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„Lebendige Menschen“ als „tote Registraturnummern..." - Eine Bürokratie-Kritik nach Franz Kafka

Titel: „Lebendige Menschen“ als „tote Registraturnummern..." - Eine Bürokratie-Kritik nach Franz Kafka

Wissenschaftlicher Aufsatz , 1989 , 14 Seiten , Note: - entfällt -

Autor:in: Dr. Richard Albrecht (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In this scholarly piece, the author, a German scholar with strong interest in human action(s) and acting human, follows the well-know writer Franz Kafka who had, above all in his novel "Der Prozess", visioned a terrible bureaucratic world basically forming a specific policy of “taking lives”. Giving this setting, Richard Albrecht goes the way from early fictional warnings according to bureaucratic totalitarism and totalitarian bureaucracy as fictionalised by Franz Kafka within his literary work to that most effective bureaucracy mass-destruction -meanwhile named genocide-, and personally represented by a subaltern officer within the Nazi system at work like Adolf Eichmann when organising the ´final solution´ of the ´Jewish Question´ in Europe under the umbrella of the Word War II in occupied Eastern Europe empirically. In contrary to any well-functioning bureaucratic system and naive myth according its justness (as coined our by the prominent German sociologist Max Weber) in general, and that specific one as organised by the German fascists which Hannah Arendt in her report on "the banality of evil" named the permanent ´rule by decrets´, Richard Albrecht gives a critique of that Weberian ´theory´ of bureaucracy as one of the legitim forms of rule which the author characterizes as at least (sociological) naive if not, in the very last instance, as a matter of scholarly obscurity to be characterised as rubbish talk. - Richard Albrecht tries to pick up reflections of Franz Kafka productively when looking upon bureaucracy and its specific rules transforming living human beings into dead numbers of registration whenever bureaucracy is working empirically as an effective ´huge organisation´ which, above all, persecutes innocent people to be accused within a juridical trial without making any sense at all but dominated by a huge organisation ´which occupies not only corrupt wardens, controllers, and coroners, but also affords a caste of high and highest ranked judges followed by a numerous inevitable tail of servants, butlers, clerks, plotters, typist, constables, cops, confidents, and perhaps even hangmen´ (Franz Kafka). - Following this very perspective the authors view can be characterised with what Irving Louis Horowitz (1980) named a policy of "saving lives".

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. BÜROKRATIE, BÜROKRATIE...

2. LEGITIME ORGANISATIONSHERRSCHAFT

3. ENTBÜROKRATISIERUNG

4. HISTORISCH-KRITISCHES ZUM ´GANZEN HAUS´

5. HOHEITSGEWERBE...

6. SCHLEICHENDE VERSTAATLICHUNG

7. GEWISSENLOSE GEWISSENHAFTIGKEIT...

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit kritisiert die moderne Bürokratie unter Rückgriff auf die literarischen Visionen Franz Kafkas und vergleicht diese mit soziologischen Theorien über Herrschaftsformen. Dabei wird untersucht, wie bürokratische Apparate lebendige Menschen zu bloßen Registraturnummern degradieren und welche Rolle das Beamtentum in diesem Prozess spielt.

  • Kritik an der Weber’schen Bürokratietheorie
  • Die literarische Verarbeitung von Bürokratie durch Franz Kafka
  • Strukturen des Beamtentums und das „ganze Haus“
  • Die Gefahren der „Entbürokratisierung“ und „Verstaatlichung“
  • Bürokratie als Instrument totalitärer Vernichtungssysteme

Auszug aus dem Buch

1. BÜROKRATIE, BÜROKRATIE...

Bürokratie ... wer wollte sie nicht kritisieren ... scheint es doch so, als sei unser Leben von einer allgegenwärtigen und besonderen Form regelgebundener, monotoner, routinisierter Verwaltung und Versorgung bestimmt; der Bürokratie, die zunehmend alle menschlichen Lebensbereiche durchdringt und unseren Alltag bestimmt. Und je mehr wir der Bürokratie bedürfen, auf sie angewiesen sind - desto ärgerlicher wird Bürokratie für uns, werden wir bürokratieverdrossen und nicht selten auch: bürokratiegeschädigt und bürokratiefeindlich. Grad so, als wäre Bürokratie - nach einem Wort des französischen Romanciers Honore de Balzac - tatsächlich ein gigantischer Mechanismus, den Zwerge beherrschten - Angehörige eines besonderen Geschlechts von Organisationen mit Mitgliedern, die zu allem bereit scheinen: Bürokraten eben, Organisationsmenschen -„organisational men“-, die ihre Überlegenheit, Macht und Einfluß gegen den Rest der Welt einsetzten und jene unter ihre Knute brachten, die ihr nicht angehören, vielmehr von ihr abhängig, auf sie angewiesen und nicht selten auch: verworfen sind.

Die Idee bürokratischer Herrschaft finden wir schon in einer der ältesten Quellen der Menschheit - im Alten Testament, So heißt es im Zweiten Buch Mose im 18 . Kapitel in einem Ratschlag des Jethro an Moses:

"Siehe dich um unter allem Volk nach redlichen Leuten, die Gott fürchten, wahrhaftig und dem Geiz feind sind; die setze über sie, etliche über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, - daß sie das Volk allzeit richten; wo aber eine große Sache ist, daß sie dieselbe an dich bringen, und sie alle geringeren Sachen richten. So wird dir´s leichter werden, und sie werden mit dir tragen."

Zusammenfassung der Kapitel

1. BÜROKRATIE, BÜROKRATIE...: Das Kapitel führt in die allgegenwärtige Problematik der Bürokratie ein und stellt deren theoretische sowie historische Wurzeln dar.

2. LEGITIME ORGANISATIONSHERRSCHAFT: Hier wird Max Webers Idealtypus der Bürokratie analysiert und kritisch den literarischen Darstellungen gegenübergestellt.

3. ENTBÜROKRATISIERUNG: Dieser Abschnitt thematisiert Reformversuche und den Widerstand gegen die zunehmende Überbürokratisierung in modernen staatlichen Institutionen.

4. HISTORISCH-KRITISCHES ZUM ´GANZEN HAUS´: Es wird untersucht, wie vormoderne Herrschaftsmuster das moderne Verständnis des Beamtentums und die bürokratische Praxis weiterhin prägen.

5. HOHEITSGEWERBE...: Das Kapitel erörtert die Loyalitätspflichten des Beamten und die feudal-autoritären Konstruktionen, die in modernen Dienstrechten fortbestehen.

6. SCHLEICHENDE VERSTAATLICHUNG: Hier wird die Ausweitung des Staatsdienstes und die daraus resultierende politische Konsequenz der Abhängigkeit großer Bevölkerungsteile diskutiert.

7. GEWISSENLOSE GEWISSENHAFTIGKEIT...: Abschließend wird aufgezeigt, wie bürokratische Effizienz in Verbindung mit einer entmenschlichten Moral zur Ermöglichung von Massenverbrechen, wie in Auschwitz, führen kann.

Schlüsselwörter

Bürokratie, Franz Kafka, Herrschaftssoziologie, Max Weber, Beamtentum, Staatsverwaltung, Entbürokratisierung, Totalitarismus, Gewaltverhältnis, Verwaltungsmassenmord, Auschwitz, organisatorische Macht, Dienstpflicht, Staatsdiener, Rechtsordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Auseinandersetzung mit bürokratischen Systemen, wobei sie soziologische Theorie und literarische Fiktion (insbesondere Kafka) verbindet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Struktur der Bürokratie, die Rolle der Beamten, die historische Herleitung von Verwaltungsmacht sowie die ethischen Gefahren administrativer Apparate.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die vermeintliche Neutralität und Rationalität bürokratischer Herrschaft aufzudecken und den gefährlichen Widerspruch zwischen formaler Korrektheit und ethischer Verantwortungslosigkeit aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen kultursoziologischen Ansatz, der Literaturanalyse (Kafka) mit sozialhistorischer Analyse (Weber, Reinke) verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise moderner Staatsbürokratie, die historische Persistenz autoritärer Strukturen im Berufsbeamtentum und die notwendige, aber destruktive Rolle von Beamten in Vernichtungssystemen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Bürokratie, Herrschaft, Beamtentum, Entbürokratisierung und Gewissenlosigkeit.

Inwieweit spielt Kafka eine Rolle für die These des Autors?

Kafka dient als „Seismograph“, der durch seine Romane die unentrinnbare und entmenschlichte Macht einer anonymen Bürokratie früher erfasste, als dies wissenschaftlich explizit theoretisiert wurde.

Wie bewertet der Autor den Begriff „Banalität des Bösen“?

Der Autor greift diesen Begriff auf, um zu illustrieren, wie funktionstüchtige bürokratische Abläufe zur Ausführung monströser Staatsverbrechen führen, indem Beamte ihre Tätigkeit als rein technisches Werkzeug begreifen.

Was bedeutet der Titel „Lebendige Menschen“ als „tote Registraturnummern“?

Er beschreibt den Kern der bürokratischen Entmenschlichung: Das Individuum verliert im Verwaltungsprozess seine Subjektivität und wird zur bloßen Zahl in einem administrativen Vorgang degradiert.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
„Lebendige Menschen“ als „tote Registraturnummern..." - Eine Bürokratie-Kritik nach Franz Kafka
Note
- entfällt -
Autor
Dr. Richard Albrecht (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1989
Seiten
14
Katalognummer
V38287
ISBN (eBook)
9783638373975
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschen“ Registraturnummern Eine Bürokratie-Kritik Franz Kafka
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Richard Albrecht (Autor:in), 1989, „Lebendige Menschen“ als „tote Registraturnummern..." - Eine Bürokratie-Kritik nach Franz Kafka, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/38287
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Leseprobe aus  14  Seiten
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