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Entdeckung, Vergötterung, Abkehr. Elias Canetti und Karl Kraus

Titel: Entdeckung, Vergötterung, Abkehr. Elias Canetti und Karl Kraus

Seminararbeit , 2015 , 22 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Niels Menzel (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In einer Zeit, in der Streit allenfalls im Feuilleton ausgetragen wird – man könnte auch dysphemistisch von einem „Elfenbeinturm“ sprechen –, muss man eine Lichtgestalt wie Karl Kraus vermissen. Der österreichische Satiriker (1874-1936) ist in der von Konsens- und Kommerzkultur geprägten Gegenwart allenfalls Intellektuellen ein Begriff; der Diskurs über das Werk Karl Kraus‘ hat sich weitgehend hinter Hochschulmauern zurückgezogen. Und dennoch lassen sich Aktualität und Relevanz all dessen, wofür Karl Kraus stand und was sein Werk auszeichnete, nicht hoch genug einschätzen.
Seiner Strahlkraft – die insbesondere in seinem Hauptwerk „Die Fackel“, dem Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ und dem Text „Die dritte Walpurgisnacht“ fortdauert – erlag auch der junge Elias Canetti, ein Mann, dessen Entschluss, Schriftsteller zu werden, sich nach und nach forcierte. Aber erst als es zur Abwendung von seinem langjährigen Idol Karl Kraus kam – eine Loslösung, die in dieser Arbeit untersucht werden wird –, etablierte sich Elias Canetti selbst und veröffentlichte Mitte der 30 er Jahre des vorigen Jahrhunderts seinen Roman „Die Blendung“.

Die Rolle, die zeitgeschichtliche Ereignisse in der einseitigen Verehrungsbeziehung spielen, hat Canetti in seinen Memoiren und seinen Essays zu Karl Kraus bereits deutlich hervorgehoben. So ist es verständlich, dass in dieser Arbeit die zwei prägendsten politischen Ereignisse, die Canettis Denken auf Kraus zubewegten und schließlich von ihm abwandten, auch stark gewichtet werden müssen. Dies sind der Wiener Arbeiteraufstand von 1927 und die deutschen und österreichischen Umbrüche der Jahre 1933 und 1934, in deren Folge Kraus nach Meinung vieler seiner Anhänger als Gewissen Österreichs versagte.

Die vielen Zitate aus Schriften Elias Canettis sollen durch ausgewählte Sekundärliteratur ergänzt werden, sofern in ihnen besondere oder ergänzende Aspekte für Canettis Kraus-Verehrung Erwähnung finden. Trotz der Perspektive, Karl Kraus gleichsam durch Elias Canetti zu betrachten, steht Karl Kraus doch im Mittelpunkt dieser Arbeit. Es ist interessant zu erfahren, für wie bedeutsam ein bekannter Künstler des 20. Jahrhunderts den Einfluss Karl Kraus‘ auf seine Persönlichkeit und sein Werk erachtet. Ebenso erstaunlich ist dabei, welch einen lebenslangen Kampf Canetti mit sich ausfocht, die Wirkung seines Idols mal anzuerkennen und mal zu schmälern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Meister und sein Schüler

3. Die Fackel im Ohr

3.1. Entdeckung: Die Fackel entflammt

3.2. Vergötterung: Die Fackel brennt

3.3. Abkehr: Die Fackel erlischt

4. Abschlussbetrachtung

5. Literatur

5.1. Primärliteratur Elias Canetti

5.2. Primärliteratur Karl Kraus

5.3. Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexe, lebenslange und ambivalente Beziehung zwischen dem Literaturnobelpreisträger Elias Canetti und seinem frühen Mentor Karl Kraus, wobei der Fokus auf den Phasen der idealisierenden Verehrung und der späteren, schmerzhaften Loslösung liegt.

  • Analyse der intellektuellen Prägung Canettis durch das Werk Karl Kraus' und die "Fackel".
  • Untersuchung der politischen Zäsuren (1927, 1933/34) als Katalysatoren für die Entfremdung.
  • Betrachtung der psychologischen Dynamik zwischen "Meister" und "Schüler".
  • Kritische Aufarbeitung von Canettis Memoiren und privater Korrespondenz hinsichtlich Kraus.
  • Einordnung des Einflusses von Kraus im Kontext von Canettis eigener schriftstellerischer Autonomie.

Auszug aus dem Buch

3.1. Entdeckung: Die Fackel entflammt

Elias Canetti wusste schon, was er von Karl Kraus zu halten hatte, bevor er ihn kannte, sah oder verstand. Die Familie von Freunden weihte ihn ein: „Er sei der strengste und größte Mann, der heute in Wien lebt. Vor seinen Augen finde niemand Gnade. […] [E]r greife alles an, was schlecht und verdorben sei. […] [In der „Fackel“] gehe es zu wie vor Gericht. […] [E]ine solche Genauigkeit habe es in der Literatur noch nie gegeben. […] [U]nd dieses Weltwunder, dieses Ungeheuer, dieses Genie trug den höchst gewöhnlichen Namen Karl Kraus.“15

Es folgte der Besuch der 300. Kraus-Vorlesung am 17. April 1924 in einem völlig überfüllten Saal. Worüber Kraus sprach, daran erinnerte sich Canetti später nicht mehr. Dennoch ist diese erste Vorlesung, der viele folgen sollten, ein unvergessliches Initialerlebnis.

Interessant dabei: die Kontextualisierung dieser ersten Kraus-Vorlesung mit der Annäherung an Veza Calderon, die auch seine erste Frau werden wird. Veza Calderon gehörte zum weiten Zirkel der Kraus-Verehrer, sie saß bei den Vorlesungen oft in den vorderen Reihen. Die erste von Canetti besuchte Vorlesung wurde von Verkupplungsversuchen begleitet. Dass Canetti sich für die schöne Frau interessierte, bedeutete indes nicht, dass er sich in seinen Erinnerungen von Karl Kraus abbringen ließe. Kraus war so wichtig, dass Canetti Veza zeitlich und örtlich mied: Beide besuchten die Vorlesungen zunächst unabhängig voneinander.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die bleibende Relevanz von Karl Kraus dar und führt in das zentrale Thema ein: die lebenslange, ambivalente Auseinandersetzung Elias Canettis mit seinem frühen Vorbild.

2. Der Meister und sein Schüler: Das Kapitel beleuchtet das idealisierte Bild, das Canetti von Kraus hatte, und beschreibt Kraus' kompromisslosen Kampf gegen sprachliche und gesellschaftliche Unzulänglichkeiten.

3. Die Fackel im Ohr: In diesem Hauptteil wird der Prozess von der ersten Faszination über die politische Verehrung bis hin zur schrittweisen Entfremdung und Abkehr Canettis von seinem Mentor detailreich nachgezeichnet.

4. Abschlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ambivalenz des Canetti-Kraus-Verhältnisses zusammen und ordnet Canettis spätere, scharfe Kritik als notwendigen Akt zur Etablierung seiner eigenen schriftstellerischen Identität ein.

5. Literatur: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primärquellen von Elias Canetti und Karl Kraus sowie die maßgebliche Sekundärliteratur zur weiteren Erforschung auf.

Schlüsselwörter

Elias Canetti, Karl Kraus, Die Fackel, Literaturgeschichte, Wiener Moderne, Mentorenschaft, Identitätsfindung, Schriftstellerische Autonomie, Politische Zäsuren, Autobiographie, Ambivalenz, Literaturkritik, Österreichische Literatur, Idealisierung, Abnabelung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die einseitige, hochgradig ambivalente Mentorenbeziehung zwischen Elias Canetti und Karl Kraus und wie diese Canettis schriftstellerische Entwicklung prägte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Neben der literaturgeschichtlichen Einordnung stehen die psychologische Dynamik der Verehrung, die Bedeutung politischer Ereignisse für die Loslösung und Canettis Selbstinszenierung im Vordergrund.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?

Ziel ist es, die Motive für Canettis Begeisterung, seine Enttäuschung und seine jahrzehntelange ambivalente Haltung gegenüber Karl Kraus anhand von Textstellen und historischen Kontexten verständlich zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer hermeneutischen Analyse von Primärtexten, insbesondere Canettis Memoiren, sowie dem Einbezug relevanter Sekundärliteratur zur historischen und literaturwissenschaftlichen Einordnung.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der "Entdeckung", der "Vergötterung" und der "Abkehr", wobei die zeitgeschichtlichen Umbrüche der Jahre 1927 und 1933/34 den theoretischen Rahmen bilden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?

Wichtige Begriffe sind Canettis "Lebensgeschichte", die Rolle der "Fackel" als moralische Instanz, die "Fallhöhe" des Vorbilds und der Begriff der "Schule des Widerstands".

Warum war der 15. Juli 1927 ein Wendepunkt in Canettis Verhältnis zu Kraus?

Canetti empfand Kraus' scharfe, öffentlichkeitswirksame Kritik an der blutigen Niederschlagung des Justizpalastbrand-Aufstands als ein Zeichen absoluter moralischer Integrität, was seine Verehrung auf den Höhepunkt trieb.

Inwiefern beeinflusste die politische Diktatur die Loslösung von Kraus?

Kraus' als "Unterstützung" für Dollfuß missverstandene Haltung gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus führte für Canetti zu einer tiefen moralischen Enttäuschung, die eine Abkehr von seinem einstigen "Gott" einleitete.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Entdeckung, Vergötterung, Abkehr. Elias Canetti und Karl Kraus
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Niels Menzel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V383387
ISBN (eBook)
9783668588356
ISBN (Buch)
9783668588363
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Blendung Die letzten Tage der Menschheit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Niels Menzel (Autor:in), 2015, Entdeckung, Vergötterung, Abkehr. Elias Canetti und Karl Kraus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/383387
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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