Diese Wunschvorstellung des freien Willens wird wohl jeder schon einmal gehabt haben. Der Wunsch, Subjekt zu sein, ist Vater des Gedankens. Der Mensch möchte unabhängig handeln, selbst bestimmen, was er tun möchte, ohne Einfluss von äußeren Faktoren, wie zum Beispiel dem Willen anderer Menschen. Man möchte nicht gezwungen sein, etwas zu tun, nicht Objekt sein, sondern frei handeln, durch Gründe, die unser Ich bewusst gewählt hat. Dies ist jedoch nicht immer möglich.
Natürlich hat jeder Mensch Wünsche, von denen er hofft, dass sie in Erfüllung gehen. Sie können sich auf Grundbedürfnisse verschiedener Formen beziehen oder auch auf soziale Bedürfnisse. Wünsche können von Person zu Person unterschiedlich und sehr einfach, aber auch sehr komplex sein. Doch wie entwickeln sich Wünsche und was macht einen Wunsch eigentlich aus? Handeln wir immer so, wie wir uns es wünschen? Haben wir immer freie Entscheidungsgewalt und handeln nach unserem ausdrücklichen Willen, wenn wir handeln? Der Philosoph Harry G. Frankfurt hat sich damit auseinandergesetzt und in meiner Hausarbeit werde ich darauf eingehen, wie Frankfurts Gedanken zu diesem Thema aussehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zur Person
Wünsche erster und zweiter Ordnung
Volitionen zweiter Stufe
Willensfreiheit unter Frankfurt
Der Begriff der Person
Triebhafte Wesen
Unterschied zwischen Handlungs- und Willensfreiheit
Willensfreiheit
Moralische Verantwortlichkeit
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den Begriff der Willensfreiheit auf Grundlage der philosophischen Schriften von Harry G. Frankfurt. Das primäre Ziel ist es, Frankfurts hierarchisches Wunschmodell zu erläutern und zu untersuchen, wie sich durch die Unterscheidung zwischen Wünschen erster und zweiter Ordnung sowie durch Volitionen zweiter Stufe ein freier Wille formen lässt, der eine moralische Verantwortlichkeit begründet.
- Struktur und Hierarchie menschlicher Wünsche
- Die Differenzierung zwischen Wunsch und Wille
- Abgrenzung von Handlungsfreiheit und Willensfreiheit
- Die philosophische Definition des Personenbegriffs
- Zusammenhang zwischen freiem Willen und moralischer Verantwortung
Auszug aus dem Buch
Willensfreiheit
Frankfurt leitet erneut mit dem Unterschied zwischen Mensch und Tier in die Thematik ein. So „ist die Freiheit zu tun, was man möchte, keine hinreichende Bedingung für einen freien Willen“, da wir auch sehen können, wie Tiere sich frei entscheiden, in welche Richtung sie laufen möchten. Zu entscheiden, was wir tun, ist für Frankfurt keine notwendige Bedingung in Hinsicht auf einen freien Willen. Wie ich schon im vorherigen Punkt angedeutet habe, bedeutet im Handeln eingeschränkt zu sein nicht, dass auch der Wille einer Person eingeschränkt ist. Auch jemand, der seiner Handlungsfreiheit beraubt wurde, ist weiterhin in der Lage einen freien Willen zu bilden, auch wenn es nicht möglich ist diesen Willen in eine Handlung umzusetzen. Getreu dem Motto „die Gedanken sind frei“ ist es nicht möglich uns derer zu berauben, auch wenn wir möglicherweise in unserer Handlungsfreiheit behindert werden. Die Willensfreiheit bezieht sich darauf, ob der Wille den eine Person hat, auch der Wille ist, den diese Person haben möchte. Hier ähneln sich die Handlungs- und die Willensfreiheit. Jemand ist in seiner Handlung frei, sofern er so handelt, wie er handeln möchte, während jemand in seinem Willen frei ist, sofern er den Willen hat, den er haben möchte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hinführung zur Fragestellung der Willensfreiheit und Vorstellung der methodischen Grundlage anhand der Texte von Harry G. Frankfurt.
Zur Person: Kurze biografische Skizze des Philosophen Harry Gordon Frankfurt und Einordnung seiner Schwerpunkte in der Handlungstheorie.
Wünsche erster und zweiter Ordnung: Einführung in die hierarchische Struktur von Wünschen, die zwischen einfachen Antrieben und reflektierten Wünschen unterscheidet.
Volitionen zweiter Stufe: Erläuterung der Volitionen als handlungswirksame Wünsche zweiter Stufe, die den eigentlichen Willen einer Person ausmachen.
Willensfreiheit unter Frankfurt: Untersuchung der Bedingungen, unter denen ein Wille als frei betrachtet werden kann, einschließlich der Abgrenzung zu anderen Wesen.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Frankfurtschen Theorie sowie kritische Einordnung des hierarchischen Wunschmodells.
Schlüsselwörter
Willensfreiheit, Handlungsfreiheit, Harry G. Frankfurt, Volitionen, Wünsche zweiter Ordnung, Person, Moralische Verantwortlichkeit, Wantons, Handlungstheorie, Triebhafte Wesen, Wunschhierarchie, Selbstbestimmung, Autonomie, Wille.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Willensfreiheit anhand der philosophischen Überlegungen von Harry G. Frankfurt, insbesondere unter dem Fokus auf die Identifikation mit eigenen Wünschen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Hierarchie von Wünschen, die Definition einer "Person", den Unterschied zwischen Handlungs- und Willensfreiheit sowie die Voraussetzungen für moralische Verantwortlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erläuterung von Frankfurts Theorie, um zu zeigen, dass Willensfreiheit nicht bloßes Handeln nach Belieben, sondern das Wollen dessen ist, was man wollen möchte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf den primären Schriften von Harry G. Frankfurt sowie ergänzender Sekundärliteratur zur Handlungstheorie basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Vordergrund?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Unterscheidung zwischen Wünschen erster und zweiter Stufe, die Etablierung des Personenbegriffs und die Entkopplung von Handlungs- und Willensfreiheit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind die Willenshierarchie, Volitionen zweiter Stufe, die Abgrenzung von "wantons" und das Prinzip der moralischen Verantwortung.
Wie definiert Frankfurt den Unterschied zwischen Mensch und Tier?
Der Unterschied liegt laut Frankfurt in der Fähigkeit des Menschen, Wünsche zweiter Stufe zu bilden, während Tiere lediglich triebhaft nach ihren Wünschen erster Ordnung handeln.
Warum kann jemand moralisch verantwortlich sein, obwohl er nicht anders hätte handeln können?
Frankfurt argumentiert, dass moralische Verantwortung an der Identifikation mit dem eigenen Willen hängt; wenn eine Person aus eigenem Antrieb so handelt, wie sie ohnehin wollte, bleibt sie verantwortlich, unabhängig von Alternativmöglichkeiten.
- Quote paper
- Andreas Köhler (Author), 2013, Begriff des freien Willens und der moralischen Verantwortlichkeit. Willensfreiheit in Harry Frankfurts Aufsätzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379828