Das Paradox von einem offenem Raumeindruck innerhalb der geschlossenen räumlichen Einheit eines singulären Wohnobjektes, aber auch die optische Transparenz sowie die architektonisch strukturierte Separation funktional unterschiedlicher Wohnareale wird in der programmatischen Zusammenstellung der Case Study Houses variantenreich thematisiert und regional geplant sowie ausgeführt. In Anlehnung an den Begriff der „case studies“ sollen im Folgenden generelle Prinzipien in Hinsicht auf die raum- und materialästhetischen Besonderheiten sowie Ähnlichkeiten abgeleitet werden.
Durch die untersuchende Betrachtung der Gesamtheit der Fallstudien-Häuser ebenso wie der exemplarischen Einzelbetrachtung der gestalterisch variablen und zugleich konstruktiv ähnlichen Haustypen soll der Dualismus von subjektivierender Gestaltung und objektivierender Standardisierung erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. CSH Program: Individueller Entwurf und standardisierte Konstruktion
2. Formale Ähnlichkeiten der singulären Modellhäuser
2.1 Die Siedlungsbauten ohne Siedlung
2.2 Ein Model zur strukturellen Raumgliederung
3. Die modellhafte Idee der Modellhäuser
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das CSH Program (1945–1966) als architektonisches und mediales Experiment. Ziel ist es, den Dualismus zwischen standardisierter industrieller Fertigung und individueller Gestaltung zu analysieren und zu hinterfragen, inwieweit die Modellhäuser tatsächlich als Siedlungseinheiten funktionierten oder ob ihre Wahrnehmung primär durch die publizistische Aufbereitung in der Fachzeitschrift "Arts & Architecture" geprägt wurde.
- Die Spannung zwischen industrieller Vorfertigung und individuellem Wohnentwurf
- Die Rolle der medialen Inszenierung durch Architekturfotografie und Publikation
- Vergleich der räumlichen Konzeptionen mit europäischen Beispielen wie der Weißenhofsiedlung
- Die soziologische Bedeutung funktionaler Raumgliederung, insbesondere am Beispiel der Küche
- Die Autonomie der Bauten versus den utopischen Anspruch eines Siedlungsmodells
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Siedlungsbauten ohne Siedlung
Im Folgenden soll die Ambivalenz charakteristisch einzelner und genereller Prinzipien anhand der ästhetischen und funktionalen Raumgestaltungen erörtert werden. Durch die vergleichende Beschreibung von ausgewählten Untersuchungswerken - zumal eine ausgiebige Analyse aller Fallstudien-Häuser den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde - sollen einerseits ein repräsentativer Querschnitt durch das Gebäudeprogramm und andererseits die spezifischen Eigenarten der Studienobjekte veranschaulicht werden. Die Case Study Houses sollen dadurch als die Zusammensetzung einzelner architektonischer Ideen im Hinblick auf ihr rezeptionsästhetisches Zusammenwirken verstanden werden.
Ein Aufsatz aus dem von Smith herausgegebenen Ausstellungskatalog Blueprints for Modern Living ist von Dolores Hayden - einer Professorin für Architektur, Urbanistik und Amerikanistik an der Yale University. Dieser trägt den etwas ironischen Titel Model Houses for the Millions als Verweis auf die Ambivalenz einer standardisierten Konstruktion und Materialität bei den Hauskonzeptionen, die als prototypische Querschnittmodelle der kalifornischen Hausnutzung der Nachkriegsgesellschaft entworfen werden sollten, aber gleichzeitig keiner kollektiven, sondern einer individuellen Konzeption in Form und Funktion unterliegen sollten - also eine stilistische Modularität und eine individuelle Funktionalität in der Raumgestaltung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. CSH Program: Individueller Entwurf und standardisierte Konstruktion: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Case Study Houses ein und erörtert den Dualismus von subjektiver Gestaltung und objektiver Standardisierung im kalifornischen Kontext.
2. Formale Ähnlichkeiten der singulären Modellhäuser: Hier werden die baulichen Gemeinsamkeiten der Häuser sowie ihre städtebauliche (Nicht-)Einbindung analysiert, inklusive einer Untersuchung der soziologischen Raumaufteilung.
2.1 Die Siedlungsbauten ohne Siedlung: Der Fokus liegt auf der Diskrepanz zwischen der beworbenen Siedlungsidee und der tatsächlichen, singulären Natur der architektonischen Entwürfe.
2.2 Ein Model zur strukturellen Raumgliederung: Dieser Abschnitt beleuchtet anhand der Küche als Arbeitsraum die soziale und funktionale Raumkonzeption innerhalb der Modellhäuser.
3. Die modellhafte Idee der Modellhäuser: Das Fazit betrachtet das Programm als utopisches Konstrukt, das seine Beständigkeit weniger in der Realität als im medialen Archiv der Fachzeitschrift findet.
Schlüsselwörter
Case Study Houses, CSH Program, Arts & Architecture, Kalifonische Nachkriegsmoderne, Raumkonzeption, Standardisierung, Industrielle Fertigung, Wohnkultur, Architekturfotografie, Julius Shulman, Raumgliederung, Siedlungsbau, Soziologische Raumnutzung, Moderne Architektur, Mediale Inszenierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das zwischen 1945 und 1966 in den USA durchgeführte CSH Program und untersucht dessen architektonische sowie gesellschaftliche Auswirkungen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der standardisierten Konstruktion, die mediale Vermittlung durch Fachzeitschriften und die soziologische Betrachtung der Raumgestaltung in Wohnbauten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit hinterfragt, ob die Case Study Houses als kohärentes Siedlungsprojekt zu verstehen sind oder ob sie lediglich auf der medialen Ebene ein einheitliches architektonisches Programm bilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es wird eine strukturanalytische Methode verwendet, die durch den Vergleich ausgewählter Fallstudien und die rezeptionsästhetische Betrachtung der publizierten Darstellungen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse formaler Ähnlichkeiten, der Untersuchung von Siedlungsstrukturen und einer detaillierten Betrachtung funktionaler Raumeinheiten, insbesondere der Küche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen Case Study Houses, Standardisierung, Architekturfotografie, Raumkonzeption und die kalifornische Nachkriegsmoderne.
Welche Rolle spielt das Magazin "Arts & Architecture" für das Programm?
Das Magazin fungierte nicht nur als publizistisches Sprachrohr, sondern als aktiver Initiator und "Archiv-Ebene", die den Häusern erst ihre konzeptionelle Einheit verlieh.
Wie unterscheidet sich das Programm von europäischen Siedlungsmodellen wie der Weißenhofsiedlung?
Während europäische Siedlungen wie die Weißenhofsiedlung eine städtebauliche Einheit propagierten, sind die kalifornischen Case Study Houses als singuläre, architektonisch autonome Einzelobjekte konzipiert.
Wie wird die Rolle der Frau in den Entwürfen der Case Study Houses thematisiert?
Die Autorin untersucht, wie die Raumplanung der Häuser – etwa durch die Platzierung und Gestaltung der Küche – spezifische, stereotype Geschlechterrollen und deren häusliche Tätigkeitsbereiche widerspiegelt.
- Arbeit zitieren
- Paul Breuer (Autor:in), 2017, The CSH Program. Die modellhafte Idee der Case Study Houses (1945 - 1966 Kalifornien, Arizona), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379703