Indien bildete einen Machtfaktor während der Ära des europäischen Kolonialismus. Wer Indien beherrschte, regierte über ein Fünftel der damaligen Weltbevölkerung. Nicht nur die menschlichen Ressourcen in Form von gewaltigen Armeen und Bauern standen zur Verfügung. Das Eldorado fanden die Briten nicht in Form von verborgenem Gold in den Dschungeln von Südamerika, sondern in Indien mit seinen riesigen Mengen an Menschen und Land, das den solange herbeigesehnten finanziellen und steuerlichen Segen bringen würde. Die Grossmächte rissen sich um dieses Potenzial.
Die Portugiesen waren die ersten, die Handelsschiffe zur Neuentdeckung von Land und zu Gründungen von Kolonien rüsteten. Die Spanier wollten kürzere Handelsrouten nach Indien finden und entdeckten durch Zufall Amerika. Die Holländer verwalteten bereits dutzende von befestigten Anlagen in Indien und die Franzosen hatten sich durch geschickte Politik grossen Einfluss in Indien erarbeitet. Den unbedeutenden Briten der East India Company schenkte man keine Beachtung.
Welche Umstände ermöglichten der englischen East-India-Company aber ab Mitte des 18. Jahrhunderts de facto eine Alleinherrschaft auf dem indischen Subkontinent zu etablieren? Wie konnten sie sich als Aussenseiter gegen die mächtigeren portugiesischen, holländischen und französischen Indien-Gesellschaften behaupten? Welche historischen Prozesse führten schliesslich dazu, dass die Company zur indischen Territorialmacht aufstieg?
Wie wirkte die duale Funktion eines profitorientierten Handelsunternehmens und eines expansiven militärischen Verwaltungsapparates auf die Struktur der Company aus und wie prägte die Bürde der Diwani den späteren Verlauf der Company?
Ich habe meine Arbeit in drei Teile geteilt. Im ersten Teil gehe ich auf die Geschichte des Mogulreiches ein und wie es zerfiel. Im zweiten Teil gehe ich auf die Handelsaktivitäten der East India Company ein, wie sie sich gegen die mächtigen Handelsrivalen hatte durchsetzen können und wie sie den Aufstieg zur Territorialmacht gemeistert hatte. Im dritten Teil untersuche ich, welche Auswirkungen der Aufstieg zur Territorialmacht auf die Company und seine Umgebung zur Folge hatte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Indien, ein Land fremder Invasoren
2. Indien, der Tumultplatz europäischer Kolonialmächte
2.1 Die Briten als Aussenseiter in Indien
2.2 Der Krieg mit den Franzosen
3.3 Der Aufstieg der Briten zur Territorialmacht
3.1 Britische Dominanz dank französischem Modell
3.2 Kalkuttas Wohlstand
3.3 Die Schlacht von Plassey
3.4 Die Übernahme der Diwani von Bengalen
4. Britische Herrschaft in Indien
4.1 Der Machtzuwachs der East India Company
4.2 Wirtschaftliche Veränderungen in Bengalen
4.3 Die Militarisierung der Company
4.4 Warren Hastings
4.5 Eine überforderte Handelsgesellschaft
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie die East India Company im 18. Jahrhundert den Wandel von einer rein profitorientierten Handelsgesellschaft zu einer expansiven indischen Territorialmacht vollzog und welche historischen Prozesse sowie internen strukturellen Widersprüche diesen Aufstieg begleiteten.
- Zerfall des Mogulreiches und Machtvakuum in Indien
- Wettbewerb zwischen den europäischen Kolonialmächten
- Strategische Nutzung militärischer und politischer Bündnisse
- Duale Rolle der East India Company als Handelsmacht und Verwaltungsapparat
- Folgen der Machtübernahme für die wirtschaftliche Struktur Bengalens
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Schlacht von Plassey
Die Streitigkeiten mit Siraj-ud-Daulah boten für den mittlerweile zum General beförderten Robert Clive, der durch die Franzosenkrieg Berühmtheit erlangt hatte, eine einmalige Chance, seinen Ruhm zu vergrössern. Sechs Monate nach der Einnahme Kalkuttas durch Siraj-ud Daulah erreichte das 1600 Mann starke Heer unter der Führung von Robert Clive die Ortschaft von Plassey, um Kalkutta wieder einzunehmen und den Nawab ein für alle mal zu besiegen. Das kleine Strafexpeditionsheer von Clive sah sich aber einer Übermacht von 50'000 Soldaten des Nawabs von Bengalen gegenüber. In der Schlacht von Plassey 1758 errangen die Briten schliesslich einen klaren Sieg über Siraj-Ud-Daulahs Streitkräfte, der floh und später gefangen und von der örtlichen Lynchjustiz hingerichtet wurde.
Der Sieg basierte nicht so fest auf gekonntes militärisches Geschick der Briten, sondern mehr auf der Tatsache, dass bestimmte Truppeneinheiten dem Nawab die Kampfbeteiligung verweigerten. Vor der Schlacht hatten die Briten zahlreiche Allianzen mit den örtlichen Potentaten Bengalens geschmiedet, die die drückende Steuerlast des Nawabs beklagten und ihre traditionellen Handelsprivilegien nicht aufgeben wollten. Aufgrund dieser Beschwerden wandten sich die verschiedenen Rajas und Maharajas in der Schlacht von Plassey von ihrem Nawab Siraj-ud Daulah ab und lieferten damit die Voraussetzung für den Sieg. Es waren die geschmiedeten Allianzen und die gehörigen Summen an Bestechungsgeldern, die den Briten ihren Sieg bescherten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die Rolle Indiens im kolonialen Mächtekonzert und stellt die Forschungsfrage nach den Umständen, die den Aufstieg der East India Company ermöglichten.
1. Indien, ein Land fremder Invasoren: Analysiert das historische Muster ständiger Invasionszyklen und den Zerfall des Mogulimperiums nach dem Tod von Aurangzeb.
2. Indien, der Tumultplatz europäischer Kolonialmächte: Beschreibt die Ausgangslage der East India Company als Außenseiter zwischen den mächtigeren portugiesischen, holländischen und französischen Handelsmächten.
3.3 Der Aufstieg der Briten zur Territorialmacht: Beleuchtet die Transformation durch den Siebenjährigen Krieg, die Übernahme militärischer Modelle von Rivalen und die strategische Bedeutung der Schlacht von Plassey.
4. Britische Herrschaft in Indien: Untersucht die Etablierung des "Military-fiscal-state" und die strukturellen Probleme der Company bei der Verwaltung indischer Territorien.
Fazit: Resümiert den historischen Prozess, in dem die Company an ihrer dualen Belastung als Handelsunternehmen und Territorialverwaltung zerbrach, während sie gleichzeitig das Fundament für das Empire legte.
Schlüsselwörter
East India Company, Indien, Kolonialismus, Mogulreich, Territorialmacht, Schlacht von Plassey, Diwani, Robert Clive, Warren Hastings, Handelsgesellschaft, Militarisierung, Bengalen, Sepoy-Einheiten, Strukturwandel, Weltwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Aufstieg der East India Company von einem kleinen Handelsunternehmen zu einer dominanten politischen und territorialen Macht auf dem indischen Subkontinent während des 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der kolonialen Expansionspolitik, der militärischen Umstrukturierung der Company, den wirtschaftlichen Auswirkungen der Diwani-Vergabe auf Bengalen sowie der kritischen Rolle von Akteuren wie Robert Clive und Warren Hastings.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die historischen Prozesse und Umstände zu ergründen, die den Erfolg der Briten gegen übermächtige indische Fürsten und europäische Konkurrenten ermöglichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung primärer und sekundärer Quellen zur Wirtschafts- und Kolonialgeschichte Indiens basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Zerfall des Mogulreichs, die militärischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, die strategische Allianzbildung und die Herausforderungen der Verwaltung eines "Military-fiscal-state".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören East India Company, Territorialmacht, Diwani, Militarisierung, Korruption und kolonialer Fiskalstaat.
Warum war der Sieg bei Plassey für die Briten so entscheidend?
Plassey markierte den Wendepunkt, an dem die Briten durch Allianzen mit indischen Eliten und Bestechung eine militärische Übermacht besiegten, was den Weg zur späteren Kontrolle Bengalens ebnete.
Welche Rolle spielte Warren Hastings in diesem Prozess?
Hastings als erster Generalgouverneur professionalisierte das Beamtenwesen, trieb die militärische Expansion voran, wurde aber auch zum Symbol für die Korruption und die moralische Krise der Company.
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- Student Robert Gregorio Lukacs (Author), 2016, Der Aufstieg der East-India-Company zur Territorialmacht und die Bürde der Diwani von Bengalen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/377068