Wirft man einen Blick auf die aktuelle Social-Media-Landschaft, so gehören Facebook, WhatsApp und Twitter nach wie vor zu den am meisten genutzten sozialen Netzwerken. Eine App könnte diesen Netzwerken jedoch in naher Zukunft den Rang ablaufen: Der kostenlose Instant-Messenger Snapchat verzeichnet mittlerweile über 100 Millionen Nutzer sowie über 7 Milliarden Video-Aufrufe jeden Tag. Mit dieser Aktivität liegt Snapchat weltweit nur knapp hinter Facebook.
Snapchat bringt somit neue Handlungs- und Kommunikationsformen hervor, die bislang noch kaum erforscht sind. Man weiß zwar viel über die Verbreitung wie auch die Beliebtheit dieser App, die eigentliche Verwendung in Alltagskontexten ist bisher allerdings nur marginal erforscht. Dies stellt insbesondere die Medienpädagogik vor vollkommen neue Herausforderungen. Wie wird Snapchat also in der Alltagspraxis verwendet? Was für Handlungsmuster lassen sich ausmachen? Warum wird Snapchat überhaupt genutzt, wenn es doch auch WhatsApp, Facebook und Twitter gibt?
Die vorliegende Arbeit soll darauf Antworten geben. Dazu wird zunächst die Relevanz der Studie anhand des aktuellen Forschungsstandes zu Snapchat dargelegt. Anschließend werden die verwendeten Methoden anhand geeigneter Texte zur allgemeinen Feldforschung sowie speziell zur Medienethnographie vorgestellt und begründet, bevor das Vorgehen im Forschungsfeld erläutert wird. Abschließend werden die im Feldforschungsprozess gewonnenen Ergebnisse präsentiert sowie interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Phänomen Snapchat
2 Social Media in Gasförmigem Zustand
3 Methodologie
3.1 Ethnographische Feldforschung im Medienbereich
3.2 Vorgehen im Feld
4 Handlungsmuster auf Snapchat
4.1 Austausch mit guten Freunden
4.2 Zutritt verboten – Kontrolle über die Privatsphäre
4.3 Die Snapchat Story
4.4 Snapchat im Vergleich zu anderen Plattformen
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kommunikationsverhalten und die alltägliche Verwendung von Snapchat, um zu verstehen, warum die App trotz der Konkurrenz durch etablierte Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp eine wachsende Relevanz erfährt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, welche Handlungsmuster der Nutzer sich identifizieren lassen und inwiefern sich die App in den Alltagskontext einfügt.
- Die ethnographische Herangehensweise zur Untersuchung digitaler Räume
- Die Rolle von Snapchat als "visuelles Tagebuch" und Medium für spontane Alltagsschnipsel
- Unterscheidung von Kommunikationsformen innerhalb der Snapchat Story und privaten Snaps
- Vergleich der Plattform mit anderen sozialen Medien hinsichtlich Inszenierung und Antwortdruck
- Die Bedeutung von Intimität und Privatheit für die Attraktivität der Anwendung
Auszug aus dem Buch
1 Phänomen Snapchat
Wirft man einen Blick auf die aktuelle Social-Media-Landschaft, so gehören Facebook, WhatsApp und Twitter nach wie vor zu den am meisten genutzten sozialen Netzwerken. (Statista, 2016) Eine App könnte diesen Netzwerken jedoch in naher Zukunft den Rang ablaufen: Der kostenlose Instant-Messenger Snapchat, der 2011 von Robert Murphy und Evan Spiegel gegründet wurde (Brücken, 2014), verzeichnet mittlerweile nach eigenen Angaben (2016) über 100 Millionen Nutzer sowie über 7 Milliarden Video-Aufrufe jeden Tag. Mit dieser Aktivität liegt Snapchat weltweit nur knapp hinter Facebook, das laut Statistiken auf 8 Milliarden Video-Views täglich kommt. (Constine, 2015)
Doch was kann Snapchat überhaupt? Die App ermöglicht es, Foto- und Videonachrichten, sogenannte „Snaps“, an Freunde zu senden. Das Besondere daran ist, dass die versendeten Nachrichten maximal 10 Sekunden angesehen werden können. Nach Ablauf der festgelegten Zeit werden die Nachrichten selbständig von beiden Geräten gelöscht und sind von diesem Zeitpunkt an nicht mehr abrufbar. Dies senkt allerdings bei vielen Nutzern die Hemmschwelle zum Versenden anzüglicher Bilder, was Snapchat vor Jahren den Ruf einer Nacktfoto-App einbrachte. (Tanriverdi & Weber, 2015)
Neben dem Versenden privater Nachrichten gibt es die Möglichkeit, Bilder und Videos in der sogenannten „Snapchat Story“ zu veröffentlichen. Dabei handelt es sich um eine Art „visuelles Tagebuch“ (Leitner, 2015), das es den Nutzern ermöglicht, die veröffentlichten Bilder und Videos zu einer Geschichte aneinanderzureihen. Diese sind dort für 24 Stunden sichtbar, ehe sie dann auch wieder verschwinden. Zudem gibt es noch die „Replay“-Funktion, um einen Snap pro Tag nach Timeout nochmal sehen zu können sowie die „Discover“-Funktion, um aktuelle Nachrichten zu lesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Phänomen Snapchat: Einführung in die Relevanz und Funktionsweise von Snapchat im Vergleich zu etablierten sozialen Netzwerken.
2 Social Media in Gasförmigem Zustand: Diskussion der Vergänglichkeit digitaler Inhalte und theoretische Einordnung von Snapchat als "ephemeral media".
3 Methodologie: Begründung der ethnographischen Herangehensweise und Darstellung der qualitativen Forschungsmethoden im digitalen Feld.
3.1 Ethnographische Feldforschung im Medienbereich: Erläuterung der medienethnographischen Methode zur Untersuchung sozialer Praktiken des Mediengebrauchs.
3.2 Vorgehen im Feld: Beschreibung der praktischen Durchführung der teilnehmenden Beobachtung und der Interviewführung im virtuellen Raum.
4 Handlungsmuster auf Snapchat: Analyse der alltäglichen Nutzungspraktiken und Beweggründe der Anwender.
4.1 Austausch mit guten Freunden: Untersuchung der Bedeutung des Austauschs mit engen Kontakten als Hauptgrund für die App-Nutzung.
4.2 Zutritt verboten – Kontrolle über die Privatsphäre: Erörterung des Bewusstseins und der Einstellungen zur eigenen Privatsphäre und Profilsichtbarkeit.
4.3 Die Snapchat Story: Analyse der Verwendung der Story-Funktion für allgemeine Inhalte im Gegensatz zu privater Kommunikation.
4.4 Snapchat im Vergleich zu anderen Plattformen: Gegenüberstellung der App mit anderen Diensten bezüglich Inszenierung, Antwortdruck und Kommunikationsqualität.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Ausblick auf die Bedeutung von Snapchat für Intimität und moderne Kommunikation.
Schlüsselwörter
Snapchat, Medienethnographie, Soziale Netzwerke, Ephemeral Media, Kommunikation, Alltagspraxis, Selbstinszenierung, Privatsphäre, Nutzerverhalten, Digitale Medien, Qualitative Sozialforschung, Story, Interaktion, Online-Identität, Smartphone.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Snapchat und analysiert, wie diese App in den Alltagskontexten der Nutzer verwendet wird und welche kommunikativen Muster dabei entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentral sind die Themen Vergänglichkeit digitaler Inhalte, die Bedeutung von Intimität in sozialen Medien, das Nutzerverhalten beim Teilen von Alltagsschnipseln sowie der Vergleich mit etablierten Plattformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für den Erfolg von Snapchat zu ergründen und die bislang kaum erforschte alltägliche Nutzungspraxis der App wissenschaftlich zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?
Es wurde eine medienethnographische Herangehensweise gewählt, die auf teilnehmender Beobachtung und leitfadengestützten Interviews basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den konkreten Handlungsmustern auf Snapchat, der Kontrolle über die Privatsphäre, der Nutzung der Snapchat Story und dem Vergleich zu Plattformen wie Facebook oder WhatsApp.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Snapchat, Medienethnographie, Alltagspraxis, Ephemeral Media, Kommunikation und Privatsphäre.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "privaten Snaps" und der "Snapchat Story" eine so große Rolle?
Diese Differenzierung zeigt, wie Nutzer auf Snapchat unterschiedliche Ebenen der Intimität steuern: Während die Story eher allgemeine Inhalte für ein breiteres Netzwerk bietet, dienen private Snaps dem intensiveren Austausch mit engsten Freunden.
Wie unterscheidet sich der "Antwortdruck" auf Snapchat von dem auf WhatsApp?
Im Gegensatz zu WhatsApp, wo Lesebestätigungen oft als Kontrollinstrument wahrgenommen werden, herrscht auf Snapchat nach den Beobachtungen der Autorin ein geringerer Druck, zeitnah auf Inhalte zu reagieren.
Welche Rolle spielen Prominente innerhalb der Plattform?
Prominente nutzen die App, um ihren Fans Einblicke hinter die Kulissen ihres Alltags zu gewähren, was die Glaubwürdigkeit und Sympathie steigert, obwohl die Interaktion mit ihnen durch die Funktionsweise von Snapchat eingeschränkt ist.
- Quote paper
- Katharina Zellhuber (Author), 2016, Verwendung der Snapchat App in der Alltagspraxis. Handlungs- und Kommunikationsformen in Social Media, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/381448