ, sondern auch in vielen anderen Bereichen halt fand. Heute gibt es kaum ein Unternehmen, das auf Nachhaltigkeitsberichte verzichtet und selbst Staatsanleihen werden auf den nachhaltigen Umgang mit Steuereinnahmen analysiert.
Hans Carl von Carlowitz wurde als zweites von 17 Kindern am 12. Dezember 1645 auf Burg Rabenstein geboren. Er studierte an der Universität in Jena die Naturwissenschaften, Juri und Sprachen. Anschließend begab er sich zur Weiterbildung auf eine damals übliche „Grand Tour“ durch Europa. Dabei beeindruckte ihn besonders die französische Waldgesetzgebung des Wirtschaftsministers Jean Colbert, wonach der Holzeinschlag in Frankreich stark reduziert werden sollte. 1709 wurde von Carlowitz Kammer- und Bergrat und zwei Jahre später Oberberghauptmann. Erst nach seinem Tod 1714, im Alter von 68 Jahre, verzeichnete sein Buch einen großen Einfluss auf die Forstwirtschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Wandel der Wahrnehmung von Natur in der Geschichte und definiert Naturschutz als notwendige gesellschaftliche Aufgabe zur Erhaltung der Lebensgrundlagen.
2. Die ersten Naturschützer: Das Kapitel beleuchtet frühe Ansätze des Naturschutzes im 19. Jahrhundert, die primär ästhetisch und romantisch motiviert waren, und führt erste Ansätze zum Artenschutz ein.
3. Kurzvorstellung wichtiger Pioniere des Naturschutzes in Deutschland: Hier werden prägende Persönlichkeiten von Hans Carl von Carlowitz bis Johannes Klose vorgestellt, deren Arbeit maßgeblich zur Theorie und Praxis des deutschen Naturschutzes beitrug.
4. Naturschutz im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel analysiert die zwiespältige Rolle des Naturschutzes während des NS-Regimes, das einerseits Gesetze verabschiedete, andererseits den Naturschutz ideologisch missbrauchte.
5. Die Nachkriegszeit: Der Text beschreibt den schwierigen Wiederaufbau der Naturschutzstrukturen nach 1945 und die lange Zeit nachrangige Rolle des Naturschutzes gegenüber dem wirtschaftlichen Wiederaufbau.
6. Die „Entdeckung“ des Umweltschutzes um 1970: Dieses Kapitel thematisiert die Geburtsstunde der modernen Umweltpolitik in den 1970er Jahren und die daraus resultierende ökologische Ausrichtung der Gesellschaft.
6.1 Das Bundesnaturschutzgesetz von 1976: Die Einführung dieses Gesetzes markiert einen Paradigmenwechsel, bei dem kulturelle Begründungsmuster durch biologisch-naturwissenschaftliche Ansätze ersetzt wurden.
7. Naturschutzorganisationen und ihre Pioniere: Hier werden die Rollen und Strukturen bedeutender Verbände wie NABU, BUND und DNR erläutert, die als zentrale Akteure den Naturschutz vorantreiben.
7.1 Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU): Das Kapitel porträtiert den NABU als einen der ältesten Verbände, dessen Wurzeln im Vogelschutz liegen und der heute einer der größten Naturschutzverbände ist.
7.2 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND): Die Zusammenfassung beschreibt das vielseitige Engagement des BUND für Umweltthemen und seine internationale Vernetzung.
7.3 Deutscher Naturschutzring (DNR): Das Kapitel stellt den DNR als wichtigen Dachverband dar, der als Lobby für den Natur- und Umweltschutz die Aktivitäten zahlreicher Organisationen koordiniert.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Entwicklung des Naturschutzes als einen kontinuierlichen Prozess zusammen und betont, dass der Schutz der Natur eine stetige gesellschaftliche Herausforderung bleibt.
Schlüsselwörter
Naturschutz, Nachhaltigkeit, Umweltpolitik, Pioniere, Biodiversität, Naturschutzgesetz, Landschaftspflege, NABU, BUND, Umweltschutz, Ökologie, Naturschutzgeschichte, Reichsnaturschutzgesetz, Nachhaltigkeitsbegriff, Umweltschutzbewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die maßgeblichen Pioniere des Naturschutzes in Deutschland von den Anfängen bis in die jüngere Vergangenheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung von Naturschutzkonzepten, die Bedeutung einflussreicher Pioniere, die politische Einbettung des Naturschutzes in verschiedenen Epochen sowie die Entstehung moderner Naturschutzorganisationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Weg der Naturwahrnehmung – von einer Bedrohung zur zu schützenden Ressource – anhand biografischer und historischer Meilensteine verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse und Literaturrecherche, die verschiedene Akteure, Gesetze und gesellschaftliche Wendepunkte im Naturschutz chronologisch aufarbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung wichtiger Pioniere (z.B. von Carlowitz, Conwentz), die Analyse der Naturschutzpolitik im Nationalsozialismus, die Entwicklung in der Nachkriegszeit sowie die ökologische Wende um 1970.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nachhaltigkeit, Naturschutzgeschichte, Umweltpolitik, Pioniere, Naturschutzbund und ökologisches Gleichgewicht charakterisiert.
Warum wird Hans Carl von Carlowitz als Pionier genannt?
Er gilt als der Erfinder der Nachhaltigkeit, da er bereits 1713 den Begriff der „nachhaltigen Forstwirtschaft“ prägte, um dem Holzmangel entgegenzuwirken.
Welche Rolle spielten die 1970er Jahre für den Umweltschutz?
Die 1970er Jahre gelten als Geburtsstunde der modernen Umweltpolitik und des Umweltbewusstseins, geprägt durch das Umweltprogramm 1971 und die Etablierung ökologischer Prinzipien im politischen Handeln.
- Arbeit zitieren
- Robert von Bismarck (Autor:in), 2017, Pioniere des Naturschutzes in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/384276