Die Arbeit setzt sich mit dem Konzept der Akkommodation nach Hans-Heino Ewers auseinander. Sie geht dabei auf die intertextuelle Beziehung zwischen dem kinderliterarischen Text „Hexe Lilli in Lilliput“ und „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift ein.
Untersucht werden dabei die Übernahmen, die man der Kinderliteratur zuschreiben kann und die auch als explizit auf den kindlichen Leser angepasst gelten. Welche Prozesse der Akkommodation im Einzelnen vorliegen und ob diese schlussendlich eine gelungene Kind- und Jugendgemäßheit darstellen, soll eingehend untersucht und herausgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Verhältnis von Weltliteratur und Kinderliteratur
2. Kind- und Jugendgemäßheit
3. Akkommodation
3.1 Paratextuelle Akkommodation
3.2 Sprachliche Akkommodation
3.3 Stilistische Akkommodation
3.4 Formale/Strukturelle Akkommodation
3.5 Stoffliche/Inhaltliche Akkommodation
3.6 Thematische Akkommodation
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Prozesse der Akkommodation nach Hans-Heino Ewers, um zu analysieren, wie weltliterarische Klassiker wie „Gullivers Reisen“ für ein kindliches Publikum adaptiert werden und ob dabei eine gelungene Kind- und Jugendgemäßheit hergestellt wird.
- Analyse des Verhältnisses zwischen Weltliteratur und Kinderliteratur
- Definition und Dimensionen der Kind- und Jugendgemäßheit
- Untersuchung der Akkommodationsprozesse (paratextuell, sprachlich, stilistisch, formal, inhaltlich, thematisch)
- Vergleichende Analyse zwischen dem Prätext „Gullivers Reisen“ und dem Kinderbuch „Hexe Lilli in Lilliput“
- Bewertung der literarischen Qualität und der Vermittlung von Literatur an Kinder
Auszug aus dem Buch
3.2 Sprachliche Akkommodation
Als sprachliche Akkommodation bezeichnet man die Anpassung der sprachlichen Ausdrucksmittel an die sprachliche Kompetenz der kindlichen Leser. Die sprachliche Anpassung lässt sich in vier Unterkategorien gliedern: die Morphologie, die Syntax, die Redeformen und die Semantik. In der vorliegenden Arbeit soll ein besonderer Wert auf die Syntax und die Semantik gelegt werden, da diese ausschlaggebend für die sprachliche Akkommodation in „Hexe Lilli in Lilliput“ sind.
Betrachtet man nun das Werk von Knister unter dem Gesichtspunkt der Syntax, so fällt auf, dass es sich um sehr kurz gehaltene Sätze handelt, die der kindlichen Leserschaft durchaus entgegenkommen. Anhand eines Zufallsprinzips wurden für die vorliegende Arbeit 30 Sätze ausgewählt und es wurde jeweils der Durchschnitt der Satzlängen bestimmt. Es lässt sich ein enormer Unterschied der Syntaxlänge erkennen. Während der Klassiker von Swift eine durchschnittliche Satzlänge von 20,4 Wörtern aufweist, enthält das Kinderbuch durchschnittlich gerade einmal 6,25 Wörter pro Satz. Besonders deutlich wird es im folgenden Abschnitt: „Sie ist so ungeduldig. Sie hat so ein Reisefieber. Sie kann es kaum erwarten.“
Hier reiht Knister lediglich drei sehr kurz gehaltene Sätze, die den gleichen Aufbau zeigen, aneinander. Sie kommen dem kindlichen Leseverständnis und dem kindlichen Lesevermögen sehr entgegen und lassen sich als sprachliche Akkommodation bezeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Verhältnis von Weltliteratur und Kinderliteratur: Das Kapitel thematisiert die Verbindung zwischen Klassikern der Erwachsenenliteratur und dem Kinderbuchsystem, wobei Anpassungsprozesse zur Herstellung von Kind- und Jugendgemäßheit im Zentrum stehen.
2. Kind- und Jugendgemäßheit: Hier werden die zentralen Dimensionen der Textverständlichkeit und Textattraktivität erläutert, die definieren, wie ein Text auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten kindlicher Leser abgestimmt wird.
3. Akkommodation: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Akkommodation als Instrument der kinderliterarischen Anpassung und gliedert ihn in sechs spezifische Ebenen.
3.1 Paratextuelle Akkommodation: Es wird untersucht, wie Gestaltungselemente wie Titelgebung, Einband und Typografie genutzt werden, um das Werk für Kinder attraktiv und zugänglich zu machen.
3.2 Sprachliche Akkommodation: Die Analyse konzentriert sich auf die Anpassung von Syntax und Semantik an den kindlichen Wortschatz und die kognitiven Fähigkeiten der Zielgruppe.
3.3 Stilistische Akkommodation: Dieses Kapitel behandelt die Erweiterung des Stilrepertoirs, insbesondere durch die Integration kindgerechter Alltagssprache und Ausdrucksformen.
3.4 Formale/Strukturelle Akkommodation: Hier wird analysiert, wie die Handlungsstruktur und das Figurenensemble modifiziert wurden, um die Komplexität des Klassikers zu reduzieren und Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen.
3.5 Stoffliche/Inhaltliche Akkommodation: Der Fokus liegt auf der Anpassung des Stoffrepertoires, um Vertrautheit zu erzeugen und die Aufmerksamkeit der kindlichen Leser zu gewinnen.
3.6 Thematische Akkommodation: Es wird dargelegt, wie die ursprüngliche Thematik durch kindgerechte Aspekte wie Phantasie und pädagogische Elemente ergänzt oder modifiziert wird.
4. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengefasst, wobei bestätigt wird, dass Knisters Werk trotz der starken intertextuellen Bezüge eine gelungene, eigenständige kindgerechte Anpassung darstellt.
Schlüsselwörter
Akkommodation, Kind- und Jugendgemäßheit, Kinderliteratur, Weltliteratur, Gullivers Reisen, Hexe Lilli in Lilliput, Literaturadaption, Hans-Heino Ewers, Textverständlichkeit, Textattraktivität, Literaturvermittlung, Doppeladressierung, Intertextualität, Stoffrepertoire, Lesemotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie weltliterarische Stoffe durch verschiedene Akkommodationsprozesse in Kinderbücher überführt werden, um sie an die spezifischen Bedürfnisse junger Leser anzupassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Akkommodation, die Dimensionen der Kind- und Jugendgemäßheit sowie die vergleichende Analyse von paratextuellen, sprachlichen, formalen und inhaltlichen Anpassungsmerkmalen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, am Beispiel von Swifts „Gullivers Reisen“ und Knisters „Hexe Lilli in Lilliput“ aufzuzeigen, wie durch gezielte Akkommodation eine gelungene Brücke zwischen anspruchsvoller Literatur und kindgerechter Aufbereitung geschlagen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich auf das Modell der Akkommodation nach Hans-Heino Ewers stützt und diese auf die gewählten Primärtexte anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in sechs Kapitel, die die Akkommodation in den Bereichen Paratext, Sprache, Stil, Struktur, Inhalt und Thematik detailliert anhand der Beispielwerke analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Akkommodation, Kind- und Jugendgemäßheit, Literaturadaption und Intertextualität definieren.
Welche Rolle spielt die „Hexe Lilli“ in dieser Analyse?
Hexe Lilli dient als konkretes Beispiel für eine Identifikationsfigur, deren Einbettung in das Setting von Lilliput die verschiedenen Ebenen der Akkommodation verdeutlicht.
Warum wird der Begriff „Akkommodation“ anstelle von „Adaption“ verwendet?
Der Autor stützt sich auf Hans-Heino Ewers, um sich vom belasteten Begriff der Adaption abzugrenzen und den Fokus gezielt auf die Anpassung an die kindliche Erfahrungswelt und Interessen zu legen.
- Quote paper
- Anna Dückerhoff (Author), 2017, "Gullivers Reisen" für Kinder. Kindgemäßheit durch Akkommodation in "Hexe Lilli in Lilliput", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379429