Drei Tage nachdem Jesus am Kreuz gestorben ist, laufen zwei Jünger von Jerusalem nach Emmaus. Während sie über Jesu Verurteilung, Tod und leeres Grab reden, schließt sich ihnen der auferstandene Jesus an. Der Text beschreibt, indem er von einer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtet, einen geheimnisvollen und wunderbaren Moment. Die Spannung dieses Moments vermittelt er eindrücklich dadurch, dass die beiden Wanderer mit dem Auferstandenen über Jesus reden, aber Jesus nicht in ihm erkennen können. Selbst als er ihnen die Schrift auslegt, erkennen sie ihn nicht. Jesus offenbart sich schließlich durch die Zeichenhandlung des Brotbrechens.
Als Teil der Osterereignisse gehört die Erzählung von den Emmausjüngern gemeinsam mit der Passion zum Schluss des Lukasevangeliums. Der Schluss ist zugleich Höhepunkt und Ziel der Makroerzählung. Alle Kapitel zuvor sind auf dieses Ziel ausgerichtet und bereiten den Höhepunkt in seiner ganzen Dimension vor.
Als Bericht von der ersten Erscheinung des Auferstandenen erzählt die Episode von den Emmausjüngern von einem Wunder, das zunächst selbst die Jünger nicht begreifen können. Entsprechend seiner formalen Verortung im Schluss des Evangeliums ist die Bedeutung dieses Wunders größer als alle im Hauptteil beschriebenen Wunder. Die Begegnung mit dem Auferstandenen beweist Jesu Verkündigung, die in den 20 Kapiteln zuvor beschrieben wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Erster Leseeindruck
2. Synchrone Zugangsweise
2.1. Abgrenzung des Texts
2.2. Kontextanalyse
2.3. Gliederung
2.4. Aussageintention
3. Diachrone Beobachtungen
3.1. Ältester Textzeuge
3.2. Zeit der Abfassung
3.3. Entstehungsgeschichte
3.4. Verfasser
4. Drei Forschungsthesen zum Sachverhalt
4.1. Rudolf Bultmann – Auferstehungsgeschichte mit ältestem Gehalt
4.2. Piet Schoonenberg – Ausdruck eines neuen Auferstehungsglaubens
4.3. J.-N. Aletti – Emmausepisode als Zusammenfassung des Evangeliums
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählung von den Emmausjüngern (Lk 24, 13-35) sowohl durch synchrone als auch diachrone Zugänge, um die theologische Bedeutung und Komposition dieses Berichts innerhalb des Lukasevangeliums zu erhellen. Dabei wird analysiert, wie diese Episode als Zusammenfassung der gesamten Heilsgeschichte Jesu fungiert und welche Rolle sie im Glaubensverständnis der frühen christlichen Gemeinde spielt.
- Synchrone Textanalyse und strukturelle Gliederung der Emmausepisode
- Kontextuelle Verortung der Erzählung im lukanischen Gesamtwerk
- Diachrone Untersuchung zu Textzeugen, Abfassungszeit und Autorschaft
- Diskussion wissenschaftlicher Forschungsthesen zu Aufbau und Gehalt der Erzählung
- Die Rolle der Emmausbegegnung als Metapher für den Weg zum christlichen Glauben
Auszug aus dem Buch
2.4. Aussageintention
Die Begegnung mit dem Auferstandenen beschreibt eine überwältigende Erfahrung. Diese Erfahrung hat aus einer Handvoll Menschen die christliche Gemeinde entstehen lassen, der heute mehr als zwei Milliarden Menschen angehören. Mit dem wissenschaftlichen Verstand ist die Botschaft von der Auferstehung nicht zu begreifen. Dass sie selbst für die Jünger unglaublich war, zeigen die neutestamentlichen Zeugnisse. Nach dem Bericht der Frauen vom leeren Grab und der Verkündigung der Engel wissen sie nicht, was sie denken sollen. Sie sind traurig und erschreckt. Erst durch die Begegnung mit dem Auferstandenen werden ihre Augen und Herzen geöffnet. Erst jetzt können sie glauben und bekennen: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden“ (Lk 24, 34). Mit der Auferstehung offenbart sich die Wirklichkeit Gottes in der Welt. Als Teil der göttlichen Wirklichkeit ist die Auferstehung nicht mit Worten zu fassen. Dem entspricht, dass die Beschreibung der Begegnung mit dem Auferstandenen rätselhaft bleibt. Die Jünger begegnen Jesus, aber sie können ihn nicht erkennen. Der Menschensohn ist Teil der göttlichen Wirklichkeit geworden. Der Gang nach Emmaus kann als Metapher für den Weg zum Glauben gesehen werden. Mit dem Fortlaufen im Unglauben und dem Zurückkehren im Glauben komponiert Lukas dieses Erweckungserlebnis kunstvoll in einer konzentrischen Symmetrie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erster Leseeindruck: Die Episode der Emmausjünger wird als ein geheimnisvoller Moment geschildert, in dem sich der auferstandene Jesus zwei Jüngern offenbart, die ihn zunächst nicht als solchen erkennen.
2. Synchrone Zugangsweise: Dieser Abschnitt analysiert die strukturelle Abgrenzung des Textes, seine Einbettung in die Heilsgeschichte des Lukasevangeliums, die Gliederung der Handlung und die zentrale Aussageintention des Evangelisten.
3. Diachrone Beobachtungen: Hier werden wissenschaftliche Fragen zu den ältesten Textzeugen, der zeitlichen Einordnung der Abfassung, der Entstehungsgeschichte anhand der Zweiquellentheorie und der Autorschaft des Lukas untersucht.
4. Drei Forschungsthesen zum Sachverhalt: Drei prominente Thesen von Rudolf Bultmann, Piet Schoonenberg und J.-N. Aletti werden vorgestellt, die den inhaltlichen Stellenwert der Emmausgeschichte unterschiedlich gewichten.
Schlüsselwörter
Lukasevangelium, Emmausjünger, Auferstehung, Jesus Christus, Heilsgeschichte, Synchrone Analyse, Diachrone Beobachtungen, Zweiquellentheorie, Glaube, Sondergut, Lukas, Exegese, Auferstehungsglaube, Emmausepisode, Urchristentum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich einer exegetischen Untersuchung der Emmausgeschichte (Lk 24, 13-35) und deren Bedeutung im Kontext des gesamten Lukasevangeliums.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die literarische Struktur des Textes, die theologische Einordnung der Osterberichte und die historischen Hintergründe der Entstehung des Lukasevangeliums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lukas durch die Erzählung der Emmausbegegnung ein Verständnis für die Auferstehung als Teil der göttlichen Weltwirklichkeit vermittelt.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Es werden sowohl Methoden der synchronen Textanalyse (Kontext, Gliederung) als auch der diachronen Exegese (Quellenkritik, historische Verortung) eingesetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte strukturelle Untersuchung des Textes, eine diachrone Analyse der Überlieferungsgeschichte sowie eine Auseinandersetzung mit drei maßgeblichen Forschungspositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind neben Lukasevangelium und Emmausjünger vor allem Auferstehungsglaube, Heilsgeschichte, Sondergut und die exegetische Methode.
Warum spielt die Metapher des "Gangs nach Emmaus" eine besondere Rolle?
Die Autorin/der Autor interpretiert diesen Weg als symbolische Darstellung für den Prozess des Glaubens, der vom anfänglichen Zweifel und Unverständnis zur Erkenntnis des Auferstandenen führt.
Was besagt die These von J.-N. Aletti zur Emmausgeschichte?
Aletti vertritt die Auffassung, dass die Emmausepisode die gesamte vorangegangene Jesusgeschichte rhetorisch kunstvoll zusammenfasst, indem sie Herkunft, Wirken und Leiden in komprimierter Form wiedergibt.
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- Valerie Schmidt (Author), 2014, Die Begegnung der Emmausjünger mit dem Auferstandenen im Lukasevangelium, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/381296